Travelita – Reiseblog

Wandern auf den Färöer-Inseln: das solltest du wissen

Steile Klippen, abgelegene märchenhaft erscheinende Dörfer und weit und breit kein Gehölz, das die Sicht auf die eingefurchten und von Wasserläufen durchzogenen Bergflanken versperrt – mitten im Nordatlantik gelegen, bilden die Färöer-Inseln ein Mekka für Naturliebhaber und Outdoorfans. Trotz aller Abgeschiedenheit empfiehlt es sich auch hier, einige – eigentlich selbstverständliche – Grundsätze beim Unterwegssein in der Natur zu beachten.  

Die kleine Inselgruppe gehört mit zu denjenigen Reisezielen, deren Popularitätszuwachs auf Instagram zurückzuführen ist. Die im Netz herumschwirrenden Bilder dieser imposanten Landschaft haben in den letzten Jahren den Tourismus auf den Färöer-Inseln angekurbelt – in einem Tempo, mit dem viele Einheimische nicht gerechnet haben. Nebst den positiven Effekten, die der Tourismus für die lokale Wirtschaft bringt, schwingt mancherorts spürbare Skepsis mit. Die Touristen bringen nicht nur Geld auf die Inseln, sondern trampeln oftmals auch ungeniert querfeldein über Privatgrund – wieso sollte man sich in dieser Einöde von Wegmarkierungen und Zäunen einengen lassen?

Doch genau dieser fehlende Respekt führt dazu, dass wir an einigen Orten auf den Färöern-Inseln «aufgelaufen» sind. Statt uns einfach über die Verbotsschilder hinwegzusetzen und ebenfalls Bilder zu zeigen, die man nur durch widerrechtliches Betreten von Privatgrund schiesst, möchten wir mit diesem Beitrag fünf wichtige Fakten rund ums Wandern auf den Färöer-Inseln weitergeben. Am Ende zeigen wir euch zudem unsere persönlichen Wanderhighlights – das sind fünf Routen, die alle offiziell ausgeschildert und individuell begangen werden dürfen.

#1: Informiere dich über das Wegnetz

«Ihr müsst unbedingt zum Drangarnir», erzählt uns ein Belgier, den wir unterwegs treffen. Der sei «episch» schwärmt er und fügt an «die Wanderung hingegen war extrem hart – ich war sieben Stunden unterwegs und musste über mehrere Zäune klettern». Stolz zückt er sein Smartphone und zeigt mir die Trophäe: ein Insta-Post mit dem famosen Drangarnir als Hauptdarsteller. Ich gebe mir Mühe, keine Miene zu verziehen und frage ihn, ob er denn nicht wisse, dass die Wanderung zum Drangarnir über Privatgrund führt und man die Tour eigentlich nur mit einem Guide machen darf (Details dazu hier: Drangarnir Hike).

Dieses kurze Gespräch mit dem Belgier zeigt exemplarisch, welche Konfliktpunkte der aufstrebende Tourismus auf den Färöer-Inseln bringt. Viele fotobegeisterte Reisende grasen nahezu blindlings die Fotospots ab, die sie auf Instagram gesehen haben und nehmen die allgemeinen Hinweise für Wanderer nicht zur Kenntnis. Aufgrund des stark wachsenden Tourismus der vergangenen Jahre sind zwischenzeitlich einige der bekanntesten Fotospots wie der Drangarnier nur noch im Rahmen von geführten Touren zugänglich (sofern geführte Touren stattfinden – was über Neujahr nicht der Fall war).

