Im hintersten Winkel des Val Ferret im Unterwallis führt eine sportliche Wanderung zu einer besonders aussichtsreich gelegenen SAC-Hütte. Die auf einem exponierten Felsvorsprung erbaute Cabane de l’A Neuve bietet ein beeindruckendes Panorama auf das Mont-Blanc-Massiv und lässt einen tief in die hochalpine Bergwelt eintauchen. Und das Beste: Der schweisstreibende Aufstieg wird mit einer hervorragenden Hüttenküche belohnt.
Wanderstart im beschaulichen La Fouly
Es ist kurz vor 8 Uhr, als wir zu sechst im Dorfkern von La Fouly, dem letzten Dorf im Val Ferret, losmarschieren. Ein Teil unserer Wandergruppe ist bereits am Vortag auf dem Alpenpässe-Weg von Champex-Lac nach La Fouly gewandert und hat sich so quasi schon einmal «warmgelaufen». Die anderen sind erst am Abend angereist, um den frühen Wanderstart zu ermöglichen – und damit auch das eigentliche Ziel dieser Tour: ein feines Mittagessen auf über 2’700 Metern über Meer.

Über Stock und Stein zur Cabane de l’A Neuve
Doch zuerst müssen wir uns dieses verdienen. Wir folgen dem Wegweiser am Zeltplatz vorbei und tauchen kurz darauf in ein kleines Wäldchen ein. Nach knapp 20 Minuten erreichen wir die Abzweigung Richtung Darbé. Für uns geht es jedoch geradeaus weiter. Ein Weg, ein Ziel: In drei Stunden wollen wir die Cabane de l’A Neuve erreichen.


Der gut markierte und unterhaltene Bergweg führt zunächst in zahlreichen Kehren durch einen Wald, der sich im geschützten Bereich zwischen den beiden Wildbächen Reuse de l’A Neuve und Reuse de l’Amône gebildet hat. Wir kommen gut voran und beobachten, wie das imposante hochalpine Panorama mit jedem Höhenmeter näher rückt. Nach rund 1,5 Stunden erreichen wir die luftig ausgesetzte Brücke, die uns auf die gegenüberliegende Seite der Reuse de l’A Neuve führt. Nach diesem kurzen Intermezzo geht es weiter steil bergauf.




Das Gelände ist bis auf fast 2’500 m ü. M. überwiegend grasbewachsen und nicht im klassischen Sinne hochalpin – abgesehen vom Panorama rundherum, das eindrücklich und scheinbar zum Greifen nah wirkt. Erst auf den letzten 200 Höhenmetern dominiert dann steiniges, gerölliges Terrain.




Hüttenpause mit Aussicht
Die Cabane de l’A Neuve ist eine von insgesamt vier bewarteten SAC-Hütten im Schweizer Teil des Mont-Blanc-Massivs, die es ermöglichen, den eindrucksvollen Gletscherlandschaften ganz nah zu kommen. Die Hütte wurde 1927 auf einem exponierten Felsvorsprung erbaut und hat ihren ursprünglichen Charakter sowie ihr historisches Erscheinungsbild bis heute weitgehend bewahrt. Sie fügt sich nahezu nahtlos in die Bergwelt ein und ist gut getarnt – wer nicht weiss, wo sie sich befindet, wird sie lange kaum entdecken.

Kurz vor der Hütte erwartet uns noch ein Schneefeld und eine kurze, ausgesetzte Felspassage, die etwas Konzentration und Trittsicherheit erfordert. Oben angekommen, entschädigt die spektakuläre Aussicht auf das hochalpine Panorama für den schweisstreibenden Aufstieg. Die gute Hüttenküche und die fantastische Lage sind mit ein Grund, dass wir nicht die einzigen sind, die hier gegen Mittag eintreffen und sich auf eine Stärkung freuen. Neben Käseschnitten, Rösti und Suppen ist die Cabane de l’A Neuve auch für ihr hausgemachtes Tomaten-Fondue bekannt – genau so eines geniessen wir jetzt.





Und wieder retour ins Val Ferret
Ganz geschafft haben wir es heute aber noch nicht. Nach der wohlverdienten Pause geht es über denselben Weg wieder talwärts nach La Fouly. Der Abstieg ist nicht zu unterschätzen, schliesslich stecken bereits ein über dreistündiger Aufstieg und über 1’000 Höhenmeter in den Beinen.
Insgesamt kommt uns jedoch zugute, dass der Bergwanderweg mit Ausnahme des obersten Teilstücks und einzelner kürzerer Passagen über weite Strecken angenehm zu gehen und nicht allzu steil ist. Das hochalpine Panorama mit dem markanten Mont Grépillon, Mont Dolent und Tour Noir bleibt zudem auch beim Abstieg ein treuer Begleiter und bietet immer wieder einen guten Grund, kurz innezuhalten und den Blick schweifen zu lassen..







