AfrikaMarokko

Bilderserie: Die Menschen Marokkos

Marokko ist eines dieser Länder, die mich sofort in den Bann gezogen haben. Zwei, drei Schritte in die Medina von Marrakech und es war um mich geschehen – diese Farben, Gerüche, der Lärm handelnder Marktbesucher, das Knattern der Mopeds… und da wir damals nur ein verlängertes Wochenende Zeit hatten, steht eine Marokko-Rundreise und insbesondere ein Abstecher in die blaue Stadt Chefchaouen auf der Bucket List. Einer der sich diesen Herbst zwei Wochen Zeit genommen hat, das Land zu bereisen ist Fotograf Andy Gawlowski. Mit seiner Kamera hat er dabei nicht nur tolle Landschaften festgehalten, sondern sich auch in den Medinas auf die Suche nach den besonderen Bildmotiven gemacht. Das Resultat sind faszinierende Bilder, die die Menschen Marokkos bei der Arbeit zeigen. Und da mich einerseits seine Bilderserie begeistert und er mich so nett gefragt hat, freue ich mich auf die heutige Premiere. Zum ersten Mal gibt es hier einen Reisebeitrag mit «fremden» Bildern. Danke Andy!

Wie lange warst du in Marokko unterwegs und wie sah deine Reiseroute aus?

Ich war zwei Wochen unterwegs und habe die Orte Casablanca (Start), Fez, Chefchaouen, Merzouga, Tanghir, Marrakech und Essouira besucht

Was für eine Kamera und welche Objektive hast du auf diese Reise mitgenommen?

Fotografiert habe ich auf dieser Reise zum ersten Mal mit der Fujifilm X-Pro 2 und zwei Objektiven: 18-55mm f2.8-4 und 14mm f1.4. Ich komme eigentlich aus der Canon Welt und habe testweise das Fuji-System ausprobiert. Eine tolle Kamera. 

Du warst teilweise mit lokalen Guides unterwegs – war das hilfreich?

Das ist in der Tat für meine Art der Fotografie sehr hilfreich und in Marokko auch recht preiswert. Ein persönlicher Guide spricht nicht nur die einheimische Sprache, sondern zeigt einem auch Orte und Plätze, die man sonst nur schwer finden würde. Somit bekommt man die Möglichkeit ganz persönliche Bilder zu schiessen ein Stückchen tiefer in die Kultur eines Landes zu tauchen. Es macht Sinn die Tour mit dem Guide zuvor abzusprechen und vorzubereiten. So konnten sich meine Guides sehr gut auf meine Wünsche einstellen. 

Dein persönliches Reisehighlight?

Mein persönliches Highlight war der Kurztrip in die Sahara, wo ich eine Nacht verbracht habe. Ich war zuvor noch nie in der Wüste und daher war das ein ganz besonders Erlebnis für mich. Das ist wohl einer dieser Momente, die für immer bleiben. Grundsätzlich ist Marokko voller Highlights. Es sind eben die tollen Landschaften, die pulsierenden Medinas, die schmeichelhaften Düfte und Farben des Landes und natürlich die Gastfreundlichkeit der Marokkaner, die dieses Reiseziel so besonders machen. Ich werde ganz bestimmt eines Tages zurückkehren. 

Und was hat nicht geklappt oder hat dich enttäuscht?

Grundsätzlich hat mich Marokko vom ersten bis zum letzten Moment begeistert und ich kann mich an keine wirkliche negative Situation erinnern. Müsste ich dennoch etwas wählen, dann wäre es vielleicht mein zweitätiger Aufenthalt in Marrakech. Die Stadt ist ganz stark auf Tourismus gepolt, was nach einer Weile ein wenig auf die Nerven gehen kann. Zum einen sind die Strassen tagsüber vollgestopft mit Menschen, zum anderen sind die Verkäufer in Marrakech etwas aufdringlicher als in anderen Orten. Aber das alles hält sich absolut in Grenzen und ist weit weniger schlimm, als ich gedacht hätte. Ein guter Trick ist es einfach sehr früh aufzustehen. Dann hat man die Stadt für sich allein und die Verkäufer sind noch zu müde um ihre Verkaufsstrategien voll einsetzen zu können. Ausserdem ist das Licht um die frühen Morgenstunden ganz besonders, was sich meist positiv auf die Bilder auswirkt. 

und nun zu deinen Bilder – erzähl uns, wie sie entstanden sind:

Das Foto ist auf einer Tour durch die Medina von Fez (grösste Nordafrikas) entstanden. Im südlichen Teil der Altstadt trifft man kaum noch auf Touristen, dafür auf einheimische, die ihren täglichen Geschäftstreiben nachgehen. Dort ist auch eine Ecke, die eine Art „Foodmarket“ ist, wo unter anderem auch lebende Hühner verkauft werden. Ich habe mich gewundert, wieso alle Hühner so brav sitzen und sich nicht bewegen. Mein Guide sagte mir dann erschreckenderweise, dass deren Beine abgeschnitten sind. Autsch.

