Früh aus den Federn lohnt sich, nicht nur, aber besonders im Hochsommer. Diese Wanderung zur Wasserfallarena Batöni ist die perfekte Vormittagstour, um für ein paar Stunden der sommerlichen Hitze in der Stadt zu entfliehen. Wer wie wir den 6-Uhr-Zug Richtung Chur nimmt, erreicht den Ausgangspunkt der Wanderung kurz vor 8 Uhr und kann in wunderbarer Bergfrische zur beeindruckenden Wasserfallarena Batöni mitten in der Tektonikarena Sardona aufsteigen.
Von Weisstannen zur Wasserfallarena Batöni
Den Wanderstart im auf rund 1000 Metern über Meer gelegenen Walserdorf Weisstannen erreicht man am stressfreiesten mit dem Bus ab dem Bahnhof Sargans. Die Strasse ist nämlich kurvenreich und stellenweise so schmal, dass sich zwei Fahrzeuge nicht überall problemlos kreuzen können. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das von Walsern ab dem 13. Jahrhundert dauerhaft besiedelte Hochtal nur über einen Fussweg erschlossen. Erst 1973 begann der Bau der Strassenverbindung von Mels nach Weisstannen. Vielleicht ist es gerade dieser langen Abgeschiedenheit zu verdanken, dass Weisstannen bis heute viel von seiner Ursprünglichkeit und seiner historischen Bausubstanz bewahren konnte.
Bekannt ist die Ortschaft heute als Etappenort der Via Alpina und als Ausgangspunkt für zahlreiche Tageswanderungen inmitten der faszinierenden Berglandschaft der UNESCO-Welterbestätte Tektonikarena Sardona. Dazu gehört auch die Wasserfallarena Batöni, die sich im südlich von Weisstannen abzweigenden Seitental Lavtina befindet.
Dieses liegt bei unserem Wanderstart kurz vor 8 Uhr noch im Schatten. Was im Frühling oder Herbst eher ein Nachteil ist, ist im Sommer einer der Gründe, weshalb wir uns für diese Tour entschieden haben. Wir folgen dem Wegweiser auf der gegenüberliegenden Seite des Gufelbachs und biegen auf das links abzweigende Teersträsschen Richtung Taleinschnitt ein. Die ersten knapp 15 Minuten verlaufen auf Asphalt und führen an einigen Parkplätzen vorbei. Danach geht der Weg in einen relativ breiten Kiesweg über.



Dem Rauschen des Gufelbachs folgend bergauf
Der Weg ist technisch nicht schwierig und führt entlang des Gufelbachs durch einen angenehm schattigen Waldabschnitt bergauf. Konditionell sind die nun folgenden rund 40 Minuten aber doch nicht ganz ohne, denn der Kiesweg weist einige recht steile Passagen auf und bringt uns ordentlich ins Schnaufen. Bei der Abzweigung «Sässli» auf 1300 Metern über Meer hat man den anstrengendsten Abschnitt überwunden. Ab hier führt der Weg zwar weiterhin bergauf, verläuft aber deutlich weniger steil über Alpweiden Richtung Talabschluss. Bald zeigt sich auch der erste der insgesamt drei Wasserfälle in der Ferne.




Mit dem 86 Meter hohen Sässbachfall fest im Blick queren wir beim Wegpunkt 1425 das Stauwehr, das den wilden Gufelbach bändigt. Gleichzeitig wird hier Wasser über einen Druckstollen in den Gigelwaldsee im südlich gelegenen Calfeisental geleitet.



Drei Wasserfälle und eine Hängebrücke
Nach einem knapp eineinhalbstündigen Aufstieg erreichen wir den Talkessel. Vor uns türmen sich steile Felswände auf, während drei Wasserfälle laut rauschend in die Tiefe stürzen: links der 81 Meter hohe Piltschinabachfall, in der Mitte der Sässbachfall und rechts der 45 Meter hohe Muttenbachfall. Dazu gesellen sich mehrere kleinere Rinnsale, die sich hier zum Gufelbach vereinen. Der noch junge Gufelbach kann seit 2017 über eine kurze und nicht allzu hohe Hängebrücke überquert werden. Ideal, um die persönliche Hängebrückentauglichkeit zu testen.





