Wanderguide El Calafate & El Chaltén: die schönsten Touren

Wanderguide El Calafate & El Chaltén: die schönsten Touren

Das argentinische Pendant zum Torres del Paine Nationalpark heisst «Los Glaciares Nationalpark». Der Park umfasst direkt angrenzend an den Torres del Paine eine Fläche von über 4’400 km2 und zählt seit 1981 zu den UNESCO Weltnaturerbe. Wir reisten nach unserem Reiseauftakt im chilenischen Süden Patagoniens weiter Richtung El Calafate & El Chaltén. Die beiden Ortschaften sind die Hauptausgangspunkte für Erkundungen im Los Glaciares Nationalpark.

2 Tage in El Calafate: Perito Moreno & Laguna Nimez

Nach einer schier endlosen Fahrt durch die ebene Steppenlandschaft Argentiniens taucht der Lago Argentino wie eine Art Fata Morgana in der Ferne auf. Der Lago Argentino ist der grösste See Argentiniens und sein knalliger Blauton hebt sich surreal von den Braun- und Gelbtönen der Pampa ab. Die Kleinstadt El Calafate liegt am Ufer des Lago Argentino in etwa 70 Kilometer Distanz zur Hauptattraktion der Region dem Perito Moreno Gletscher. Nach Punta Arenas und Puerto Natales habe ich in El Calafate das Gefühl mitten in einer Touristenhochburg gelandet zu sein. Irgendwie logisch, den die Kleinstadt floriert dank Nationalparkbesuchern und dementsprechend ist hier alles auf Touristen ausgerichtet. Das Positive daran ist, dass man in den zahlreichen Läden entlang der Hauptstrasse alles findet – auch Schuhbändel und Duct Tape (meine Reisetasche zeigte schon nach kaum drei Wochen erste Schwächen).

Das Highlight | Perito Moreno

Selbstverständlich wollen auch wir uns den Perito Moreno Gletscher anschauen und machen uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Gletscherzunge. Für die gut 70 Kilometer Fahrt bis zum Parkplatz beim Perito Moreno Gletscher (Estacionamiento Pasarelas Glaciar Perito Moreno) benötigen wir knapp 1.5 Stunden. Der Parkeintritt kostet 500 argentinische Pesos pro Person. Die Strecke wird alternativ von diversen Busanbietern bedient, die für das Ticket zwischen 300 und 600 argentinische Pesos verlangen. Aufsummiert kommt da eine happige Summe zusammen und so versuchen am Ortseingang von El Calafate zahlreiche ihr Glück mit Trampen. Wir haben zwei Mädels aus Frankreich und Neuseeland mit unserem Auto mitgenommen. Vom Parkplatz aus gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ihr setzt euch in einen der kostenlosen Shuttles, der euch direkt zu den Hauptaussichtsplattformen auf den Gletscher chauffiert oder aber ihr tut es uns gleich und «wandert» ca. 30 bis 45 Minuten dem «Beach Trail» entlang, bis ihr ebenselben Aussichtspunkt erreicht. Wir haben alles zu Fuss gemacht und sind so automatisch in den Genuss verschiedener Blickwinkel auf den Gletscher gekommen.

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Für NaturliebhaberInnen | Laguna Nimez

Den zweiten Tag nutzen wir für einen Besuch der Laguna Nimez am Stadtrand von El Calafate. Der Eintritt in das kleine Naturschutzgebiet kostet 200 argentinische Pesos pro Person und das Ticket ist für eine Woche gültig (mehmalige Besuche möglich). Hier bietet eine schöne Rundwanderung (ca. 1.5 Stunden) Einblicke in die Flora und Fauna der argentinischen Steppenlandschaft. Leider waren die Flamingos an jenem Tag zu weit entfernt für unser 90 mm Objektiv, dafür hat eine Fuchsfamilie zufällig unseren Weg gekreuzt. Für mich ein lohnenswerter Abstecher – und definitiv viel weniger touristisch als der Perito Moreno Gletscher.

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El Chaltén: 4 Tage, 5 Wanderungen

Vor unserer Weiterfahrt nach El Chaltén stocken wir an einem Bankomat in El Calafate unsere Pesos auf und tanken unser Auto voll. Das Tanken ist in Argentinien im Vergleich zu Chile merklich günstiger, dafür ist man beim Bargeldbezug aufgrund des starken Werteverlustes des argentinischen Pesos nicht 100% sicher, ob das nun ein guter oder schlechter Deal ist. Mir scheint das irgendwie konfus. El Chaltén ist deutlich kleiner als El Calafate und das Angebot an Läden dementsprechend limitiert. Es gibt einen Bankomat (den wir jedoch nicht getestet haben) sowie eine Tankstelle (die bei unserem Besuch in Betrieb war). In diversen Restaurants sowie in unserer Unterkunft war das Zahlen mit Karte grundsätzlich möglich (teilweise ab Mindestbeträgen). Wir hatten uns aber darauf eingestellt, alle Ausgaben vor Ort Bar zu bezahlen.

