Jasper Nationalpark – eine eisige Angelegenheit

Jasper Nationalpark – eine eisige Angelegenheit

Gähnende Leere. In der Einkaufsmeile von Jasper sind in den Wintermonaten ganz im Gegensatz zum Trubel der sommerlichen Hochsaison nur wenige Nasen anzutreffen. Jasper selbst ist die einzige Ortschaft innerhalb der schier grenzenlos erscheinenden Wildnis des Jasper Nationalparks. „Das ist der richtige Fleck, um den Groove einer kanadischen Community zu erleben“, meint Skiguide Milt am Tag nach meiner Ankunft am letzten Etappenpunkt meines Road Trips durch die Kanadischen Rockies. Lasst euch aber nicht von der kleinstädtischen Gemütlichkeit täuschen. Jasper bildet nämlich der ideale Ausgangspunkt, um die Winterwunderwelt im Jasper Nationalpark zu erkunden und die hat es faustdick hinter den Ohren. All die sprudelnden Flüsse und glasklaren Seen, die im Sommer Gäste aus aller Welt anziehen, verwandeln sich im Winter in eine eisige Zauberwelt.

Pyramid Lake

Mit beinahe 11‘000 km2 ist der Jasper Nationalpark der grösste Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains und ein sogenanntes Dark Sky Preserve. Da Jasper die einzige Siedlung innerhalb des Parks ist, hält sich die Lichtverschmutzung in Grenzen. Ein Paradies für Sternengucker und Nachtschwärmer. Ich habe kurz über eine Nacht draussen in völliger Dunkelheit sinniert, hatte dann aber zu fest Schiss, dass ich in ein Wolfsgeheul-Konzert integriert werden würde. Stattdessen habe ich mir den Wecker gestellt und bin mit dem ersten Morgenlicht zum Pyramid Lake gefahren, der sich nur 15-Fahrminuten oberhalb von Jasper befindet. Vom zugefrorenen See aus gibt’s einen phänomenalen Weitblick über die Ebene bis hin zu den angrenzenden Gipfeln. Eiskalt aber wunderschön. Bis dann endlich die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Hügel hervor gegüxelt haben, hat sich das Gefühl aus meinen Fingerspitzen verabschiedet, um die wichtigeren Köperfunktionen warm zu halten. Doch das Frieren ist definitiv nicht umsonst. Die Morgenstimmung rund um den Pyramid Lake und den etwas tiefer liegenden Patricia Lake mit einem einsamen auf den Sommer wartenden Kanu ist einzigartig.

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Maligne Canyon

Klirrende Kälte zieht einem auch im Maligne Canyon um die Ohren. Ich erkunde den Canyon, der eigentlich gar kein Canyon, sondern eine nach oben hin geöffnete Karsthöhle ist mit SunDog Tours. Das Unternehmen bietet im Winter verschiedene geführte Outdooraktivitäten an. Dass Jasper im Winter wahrlich ein etwas verschlafenes Nest ist, zeigt sich darin, dass wir nur zu viert auf der Tour sind. Zwei Holländer, der Guide und ich. Eine nette Truppe. Im Gegensatz zum Johnston Canyon Icewalk in Banff, geht man hier wirklich auf Tuchfühlung mit dem Canyon. Nach einem halbstündigen Fussmarsch klettern wir über eine Abschrankung und stehen, schwupps, auf dem zugefrorenen Fluss. Das Wasser im Canyon stammt vom weiter oben liegenden Medicine Lake, wo es durch das Karstsystem in einem der weltweit grössten unterirdischen Flusssysteme abfliesst. Ohne Guide ist dieser Ausflug nicht wirklich empfehlenswert, denn der Eisschicht kann nicht blind vertraut werden. Teilweise bilden sich hauchdünne Schichten über tiefen Hohlräumen. Mit den Anweisungen unseres Guides und den vorher ausgehändigten Gummistiefeln mit Eisstollen tasten wir uns langsam vorwärts. Zwischendurch durchbricht eine Eisschicht knöcheltief und jedes Mal bleibt mein Herz vor lauter Schreck kurz stehen. Das Abenteuer lohnt sich trotz aller Kraxelei über den rutschigen Untergrund allemal. Höhepunkt sind die zwei vereisten Wasserfälle – besonders beliebt bei den Eiskletterern und eine Engstelle namens „the Chapel“. Man glaubt es kaum, aber hier tief unten im Canyon finden immer mal wieder Trauungen statt.

