Was braucht es für eine richtig gute 2-Tageswanderung? Einen Pass, der einen ordentlich fordert. Eine idyllische Alp für die wohlverdiente Übernachtung. Gratwege, die für etwas Nervenkitzel sorgen. Und natürlich Bergpanorama en masse. Die Wanderung von der Lenk über die Engstligenalp nach Sunnbüel bei Kandersteg bringt all das zusammen. Tönt das nach einer Wanderung für dich? Bestens. Dann nichts wie los: Hier findest du den detaillierten Routenbeschrieb und alle wichtigen Informationen zum Nachwandern.
1. Wandertag: von der Lenk über den Ammertenpass auf die Engstligenalp
Okay, zugegeben, vor der ersten Etappe dieser Tour hatte ich schon etwas Bammel. Alle Wanderungen mit deutlich über 1’000 Höhenmetern Aufstieg lösen bei mir eine Art latente Panik aus, dass ich unterwegs schlappmache. Und das, obwohl ich eigentlich weiss, dass ich auch schon deutlich mehr Höhenmeter an einem Tag geschafft habe.
Doch bevor wir uns den Höhenmetern widmen, wollen wir uns zum Auftakt mit einem Kaffee im Hotel Restaurant Simmenfälle direkt neben der Bushaltestelle stärken. Obwohl der Bus um 09:40 Uhr ankommt, werden Tagesgäste erst ab 10 Uhr bedient. Dank einer netten Mitarbeiterin kommen wir trotzdem zu unserem Kaffee. Weshalb man die Öffnungszeiten nicht auf die Ankunftszeit des Busses abstimmt, erschliesst sich uns allerdings nicht so ganz.
Gemütliches Einlaufen der Simme entlang
Danach heisst es: Rucksäcke schultern und losmarschieren. Der Ammertenpass ist mit 3 Stunden und 50 Minuten ausgeschildert. Auf dem ersten Kilometer bis zur Abzweigung «Stalde» folgen wir dem Siebenbrunne-Weg der Simme entlang bergwärts. Bei der Barbarabrücke sorgt die imposante Gischt der Simme für eine erste Abkühlung – und die können wir gut gebrauchen, denn in den kommenden gut drei Stunden werden wir noch genügend ins Schwitzen kommen.



Auf einsamen Pfaden durchs Ammertentäli
Nach knapp 45 Minuten erreichen wir die Abzweigung und folgen dem Wegweiser Richtung Ammerte / Schafberg nach links. Während bei den Simmenfällen noch einige Ausflügler und Wanderer unterwegs sind, können wir auf der folgenden Strecke bis zum Ammertenpass die Begegnungen mit anderen Menschen an einer Hand abzählen.
Der Wanderweg führt uns vorbei an Staldeweid und Ammerte stetig ansteigend durchs Ammertentäli. Eine richtig schöne Strecke, die immer wieder tolle Ausblicke in alle Richtungen bietet.




Kurz vor der Ammertenhütte wird es zum ersten Mal richtig steil: Im Zickzack windet sich der Pfad hinauf zur kleinen, direkt an eine Felswand gebauten privaten Schutzhütte, die nicht bewartet ist. Danach wird es zum Glück wieder etwas flacher und auf dem Weg über den Ammerten Schafberg kann sich auch mein Puls kurz etwas beruhigen.




Steil und felsig hinauf zum Ammertenpass
Mittlerweile haben wir gut 1’000 Höhenmeter in den Beinen. Beim Anblick der steil ansteigenden Felswände am Talschluss wird schnell klar, dass die letzten gut 450 Höhenmeter kein Zuckerschlecken werden. Der Wanderweg führt uns mitten hinein ins geröllige und felsige Terrain und wird mit jedem Schritt schmaler und steiler. An einzelnen Stellen kommen auch die Hände zum Einsatz, um in den abschüssigen Passagen etwas mehr Sicherheit zu haben.
Spätestens hier bin ich dankbar, dass ich mich wohlweislich dafür entschieden habe, den Ammertenpass in dieser Richtung zu begehen. In der Gegenrichtung wäre der Aufstieg vielleicht etwas weniger anstrengend gewesen, dafür hätte mich der steile, teils rutschige Abstieg mit den vielen losen Steinen wohl auf andere Weise ins Schwitzen gebracht.


