Mit Iran Visum im Pass in die USA reisen: mein Erfahrungsbericht

Mit Iran Visum im Pass in die USA reisen: mein Erfahrungsbericht

Was tun, wenn ich aufgrund getätigter Reisen in bestimmte Länder plötzlich mit Einreiserestriktionen konfrontiert werde? Der «Passport Index» dokumentiert jährlich, mit welchen Reisepässen es sich aufgrund der Visaabkommen am Sorgenfreiesten herumreisen lässt. 2018 führen Singapur und Südkorea gefolgt von Deutschland und Japan die Spitze an. Die Schweiz befindet sich gemeinsam mit Malaysia, Irland und Kanada auf dem fünften Platz. Nicht schlecht! Mit unserem Pass können wir unglaublich viele Destinationen dank gemeinsamen Abkommen visumsfrei bereisen. Das zeigt sich am Beispiel von Südamerika, wo wir für alle vier besuchten Länder (Chile, Argentinien, Bolivien und Peru) mit einem kostenlosen «visum on arrival» einreisen durften. Wenn man jedoch bestimmte Länder bereist, die einem anderen Land ein Dorn im Auge sind, dann ist man auch mit einem Schweizer Pass vor allfälligen Konsulatsbesuchen und Visumsanträgen nicht gefeit.

US-Visum Antrag nach Iran-Reise: so geht’s

Im Jahr 2016 startete die USA mit der Umsetzung des «Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Acts of 2015». Diese Massnahme zur Terrorbekämpfung sah vor, dass Personen, die ab dem 1. März 2011 in den Irak, Iran, Sudan oder nach Syrien gereist sind, das ESTA-Programm nicht mehr nutzen dürfen. Ob das nun wirklich eine Anti-Terrormassnahme oder nicht viel mehr eine wirtschaftliche Hürde für unbeliebte Nahost-Länder ist, darüber lässt sich streiten. Meiner Ansicht nach ist es zumindest auf den Iran bezogen Letzteres. Wer sich nun nämlich mit einer möglichen Iran-Reise auseinandersetzt – sei dies aus wirtschaftlichen oder touristischen Gründen – der nimmt damit zur Kenntnis, dass er für zukünftige USA-Reisen nicht mehr das praktische ESTA-Antragsformular nutzen darf, sondern einen Visumsantrag stellen muss.

Als ich letzten Juli in den Iran reiste, wusste ich bereits, dass wir einige Monate später gerne Hawaii besuchen würden. Und leider – auch wenn das Hawaii Archipel weit vom US-Festland entfernt liegt – gehört Hawaii zur USA. Ich war mir somit bewusst, dass ich mich nach meiner Rückkehr aus dem Iran um die Einreiseformalitäten in die USA kümmern musste.

Visumsantrag stellen

Einen Visumsantrag für die USA stellen ist mit einem Zeitaufwand und mit Kosten verbunden. Das Vorgehen für SchweizerInnen und Schweizer sieht wie folgt aus:

  • Online Formular «DS-160» mit persönlichen Angaben, Dokumentation früherer US-Einreisen sowie dem Reisegrund ausfüllen
  • Die Visumsgebühren von 160$ Dollar per Bank überweisen
  • Einen Termin auf der US Botschaft vereinbaren
  • Den «Interviewtermin» auf der US Botschaft in Bern wahrnehmen

Die Details zur Antragsstellung findet ihr auf dieser offiziellen Seite mit den entsprechenden Direktlinks erläutert.

Im Gegensatz zum ESTA, das ich mit wenigen Klicks und gegen eine verkraftbare Gebühr von 14$ online ausfüllen kann, ist der Antrag für ein US-Visum deutlich aufwändiger. Zu den Visumskosten kommen zusätzlich noch die «Kosten», die mit einer Reise nach Bern (Bahntickets) und dem damit verbundenen Arbeitsausfall einhergeht. Im Gegensatz zu anderen Visumsanträgen besteht keine Möglichkeit, dies an eine Person zu delegieren. Man muss persönlich bei der Botschaft vorbeigehen. Kurz liebäugelte ich mit dem Gedanken, einfach einen neuen Pass zu beantragen. Das Problem ist jedoch, dass man beim Ausfüllen des ESTA-Formulars gefragt wird, ob man die erwähnten Länder nach 2011 bereist hat und man somit beim Ausfüllen bewusst lügt. Keine Ahnung, ob die USA in der Lage ist, dies herauszufinden. Ich finde aber, dass es einem mit keinem guten Gefühl in die USA reisen lässt. Und daher hatte ich mich gut drei Monate vor der Abreise unseres sechsmonatigen Trips an einem Abend hingesetzt und das Online Formular «DS-160» ausgefüllt.

