Mit den anstehenden verlängerten Feiertagswochenenden ist es höchste Zeit, euch von unserem Abstecher in die vielerorts als «Alpenmetropole» bezeichnete französische Stadt Grenoble zu berichten. Die Bezeichnung kommt nicht von ungefähr: Umgeben von den Gebirgsmassiven Vercors, Chartreuse und Belledonne ist Grenoble von einem beeindruckenden Bergpanorama eingerahmt. Gleichzeitig ist die Stadt grün, jugendlich und – so zumindest mein Eindruck – auch ein wenig verschlafen. Eigentlich die perfekte Mischung, um sich auf Entdeckungstour zu begeben, ohne ständig das Gefühl zu haben, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen zu müssen.
Die Sehenswürdigkeiten von Grenoble im Überblick
Mit rund 160’000 Einwohner/-innen ist Grenoble zwar die grösste Stadt im französischen Teil der Alpen, aber dennoch vergleichsweise kompakt. Die Alpenmetropole vereint auf kleinem Raum aber eine überraschend vielfältige Auswahl an Sehenswürdigkeiten – vom Wahrzeichen der Stadt, der Bastille mit ihrem eindrücklichen Ausblick, über die charmanten Gassen des Quartier Saint Laurent bis hin zu renommierten Museen und einer lebendigen Street-Art-Szene. Gleichzeitig bieten weitläufige Parkanlagen und die Ufer der Isère auch Raum für entspannte Spaziergänge. Nachfolgend habe ich euch unsere Tipps vom dreitägigen Abstecher nach Grenoble und Umgebung zusammengestellt.
Meine 9 Tipps für deinen Weekendtrip nach Grenoble
1. Durch die Altstadt von Grenoble bummeln
Die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen rund um die Place Grenette und die Place aux Herbes liegt rund 20 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Auf dem Weg dorthin bekommt man bereits einen ersten Eindruck von den vielen Facetten dieser Stadt. Mancherorts sorgen abrupte Stilbrüche für den Eindruck, Grenoble sei im grossen Stil wiederaufgebaut worden. Tatsächlich liegt das aber weniger an Zerstörungen. Von solchen blieb die Stadt während ihrer fast 2’000-jährigen Geschichte weitgehend verschont. Vielmehr sind die Olympischen Winterspiele von 1968 dafür verantwortlich, die ein umfassendes Modernisierungsprogramm auslösten und deren bauliche Auswirkungen das Stadtbild bis heute prägen.
Heute gilt Grenoble übrigens als Vorreiterin in Sachen nachhaltige Mobilität. Als erste Stadt Frankreichs hat sie bereits 2005 einen Klimaplan verabschiedet. Dank des konsequenten Ausbaus des Velonetzes und der Tramlinien sowie der Verkehrsberuhigung der Innenstadt gelang es innerhalb von zehn Jahren, die Treibhausgasemissionen um ein Viertel zu senken. Bis 2050 sollen sie halbiert werden. Im Jahr 2022 wurden diese Anstrengungen mit der Auszeichnung als Europäische Grüne Hauptstadt gewürdigt.
Ein architektonisches Highlight aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts ist der Tour Perret im Parc Paul Mistral. Er wurde 1924 nach Plänen des Architekten Auguste Perret errichtet und gilt als erster Turm Europas, der vollständig aus Stahlbeton konstruiert wurde. Wer sich noch an meinen Le-Havre-Blogbeitrag erinnert, kann sich vielleicht denken, weshalb ich mir diese Sehenswürdigkeit nicht entgehen liess.




2. Eine self-guided Street Art Tour unternehmen
Grenoble hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Hotspot für Street Art entwickelt. Über die ganze Stadt verteilt finden sich inzwischen mehr als 200 grossflächige Murals und kreative Interventionen im öffentlichen Raum. Besonders spannend ist, dass viele dieser Werke im Rahmen eines jährlich stattfindenden Street-Art-Festivals entstehen, das jeweils zwischen Ende Mai und Anfang Juni durchgeführt wird.

