Wenn im Baselbiet und im angrenzenden Schwarzbubenland die Kirschbäume blühen, verwandelt sich die Landschaft rund um Nuglar, St. Pantaleon und Büren in ein weisses Blütenmeer. Genau hier verläuft diese abwechslungsreiche Wanderung, die von Liestal mitten durch Streuobstwiesen und über die Jurahöhen bis nach Arlesheim führt.
Unterwegs wechseln sich blühende Obstbäume, aussichtsreiche Höhenwege und ruhige Waldabschnitte ab. Eine vielfältige Frühlingswanderung, deren Länge sich flexibel anpassen lässt.
Von Liestal über die Sichtern nach Nuglar
Wir starten die Wanderung am Bahnhof Liestal. Der umfassende Umbau des Bahnhofs ist zwischenzeitlich abgeschlossen. Wir nutzen die neue nördliche Perronunterführung und folgen der Sichternstrasse, bis wir an der Kreuzung zur Widmannstrasse auf den ersten Wegweiser stossen.
Der Wanderweg führt uns durch ein lauschiges Wohnquartier Richtung Tierpark Weihermättli. Der Wanderweg führt mitten durch die kleine Anlage und steigt dann Richtung Munzach auf. Dieser Ortsteil am Stadtrand von Liestal war einst ein eigenständiges Dorf. Zudem wurde hier in den 1940er-Jahren eine römische Villa entdeckt. Mit einer kurzen Zusatzschlaufe können die am Rande einer Wohnbebauung liegenden Ausgrabungen frei besichtigt werden.
Da wir uns eine ordentliche Distanz vorgenommen haben, verzichten wir auf diesen Abstecher und folgen stattdessen dem Wegweiser direkt in die richtige Richtung bergauf Richtung Sichtern.



Blühende Kirschbäume so weit das Auge reicht
Bereits auf der Lichtung der Sichtern können wir erste blühende Hochstammbäume bewundern. Ein erster Vorgeschmack auf das, was uns nach der Durchquerung des Brunnenbachrains – einem kleinen Täli, das gleichzeitig die Grenze zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn bildet – auf der anderen Seite in der Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon erwarten wird.
Nuglar-St. Pantaleon besitzt eine der schönsten Obstbaumlandschaften der Schweiz. Das ist mit ein Grund, weshalb das Gemeindegebiet als Teil des Gempenplateaus, das wir später noch überqueren werden, im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung erfasst ist.


Durch die Kirschplantagen von Nuglar-St. Pantaleon nach Büren
Unsere Wanderroute führt uns mitten durch den hübschen Ortskern von Nuglar. Bei der Bushaltestelle «Nuglar, Schulhaus» stossen wir auf den mit Holzschildern ausgeschilderten «Chirsiweg». Dieser ist als Rundtour konzipiert und führt mitten durch die eindrückliche Obstbaumlandschaft auf dem Gemeindegebiet von Nuglar-St. Pantaleon. Er lässt sich auch als gemütlicher Sonntagsspaziergang ohne grosse sportliche Ambitionen absolvieren (Zeitbedarf ca. 1.5 bis 2 Stunden).
Unsere Wanderung folgt dem Chirsiweg auf den nächsten rund 1,7 Kilometern hinauf Richtung Herrenberg. Von dort geniesst man einen herrlichen Blick über die Blütenpracht, die sich uns hier Mitte April präsentiert. Aber auch ausserhalb der Blütezeit ist der Blick über die Streuobstwiesen eindrücklich. Mit etwas Glück kann man auf den höher gelegenen Waldlichtungen auch Rehe erspähen.
Bei den Weggabelungen auf Höhe «Rotacker» und «Lochacker» ist etwas Aufmerksamkeit gefordert. Wir bleiben auf dem gelb markierten Wanderweg und folgen nicht den Schildern des Chirsiwegs Richtung St. Pantaleon.








Über den Hobelrank aufs Gempenplateau
Vom Herrenberg nehmen wir die chaussierten Wege bergab in den Ortskern von Büren. Hier lassen wir den Blick ein letztes Mal über die mit Kirschbäumen bestandenen Hänge gleiten. Danach widmen wir uns dem Aufstieg durch den Hobelrank aufs Gempenplateau.
Geologisch ist das Plateau Teil des Tafeljuras und zeichnet sich durch eine vielfältige Landschaft aus. Die gut 250 Höhenmeter vom Ortskern von Büren hinauf aufs Plateau sind konditionell die anstrengendste Partie dieser Wanderung. Einmal oben hat man aber genügend Zeit, durchzuschnaufen. Hier oben verläuft der Routenverlauf der «Via Surprise». Diese Mehrtageswanderung führt in sechs Tagesetappen durch den Solothurner und Baselbieter Jura.
Die Wanderung führt uns nun, der Via Surprise folgend, am Siedlungsrand von Hochwald vorbei über Wald- und Wiesenwege auf der Hochebene nach Gempen.





