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Kurztrip nach Karlsruhe – unsere top Tipps für die Fächerstadt  

Hätte sich Karl Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach, vor 300 Jahren in seiner damaligen Residenz in Durlach nicht eingeengt gefühlt, dann gäbe es Karlsruhe – so wie wir es heute kennen – nicht. Die drittgrösste Stadt Baden-Württembergs ist das Resultat einer kühnen, auf dem Reissbrett entworfenen Idee einer Idealstadt. Das allein spricht für einen Kurztrip in die sogenannte «Fächerstadt». Ausserdem punktet Karlsruhe mit facettenreichen Stadtquartieren, interaktiven Museen, spannenden Restaurantkonzepten und gutem Kaffee.  

Die Sehenswürdigkeiten von Karlsruhe im Überblick

Den klangvollen Beinamen «Fächerstadt» verdankt Karlsruhe seinem städtebaulichen Grundriss mit 32 Alleen, die strahlenförmig vom Schloss in die Stadt verlaufen. Das Schloss ist dann auch eines der Wahrzeichen von Karlsruhe und die touristische Hauptattraktion. Es beherbergt heute das badische Landesmuseum und ist von einer weitläufigen Parkanlage umgeben. Wenige Schritte davon entfernt befindet sich der Markplatz mit der «Pyramide» – dem Grabmal des Stadtgründers Karl Wilhelm von Baden-Durlach.

Eine weitere Attraktion ist das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), das sich in einer ehemaligen Munitionsfabrik befindet. Das Ambiente des denkmalgeschützten Gebäudes bietet einen architektonisch spannenden Rahmen für die wechselnden Kunstausstellungen. Seit 2019 darf sich Karlsruhe zudem mit dem Titel «UNESCO City of Media Arts» schmücken.

Einen Tapetenwechsel bietet der Abstecher nach Durlach. Die einst eigenständige Residenzstadt ist heute ein quirliger und äusserst schmucker Stadtteil von Karlsruhe. Von hier aus ist man in wenigen Minuten in den grünen Weinhängen des Turmbergs.

In nachfolgender Karte seht ihr die in diesem Beitrag erwähnten Sehenswürdigkeiten sowie unsere Einkehrtipps verortet.

Und nun zeige ich dir, wie sich ein Kurztrip nach Karlsruhe äussert kurzweilig gestalten lässt.

11:00 Uhr – mit dem öffentlichen Nahverkehr auf dem Turmberg

Karlsruhe empfängt uns mit strahlendem Wetter. Und da wir die warme Frühlingssonne auskosten möchten, machen wir uns direkt nach der Ankunft auf den Weg Richtung Turmberg. Der 256 Meter hohe Hausberg der ehemaligen Residenzstadt Durlach lockt nämlich mit einer herrlichen Aussicht über Karlsruhe und lädt gleichzeitig zum Verweilen ein.

Für die Anfahrt nutzen wir den gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Seit Dezember 2021 durchquert dieser als Resultat der innovativen Kombilösung die Karlsruher Innenstadt unterirdisch. Die sieben neu errichteten unterirdischen Stadtbahnstationen bestechen durch ihr raffiniertes Lichtkonzept und sind ein echter Blickfang.

Karlsruhe U-Bahn

Wir fahren mit der Linie 1 bis zur Haltestelle Durlach Turmberg. Nach einem kurzen, 5-minütigen Fussmarsch entlang der Bergbahnstrasse erreichen wir die Talstation der Turmbergbahn. Deutschlands älteste betriebsbereite Standseilbahn wurde im Jahr 1888 eröffnet und lässt einem die Höhenmeter bequem überwinden. Wer’s sportlicher mag, der nutzt das Hexenstäffele. Oben angekommen, sollte man sich eine Einkehr auf der Sonnenterrasse des Restaurants Anders auf dem Turmberg nicht entgehen lassen. Wir teilen uns hier eine Portion Maultaschen und kosten die feinen hausgemachten Limonaden.

Turmberg Aussicht

13:00 Uhr – die Durlacher Altstadt erwandern

Damit sind wir gestärkt, um einem der drei unterschiedlich langen Durlacher Weinwanderwege zu folgen. Die Routen sind auf dem Turmberg ausgeschildert und man kann einfach den farbigen Weintrauben-Schildern folgen. Wer wie wir dem roten Schild folgt (längste Route), der wird auf einem rund 5.5 Kilometer langen Rundweg vom Turmberg aus zielgerichtet durch den hübschen Altstadtkern von Durlach geleitet. Ein richtig gemütlicher Spaziergang, für den man ca. 1.5 Stunden einrechnen sollte.      