Gut zu wissen: Auf dieser Google My Maps Karte sind die Werke verortet und bieten dir eine ideale Grundlage für einen ausgedehnten Street-Art-Rundgang durch die Innenstadt. Mehr Informationen zum Street Art Festival findest du hier: Street Art Fest
3. Mehr als eine Kaffee-Pause einplanen
Bei unserem Abstecher nach Grenoble erwischten wir leider eher durchzogenes, teils garstiges Wetter und verbrachten deshalb mehr Zeit als üblich in Cafés. Zum Glück kann sich die Kaffeeszene in Grenoble absolut sehen lassen. Zu unseren Favoriten zählen das Tower Coffee, das Hono Coffee House und der Bom Coffee Shop – alle drei liegen zentral in der Innenstadt.




4. Von der Bastille auf Grenoble runtergucken
Auch bei unserem Abstecher auf die Bastille war uns kein Wetterglück vergönnt. Um zur fast 500 Höhenmeter über der Stadt thronenden Festung zu gelangen, empfiehlt sich eine Fahrt mit den ikonischen «Bulles». Seit 1934 führt die Gondelbahn vom Ufer der Isère hinauf zur Bastille und zählt damit zu den ältesten städtischen Seilbahnen der Welt. Oben angekommen wird man mit einem eindrücklichen Panorama über die Stadt und die umliegenden Berge belohnt – selbst bei grauem Himmel.




Gut zu wissen: Die Seilbahn ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag in Betrieb. Die Betriebszeiten variieren je nach Wochentag und Wetter. Am besten konsultiert ihr im Vorfeld die Website der Bastille Grenoble.
5. Das Quartier Saint Laurent erkunden
Direkt unterhalb der Bastille, auf der nördlichen Seite der Isère, liegt das Quartier Saint-Laurent, eines der ältesten Viertel der Stadt. Wenn man der Rue Saint-Laurent entlangschlendert, könnte man fast meinen, man sei in Norditalien gelandet. Hier erwarten dich historische Gebäude sowie viele kleine Restaurants und Cafés (viele davon mit guten Bewertungen, wir haben jedoch keines ausprobiert).
Am Ende der Rue Saint-Laurent, auf Höhe der Pont de Chartreuse, befindet sich zudem das Musée archéologique Saint-Laurent an einem der ältesten Punkte der Stadt. Das Museum ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht, die über einer gallo-römischen Nekropole erbaut wurde, und zeigt die Entwicklung des Ortes von der Antike bis heute.


6. Mindestens einem Kunstmuseum einen Besuch abstatten
Mit dem Musée de Grenoble und dem Kunstzentrum Le Magasin bietet Grenoble kunstinteressierten Personen eine durchaus veritable Palette an interessanten Ausstellungen.
Das 1798 gegründete Musée de Grenoble gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Frankreichs und ist insbesondere für seine umfassende und prestigeträchtige Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst bekannt. Aber auch unter den wechselnden Ausstellungen finden sich immer wieder Highlights mit internationaler Ausstrahlungskraft. Das Museum befindet sich seit den frühen 1990er-Jahren in einem modernen Gebäude am Place de Lavalette, direkt gegenüber vom Quartier Saint Laurent. Ein Besuch hier lohnt sich definitiv. Rund um das Museum können auf der Esplanade François-Mitterrand und im Parc Albert-Michallon zudem rund 15 moderne Skulpturen besichtigt werden.
Gut zu wissen: Das Musée de Grenoble hat von Mittwoch bis Montag täglich von 10:00 Uhr bis 18:30 geöffnet (Dienstag ist Ruhetag). Weitere Informationen findet ihr hier: Musée de Grenoble


Westlich des Bahnhofs, am Ufer der Drac, dem zweiten Fluss, der durch Grenoble fliesst, befindet sich «Le Magasin». Das Zentrum für zeitgenössische Kunst (CNAC) ist auf einem ehemaligen Industrieareal untergebracht, und ein Abstecher dorthin lohnt sich meiner Meinung nach schon allein, um die eindrücklichen Ausstellungsräumlichkeiten anzuschauen.
Gut zu wissen: Das Le Magasin hat von Mittwoch bis Sonntag täglich von 11:00 Uhr bis 19:00 geöffnet (Montag und Dienstag geschlossen). Weitere Informationen findet ihr hier: Magasin CNAC


7. Mehr über die bewegte Stadtgeschichte erfahren
Geschichtsinteressierte sollten sich den Besuch des Musée de la Résistance et de la Déportation an der Rue Hébert nicht entgehen lassen. Das Museum widmet sich der Geschichte der französischen Résistance, insbesondere in der Region rund um Grenoble. Anhand von Fotos, Filmen, Zeitdokumenten und persönlichen Gegenständen wird eindrücklich aufgezeigt, wie Widerstand, Repression und die Befreiung im Zweiten Weltkrieg zusammenhingen. Der Besuch lohnt sich, weil das Museum einen vertieften Einblick in die bewegte Geschichte Grenobles bietet. Zudem ist der Eintritt in alle 11 vom Département Isère geführten Museen ganzjährig kostenlos – dieses ist eines davon.