El Chaltén gilt als das Trekkingmekka Argentiniens und es warten hier zahlreiche tolle Trails darauf, «erwandert» zu werden. Es lohnt sich somit, bei der Reiseplanung für El Chaltén ähnlich viel Zeit einzurechnen wie für den Torres del Paine Nationalpark. Wir hatten nach einer verregneten Ankunft grosses Wetterglück und konnten bei drei Übernachtungen vor Ort insgesamt fünf Wanderungen unternehmen. Drei davon sind grössere Touren und die nachfolgend zwei ersten Tipps beschreiben kürzere Wanderungen, die gut kombinieren lassen. Genial finde ich, dass in El Chaltén alle Wanderungen direkt im Dorf starten. So kann man das Auto getrost stehen lassen und ist auch nicht auf irgendwelche Busse angewiesen.

#1 Chorrillo del salto

Direkt nach unserer Ankunft in El Chaltén folgen wir mit dem Auto für knappe 10 Minuten dem Weg Richtung Lago del Desierto, um uns den schönen Wasserfall des Rio Chorrillo anzusehen. Zu Fuss benötigt man für die Strecke bis zum Wasserfall eine knappe Stunde ab El Chaltén.

Chorrillo del Salto El Chaltén

#2 Miradores Los Condores y Las Aguilas

Nach einer kurzen «Verschnaufpause» (die wenigen Meter vom Parkplatz zum Wasserfall haben die Bezeichnung «wandern» eigentlich nicht verdient) nutzen wir die Wetterbesserung am frühen Abend für einen Abstecher auf den Hausberg von El Chaltén. Die Wolken verhüllen zwar die Gipfelhighlights namens Fitz Roy und Cerro Torre noch, doch der Panoramablick über El Chaltén ist den kurzen Aufstieg zum Mirador los Condores allemal wert. Mit einer kleinen Zusatzschlaufe erreicht man den Mirador Las Aguilas, von wo aus man den Lago Viedma überblickt. Wir haben diese Zusatzschlaufe aufgrund der untergehenden Sonne und des aufkommenden Windes sausen lassen. Für den Besuch beider Miradores rechnet ihr am besten zwei Stunden ein. Wir benötigten rund eine Stunde für den Abstecher auf den Mirador los Condores (inklusive Rückweg).

Mirador Los Condores El Chaltén Wanderung Mirador Los Condores

#3 Laguna de los Tres

Ein Tourenhighlight ist die Tageswanderung zur Laguna de los Tres vor dem imposanten Fitz Roy und seinen Trabanten. Ab El Chaltén sind alle Wanderungen als Streckenwanderungen konzipiert (Hin- und Rückweg erfolgen auf dem gleichen Trail). Wer dies vermeiden möchte, der packt am besten seinen Trekkingrucksack und kombiniert die Touren in Form eines vier- bis fünftägigen Trekkings. Der Einstieg zur Laguna de los Tres befindet sich am nördlichen Dorfausgang der San Martin Strasse. Von dort aus führt der Weg via Laguna Capri und Campamento Poincenot in 10 Kilometer und 700 Höhenmeter zur Laguna de los Tres. Nachdem ich die ersten Höhenmeter auf den ersten drei Kilometern überwunden habe und bei herrlichstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen das erste Mal den Fitz Roy vor mir sehe, folge ich dem schmalen Pfad über eine Hochebene. Das fiese an dieser Wanderung ist, dass die ersten neun Kilometer sehr angenehm zu wandern sind und einem erst der letzte Kilometer Durchhaltewille abverlangt. Nach dem Campamento Poincenot gilt es nämlich auf einem Kilometer die noch fehlenden 400 Höhenmeter zu überwinden. Nach einer Verschnaufpause mit kräftigen Windböen bei der Laguna wandere ich den gleichen Weg zurück nach El Chaltén. Nach rund acht Stunden erreiche ich den Ausgangspunkt und spüre die 20 Kilometer in meinen Füssen – doch es hat sich gelohnt! Eine richtig tolle Tour. Übrigens: Ich empfehle einen frühen Start, denn ihr seid garantiert nicht alleine unterwegs und der Abstieg von der Laguna de los Tres zurück ins Campamento ist bei andauerndem Gegenverkehr eine äusserst lästige Angelegenheit (ich rede aus Erfahrung).

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#4 Laguna Torre

Der Trail zur Laguna Torre startet ca. in der Mitte der San Martin Strasse auf Höhe des markanten braun angestrichenen Hotelkomplexes «Los Cerros». Auch hier ist eine Wegstrecke von gut 10 Kilometern bis zur Laguna zu bewältigen. Dafür beträgt die Höhendifferenz gerademal 200 Höhenmeter. Somit ist diese Tour konditionell leichter als diejenige zur Laguna de los Tres. Analog zum Laguna de los Tres Trail folgt ein erster steilerer Abschnitt bis zum Mirador Cerro Torre (knapp 2 Kilometer). Eine hartnäckige Wolkenwand verwehrt uns erfolgreich den Blick auf den Cerro Torre. Bei ansonsten prächtigsten Wetterverhältnissen möchte ich jedoch nicht gross klagen und geniesse stattdessen den schön angelegten Trail, der über Stock und Stein und durch wunderschöne Südbuchenwälder führt.

