Sonnenstunden sind in Zürich im Januar ein rares Gut. Laut Statistik kamen in den letzten dreissig Tagen gerade einmal knapp 60 Stunden zusammen. Entsprechend tief war die Motivation für Winterausflüge, zumal auch der Schnee in höheren Lagen lange auf sich warten liess. Doch als am Freitag endlich wieder ein paar Zentimeter Neuschnee fielen, war sie plötzlich zurück: die Lust auf eine Schneeschuhwanderung.
Unsere Wahl fiel auf den Bischofalp-Schneeschuhtrail oberhalb von Elm im hintersten Zipfel des Glarnerlands. Hoch über dem Tal lockten Sonne, frischer Pulverschnee und die Aussicht auf einen stahlblauen Winterhimmel. Und wir wurden nicht enttäuscht: Der Schneeschuhtrail Bischofalp wurde unseren Erwartungen mehr als gerecht.
Mit der Gondel der Sonne entgegen
Elm ist das hinterste Dorf im Senftal, einem Seitental des Glarnerlands. Die Anreise mit dem öV funktioniert tipptopp. Auch wenn der Bus in Schwanden GL zunächst bis auf den letzten Platz gefüllt ist, bleibt nur etwa die Hälfte der Fahrgäste bis zur Haltestelle Elm Sportbahnen sitzen. Viele Skitourengänger und Schneeschuhläufer steigen bereits in Matt aus und fahren von dort mit der Gondelbahn hinauf in die Walsersiedlung Weissenberge, wo ebenfalls ein markierter, konditionell etwas anspruchsvollerer Schneeschuhtrail wartet.
Wir hingegen bleiben bis Elm Sportbahnen sitzen. Während der Talboden in Elm um diese Jahreszeit kaum Sonne abbekommt, tauchen wir in der Gondelbahn nach gut der Hälfte der Fahrzeit plötzlich ins Licht und blinzeln freudig dem ersten Sonnenstrahl entgegen.

Schneeschuhwanderung ins Winterparadies hoch über Elm
Fast zehn Jahre ist es her, seit wir zuletzt in dieser Gegend unterwegs waren. Damals wanderten wir während drei Tagen durch das älteste Wildschutzgebiet Europas, den Freiberg Kärpf, übernachteten auf der Bischofalp und durchquerten die gleiche Gegend wie heute auf dem Schneeschuhtrail. Allerdings war es damals so neblig, dass mir die Skilifte kaum auffielen. Den Trubel rund um die Bergstation Ämpächli lassen wir aber rasch hinter uns und tauchen direkt in die stille Winterlandschaft ein.
Die ersten 1,5 Kilometer folgen wir einem präparierten Weg, auf dem auch der ausgeschilderte Winterwanderweg zum Berghotel Bischofalp verläuft. Eine echte Genussstrecke mit herrlichem Panorama: Der Blick schweift über die zackigen Gipfel der Tektonik-Arena Sardona bis zum eindrücklichen Talabschluss des Sernftals mit dem markanten, 3168 Meter hohen Hausstock. Wir kommen hier zügig voran und erreichen nach knapp dreissig Minuten die Verzweigung beim Weiler Hängstboden. Die kleinen, von der Sonne dunkel gebrannten Heuerhüttli sind ein beliebtes Fotomotiv.



Hier beginnt der schönste Abschnitt der Schneeschuhwanderung. Der ausgeschilderte Trail führt an den Hütten vorbei durch ein kurzes Waldstück und anschliessend über offenes, sonniges Gelände weiter Richtung Wildbeobachtungsstation. Schritt für Schritt gewinnen wir an Höhe, bis wir schliesslich das «Matthüttli», den höchsten Punkt der Runde, erreichen. Hier halten wir kurz inne, lassen das weite Panorama auf uns wirken und geniessen die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht.






Auf dem Abstieg Richtung Berghotel Bischofalp öffnet sich nochmals ein herrlicher Blick talauswärts über das verschneite Tal. Der frische Pulverschnee knirscht unter den Schneeschuhen, und wir können tatsächlich die ersten Spuren in die unberührte Fläche ziehen. Spätestens hier wird klar: Es hat sich definitiv gelohnt, bei der Wahl des Schneeschuhtrails nicht nur auf die Route, sondern auch auch auf Schneehöhen und Neuschneeprognosen zu achten.


