Florida oder das Schönste zum Schluss

Florida oder das Schönste zum Schluss

Für unseren letzten Tag in Florida hatten wir eigentlich nur ein Ziel – den Flughafen in Orlando und unser Flugzeug nach New Orleans finden. Startpunkt war Crystal River. Da für die rund 140 Meilen genügend Zeit vorhanden war, wollten wir das „Landleben“ rund um Ocala vom Auto aus betrachten und noch einen kurzen Stopp in Silver Springs – dem Ort, wo die Glasbodenboote erfunden wurden (sagt mein Reiseführer) – einlegen.

Silver Springs erreichten wir bereits nach 40 Meilen. Hier sprudelt schon seit tausenden von Jahren glasklares Quellwasser an die Oberfläche. Wir waren etwas erstaunt, ab der gähnenden Leere auf dem Parkplatz und ab dem überdimensioniert grossen Eintritt zum „Park“. Rund 30 Dollar Eintritt wurde von uns verlangt und ja, wir zahlten anstandslos. Die einzige „Attraktion“, die mich interessierte, war die Glasbodenboot-Tour und somit steuerten wir schnurstracks zu den Booten.

Die Tour dauert 30 Minuten und das Beobachten der Flora und Fauna im kristallklaren Flusswasser war für mich ein fabelhaftes Erlebnis. Anschliessend wollten wir uns den Rest des Parkes kurz ansehen, merkten aber schnell, dass dieser so ungefähr mit den verlassenen Wild-West-Film-Orten verglichen werden kann. Uralte Infrastruktur, keine Mensch unterwegs und wirkt optisch wie ein Park vor 50 Jahren oder so. Nun ja, die 30 Dollar Eintritt hätten wir im nachhinein gesehen besser für was anderes ausgegeben, aber man lernt ja dazu. Der Park wurde übrigens aufgekauft und das neue Management plant ein „Redesign“ und „Reopening“ für den Herbst diese Jahres. Bitte berichtet mir, wenn Silver Springs einen erneuten Aufschwung erfährt.

SilverSprings Silver_Springs Turtle

Anschliessend hatten wir noch 100 Meilen vor uns und überlegten, wo wir am Besten noch einen Stopp machen. Ich weiss nicht, wie es euch bei Road Trips so geht – ich auf jeden Fall habe immer das Gefühl, etwas zu verpassen. Man fährt an so vielen Orten einfach vorbei und denkt „man hat es ja gesehen“ und im Anschluss bemerke ich meist, dass mir die Bilder von all den Eindrücken unterwegs fehlen. Schade eigentlich.

Nach eingehender Studie unseres Reiseführers waren wir uns einig, dass Mount Dora einen Stopp wert war. Mount Dora ist ein Kleinstädtchen und hat – der Name lässt’s erahnen – einen 56 m hohen Hügel – sozusagen ein Berg für Florida.

Nun wir waren gespannt. Mount Dora empfing uns wie so viel andere Städte und Städtchen vorher. Mit dieser sensationellen Strasse, die entlang von Wendy’s, Tankstellen, Seven Elevens und sonstigen “innerstädtischen“ Highlights durch den „Ort“ führt. Wir folgten dem Schild in Richtung „historic center“ und kamen nach einer gefühlten Ewigkeit und kurz vor der Verzweiflung, wo wir denn hinfahren, im Zentrum von Mount Dora an.

Nun Hartnäckigkeit wird ja bekanntlich belohnt und diese Kleinstadtidylle haute mich im wahrsten Sinne des Wortes um. Es sind zwar nur drei Querstrassen, aber diese sind gesäumt mit hübschen Häuschen, Blumen, waren Wunderläden, Teehäuser und man fühlt sich rund 100 Jahre zurückversetzt.

Mount_Dora_Streetscape Mount_Dora-Center Mount_Dora_Railroad Frühling MountDora Mount_Dora_IceCream Mount_Dora_Flowers

Hier hätte ich gut und gerne einen ganzen Tag verbringen können – leider blieben uns nur 30 Minuten. Aber ich habe mich verliebt – verliebt in dieses hübsche Fleckchen am Lake Gertrud, verliebt in so viel Liebe zum Detail und verliebt in die Tatsache, dass auch amerikanische Städtchen schöne Ortszentren haben können.

Und denkt an diese Geschichte, wenn ihr mit dem Auto unterwegs sind – folgt den Schilder in Richtung „historic center“ und bleibt nicht auf den Durchfahrtsstrassen hängen. Florida besteht nicht nur aus Tankstellenshops und überdimensionierten Strassenzufahren. Ehrlich.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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