Wenn im Frühling oberhalb des Genfersees die ersten weissen Blütenfelder auftauchen, beginnt rund um Montreux eine der schönsten Wanderzeiten des Jahres. Die wilden Narzissen verwandeln die Wiesen in ein von weitem weiss leuchtendes Blütenmeer. Während der Belle Époque galt dieser sogenannte «Maischnee» als das Highlight des Jahres und zog Besucherinnen und Besucher aus ganz Europa an.
Auch heute lohnt es sich, die Narzissenblüte als Anlass für ein Frühlingswochenende in Montreux zu nehmen. Während mein Timing in den letzten Jahren nie ganz mit dem Blütezeitpunkt übereinstimmte oder wir anderen Ideen den Vorzug gaben, reservierten wir uns dieses Jahr bewusst das verlängerte 1.-Mai-Wochenende für einen Abstecher an den Genfersee. Und tatsächlich hatten wir richtig Glück und erwischten traumhafte Frühlingstage.
Die Narzissenblüte in Montreux
In der Region Montreux–Vevey gibt es mehrere Themenwege, die sich der Narzissenblüte widmen und für abwechslungsreiche Wanderungen mit Aussicht sorgen. Eine eigens dafür eingerichtete Website informiert während der Blütezeit von etwa Mitte April bis Ende Mai über den aktuellen Stand der Narzissen entlang der insgesamt sechs Routen. Da sich die Wege in unterschiedlichen Höhenlagen befinden, verläuft die Blüte je nach Witterung und Temperatur im Frühling zeitlich versetzt.
Je nach Zeitpunkt kannst du die Narzissen entweder auf den tiefer gelegenen Wiesen oberhalb von Montreux oder etwas später in höheren Lagen oberhalb von Vevey erleben. Es lohnt sich deshalb, die Blütenentwicklung vorab zu prüfen und die Wanderung entsprechend zu planen.



Rund um Glion die ersten blühenden Narzissen entdecken
Besonders früh zeigt sich die Blüte auf den Feldern in und rund um die beiden Dörfer Glion und Caux, die sich in rund zehn Minuten mit dem öffentlichen Verkehr ab Montreux erreichen lassen. Die beiden Orte liegen direkt an der Zahnradbahnstrecke auf den knapp 2’000 Meter hohen Rochers-de-Naye.
Am Bahnhof Glion bietet eine Informationsstele einen guten Überblick über den Verlauf des «Sentier des Narcisses de Glion» und zeigt, wo entlang der Route die Narzissenfelder zu finden sind. Wer sich hier auf einen gemütlichen Spaziergang eingestellt hat, wird allerdings schnell eines Besseren belehrt: Auf den ersten 1,5 Kilometern kennt die Rundwanderung nur eine Richtung – steil bergauf nach Caux. Immerhin sichten wir bereits auf diesem Abschnitt das erste blühende Narzissenfeld. Da die wilden Narzissen seit den 1960er-Jahren stark zurückgegangen sind, stehen sie heute unter Schutz. Entsprechend wird entlang der Route mit Hinweistafeln darauf aufmerksam gemacht, dass die Wiesen nicht betreten und die Pflanzen nicht gepflückt werden dürfen.


Unterhalb des majestätischen Caux Palace queren wir die Zahnradbahnstrecke. An dieser Stelle lohnt es sich, kurz innezuhalten und den Blick zurückzuwerfen. Du wirst mit einem wunderschönen Panoramablick über die Genferseeregion belohnt.

Der ausgeschilderte Narzissenweg zweigt danach linkerhand ab und führt in den Wald. Dieser Abschnitt ist auf SchweizMobil zwar nicht als offizieller Wanderweg erfasst, aber durchaus lohnenswert. Der schmale Pfad schlängelt sich durch ein ruhiges Waldstück – ausser Vogelgezwitscher ist kaum etwas zu hören und für einen Moment fühlt man sich weit weg von der Zivilisation.



Nach rund 15 Minuten sich das dichte Blätterdach und gibt den Blick auf Les Avants auf der gegenüberliegenden Talseite frei, wo ebenfalls ein Narzissenwanderweg verläuft.

Bei der Wegmarke 938 führt ein «Sentier des Narcisses»-Schild in einer Art U-Turn zurück in Richtung Glion. Auf dem Rückweg erwarten uns nochmals mehrere Waldlichtungen und offene Wiesen, auf denen die Narzissen in voller Blüte stehen.