Nach gut vier Stunden und damit ziemlich genau in der ausgeschilderten Wanderzeit taucht endlich der ersehnte Wegweiser auf der Passhöhe auf. Ab hier befinden wir uns auf altbekanntem Terrain und auch unser Tagesziel ist bereits in Sichtweite. Im Sommer 2022 sind wir auf unserer Wanderung von der Engstligenalp über die Ammertenspitz zum Hahnenmoospass schon einmal hier vorbeigekommen.



Eckdaten der Wanderung Lenk, Simmenfälle – Ammertenpass – Engstligenalp
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf der Wanderung von der Lenk über den Ammertenpass zur Engstligenalp. Die Route ist bis zur Abzweigung Stalde als gelb markierter Wanderweg (T2) ausgeschildert. Anschliessend folgt ein weiss-rot-weiss markierter Bergwanderweg (T2/T3). Die letzten knapp zwei Kilometer von der Hochebene Ammeren / Schafberg auf den Ammertenpass sind steil und punktuell auch abschüssig. Hier solltest du trittsicher und schwindelfrei sein.
| Ausgangspunkt | Bushaltestelle Lenk, Simmenfälle (1’105 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 11,8 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 1’436 m ↘ 589 m |
| Dauer | 5:30 h |
| Zielort | Engstligenalp (1’960 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | – (Picknick einpacken!) |
Übernachten auf der Engstligenalp
Auf der Engstligenalp übernachten wir im Berghotel. Zur Auswahl stehen verschiedene Zimmerkategorien mit unterschiedlichem Komfort, wahlweise mit Dusche und WC im Zimmer oder auf der Etage. Abendessen und Frühstück sind im Zimmerpreis inklusive. Besonders positiv überrascht uns das Abendessen: Das 3-Gang-Menü kann man sich aus der À-la-carte Menükarte individuell selbst zusammenstellen.

Weitere Informationen: Berghotel Engstligenalp | Zimmerpreise je nach Wochentag / Saison ab ca. 220 CHF inkl. Halbpension.
2. Wandertag: von der Engstligenalp über den Engstligengrat nach Sunnbüel
Am nächsten Morgen sind wir die Ersten beim Frühstücksbuffet. Heute stehen zwar etwas weniger Höhenmeter an, dafür soll es einmal mehr ein heisser Sommertag werden. Mit unserem frühen Start wollen wir zumindest die ersten 150 Höhenmeter hinauf zum Ärtelegrat in der angenehmen Kühle der noch schattigen Nordhänge zurücklegen.
Von der Engstligenalp hinauf zum Tschingellochtighore
Und dieses Vorhaben gelingt uns. Kurz vor 09:30 Uhr erreichen wir den aussichtsreichen Gratweg, der uns bis zum markanten Kalkturm des Tschingellochtighorns führen wird. Hier sind wir tatsächlich schon einmal entlanggewandert. Damals blieb uns das gigantische Bergpanorama allerdings nebelbedingt verwehrt, wie die Bilder in diesem Beitrag eindrücklich zeigen. Heute könnte der Kontrast kaum grösser sein: beste Sicht und Bergpanorama vom Feinsten.




Gut 45 Minuten wandern wir dem Grat entlang auf das Tschingellochtighorn zu. Ab der Verzweigung bei der Wegmarke 2430 wird es zunächst kurz richtig steil. Danach warten direkt unter den Kalkfelsen einige ziemlich abschüssige Passagen auf uns. Irgendwie hatte ich das von unserer früheren Tour nicht mehr ganz so in Erinnerung. Aber manchmal hat Nebel offenbar auch seine Vorteile …



Aussichtsreich über den Engstligengrat
Mit leicht zitternden Beinen erreichen wir das südöstliche Ende des Tschingellochtighorns und sehen vor uns die rund 600 Meter lange Passage über den sagenhaften Engstligengrat. Das Panorama – so langsam gehen mir die Superlative aus – ist gigantisch. Zwischen Stäghore und Rote Totz zeigt sich in der Ferne sogar die markante Silhouette des Weisshorns. Herrlich!


Beim letzten Mal sind wir dem Grat weiter bis zum Chindbettipass gefolgt und von dort zurück auf die Engstligenalp abgestiegen – eine beliebte und absolut empfehlenswerte Rundwanderung. Dieses Mal folgen wir etwa auf halber Strecke dem Wegweiser bergab Richtung Tälli.