Die Fragen «wann ich in die USA einreise», «wen ich dort besuche» und «wo ich übernachte» fand ich ziemlich sinnfrei. Die US-Behörde empfiehlt nämlich, zuerst den US-Visumsantrag zu stellen, bevor konkret eine Reise in die USA gebucht wird. Woher soll ich also wissen, wann genau ich an welchem Flughafen einreise und wo ich übernachten werde? Ich hatte in diesen Feldern dann halt einfach irgendetwas in Bezug auf mein anvisiertes Reiseziel Hawaii eingesetzt. Das Ausfüllen des Online-Formulars dauerte inklusive Durchlesen des Vorgehens und dem Zusammentragen früherer Einreisedaten in die USA (lohnt sich übrigens hierfür die Passstempel zu konsultieren) rund 45 Minuten. Danach überwies ich gemäss Vorgaben die Visumgebühr. Am darauf folgenden Tag wurde ich für die Terminvereinbarung freigeschaltet. Für die nächsten freien Termine war eine Woche Wartezeit nötig, was Standard ist. Ich empfehle, ein möglichst frühes Zeitfenster auszuwählen (Beginn je nach Wochentag ab 8:15 Uhr), da sich so die Verzögerungen in Grenzen halten. Der frühste mögliche Termin für mich war eine Woche später um 8:15 Uhr.

Vor dem Interviewtermin war ich relativ nervös. Ich tendiere dazu, die Seriosität der Amerikaner in diesem Zusammenhang nicht ernst zu nehmen, was man mir relativ gut anmerkt. Ich nahm mir jedoch fest vor, diesmal schön brav und geduldig auf alle möglichen Fragen zu antworten. Es dient ja der Terrorbekämpfung…

Auf der US-Botschaft in Bern musste ich zuerst die entsprechenden Dokumente vorweisen, damit ich mich einreihen durfte. Das Anstehen erfolgt nach den entsprechenden Zeitslots. Danach folgt eine Sicherheitskontrolle, wie man sie vom Flughafen kennt. Man muss alle elektronischen Geräte abgeben (und zeigen, dass sie ausgeschaltet sind). Es wird im Vorfeld darauf hingewiesen, dass nur kleine Taschen mit minimalen Inhalt mitgebracht werden dürfen. Danach folgen drei Schalter. Am ersten Schalter wird die Vollständigkeit der Dokumente und des Antragsformulars überprüft. Am zweiten Schalter werden die Fingerabdrücke genommen und am dritten Schalter findet das Interview statt. Ich hatte mich auf alles eingestellt, nur nicht darauf, dass diese Sache in weniger als fünf Minuten abgehandelt ist. Der Dialog war in etwa so (auf Englisch):

«Wieso nutzen Sie nicht das ESTA?»

«Weil ich im Iran war.»

«Was haben Sie im Iran gemacht?»

«Das Land bereist und ein Trekking auf den höchsten Berg des Irans unternommen.»

«Oh, spannend! Ich habe gehört, der Iran sei sehr schön.» «Ihr Visumantrag ist akzeptiert.»

Sprach er, stempelte mein Formular und informierte, dass mir mein Pass mit Visum einige Tage später per Post zugestellt wird. Tatsächlich hatte ich ihn drei Arbeitstage später in der Post.

Fazit: so viel Aufwand, nur weil ich ein Land bereiste, dass die USA nicht lässig findet. Und das zackige Abhandeln auf der US-Botschaft zeigt mir, dass es halt eben wirklich mehr eine «bürokratische Hürde», als eine Terrorbekämpfungsmassnahme ist. Klar, vielleicht fischen Sie sie so die eine oder andere verdächtige Person heraus. Aber für die grosse Mehrheit ist es ein Fakt, der ihren Reiseentscheid für oder wider den Iran (oder auch die USA) beeinflusst.