Zusatzkilometer zur Schartenflue mit Aussicht
Beim Einmarschieren in den Ortskern von Gempen sehen wir, wie das Postauto knapp vor unserer Ankunft bei der Haltestelle durchfährt. Das nächste fährt erst in einer halben Stunde. Bis hierhin haben wir gut drei Stunden benötigt und nun fast 14 Kilometer in den Beinen. Wir beschliessen kurzerhand, die bereits angedachte Verlängerung Richtung Arlesheim definitiv anzugehen. Die erste Bestätigung, dass dies ein guter Entscheid ist, lässt nicht lange auf sich warten.
Oberhalb von Gempen befindet sich die Schartenflue, mit 760 m ü. M. die höchste Erhebung des Gempenplateaus. Von dort öffnet sich uns ein eindrucksvoller Weitblick über die waldreiche Juralandschaft auf der einen und das Siedlungskonglomerat der Agglomeration Basel auf der anderen Seite.
Beim Aussichtspunkt befindet sich auch die beliebte «Bärgbeiz» Gempenturm. Und wer mag, kann gegen Bezahlung von 1 CHF auf den im Jahr 1897 erbauten, 28 m hohen Gempenturm steigen.






Zweiter Blueschthöhepunkt im Kirschland rund um den Weiler Stollenhäuser
Im Gegensatz zum ersten Abschnitt zwischen Liestal und Gempen ist auf dem nun folgenden Wegabschnitt deutlich mehr los. Das liegt einerseits vermutlich daran, dass wir uns im Agglomerationsgürtel von Basel befinden. Andererseits hat das schöne Frühlingswetter im Laufe des Vormittags auch viele Leute nach draussen gelockt.
Die Kilometer machen sich langsam in unseren Beinen bemerkbar. Doch unerwarteterweise ist uns noch ein weiteres Highlight vergönnt. Ich hatte bei der Routenplanung auf der swisstopo-Karte die Streuobstlandschaft rund um den Weiler Stollenhäuser registriert. Dass wir hier aber nochmals mitten im Höhepunkt der Kirschblüte landen würden, hätte ich definitiv nicht erwartet.
Soweit das Auge reicht, reihen sich hier zumeist wunderschöne, alte Hochstammbäume aneinander und stehen in voller Blüte. Was für eine Pracht! Das lässt dann auch grosszügig über die Tatsache hinwegsehen, dass wir zwischendurch längere Teerabschnitte in Kauf nehmen müssen.

Auf den letzten Kilometern führt uns diese Wanderung noch mit Blick auf die Burg Birseck an der Ermitage Arlesheim, dem grössten englischen Landschaftsgarten der Schweiz, und am barocken Arlesheimer Dom vorbei. In der Summe könnt ihr euch auf dieser Tour also auf zahlreiche landschaftliche und kulturelle Höhepunkte freuen.


Eckdaten der Wanderung Liestal – Nuglar – Büren – Gempen – Arlesheim
Die folgende Wanderkarte zeigt den Routenverlauf von Liestal via Nuglar, Büren nach Gempen und weiter nach Arlesheim. Die gesamte Strecke ist als gelb markierter Wanderweg (T1) signalisiert. Auf der Strecke wechseln sich Kieswege, Abschnitte auf Teerstrassen und einzelne Wald- und Wiesenwege ab. Technisch erwarten euch auf dieser Wanderung keine besonderen Schwierigkeiten. Wem die gesamte Strecke aber konditionell zu anstrengend ist, der kann sie dank öV-Anschluss in den Dörfern Nuglar, Büren und Gempen problemlos in Etappen aufteilen.
Hinweis: untenstehende Zeitangabe bezieht sich auf die ausgeschilderten Wegweiserzeiten. Wir waren eher zügig unterwegs und haben für die Strecke eine Gehzeit von total 4:50 h benötigt.
| Ausgangspunkt | Bahnhof Liestal (323 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 22,5 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 779 m ↘ 814 m |
| Dauer | 6:15 h |
| Zielort | Bahnhof Dornach-Arlesheim (294 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Bärgbeiz Gempenturm (Mi bis So) und Restaurant Schönmatt (Mi bis Sa) |
Praktische Tipps für deine Wanderung durch blühende Obstplantagen bei Nuglar
- Beste Zeit für die Kirschblüte: Die Kirschbäume entlang der Route stehen je nach Witterung meist im Verlauf vom April in voller Blüte. Der genaue Zeitpunkt kann von Jahr zu Jahr variieren. Die Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon publiziert aktuelle Meldungen zur Kirschblüte auch auf der Gemeindewebsite.
- An- und Rückreise: Der Start- und Endpunkt der Wanderung an den Bahnhöfen Liestal und Dornach-Arlesheim ist bestens mit dem öV erreichbar. In den Dörfern Nuglar, Büren und Gempen gibt es regelmässige Busverbindungen (in der Regel Halbstundentakt) zu den nächstgelegenen Bahnhöfen.
- Die Wanderung verkürzen: Wem die Distanz dieser Wanderung zu lang ist, dem empfehle ich, die ersten 14 Kilometer von Liestal nach Gempen in Angriff zu nehmen. Alternativ bietet sich der wunderschöne Spazier-Rundweg auf dem Chirsiweg durch die Kirschlandschaft von Nuglar-St. Pantaleon an.
- Weitere Wandertipps in der Region: Wenn dir diese Wanderung gefallen hat, findest du rund um Basel noch weitere lohnenswerte Touren. Besonders im Frühling lohnt sich etwa der Baselbieter Chirsiweg, der ebenfalls durch eindrückliche Kirschblütenlandschaften im Tafeljura führt. Darüber hinaus bieten sich aussichtsreiche Wanderungen in der Region Wasserfallen an – meine Lieblingstour ist hier der Wasserfallen-Rundweg ums Chellenchöpfli.