Übers Schwarzgrätli nach Sunnbüel
Vorsichtshalber habe ich meine Wanderstöcke ausgepackt und bin in der folgenden halben Stunde sehr froh darum. Direkt nach dem Grat schlängelt sich der schmale Pfad ziemlich steil durch gerölliges Gelände mit vielen losen Steinen bergab. Solche Wegabschnitte bereiten mir immer etwas Mühe.
Gute 100 Höhenmeter weiter unten wird es wieder genussvoller. Der Wanderweg führt nun über Alpweiden und vorbei an grösseren und kleineren Gesteinsblöcken, bevor er direkt unterhalb einer steil abfallenden Felswand Richtung Schwarzgrätli weiterführt. In diesem Abschnitt ist die Wegführung etwas verwirrend, da verschiedene Varianten markiert sind und für uns nicht immer eindeutig erkennbar ist, welcher Weg der richtige ist. Wir halten uns konsequent ganz rechts direkt unterhalb der Felswand und kommen damit gut durch. Rund 150 Meter vor dem Schwarzgrätli folgt nochmals eine ausgesetzte Passage, die jedoch gut mit Ketten gesichert ist.







Danach geht es mit Blick Richtung Daubensee und Gemmipass auf einem gut ausgebauten Weg bergab zum Berghotel Schwarenbach. Dort gönnen wir uns ein wohlverdientes Stück Kuchen, bevor wir die letzten vier Kilometer bis zur Bergstation Sunnbüel in Angriff nehmen.




Eckdaten der Wanderung Engstligenalp – Engstligengrat – Schwarzgrätli – Sunnbüel
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf der Wanderung von der Engstligenalp via Tschingellochtighorn, Angstligengrat und Schwarzgrätli nach Sunnbüel. Die Route ist bis zum Berghotel Schwarzenbach als weiss-rot-weiss markierter Bergwanderweg (T3) ausgeschildert. Die letzten vier Kilometer vom Berghotel Schwarenbach bis zur Bergstation Sunnbüel führen entlang eines gelb markierten Wanderwegs (T2). Unterwegs erwarten euch einige ausgesetzte Wegabschnitte, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Ich empfehle zudem, Stöcke mitzunehmen.
| Ausgangspunkt | Engstligenalp (1’960 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit öffentlichem Verkehr erreichbar |
| Länge | 11,6 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 920 m ↘ 939 m |
| Dauer | 4:50 h |
| Zielort | Kandersteg, Sunnbüel (1’930 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Berghotel Schwarenbach |
Praktische Tipps für deine 2-Tageswanderung von der Lenk nach Kandersteg
- An- und Rückreise: Ausgangspunkt der Wanderung ist die Bushaltestelle «Lenk, Simmenfälle». Das Ziel befindet sich bei der Bergstation Sunnbüel oberhalb von Kandersteg. Wer das «Startkaffee» zu Beginn der Wanderung nicht missen möchte, sollte beachten, dass das Hotel Restaurant Simmenfälle direkt bei der Bushaltestelle erst ab 10:00 Uhr regulär Gäste bewirtet.
- Anforderungen: Am ersten Tag ist mit über 1’000 Höhenmetern im Aufstieg vor allem Kondition gefragt. Der Schlussaufstieg zum Ammertenpass führt zudem steil durch gerölliges und felsiges Gelände. Am zweiten Tag erwarten euch rund um das Tschingellochtighorn, den Engstligengrat und das Schwarzgrätli einzelne ausgesetzte Wegabschnitte, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Wanderstöcke sind insbesondere für die steilen Abstiege über loses Geröll hilfreich.
- Beste Jahreszeit: Die Wanderung führt in Höhenlagen von über 2’500 Metern über Meer. Je nach Schneeverhältnissen empfiehlt sich die Tour von Ende Juni bis Mitte Oktober. Beachtet dabei auch die Betriebszeiten der Bergbahnen: Die Luftseilbahn Engstligenalp ist 2026 vom 13. Juni bis 18. Oktober in Betrieb. Die Luftseilbahn Sunnbüel fährt im regulären Sommerbetrieb vom 27. Juni bis 13. September und anschliessend bis 1. November im Herbstbetrieb. Prüft vor der Wanderung sowohl die aktuellen Wegverhältnisse als auch die Betriebszeiten der beiden Bahnen.
- Verpflegung: Zwischen den Simmenfällen und der Engstligenalp gibt es unterwegs keine Einkehrmöglichkeit. Entsprechend solltet ihr für die erste Etappe genügend Proviant und Wasser mitnehmen. Am zweiten Tag bietet sich das Berghotel Schwarenbach perfekt für eine Pause an, bevor die letzten Kilometer Richtung Sunnbüel folgen.