Gut zu wissen: Das Musée de la Résistance et de la Déportation hat von Dienstag bis Sonntag täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet (Montag ist Ruhetag). Weitere Informationen findet ihr hier: Musée de la Résistance et de la Déportation
8. Sich dem savoir-vivre hingeben
In Grenoble selber ist die kulinarische Szene überschaubar und – mal abgesehen von Tipp Nr. 9 – meiner Meinung nach nicht der ausschlaggebende Grund für einen Abstecher nach Grenoble. Hier bietet bspw. das etwas näher bei der Schweiz gelegene Annecy mehr Highlights. Nichtsdestotrotz finden sich auch in Grenoble nette kleine Restaurants und Weinbars, so etwa das Influences Southwest nahe beim Bahnhof, das sich perfekt für einen ausgedehnten Apéro eignet. Und Fans ausgefallener Cocktails sollten sich die Cocktailbar Blind Pig vormerken.



9. Einen kulinarischen Ausflug nach Uriage-les-Bains einplanen
Wie gesagt, für alle Foodies unter euch habe ich dann doch noch einen heissen Tipp in der Umgebung von Grenoble auf Lager; und zwar das Maison Aribert (Partnerlink) in Uriage-les-Bains. Der lokale Spitzenkoch Christophe Aribert hat sich hier einen Traum verwirklicht und im rund 15 Kilometer von Grenoble entfernten Kurort eine einst verlassene Villa aus dem 19. Jahrhundert umfassend renoviert und durch einen modernen, nachhaltig konzipierten Anbau ergänzt.

Heute verbindet das Maison Aribert Spitzenküche mit einem konsequent ökologischen Gesamtkonzept: Gekocht wird mit saisonalen, regionalen Produkten, oft aus dem eigenen Garten oder von Produzent/-innen aus der Umgebung. Wir haben für eine Nacht in einer der insgesamt fünf Suiten eingecheckt und am selben Abend ein hervorragendes Menü im mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant genossen. Definitiv eine Adresse, die man sich für den nächsten kulinarischen Kurztrip vormerken sollte.




Gut zu wissen: Ab der Tramhaltestelle Bibliothèques Universitaires seid ihr mit dem Bus Nr. 23 in 20 Minuten in Uriage-Les-Bains.
Extratipps für deine Reise nach Grenoble
- Wie komme ich am besten nach Grenoble?
Wir sind von Zürich aus mit dem Zug via Genf nach Grenoble gereist. Mit 1x Umsteigen in Genf dauert die Anreise ab Zürich rund 6 Stunden.
- Wann ist die beste Reisezeit für Grenoble?
Die besondere Lage von Grenoble kommt vor allem im Sommerhalbjahr zur Geltung. Ich empfehle daher eine Städtereise zwischen Ende März und Ende Oktober.
- Wie viele Tage sollte ich für Grenoble einplanen?
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lassen sich problemlos an einem Tag erkunden. Wenn du dir zusätzlich Zeit für Museumsbesuche nehmen möchtest, sind zwei Tage ideal. Dank der Lage mitten in den Alpen eignet sich Grenoble zudem hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen in die umliegenden Bergregionen.
- Wo übernachten in Grenoble?
Wir fanden die Hotelauswahl in Grenoble eher bescheiden und haben deshalb gleich zwei Unterkünfte getestet: das Maison Barbillon in unmittelbarer Bahnhofsnähe und das RockyPop im Stadtzentrum (Partnerlinks). Beide waren in Ordnung. Das RockyPop liegt etwas zentraler, um Grenoble gut zu Fuss zu erkunden. Vom Stil her hat uns jedoch das Maison Barbillon etwas besser gefallen. Preislich sind die beiden vergleichbar – in beiden starten die Übernachtungspreise für ein Doppelzimmer ohne Frühstück bei rund 85 CHF.


