Manchmal braucht es weder stundenlange Anreisen noch spektakuläre Gipfelziele, um das Wanderglück zu finden. Genau das zeigt diese Wanderung ab Baden durch das Naturwaldreservat Teufelskeller zum Egelsee oberhalb von Kindhausen.
Auf dieser abwechslungsreichen Wanderung erwarten dich verwunschene Waldabschnitte, schmale Pfade und schöne Ausblicke übers Limmattal. Über den Rüsler führt die Route schliesslich zum idyllisch gelegenen Egelsee.
Start in der Bäderstadt Baden
Die Tour startet auf dem Bahnhofplatz Baden, wo die Wegweiser in alle Himmelsrichtungen zeigen und die Wandermöglichkeiten schier unzählig erscheinen. Auch der Egelsee ist hier bereits als eines von vielen Zielen ausgeschildert und leitet uns Richtung Badstrasse. Obwohl es erst früher Samstagmorgen ist, herrscht bereits reges Treiben. Immer dienstags und samstags findet nämlich der Badener Wochenmarkt statt. An einem Marktstand entdecke ich frische Schweizer Erdbeeren und überlege kurz, ob ich sie kaufen und die nächsten drei Stunden über den Heitersberg tragen soll. Schwer wären sie zwar nicht, doch wie heil sie am Ziel ankommen würden, ist fraglich. Also lasse ich es bleiben.


Der Wanderweg führt uns unter der Limmat-Hochbrücke hindurch Richtung Oberstadt. Dort nutzen wir die Passerelle, um die Gleise zu überqueren und finden uns wenige Minuten später bereits mitten im dichten Grün des Waldes am Kreuzliberg wieder.
Wir folgen nun der chaussierten Teufelskellerstrasse in südöstliche Richtung. Da und dort gibt das dichte Grün den Blick über die Dächer von Wettingen bis zur Lägern und weiter zu den Industriegebieten von Killwangen-Spreitenbach frei. Nach knapp 15 Minuten gemütlichem Waldspaziergang zweigt rechterhand ein Weg bergauf ab. Wenig später tauchen wir in die einzigartige Berg- und Tallandschaft des Teufelskellers ein.





Auf verwunschenen Pfaden durch das Naturwaldreservat Teufelskeller
Die eindrücklichen Felstürme und Blockschutthalden am Osthang des Baregg entstanden am Ende der letzten Eiszeit durch eine gewaltige Felsabsackung. Weil das zerklüftete Gelände schwer zugänglich war, wurde der Wald hier kaum je bewirtschaftet. 1987 erklärte man das Gebiet schliesslich zum Naturreservat.

Rund um uns herum erklingt vielstimmiges Vogelgezwitscher, dazu das sanfte Rascheln des Blätterdachs im Wind. Und für einmal trifft der Begriff «Waldbaden» den Nagel auf den Kopf. Nur das ferne Rauschen der Autos beim Tunnelportal des Bareggtunnels erinnert daran, wie nah wir dem dicht besiedelten Limmattal eigentlich noch sind.



Über den höchsten Punkt von Baden zum Rüsler
Die Strecke durch das Naturwaldreservat Teufelskeller ist eine wahre Freude und für mich ganz klar eines der Highlights dieser Wanderung. Bis auf die Höhe der Spittelau folgen wir dem Verlauf der 4. Etappe des Aargauer Weges (Route 42). An der nächsten Verzweigung biegen wir auf einen Kiesweg ab, der weiter bergauf führt. Unser nächstes Zwischenziel ist der höchste Punkt auf dem Stadtgebiet von Baden auf 619 m ü. M.


Die Stelle liegt unweit des auf der swisstopo-Karte eingezeichneten Punkts «Oberau» im Grenzgebiet von Baden, Fislisbach und Neuenhof. Dank eines kleinen Hinweisschildes und eines grossen Grenzsteins ist sie kaum zu übersehen. Von hier ist es nur noch ein kurzes Stück bis zur Lichtung Rüsler, wo sich auch das gleichnamige Restaurant befindet. Wir halten kurz inne, lassen den Blick über die bewaldeten Hänge der gegenüberliegenden Talseite schweifen und tauchen nach einer kurzen Trinkpause wieder ins satte Grün des Waldes ein.


Mit Weitblick übers Limmattal zum Egelsee
Nach weiteren rund 15 Minuten auf Waldwegen folgt auf der Höhe «Oberhaberrüti» bereits der nächste besonders schöne Wegabschnitt. Ein schmaler Pfad führt dem Waldrand oberhalb des «Sännebergs» entlang und eröffnet einen weiten Blick vom Furttal über den Altberg und Uetliberg bis zu den noch schneebedeckten Glarner Alpen. Richtig schön!
Entlang dieses Abschnitts befindet sich übrigens auch ein lauschiger Brätliplatz mit herrlicher Aussicht. Holz muss allerdings selbst mitgebracht werden.