15:00 Uhr – süsse Pause in der Karlsruher Innenstadt

Am späteren Nachmittag kehren wir mit der Strassenbahn zurück in die lebendige Karlsruher Innenstadt. Die über 40’000 Studierenden, die unter anderem das renommierte Karlsruher Institut für Technologie (KIT) besuchen, verleihen der Stadt ein jugendliches Flair und beeinflussen auch die Kaffeekultur positiv. Fans trendiger Cafés haben hier quasi die Qual der Wahl. Auch uns reichte die Zeit nicht, um alle spannenden Plätze auszukundschaften. Gut gefallen hat uns aber das Angebot im Café Winter an der Adlerstrasse. Zudem ist das Café ideal gelegen für einen Zwischenstopp auf dem Weg von Durlach ins Stadtzentrum.

Winter Kaffee Karlsruhe

17:00 Uhr – ab auf dem Schlossturm

Als nächstes besuchen wir das Schloss Karlsruhe an. Im Jahr 1715 legte Markgraf Karl Wilhelm hier inmitten der baden-württembergischen Wälder den Grundstein für seinen neuen Wohnsitz. Für knapp 200 Jahre fungierte das Schloss als Wohn- und Regierungssitz, bis es 1918 diese Funktion verlor und ein Jahr später zum Sitz des Badischen Landesmuseums wurde.

Beim Schlosseingang trennen uns noch 165 Treppenstufen von der Aussichtsplattform auf dem achteckigen Schlossturm. Wer sich diese Aussicht auch nicht entgehen lassen möchte, der begibt sich ins Foyer des Badischen Landesmuseum (Haupteingang zum Schloss) und erwirbt dort das Ticket für den Turmaufstieg. Wer den Besuch an einem Freitag einplant, profitiert gleichzeitig von einem kostenfreien Eintritt in die Sammlung.

Schloss Karlsruhe
Karlsruhe Schlossturm

Kosten Turmaufstieg: 4 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder | Mo geschlossen, Di-Do 10 – 16:15 Uhr, Fr-So und Feiertage 10-17:15 Uhr (letzter Aufstieg 15 min vor Schliessung des Turms), weiterführende Infos: Öffnungszeiten und Preise Schloss und Schlossturm Karlsruhe

19:00 Uhr – Bioküche im Bauhausbau oder Fine Dining

Von gemütlichen Biergärten bis zum Sternerestaurant findet sich in Karlsruhe für jeden Geschmack das passende Restaurant. Wir haben mit dem Vogelbräu sowohl ein klassisches Brauereilokal ausprobiert, als uns auch durch zwei Gourmetlokale geschlemmt.

Eines davon ist das Restaurant Erasmus, das sich selbst als «Deutschlands erstes bio-fine-dining Restaurant» bezeichnet und mit einem grünen Michelin-Stern ausgezeichnet ist. Unsere Erwartungen waren dementsprechend hoch. Das Ambiente ist lässig und auch aus einer architektonischen Perspektive interessant; das Restaurant befindet sich nämlich in einem 1928 von Otto Haesler unter der Regie von Walter Gropius entworfenen, denkmalgeschützten Gebäude im Bauhausstil. Es stehen verschiedene Menüs zur Auswahl, darunter auch 100 % vegetarische und auf entsprechende Anfrage auch zu 100 % pflanzliche (Kosten ab 117 Euro für 4 Gänge). Unser Fazit war jedoch durchzogen. Das Konzept ist unterstützungswürdig; in punkto Raffinesse und Servicequalität könnte das Erasmus aber noch einen Zacken zulegen.

Karlsruhe erasmus

Dies gerade auch im direkten Quervergleich mit dem Restaurant Sein. In dem mit zwei Michelin Sternen ausgezeichneten Lokal genossen wir ein von A bis Z perfektes Abendessen. Service, Ambiente, Getränkebegleitung (auch die alkoholfreie) und die einzelnen Gerichte rundum gelungen! Und damit ist auch klar, welches kulinarische Erlebnis man sich meiner Meinung nach bei einem Kurztrip nach Karlsruhe als Foodie nicht entgehen lassen sollte. Der Menüpreis variiert je nach Wochentag und startet bei 190 Euro für 7 Gänge (plus Einstimmung und Ausklang).

Michelin Sterne Restaurant Karlsruhe

23:00 Uhr – Late night drinks

Bei unseren beiden ausgedehnten Abendessen fehlte die Zeit, um die Barszene auszukundschaften. Dabei gäbe es mit dem Guts & Glory oder Cocktailbar der Kofferraum ein paar vielversprechende Adressen. Wer mehr darüber erfahren möchte, der findet in diesem kulinarischen Streifzug durch Karlsruhe von «feed me up before you go-go» ein paar Impressionen.