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#5 Loma del Pliegue Tumbado

Da das gute Wetter anhält, nutzen wir auch den Abreisetag für eine Wanderung. Zum Abschluss haben wir uns den Wanderweg zum Mirador Loma de Pliegue Tumbado vorgenommen. Dieser startet am gleichen Ort wie der Trail zu den Miradores Los Condores y Las Aguilas bei der Nationalparkverwaltung. Die Wegstrecke bis zum Gipfel bewegt sich wiederum bei rund 10 Kilometern. Gipfelstürmer müssen ca. 1’100 Höhenmeter überwinden. Bis zum Mirador sind es gut 150 Höhenmeter weniger. Hier ist definitiv unsere Kondition gefragt und da wir an diesem Tag noch eine Fahrstrecke von 300 Kilometern zu bewältigen haben starten wir zeitig. Landschaftlich bietet der Trail zum Loma del Pliegue Tumbado nochmals neue Blickwinkel auf die beeindruckende Bergwelt des Los Glaciares Nationalpark sowie den Lago Viedma und er ist deutlich weniger oft begangen als die Trails zur Laguna Torre und Laguna de los Tres.

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Praktische Reisetipps für El Calafate & El Chaltén

  • Wir haben in El Calafate zwei Nächte im America del Sur Hostel in einem Doppelzimmer mit privatem Bad übernachtet. Die Zimmer sind relativ klein, dafür überzeugt das Hostel mit einem schönen grosszügigen Gemeinschaftsbereich und gutem wifi.
  • Begeistert hat uns die nette Bedienung im Buenos Cruces Restaurante. Ebenfalls empfehlenswert ist das El Rancho (nur Bargeld)
  • Geld und Wanderverpflegung (und sonstige Einkäufe) nach Möglichkeit in El Calafate besorgen, da die Auswahl in El Chaltén limitiert ist.
  • In El Chaltén haben wir drei Nächte in der Hosteria Kau Si Aike verbracht – die einzige Unterkunft in Patagonien, wo wir einen Wasserkocher auf dem Zimmer hatten. Die Besitzerin der Hosteria gibt sich alle Mühe und serviert beim Frühstück nebst Toast, Müsli und Eispeisen auch selbstgemachte Kuchen. Das wifi funktioniert nicht auf allen Zimmern (je näher beim Gemeinschaftsbereich, desto besser) und der Empfang hängt vom Wetter ab.
  • Zahlreiche Restaurants / Bars in El Chaltén haben zwischen 16:00 bis 20:00 eine Happy Hour mit reduzierten Preisen auf die Getränke. Wir sind im Bourbon zum Apéro eingekehrt und fanden die Pizza in der Cervecería Artesanal Chaltén sehr lecker (dort gibt es auch hausgebrautes Bier)
  • Für die Wanderungen in El Chaltén muss keine Parkgebühr bezahlt werden (kostenlos) und die Trails sind gut ausgeschildert (inklusive Kilometrierungsangaben bei den Touren zur Laguna de los Tre und Laguna Torre)
  • Auf der Webseite von El Chaltén sind einige der hier aufgeführten Wanderungen auf Spanisch detailliert beschrieben
  • Wir nutzten für die Planung der Wanderungen zudem den Patagonien Wanderführer vom Bergverlag Rother

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Stefan Januar 26, at 08:28

    Wunderbar! :-) Ich fühle mich direkt zurückversetzt in unsere Hochzeitsreise im Dezember 2013 und Januar 2014. Das Wanderparadies El Chaltén war dabei unser nördlichstes Ziel und wir durften uns über eine wolkenfreie Sicht auf die Torres und den Fitz Roy erfreuen. Die Tankstelle in El Chaltén hatte bei unserem Besuch jedoch gerade mal kein Benzin und das mit dem Bargeldbezug in Argentinien war immer wieder eine kleine Glückssache. Unser grösster "Horror-Moment" der Reise war nicht etwa der Nagel im Reifen des Autos, sondern die (zu) vielen Touristen beim Perito Moreno... ist man doch sonst grossmehrheitlich eher alleine unterwegs. Aber es lohnt sich trotzdem, wie du ja auch gesehen hast :-) Wenn du magst, hier der Link zu ein paar Fotos unserer Reise im Süden Patagoniens: https://www.querdurchdenalltag.com/fotos/gallery/patagonien_2013-2014 Liebe Grüsse, Stefan

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    • Anita Brechbühl Januar 26, at 11:52

      Hoi Stefan danke für deinen Kommentar - ja wir hatten uns darauf eingestellt, dass in El Chaltén weder Bankomat noch Tankstelle funktioniert und waren dann positiv überrascht eine Tankstelle mit Benzin vorzufinden, aber das ist natürlich immer etwas Glücksache. Stimmt: Beim Perito Moreno Gletscher scheinen sich alle gerade durch Patagonien reisende Touristen an einem Punkt zu sammeln, wobei ich persönlich auch bei der Wanderung zur Laguns de los Tre ab den vielen Leuten etwas überfordert war

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