Eckdaten der Rundwanderung Glion – Caux – Echerègnes – Glion
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf des als Rundtour angelegten «Sentier des Narcisses de Glion». Die Route ist durchgehend ausgeschildert und verläuft teilweise auf offiziellen, gelb markierten Wanderwegen (T1), teilweise auf ebenfalls gelb markierten Pfaden, die jedoch nicht im offiziellen Wanderwegnetz von swisstopo bzw. SchweizMobil erfasst sind. Der Teeranteil ist erfreulich gering und der Weg mehrheitlich naturbelassen (nicht kinderwagentauglich!).
Technisch ist die Rundwanderung einfach und weist keine besonderen Schwierigkeiten auf. Der Aufstieg von Glion nach Caux ist konditionell jedoch etwas fordernd. Wer es gemütlicher angehen möchte, kann mit der Zahnradbahn eine Station weiterfahren und die Tour erst in Caux starten.
| Ausgangspunkt | Bahnhof/Funi Glion (679 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 6,5 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 443 m ↘ 436 m |
| Dauer | 2:20 h |
| Zielort | Bahnhof/Funi Glion (679 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Buffet de la Gare de Glion (Dienstag/Mittwoch Ruhetag) |
Zusatzabstecher auf den Rocher-de-Nayes
Da Glion direkt an der Zahnradbahnstrecke auf den Rochers-de-Naye liegt, lässt sich die Rundwanderung auf dem «Sentier des Narcisses de Glion» ideal mit einem Abstecher auf den wohl schönsten Aussichtsgipfel der Region verbinden. Besonders praktisch: Die gesamte Strecke bis auf den Gipfel ist im GA-Geltungsbereich enthalten. Wer also mit GA, SBB-Tageskarte oder dem Swiss Travel Pass unterwegs ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Zwischen 08:28 Uhr und 15:34 Uhr verkehrt stündlich eine Verbindung von Montreux auf den Gipfel. Die Fahrt dauert knapp 50 Minuten, ab Glion rund 40 Minuten.
Eindrücklich ist auch, wie unterschiedlich sich die Vegetation im Mai präsentiert: Während in Glion auf rund 700 m ü. M. bereits alles satt grün leuchtet, liegt weiter oben oft noch Schnee, und der Gipfel zeigt sich zumindest auf der Nordseite noch recht winterlich. Der kurze Weg zum Aussichtspunkt war bei unserem Besuch jedoch grösstenteils schneefrei.




Da uns am Bahnhof Glion die Zeit fehlte, im sympathisch wirkenden «Buffet de la Gare de Glion» einzukehren, nutzten wir auf dem Rochers-de-Naye die Wartezeit auf die Talfahrt für eine kurze Stärkung im Gipfelrestaurant «Alpin». Das gemischte Plättli mit regionalem Käse – Vacherin und Greyerzer – sowie verschiedenen Aufschnitten war besser als erwartet.

Praktische Tipps zur Narzissenblüte in Montreux
Den richtigen Zeitpunkt der Narzissenblüte erwischen
Die Narzissenblüte rund um Montreux dauert in der Regel von Mitte April bis Ende Mai. Wann genau die Wiesen in voller Blüte stehen, hängt stark von der Witterung im Frühling ab. Während sich die ersten Narzissen in tieferen Lagen oft bereits Mitte April zeigen, folgt die Blüte in höheren Lagen zeitlich verzögert. Es lohnt sich deshalb, vor der Wanderung einen Blick auf die offizielle Narzissen-Website der Region zu werfen, auf der der aktuelle Blütenstand für die verschiedenen Routen laufend aktualisiert wird.
Übernachtungstipp in Montreux
Neben den verschiedenen Narzissenwanderungen und dem Abstecher auf den Rochers-de-Naye gibt es in und rund um Montreux noch einiges zu entdecken. Da die Anreise – etwa aus der Region Zürich – gut 2,5 Stunden dauert, lohnt es sich, eine Übernachtung einzuplanen.
Wir haben diesmal im Hotel Mona (Partnerlink) eingecheckt. Das Hotel ist aus der umfassenden Renovierung und dem Rebranding des ehemaligen «Eurotel» hervorgegangen, das 1967 als markanter, 16-geschossiger Bau eröffnet wurde und lange als Symbol des modernen Tourismus galt. Die Lage direkt an der Seepromenade und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt ist kaum zu übertreffen – und je nach Zimmer gilt das auch für die Aussicht auf den Genfersee.



Montreux Riviera Card
Bei einer Übernachtung in einem Hotel oder einer Ferienwohnung in der Region erhältst du die Montreux Riviera Card. Mit ihr nutzt du den öffentlichen Verkehr zwischen Vevey und Villeneuve kostenlos und profitierst von Ermässigungen bei zahlreichen Bergbahnen und Sehenswürdigkeiten. Die Zahnradbahnstrecke von Montreux über Glion nach Caux kannst du ebenfalls kostenlos nutzen. Für die Weiterfahrt auf den Rochers-de-Naye erhältst du 20 % Rabatt auf den regulären Ticketpreis.