Ich habe nun für zehn Jahre ein gültiges US-Visum vom Typ B1/B2 (Geschäfts- und Touristenvisum), das auch nach Ablaufen meines Passes seine Gültigkeit behält, wenn die entsprechende Seite nicht durchlocht wird.

Von Lima über Los Angeles nach Hawaii

Trotz meines US-Visums im Pass war ich am Ende unserer Südamerika-Reiseetappe leicht nervös über die anstehende Einreise in die USA. Ein Visum per se gibt ja nur die Erlaubnis, einen Flug in die USA anzutreten. Ob man dann effektiv einreisen darf, entscheidet die Grenzbehörde vor Ort. Und da man immer mal wieder Horrorgeschichten von stundenlangen «Verhören» etc. liest, hielt sich meine Vorfreude über das Einreiseprozedere in Grenzen. Wir reisten von Lima via Fort Lauderdale nach Los Angeles. Direktflüge zwischen Lima und Los Angeles sind horrend teuer. Da schien uns die kostengünstigere Jet Blue Alternative mit einem fünfstündigen Zwischenstopp in Fort Lauderdale attraktiver. Als wir uns 24 Stunden vor Abflug online einchecken wollten, gab es beim ersten Versuch eine Fehlermeldung, die meinte, wir müssen uns am Flughafen beim Bodenpersonal der Fluggesellschaft melden. Ich versuchte es ein zweites Mal und gab dabei aber nur den Namen des Freundes ein, der nicht im Iran war und somit das ESTA-Antragsformular ausgefüllt hatte – dies funktionierte einwandfrei. Er erhielt seine Bordkarte. Bei mir scheiterte auch der zweite Versuch. Ihr könnt euch vorstellen, so etwas macht nervös.

Schlussendlich war alles halb so wild und meine einstigen Bedenken, ob eine Einreise via Peru in die USA nicht für zusätzliche Schwierigkeiten sorgt, stellte sich im Gegenteil als positiven Faktor heraus. Die Peruaner müssen nämlich alle auch mit Visa in die USA einreisen. Das bedeutet das Flughafenpersonal in Lima ist sich gewohnt, in den Pässen die Visa zu überprüfen. Der Freund sorgte da schon eher für Verwirrung, weil der gute Herr einfach kein Visum in seinem Pass fand. Auch ich erhielt meine Bordkarte ohne die befürchteten «SSSS» drauf und in Fort Lauderdale plauderten wir mit dem Grenzbeamten freundlich über unsere Hawaii-Ferien und die anschliessende Weiterreise nach Japan. «Oh Sie werden die Kirschblüten lieben. Japan ist wunderbar». Ach USA, du überraschst immer wieder.

Es bleibt einzig das Fragezeichen, ob ich bei allen zukünftigen US-Flügen Schwierigkeiten beim Online Check-in haben werde. Ich gehe davon aus, dass die Fluggesellschaften automatisch die ESTA-Registrierung ihrer Passagiere überprüfen und man daher mit einem Visum einen «technischen» Nachteil hat.

Venice Beach Vibes

Nach zwei angenehmen Flügen mit Jet Blue (wir haben bisher nur gute Erfahrungen mit dieser Airline gemacht), erreichten wir Los Angeles. Wir hatten uns hier für einen dreitägigen Zwischenhalt entschieden. Da wir alle Flüge unserer Reise als Einzelflüge buchten, schienen mir solche «Buffers» zwischen den einzelnen Destinationen sinnvoll. Sei es, weil der Koffer nicht ankommt, oder sonst Unvorhergesehenes passiert. Zudem war ich noch nie an der US-Westküste, was einen Zwischenstopp natürlich auch mehr als rechtfertigt. Dennoch hatte ich für unseren Zwischenhalt in Los Angeles nie den Anspruch, ein umfangreiches Sightseeing-Programm zu absolvieren. Das ganze Hollywood-Zeugs interessiert mich nur mässig.