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Auch dieses Foto ist in der Medina von Fez entstanden. Es zeigt die Arbeiter in der Stadtgrössten Gerberei. Das Leder wird noch auf ganz traditionelle Art und Weise hergestellt, ganz ohne Maschinen. Es riecht sehr stark nach diversen Chemikalien und Dämpfen. Die Arbeit ist undenbkar hart und dazu noch sehr ungesund – wegen der chemischen Bäder, in dem die Gerber teils stundenlang ohne jegliche Schutzkleidung stehen. Mir wurde gesagt, dass dadurch die Lebenserwartung der Gerber bei unter 50 Jahren liegt.

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Nach dem Gerben wird das fertige Leder für alle möglichen Anwendungen (Taschen, Jacken, Schuhe etc.) von Hand gefärbt. Die Farbe besteht aus einer Mischung von natürlichen Farbstoffen und Chemikalien. Der Handwerker färbt pro Tag bis zu 100 solcher Lederhäute, die er auf dem Foto vor sich hält. Seine Hände sehen aus wie die eines Malers. Unzählige Farben bedecken seine Haut. Die Farbe ist so stark, dass er sie nach jahrelanger Tätigkeit in der Färberei nicht mehr von seiner Haut abwaschen kann.

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Dieses Foto ist in der Stadt Merzouga, in unmittelbarer Nähe der Saharawüste entstanden. Es zeigt einen winzig kleinen Elektro-Laden. Er ist genau so gross, dass ein Stuhl reinpasst. Ich habe mich (mein Guide hat übersetzt) mit dem Besitzer auf dem Bild unterhalten. Er hat diesen Laden seit über 30 Jahren und ist stadtbekannt für seine Elektro-Reparaturen. Er ist wahrscheinlich besser ausgebildet als jeder diplomierte Elektrotechniker bei uns.

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Dieses Foto ist in Chefchaouen entstanden, der blauen Stadt, die komlett in Blau/Weiss gehalten ist. Der Schmied erzählte mir voller Stolz, dass er diese Mini-Schmiederei, die gleichzeitig sein Ladenlokal ist, bereits in der dritten Generation führt. Sie ist keine 2 m² gross. Er steigt einfach morgens über den Amboss (eine Tür gibt es nicht) und befindet sich damit mitten im Lokal. Ich habe zwei kleine Hufeisen-Schlüsselanhänger bei Ihm gekauft. Glück ist ein wilkommender Begleiter beim Reisen. So war es auch ein grosses Glück, dass ich diesen Schmied gefunden und dieses Foto machen konnte.

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Diese zwei Herren fertigen die schönen goldenen Lampen, wie sie über dem Tisch hängen. Der Lehrling auf der linken Seite schneidet aus Papier die markanten Muster der Lampen aus und klebt sie dann auf das schimmernde Blech. Der Handwerker auf der Rechten Seite stanzt und schneided dann diese filigranen Muster in das Blech und biegt es anschliessend in Form. Eine Arbeit, die offensichtlich viel Erfahrung und Gefühl für das Material benötigt.

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Ich stand eine Weile vor seiner Theke und habe nicht verstanden was er macht, da der Tisch frei war. Plötzlich packte er eins der Hühner, die unter der Theke versteckt waren, schneidete ihm sofort die Kehle durch und tauchte es anschliessend ins heisse Wasser, um ihm Minuten danach die Haut abzuziehen. Das Huhn hat er dann zerlegt und verkauft. Eine schreckliche Szene war das.

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Dieses Foto ist in einer der unzähligen Gassen der Medina in Marrakesch entstanden. Weit hinter dem Zentrum der Stadt, dem grossen Platz Djemaa el Fna, befinden sich zahlreiche kleine Manufakturen, die verschiedenste Produkte für die Touristen herstellen. Diese beiden Herren schmieden und schneiden Handmesser, wie sie auf dem Regal zur rechten Seite zu sehen sind. Auch dieses Bild zeigt, wie traditionell und altmodisch viele Manufakturen in Marrakesch arbeiten. Die Zeit scheint in Marokko an vielen Stellen einfach stehengeblieben zu sein.

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Das ist eine traditionelle Backstube in Marrakesch, von denen es sehr viele gibt. Der junge Mann backt den ganzen Tag unzählige dieser kleinen (Fladen)Brote, die es bei jedem warmen Gericht als Beilage gibt. Die Backstube ist in den Boden versetzt und verfügt über keinerlei Fenster. Die Tür ist der einzige Lichtspender. Es war unglaublich warm in diesem Raum. Im Hochsommer, bei 45°C, muss es unerträglich sein.

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Marokko ist das Land der Datteln und Pistazien. Das Foto ist auf dem Markt in Essaouira enstanden und zeigt einen der vielen Verkaufsstände für die kleinen Köstlichkeiten. Übrigens war es gar nicht so einfach dieses Foto zu schiessen. Hinter mir stand ein anderer Verkäufer, der ununterbruchen an mir gezupft hat. Er wollte mir – aus welchem Grund auch immer – riesen Mengen an Butter verkaufen. Ich sah für ihn wohl wie ein Bäckermeister aus.

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Alle Bilder in diesem Beitrag Copyright by Andy Gawlowski

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