Wir queren nun die Zürichstrasse und wandern weiter Richtung Weiler Sennhof. Hier eröffnet sich erstmals auch der Blick ins parallel zum Limmattal verlaufende Reusstal. Bis zu unserem nächsten Zwischenziel ist es jetzt nicht mehr weit. Hinter dem Weiler führt der Weg nochmals leicht bergauf, bevor es über mehrere Kehren hinunter ans Ufer des idyllischen Egelsees geht.




An warmen Sommertagen kann es rund um den Naturbadesee durchaus etwas lebhafter zu und her gehen. An diesem Samstag hingegen können wir die Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind, beinahe an einer Hand abzählen.
Hier lohnt sich übrigens ein kurzer Blick auf die Uhr: Da ab Kindhausen halbstündlich Busse zum Bahnhof Dietikon verkehren, kann man je nach Fahrplan noch eine entspannte Pause am Egelsee einlegen. Für die verbleibende Strecke bis zur Bushaltestelle solltest du rund 25 Minuten einrechnen.
Mich hat diese Wanderung einmal mehr daran erinnert, dass man für eindrückliche Naturerlebnisse nicht immer weit reisen muss. Die Kombination aus wilden Waldlandschaften, aussichtsreichen Wegabschnitten und dem idyllischen Egelsee macht die Tour zu einer meiner liebsten Entdeckungen in der Agglo Zürich. Eine Wanderung, die sich perfekt für einen spontanen Tagesausflug eignet.
Eckdaten der Wanderung Baden – Teufelskeller – Rüsler – Egelsee – Kindhausen
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf der Wanderung von Baden durch das Naturwaldreservat Teufelskeller und weiter via Rüsler und Egelsee nach Kindhausen AG. Die Route ist durchgehend als gelb markierter Wanderweg (T1) ausgeschildert. Entlang der Strecke überwiegen naturnahe Wald- und Wiesenwege. Der Teeranteil ist erfreulich gering, mit einzelnen geteerten Passagen zu Beginn und am Ende der Wanderung sowie kurz vor dem Weiler Sennhof.
Technisch ist die Wanderung einfach und weist keine besonderen Schwierigkeiten auf.
| Ausgangspunkt | Bahnhof Baden (385 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 14,4 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 468 m ↘ 270 m |
| Dauer | 3:50 h |
| Zielort | Bushaltestelle Kindhausen AG (581 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Restaurant Rüsler (Montag und Dienstag Ruhetag) |
Praktische Tipps für eine Wanderung von Baden zum Egelsee
- An- und Rückreise: Die Wanderung startet direkt beim Bahnhof Baden. Vom Endpunkt in Kindhausen verkehren halbstündlich Busse zum Bahnhof Dietikon.
- Beste Jahreszeit: Besonders schön im Frühling und Frühsommer, wenn der Wald im Teufelskeller saftig grün ist. Im Herbst sorgen die Laubfarben ebenfalls für viel Stimmung. Die Tour kann man dank der vielen schattenspendenden Bäumen und der Bademöglichkeit im Egelsee auch gut an heisseren Sommertagen unternehmen.
- Zwischenverpflegung: Entlang der Route laden mehrere Brätlistellen zu einer Pause ein. Etwa auf halber Strecke befindet sich zudem das Restaurant Rüsler, das gutbürgerliche Küche und von seiner Sonnenterrasse eine schöne Aussicht ins Limmattal bietet.
- Wem diese Wanderung zu lang ist, findet in diesem älteren Blogbeitrag eine deutlich kürzere Variante von Spreitenbach via Egelsee nach Kindhausen.



Liebe Frau Brechbühl, danke für diesen herrlich illustrierten und verlockend geschilderten Wandervorschlag vom 10. Mai ab Bahnhof Baden durch den Teufelskeller nach Kindshausen….
Ob der Weg wohl auch Kinderwagen-tauglich ist???
Dürfen wir dieseWanderung ins Auge fassen? Samt unserem – ziemlich geländegängigen Kinderwagen – und zwei praktisch veranlagten 💪 Bodyguards?? DANKE für eine sachdienliche Antwort 👍🫶 🙋🏼♀️Therese
Liebe Therese
Vielen Dank für dein nettes Feedback und deine Nachfrage zur Kinderwagentauglichkeit.
Ich finde es jeweils schwierig einzuschätzen, was mit einem Kinderwagen tatsächlich gut machbar ist. Von Baden bis in den Teufelskeller hinein sollte es meines Erachtens keine grösseren Hindernisse geben. Auf dem weiteren Streckenverlauf werden die Wege teilweise schmaler und es gibt auch die eine oder andere Stufe. Ganz unmöglich scheint mir die Tour mit einem geländegängigen Kinderwagen aber nicht zu sein. Falls du es «wagst», würde ich mich sehr über ein kurzes Feedback aus der «Praxis» freuen.