Eine solide Basis für die Wanderplanung bildet der offizielle Wanderguide der Färöer-Inseln. Die Broschüre präsentiert 23 ausgeschilderte Wanderrouten und gibt viele praktische Tipps rund ums Thema Wandern auf den Färöer-Inseln. Den Guide könnt ihr hier online durchblättern oder herunterladen: Wandern auf den Färöer-Inseln

#2: Respektiere Privatgrund

Eigentlich ist es simpel: Verhalte dich auf den Färöer-Inseln nicht anders als Zuhause. Ich trample im Alpenraum auch nicht einfach querfeldein über Privatgrund, sondern halte mich an das ausgeschilderte Wanderwegnetz. Macht es auf den Färöer-Inseln genauso. Die Inselbewohner leben traditionell vom Fischfang und von der Schafszucht – aus Rücksicht auf die Bauern und deren Lebensgrundlage, sollte man wo möglich kein Gras betreten, sondern sich an die markierten Schotterpfade halten. Pforten in Feldzäunen sind immer sorgfältig zu schliessen und es sollten keine Pflanzen gepflückt werden.

Beachtet zudem, dass zwischen dem 2. November und dem 31. Dezember die Hasenjagd stattfindet. Es darf an allen Tagen gejagt werden. Ein Grund mehr, sich an die offiziellen Wegmarkierungen zu halten.  

#3: Beachte das Wetter

Unabhängig von der Jahreszeit ist das Wetter auf den Färöer-Inseln unberechenbar. Das Wetter kann sich überraschend und von einer Minute zur anderen ändern. Nirgendwo sonst habe ich so wunderbare Regenfronten vorbeiziehen sehen, wie auf den Färöer-Inseln. Fast noch tückischer als der Regen (der übrigens von allen Seiten auf einem einprasselt) ist der Nebel; der bringt selbst die eigenen Körperteile zum Verschwinden.

#4: Denke in Schichten

Bei durchschnittlich 300 Regentagen sollte eine gute Regenjacke nicht im Gepäck fehlen. Die Regenhose hatte ich hingegen nicht eingepackt – eine funktionale Wanderhose, die schnell trocknet, tut es auch. Die kräftigen Windböen haben nämlich auch etwas Gutes: sie Trocknen die nasse Kleidung rasch.

Ich hatte für Wanderungen folgende Kleidungsstücke eingepackt

Obwohl die Färöer-Inseln auf dem 62° Breitengrad liegen, ist der Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter verhältnismässig gering. Während im Sommer die Durchschnittstemperatur bei rund 13° liegt, sorgt der Golfstrom im Winter für «milde» 3° bis 5°. Somit könnt ihr Sommer wie Winter in etwa die gleiche Grundausrüstung mitnehmen. Ich empfehle zudem, nicht direkt vor einer Reise auf die Färöer-Inseln neue Wanderschuhe zu kaufen. Der Untergrund ist oftmals äusserst feucht und matschig.

#5: Packe Proviant ein

Ich bin ja eigentlich nicht der Picknick-Typ, aber auf den Färöer-Inseln lohnt es sich, Proviant einzupacken. Die meisten Wanderungen sind als Streckenwanderungen zwischen zwei Ortschaften konzipiert – ohne jegliche Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs. Während in den Sommermonaten viele Dörfer über ein nettes Café oder ein kleines Restaurant verfügen, sind in der Nebensaison die meisten Lokale durchgehend geschlossen.

5 empfehlenswerte Wanderungen auf den Färöer-Inseln

Wir haben uns während unseres Aufenthalts auf den Färöer-Inseln an die Wanderempfehlungen der Faroe Islands Hiking Guide Broschüre gehalten. Die Touren verteilen sich auf die verschiedenen Inseln und geben einen schönen Überblick über die landschaftliche Vielfalt der Färöer-Inseln. Mein einziger Kritikpunkt an den 23 Wanderrouten ist, dass es sich mit grosser Mehrheit um Streckenwanderungen handelt. Wer die Färöer-Inseln wie wir mit dem Mietauto erkundet, muss somit bei der Zeitplanung daran denken, dass er Hin- & Rückweg absolvieren muss. Nachfolgend zeige ich euch unsere fünf Wanderhighlights. Die Details zur Routenführung findet ihr in der verlinkten Broschüre am Ende des Beitrages.