Besonders imposant präsentieren sich die Wasserfälle im Frühsommer, wenn in den Bergen noch viel Schmelzwasser zusammenkommt, oder nach längeren Regenperioden. Aber auch zu jeder anderen Jahreszeit ist der Talkessel absolut sehenswert.
Wer höher steigt, wird mit Weitblick belohnt
Die gesamte Wasserfallarena und alle drei Wasserfälle auf einem Bild zu vereinen, gestaltet sich vom Talboden aus gar nicht so einfach. Es lohnt sich deshalb, noch ein paar Höhenmeter weiter aufzusteigen. Für das bekannteste Fotomotiv folgt man dem Wegweiser Richtung Lavtinasattel und steigt rund 100 Höhenmeter bergauf. Übrigens: Wer die gesamten 1000 Höhenmeter bis zum Lavtinasattel auf sich nimmt, erreicht den bekannten Wildsee im Pizolgebiet. Irgendwann möchte ich diese Tour definitiv auch noch machen.
Wir entscheiden uns heute jedoch, dem Verlauf des Sardona-Welterbe-Wegs weiter bergauf zu folgen. Der schmale, stellenweise recht steile Pfad mit abschnittsweise losem Kies führt bis auf die Höhe des Muttenbachfalls. Wer möchte, kann dem Sardona-Welterbe-Weg von dort weiter Richtung Alpstofel und Heidelpass folgen.


Auf dem gleichen Weg zurück
Für uns endet die Tour rund 160 Höhenmeter oberhalb der Hängebrücke, kurz vor der Überquerung des Muttenbachfalls, mit einem herrlichen Blick hinunter in die Wasserfallarena Batöni. Von hier geht es auf demselben Weg zurück nach Weisstannen. Zeitlich passt das perfekt, um den Ausflug am Nachmittag entweder mit einem Sprung ins kühle Nass zu verbinden, beispielsweise bei einem Zwischenstopp am Walensee, oder aber – unsere Variante – einen Schattenplatz aufzusuchen, die Beine hochzulagern und ein gutes Buch zu lesen.


Eckdaten der Wanderung in die Wasserfallarena Batöni und retour
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf der Wanderung von Weisstannen in die Wasserfallarena Batöni und retour. Die Route ist durchgehend als weiss-rot-weiss markierter Bergwanderweg (T2) ausgeschildert und folgt dem Verlauf der Schweiz-Mobil-Route 73 (Sardona-Welterbe-Weg, Etappe 4, Weisstannen – Sardonahütte). Bis zur Hängebrücke sind es von Weisstannen aus rund 4 Kilometer und 550 Höhenmeter. Die zusätzlichen Höhenmeter sind wie beschrieben optional und können je nach Lust und Laune in die Route eingebaut werden. Für die Strecke bis zur Hängebrücke und zurück (ohne zusätzliche Höhenmeter) sind rund drei Stunden Gehzeit (ohne Pausen) einzuplanen.
Technisch ist die Wanderung bis zur Hängebrücke einfach und weist keine besonderen Schwierigkeiten auf. Sie ist allerdings nicht kinderwagentauglich. Beim zusätzlichen Aufstieg Richtung Muttenbachfall gibt es einige etwas ausgesetztere Passagen mit losem Schotter. Hier können Wanderstöcke von Vorteil sein.
| Ausgangspunkt | Bushaltestelle Weisstannen, Oberdorf (1’004 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 9,6 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 805 m ↘ 805 m |
| Dauer | 3:55 h |
| Zielort | Bushaltestelle Weisstannen, Oberdorf (1’004 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Picknick einpacken (keine Einkehrmöglichkeit entlang der Wanderstrecke) |
Praktische Tipps für deine Wanderung in die Wasserfallarena Batöni
- An- und Rückreise: Ab Sargans verkehrt die Buslinie 432 stündlich ins Weisstannental. Die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr dauert ab Zürich rund 1 Stunde 35 Minuten (inkl. Umsteigen in Sargans).
- Beste Jahreszeit: Aufgrund der Schattenlage kann in der Wasserfallarena Batöni bis in den Frühsommer hinein noch Schnee liegen. Wir haben die Tour in der zweiten Junihälfte unternommen und keine Schneefelder mehr angetroffen. Besonders imposant präsentieren sich die Wasserfälle im Frühsommer während der Schneeschmelze oder nach längeren Regenperioden.
- Verpflegung: Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten. Bei der Bushaltestelle Weisstannen, Oberdorf befindet sich ein Automat mit lokalen Produkten. Ansonsten bestehen in Weisstannen mit dem Alpenhof und der «Gemse» zwei Einkehrmöglichkeiten