10:00 Uhr – Frisch gerösteter Kaffee im Alten Schlachthof

Am nächsten Morgen steuern wir als erstes den Alten Schlachthof in der Karlsruher Oststadt an. Das Gelände des städtischen Schlachthofs wurde nach seiner Schliessung im Jahr 2006 in einen Kreativpark umgestaltet. In den einstigen Schlachthofgebäuden findet sich heute ein vielfältiger Mix aus Ateliergemeinschaften, IT-Firmen, Start-ups, Non-Profit-Organisationen, Gewerbebetriebe und Kulturlokalen. Und mittendrin befindet sich eine empfehlenswerte Adresse für Kaffeeliebhaber/-innen. Die Kaffeerösterei Tostino überzeugt mich nicht nur mit exzellentem Kaffee und frisch gebackenen Franzbrötchen – sondern auch mit einem sonnigen Vorplatz, auf dem wir die Frühlingssonne beim Kaffeetrinken geniessen können.

Espresso Tostino Karlsruhe

12:00 Uhr – ins ZKM Karlsruhe eintauchen

Das Zentrum für Kunst und Medien (KZM) Karlsruhe ist eine einzigartige Kulturinstitution. Je nach Anzahl der parallel laufenden Ausstellungen kann man hier locker zwei bis drei Stunden verbringen. Zu den besonderen Attraktionen zählt die zwischenzeitlich als Dauerausstellung konzipierte Spieleplattform «zkm_gameplay. The next level». Auf einem ganzen Stockwerk können hier die unterschiedlichsten Games aus der Frühphase der Computerspiele bis zu Neuerscheinungen ausprobiert werden. Der perfekte Zeitvertrieb an Regentagen!

Und da aktuell das Hauptgebäude der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe umfassend saniert wird, erhält man bei einem Besuch im ZKM zeitgleich einen Einblick in dessen umfassende Sammlung. 

ZKM Karlsruhe

Kosten Erwachsene regulär 8 Euro, Kinder bis 17 Jahre gratis | Jeden Freitag ab 14:00 Uhr ist der Eintritt in die Ausstellungen des ZKM kostenfrei | Mo/Di geschlossen, Mi-Fr 10 – 18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, weiterführende Infos: ZKM Karlsruhe

15:00 Uhr – Ab nach Hause

Und schneller als gedacht, sind die 24 Stunden herum und unser Kurztrip kommt zu seinem Ende. Retour geht’s auf dem gleichen Weg, wie wir nach Karlsruhe gereist sind: mit dem Zug. Von Zürich aus dauert die Fahrt mit der schnellsten, direkten Verbindung knapp drei Stunden – sofern die Deutsche Bahn fährt. Wir erwischten bei unserem Kurztrip nämlich ausgerechnet einen Streiktag. Dabei entpuppte sich Karlsruhe als «redundantes» Reiseziel. Die Fächerstadt lässt sich nämlich auch mit dem TGV (Strecke Basel – Mulhouse – Strassburg – Karlsruhe) erreichen. Und das dauert gar nicht mal so viel länger.

Praktische Tipps für deinen Kurztrip nach Karlsruhe

  • Karlsruhe eignet sich von seiner Grösse her perfekt für einen Kurztrip. Mit einem Zeitbudget von 24 Stunden erhält man bereits einen guten Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wer es etwas entspannter mag, dem empfehle ich, zwei Übernachtungen einzuplanen.
  • Die Hotelauswahl in Karlsruhe ist eher bescheiden. Wir haben uns für das 133 Boutique Hotel (Partnerlink) in der Stadtmitte entschieden. Das liegt top, um die Karlsruher Innenstadt und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu Fuss zu erkunden. Zu beachten ist, dass die Zimmer nur über französische Betten verfügen und vom Design her sehr offen gestaltet sind (Bad im Zimmer). Zudem sind die gegen die Strasse orientierten Zimmer trotz angeblich schallisolierter Fenster eher laut bzw. hört man den Strassenlärm (wir sind uns das aber gewohnt, insofern fanden wir es nicht so schlimm). Die Zimmerpreise starten bei rund 92 Euro. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt unserer Ansicht nach – man muss sich einfach der oben stehenden Punkte bewusst sein.
  • Von Mitte August bis Mitte September finden jährlich die Schlosslichtspiele statt. Und ein weiteres Highlight auf der Eventagenda ist die Karlsruher Weihnachtsstadt. Diese startet jeweils Ende November und dauert bis zum 23. Dezember.

Weitere Tipps für Städtereisen in Süddeutschland

Noch mehr Inspiration für Kurztrips in süddeutsche Städte findest du hier:

Über den Autor

Artikel

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.
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