#1 Auf den höchsten Gipfel der Färöer-Inseln: Slaettaratindur

Mit 880 Meter ist der Slættaratindur der höchste Berg der Färöer-Inseln und somit ein «Must» für alle Gipfelstürmer. Er befindet sich im Norden der zweitgrößten Insel Eysturoy. Da die Strasse relativ nah am Gipfel vorbeiführt, ist der Aufstieg relativ kurz, aber im ersten Drittel sehr steil (rund 2,5 Kilometer vom Parkplatz bis zum Gipfel). Die Schwierigkeit hier, das passende Wetter für die gute Fernsicht zu erwischen. Wir versuchten es zweimal; beim ersten Versuch schien zwar die Sonne, aber der Wind blies so heftig, dass ich überhaupt nicht vorwärts kam. Beim zweiten Versuch war es zwar beinahe windstill, dafür war die Sicht nur mässig. Auch wenn der Aufstieg auf den ersten Blick harmlos aussieht, ist er zumindest im Winter nicht zu unterstützen – wir erwischten einen relativ kühlen Tag und die nassen Böden waren gefroren – eine ziemlich rutschige Angelegenheit.

#2 Der Klassiker: Midvagur – Bosdalafossur

Diese Tour gehört zu den unbestrittenen Klassikern auf den Färöer-Inseln und wäre gemäss Wanderbroschüre als fünf Kilometer lange Rundwanderung machbar. Während unseres Aufenthalts war der Streckenabschnitt am Seeufer gesperrt. So hielten wir uns sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg an den ausgeschilderten oberen Pfad. Die Aussicht auf den Vatnið – den grössten See der Färöer-Inseln – hinter den steilen Klippen ist unglaublich imposant.

An der Zugangspforte zu diesem Wanderweg ist eine Blechbüchse angebracht, wo eine Kollekte zugunsten des Wegunterhalts eingefordert wird.

#3 Aufstieg auf den Villingardalsfjall

Ebenfalls eine phänomenale Aussicht bietet der Aufstieg zum Villingardalsfjall. Der Wanderweg startet im nördlichsten Dorf der Färöer-Inseln Viðareiði und führt in drei Kilometern auf den Gipfel. Aufgrund des unsteten Wetters (wir wurden beim Aufstieg mehrmals verregnet) wanderten wir nicht bis ganz hinauf. Die Szenerie ist auch weiter unten beeindruckend!  

#4 Zum schönsten Dorf der Färöer-Inseln

Der Blick auf Gasadalur im Westen der Insel Vágar gehört zu den beliebtesten Fotosujets der Färöer-Inseln. Ihr könnt entweder bequem mit dem Auto bis auf den offiziell ausgeschilderten Parkplatz im Dorf fahren und von dort in 10 Minuten zum Aussichtspunkt spazieren, oder aber ihr startet die Wanderung rund einen Kilometer südlich des Tunnels, der den isolierten Ort seit 2003 mit der «Zivilisation» verbindet. Der Pfad schlängelt sich auf einer Länge von 3.5 Kilometer den Klippen entlang zum ebenselben Aussichtpunkt.

#5 von Torshavn nach Kirkjubour

Eine Tour, die nicht den bekannten Fotohotspots der Färöer-Inseln folgt und mir genau deshalb besonders zugesagt hat, ist die Wanderung von der Hauptstadt Torshavn zur sieben Kilometer entfernten Ortschaft Kirkjubøur im Südwesten der Insel Streymoy. Die Hauptattraktionen von Kirkjubøur sind die Ruinen der Magnuskathedrale aus dem 13. Jahrhundert, die weisse Olavskirche – der älteste noch erhaltene Kirchenbau der Färöer-Inseln – sowie der älteste aus der Wikingerzeit stammende Hof der Inseln. Ein echt lohnenswerter Abstecher!

Alle hier vorgestellten Wanderungen sind im Hiking Guide der Färöer-Inseln ausführlich beschrieben und entsprechend ausgeschildert. Weitere Infos rund ums Wandern findet ihr auf der Website von Visit Faroe Islands.