Sonnige Pause im Berghotel Bischofalp
Rund eine Stunde und 15 Minuten nach dem Start bei der Bergstation Ämpächli erreichen wir die Sonnenterrasse des Berghotel Bischofalp. Es ist kurz vor Mittag und entsprechend herrscht bereits reger Betrieb, trotzdem ergattern wir problemlos einen der begehrten Plätze an der Sonne. Die Bedienung ist freundlich und schnell, so dass wir nicht lange auf die wohlverdiente Stärkung warten müssen. Auf der Karte stehen Klassiker wie die hausgemachte Gerstensuppe, aber auch spannend klingende Gerichte wie die «Älplertäsche» (definitiv empfehlenswert!) sowie lokale Spezialitäten wie die Chlitaler Wurst. Etwas Platz für einen süssen Abschluss solltest du dir aber unbedingt lassen, denn der Aprikosenkuchen mit Rahm ist ebenfalls köstlich!

Über den Winterwanderweg zurück zum Ämpächli
Zum Abschluss führt uns derselbe Weg wie zu Beginn nochmals über den präparierten Winterwanderweg gemütlich talwärts zurück zur Ämpächli. Und ja; unsere Laune hat dieser Ausflug definitiv aufgehellt – und Vitamin D haben wir hoffentlich auch gleich genug getankt für die nächsten Tage unter der Zürcher Nebeldecke.


Eckdaten der Schneeschuhwanderung auf dem Bischofalp-Schneeschuhtrail
Nachfolgender Karte könnt ihr den Routenverlauf des Schneeschuhtrails Bischofalp entnehmen. Der Weg startet bei der Bergstation der Gondelbahn Elm–Ämpächli und ist mit der Routennummer 992 ausgeschildert sowie gut markiert.
Die ersten 1,5 Kilometer folgt der Schneeschuhtrail einem gepfadeten Winterwanderweg. Für diesen Abschnitt braucht man die Schneeschuhe nicht zwingend. Gerade an Tagen mit Neuschnee sind sie jedoch praktisch, da man weniger tief einsinkt. Beim Weiler Hängstboden zweigt der Schneeschuhtrail links ab und führt über offenes, sonniges Gelände mit herrlicher Sicht Richtung Elmer Dreitausender ins älteste Wildschutzgebiet Europas, den Freiberg Kärpf. Bitte beachtet die Hinweisschilder und bewegt euch ausschliesslich auf den markierten Wegen.
Die Strecke hält technisch keine besonderen Schwierigkeiten bereit, da der Trail sanft ansteigt. Einzig beim Matthüttli hinunter Richtung Bischofalp erwartet euch eine etwas steilere Passage. Die Route kann problemlos auch in umgekehrter Richtung absolviert werden.
| Ausgangspunkt | Bergstation Gondelbahn Ämpächli (1’485 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | Talstation mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar (Haltestelle Elm Sportbahnen) |
| Länge | 5 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 325 m ↘ 325 m |
| Dauer | 2:30 h |
| Zielort | Bergstation Gondelbahn Ämpächli (1’485 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Berghotel Bischofalp und Bergrestaurant Ämpächli (beide während der Wintersaison bis Ende März täglich geöffnet) |
Praktische Tipps für deine Schneeschuhwanderung in Elm
- Die Talstation der Gondelbahn Elm–Ämpächli (Bushaltestelle Elm Sportbahnen) erreichst du von Zürich aus in rund 1 h 45 min mit Zug und Bus. Etwas länger dauert die Anreise mit dem «Glarner Sprinter»: Damit fährst du zwar direkt bis nach Schwanden GL und sparst dir den zusätzlichen Umstieg in Ziegelbrücke, bist dafür aber etwa 25 Minuten länger unterwegs.
- Für die rund fünf Kilometer lange Runde solltest du inklusive Pausen etwa drei bis vier Stunden einplanen. Die reine Gehzeit beträgt ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden – je nach Schneeverhältnissen und Gehtempo.
- Die Wintersaison dauert je nach Schnee-, Pisten- und Wetterverhältnissen von Ende November bis Ende März. Die Gondelbahn Elm–Ämpächli ist während dieser Zeit täglich von 08:15 bis 17:00 Uhr in Betrieb. Die Hin- und Rückfahrt kostet für Erwachsene 21 CHF. GA und Halbtax sind nicht gültig.
- In der Wintersaison haben auch das Berghotel Bischofalp sowie das Bergrestaurant Ämpächli täglich geöffnet. Beide punkten mit einer grosszügigen Sonnenterrasse und einer herrlichen Aussicht auf die gegenüberliegenden Gipfel der Tektonik-Arena Sardona.
- Von der Bergstation Ämpächli führt ein rund vier Kilometer langer Schlittelweg hinunter ins Tal nach Elm. Schlitten können direkt bei der Bergstation gemietet werden. Wer mag, kombiniert die Schneeschuhtour mit einer rasanten Abfahrt zum Abschluss.