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Maligne Lake

Je weiter man sich Richtung Maligne Lake bewegt, desto eisiger wird die Angelegenheit. Zumindest was die Strassenverhältnisse betrifft. Angespornt vom Hinweis, dass auf dieser Strecke eine hohe Chance besteht, einen Elch anzutreffen, habe ich die rund 45 Kilometer lange Fahrt zum Maligne Lake in Angriff genommen. Die Elche liessen sich leider nicht blicken, doch die Fahrt bot genügend andere Ausblicke. Fahrtechnisch war diese Strecke eine Herausforderung. Dicke Eisplatten erforderten meine entsprechend hohe Aufmerksamkeit und Weitsicht, da bei Bremsmanöver ein Schlingern quasi unvermeidbar war. Gestoppt habe ich beim Medicine Lake, wo sich im Winter nur ein Fluss durchschlängelt und beim Maligne Lake, der ein beliebtes Ziel für Schneeschuhtouren ist.

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Marmot Basin

Ganz und gar nicht rutschig sondern überraschend griffig präsentierten sich dagegen die Pisten in Marmot Basin, dem einzigen Skigebiet des Jasper Nationalparks. Ich habe persönlich von diesem Skigebiet nicht besonders viel erwartet und war positiv überrascht. Müsste ich nach dieser Reise einen Favorit küren, würde ich wohl Marmot Basin mit dem Goldkrönchen ausstatten. Der einzige Hacken an Marmot Basin ist, dass es im Gegensatz zu Mt Norquay, Sunshine und Lake Louise isoliert liegt und nicht die Möglichkeit des Skigebiets-Hopping bietet. Dafür wurde der Hausberg von Jasper zumindest in diesem Jahr mit dem meisten Schnee gesegnet und bot mir in den frühen Morgenstunden einen sonnigen Blick auf das Nebelmeer und perfekt präparierte Pisten. Mein Skigiude Milt Gilmour stellt sicher, dass ich zumindest jede blaue Piste einmal gefahren bin. Besonders angetan hat es mir die Abfahrt mit dem treffenden Namen „Paradise“, die bei der Bergstation des Canadian Rocky Express starteten und mit wunderbaren Schwüngen bis hinunter zur Talstation führt. Klein aber fein – so würde ich Marmot Basin bezeichnen und kann jedem empfehlen, einen Skitag miteinzuplanen. Wer ohne Ausrüstung unterwegs ist, kann die Skier unkompliziert direkt bei der Talstation mieten. Zu guter Letzt bekam ich hier dann auch noch zu spüren, wie sich ein richtig kalter Pistentag anfühlt. Gegen den Mittag wurden die angenehmen Temperaturen von einer Minute auf die andere von einem klirrend kalten Wind weggeblasen. Bei Sesselliften ohne Wetterschutzhauben ist man da schnell einmal bis auf die Knochen durchgefroren und tauscht die Pisten gerne gegen einen warmen Platz im Restaurant.

Kosten Tagesskipass 85 CAD – Mehr Infos: Skimarmot.com

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Jasper Downtown

In Jasper selbst verbrachte ich nur die Abendstunden. Übernachtet habe ich im Sawridge Inn, dessen helle und grosszügige Zimmer mit Holzboden toll sind. Suboptimal ist die Lage. Das Hotel liegt an der Ausfallsachse von Jasper und zu Fuss gelangt man mangels Gehweg nicht wirklich praktisch ins Zentrum. Das Internet ist zwar kostenlos, aber leider zum Schnarchen langsam – vielleicht gibt’s ja da mal ein Update. Unkompliziert essen kann man zum Beispiel in der Famoso Neapolitan Pizzeria (607 Patricia Street) – ich kann auch die Salat – Pizza Combo empfehlen – und in der Jasper Brewing Company.

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Diese Reise wurde von Travel Alberta und Canusa unterstützt – vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • seunglee Juli 27, at 12:38

    wow das sind ja hammer Eis-Bilder. Grad auf Pinterest gepostet.

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  • Anke Januar 31, at 12:53

    Wundervolle Bilder aus dem Jasper NP. Wir sind hoffentlich Ende Mai / Anfang Juni dort. Dann werden wir wahrscheinlich (hoffentlich) kein Eis oder Schnee mehr haben. Aber die Landschaft ... hach, da kribbelt es uns schon jetzt vor Freude!

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