Wir buchten für drei Tage ein Apartment am Venice Beach (Venice Suites). Meiner Meinung nach eine super Lage. Nah beim Flughafen und in fussläufiger Distanz zum Santa Monica Pier und dem schönen Venice Canals Walkway. Mein liebster Ort in dieser Gegend war schnell gefunden: Der Abbot Kinney Boulevard mit seinen zahlreichen lässigen Restaurants und coolen Concept Stores. Müsste ich meine Tasche nicht noch weitere drei Monate mittragen, dann wäre ich hier wohl hemmungslos dem Shoppingfieber verfallen. So blieb es bei einer Jeans und einem T-Shirt. Wir haben einige Restaurants ausprobiert. Meine Favoriten sind «The Buchter’s Daugther» und «Gjelina» sowie das Eis von «Salt & Straw».

Venice Beach Sonnenaufgang Venice Kanäle Venice Frühstück im Butchers Daughter Venice Beach Los Angeles Santa Monica Pier USA Santa Monica Kalifornien Sonnenuntergang

Honolulu in a nutshell

Nach drei Tagen Los Angeles ging unsere Reise mit Hawaiian Airlines weiter Richtung Hawaii. Als Erstes steuerten wir hier die Insel Oahu mit der Hauptstadt Honolulu an. Insgesamt verbrachten wir auf Oahu vier Nächte. Drei am Anfang und eine am Schluss der Reise vor dem Weiterflug nach Japan. Ursprünglich hatte ich die Idee, einen vollen Tag in Waikiki zu verbringen und danach für einen Tag ein Auto zu mieten, um an den North Shore zu fahren. Schlussendlich verzichteten wir auf die Tagesmiete, da Honolulu genügend Aktivitäten für zwei volle Tage bietet. Wir erkundeten China Town, besuchten das Honolulu Museum of Art, spazierten am Waikiki Beach entlang, probierten Shaved Ice (von Island Vintage Shave Ice), erklommen den Diamond Head und genossen die tolle Abendstimmung. Oahu war uns – im Gegensatz zu den anderen Inseln – wettermässig äusserst freundlich gesinnt.

Honolulu Theater Honolulu-Chinatown Chinesischer Tempel in Honolulu Downtown Honolulu-Waikiki-Strand Shaved Ice Spezilität Hawaii Leuchtturn Oahu Panoramablick Honolulu Waikiki Waikiki Beachfront Surfer in Waikiki Hawaii Abendstimmung Waikiki Oahu

In Honolulu kann ich euch den Steak Shack, Marukame Udon sowie den South Shore Grill (etwas ausserhalb von Waikiki Richtung Diamond Head) für eine preiswerte aber äusserst leckere Mahlzeit empfehlen. Für ein erfrischendes Glacé ist nebst Island Vintage Shave Ice «Henry’s Place» eine gute Option. Und wer stilvoll mit Meerblick dinieren möchte, der findet sich im Orchids am richtigen Fleck. Nicht überzeugt hat uns dagegen das vielgelobte Roy’s.

Einigermassen preiswert in Waikiki zu übernachten und dabei in keiner eher grauseligen Unterkunft zu landen, ist nicht einfach. Die meisten Unterkünfte verrechnen zusätzlich zum Zimmerpreis eine Resort Fee und so landet man schnell bei mindestens rund 200$ pro Nacht fürs Doppelzimmer. Wir waren für 3 Nächte im Coconut Waikiki Hotel, das ein okay Preis-Leistungsverhältnis bietet aber von der Lage her eher semi-optimal ist. Dank einem Tipp auf dem Blog von Eliane Tschudi und einem guten Booking-Genius-Deal haben wir für die letzte Nacht in Waikiki noch das Hotel Renew in Waikiki ausprobiert. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, dann klar fürs Hotel Renew. Die Lage ist super und je nach Zimmerkategorie habt ihr Meersicht.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Christian Ö. April 02, at 09:42

    Danke für diesen informativen Bericht! Da überlegt man sich fast, zuerst alles in den USA anzusehen und erst danach die "ungeliebten" Länder anzusteuern. ;)

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