Schweiz

Neue Perspektiven – im Luftschiff übers Berner Oberland

Zum 20-jährigen Jubiläum hat sich die Fluggesellschaft Edelweiss Air etwas ganz besonderes für Ihre Gäste einfallen lassen. Seit Mai wird mit einem Zepplin in der Schweiz herum getourt. Gestartet ist die Aktion in Zürich, wo ich selbst vom Bürofenster aus mehr als einmal das ulkige Luftschiff vorbeischweben sah. Die winzige Kabine, die unter der riesigen Hülle montiert ist, habe ich dabei übersehen und war deshalb äusserst überrascht, als ich die ersten Fotos aus der Kabine sah. „Wo hat es denn da Fenster?“, war meine erste Reaktion. Leider war ich selbst am Tag des Erstfluges verhindert und danach gingen die Tickets ruckzuck wie frische Gipfeli weg. Als dann die Einladung zum Presseflug in Interlaken in meinen Posteingang trudelte, war ich skeptisch. Es ist nämlich so: jedes Mal, wenn ich in Interlaken bin, regnet es dort. Ein schlechtes Omen. Und deshalb schickte ich unseren Fotografen-Kollege Mamo als Lokalmatador stellvertretend in die Luft. Und siehe da – ein Interlaken mit Sonnenschein. Der Zepplin fliegt noch bis Sonntag 2. August durch das schöne Berner Oberland und tourt dann weiter nach Sittendorf, Grenchen und Birrfeld. Die Flüge sind alle ausgebucht, doch mit etwas Glück ergattert man direkt vor Ort noch eines der begehrten Tickets.

Geplant war ein Flug über den Brienzer- und Thunersee mit Start auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Interlaken. Um 11:30 durfte ich mich bei einem der Zelte melden und bekam mein Edelweiss-Flugticket für den Zeppelinflug, mit Abflug und Zielort Interlaken. Es war windig und der Zeppelin schlingerte am Mast hin und her. Die Piloten beschlossen, möglichst schnell zu starten, da bei stärkerem Wind nicht mehr geflogen werden kann.

Ein kurzes Briefing mit den Verantwortlichen der Edelweiss Air und der Zeppelin Luftschifftechnik Friedrichshafen fand in einem weiteren Zelt statt. Hier wurden wir auf die Sicherheitshinweise aufmerksam gemacht. Es wurde uns erklärt, wo die Schwimmwesten sind, wo sich die Notausgänge befinden und wo die „Spuckbeutel“ zu finden sind. Nun mussten wir in einer Zweierreihe anstehen und immer zu zweit zum Zeppelin laufen, um einzeln einzusteigen. Auf der Treppe zum Einstieg darf jeweils nur eine Person stehen. Das Einsteigen ist gar nicht mal so einfach, da sich der Zeppelin immer wieder in den Wind dreht und sich gegen oben und unten bewegt. Während des Einsteigens drehten immer wieder die Motoren hoch. Der Pilot versuchte, den Zeppelin möglichst in Position zu halten.

In der Kabine – welche Platz für 12 Personen und 2 Piloten bietet – angekommen, hiess es hinsetzen und anschnallen. Ich war begeistert von den riesigen Fenstern die sich – wie sich herausstellte – hervorragend zum Fotografieren eigneten. Als Aviatik-Begeisterter beeindruckte mich die moderne Technik an Board des Zeppelins mit den vielen Bildschirmen im Cockpit. Es ist schon etwas komisch, wenn man den Piloten so direkt ins Cockpit schauen kann, aber natürlich extrem spannend!

Nach einem freundlichen „Herzlich willkommen“ der Edelweiss Air Cabin Crew und dem obligatorischen Gurten Check, ging es gleich los. Wir flogen mit gemütlichen 70 km/h Richtung Bönigen auf den Brienzersee zu. Die 3 Motoren des Zeppelins waren im Vergleich zu einem grösseren Flugzeug unglaublich leise. Aus dem Cockpit kamen immer wieder Piepstöne und man sah Knöpfe rot blinken. „In einem grossen Flugzeug muss es ähnlich tönen“, beruhigte ich mich – weil dort das Cockpit zu ist, hört man es halt als Passagier einfach nicht. Die Piloten blieben ruhig, passten den Schub des Zeppelins an, der wieder im Wind schlingerte. Kurz nach Bönigen hatten wir schon unsere Reiseflughöhe von 300 Metern erreicht, durften unsere Sitzgurte lösen und uns frei in der Kabine bewegen. Ein Traum zum Fotografieren! Zwei der Fester konnte man zum Fotografieren und Filmen öffnen, es herrschte jedoch grosses Gedränge um die Plätze. Anstehen und warten fand ich doof und so habe ich nur durch die Scheiben fotografiert und versuchte auf die Spiegelungen zu achten. Wir flogen weiter Richtung Iseltwald. Im Heck hatte es eine Sitzbank für zwei Personen mit einem grossen Panoramafenster, durch welches man eine wunderbare Aussicht auf den Brienzersee und den Bauch des Zeppelins hatte.

Der Zeppelin ist übrigens mit seinen 75 Metern Länge das längste von einer Schweizer Fluggesellschaft betriebene Fluggerät! Zum Vergleich: Der Airbus A330-300 der Swiss misst nur 63.7 Meter, und sogar der Airbus A380-800 ist mit seinen 72.3 Metern noch etwas kürzer. Wenn man an die Luftschiffe aus den 30er Jahren mit Längen von über 245 Metern denkt, müssen diese einfach gigantisch gewirkt haben!

Wir flogen kurz nach Iseltwald eine Linkskurve Richtung Niederried und hatten eine wunderbare Aussicht auf das Bödeli, den Thunersee und den Niesen. Es piepte wieder aus dem Cockpit. Nun rief der Pilot eine Cabin Crew Member zu sich und gab Ihr die neuesten Informationen über den weiteren Flugverlauf durch. „Es hat zu viel Wind, wir können nicht an den Thunersee fliegen, werden aber versuchen nochmals eine kleine Kurve über dem Brienzersee zu machen“ gab Sie uns in gewohnter Edelweiss Freundlichkeit weiter.

Die Kurve wurde jedoch abgekürzt und wir mussten den Flug wegen des vielen Windes frühzeitig abbrechen. In einem relativ steilen Winkel ging es Richtung Flugplatz Interlaken und setzten sanft auf. Die zwei Piloten verstehen Ihr Handwerk. Interlaken ist wohl eine der schwierigeren Destinationen auf der Zeppelin-Tour, gerade was die Winde angeht. Nach dem verkürzten Presseflug wurden die weiteren Flüge des Tages aufgrund starker Winde abgesagt.

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Mamo-Photography-Zepellin-1

Mamo-Photography-Zepellin-Piloten

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Mamo-Photography-Zepellin-Start

Alle Fotos in diesem Beitrag © Mamo Photography

Edelweiss Air hat uns zu diesem Presseflug eingeladen. Vielen Dank hierfür! 

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