Gegen 16:00 Uhr sind wir zurück in La Fouly – gerade rechtzeitig, um vor der Abfahrt des nächsten Busses in Richtung Orsières mit einem wunderbar kühlen Suurem Moscht auf die gelungene Hüttenwanderung anzustossen.
Eckdaten der Wanderung La Fouy – Cabane de l’A Neuve retour
Die folgende Wanderkarte zeigt den Verlauf der Wanderung von La Fouly zur Cabane de l’A Neuve und retour. Die Route ist bis zum Wegpunkt 1659 (Standort des Wegweisers, der eine Aufstiegszeit von drei Stunden zur SAC-Hütte ausweist) als gelb markierter Wanderweg (T2) ausgeschildert. Anschliessend folgt ein weiss-rot-weiss markierter Bergwanderweg (T2/T3). Der Weg ist mehrheitlich gut markiert.
Kurz vor der Hängebrücke zweigt ein älterer Weg ab, der aber auf SchweizMobil noch als offizieller Routenverlauf der Wanderung eingezeichnet ist. Daneben gibt es einen neueren Weg, der zunächst Richtung Wetterstation führt. Ich empfehle, den neueren Weg zu wählen.
Kurz vor der Hütte gibt es erneut zwei Varianten: Eine führt recht ausgesetzt über den Felssporn direkt zur Hütte und erfordert etwas Kraxeln. Die andere verläuft wie auf SchweizMobil gekennzeichnet durch gerölliges Gelände noch etwas weiter bergauf und nähert sich der Hütte von hinten. Sie ist technisch etwas weniger anspruchsvoll. Für diesen letzten Schlussaufstieg ist aber auf beiden Varianten Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.
Für den Abstieg empfehle ich, Wanderstöcke mitzunehmen.
| Ausgangspunkt | Bushaltestelle La Fouly VS (1’600 m ü. M.) |
| Erreichbarkeit | mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar |
| Länge | 11,8 Kilometer |
| Höhenmeter | ↗ 1’212 m ↘ 1’212 m |
| Dauer | 5:45 h |
| Zielort | Bushaltestelle La Fouly VS (1’600 m ü. M.) |
| Einkehrmöglichkeit | Cabane de l’A Neuve |
Praktische Tipps für deine Wanderung zur Cabane de l’A Neuve
- An- und Rückreise: Wer wie wir von Zürich aus anreist, der muss für die Hin- und Rückreise nach La Fouly zwischen vier bis knapp fünf Stunden (je nach Verbindung) einrechnen. Als Tagesausflug ist der Abstecher daher sehr ambitioniert und es empfiehlt sich, eine Übernachtung in La Fouly (oder alternativ in Champex-Lac) einzuplanen oder alternativ direkt in der SAC-Hütte zu übernachten. Weitere Informationen zur Cabane de l’A Neuve findet ihr hier: Cabane de l’A Neuve
- Übernachtungstipp in la Fouly: Wir haben diesmal eine Nacht in La Fouly im Hotel Edelweiss (Partnerlink) verbracht. Das Hotel bietet sowohl Doppelzimmer mit Dusche/WC als auch Mehrbettzimmer. Als wir auf der Tour du Saint-Bernard unterwegs waren, haben wir in der Auberge MayaJoie übernachtet. Auch diese Unterkunft können wir empfehlen. Im Vergleich zum Hotel Edelweiss, das sich direkt gegenüber der Bushaltestelle befindet, liegt sie jedoch etwas abgelegener. Zu beachten ist, dass La Fouly ein beliebter Etappenort der Tour du Mont Blanc ist. Besonders in der Hochsaison sind die Übernachtungsmöglichkeiten oft schon weit im Voraus ausgebucht.
- Beste Jahreszeit: Die Cabane de l’A Neuve ist in der Regel von Ende Juni bis Mitte/Ende September (je nach Wetterverhältnissen) geöffnet und in dieser Zeit empfiehlt sich auch die Wanderung. Ende Juni/Anfang Juli ist auf dem Hüttenzustieg noch mit einzelnen Schneefeldern zu rechnen.
- Verpflegung: Auf dem Hüttenzustieg bestehen keine weiteren Verpflegungsmöglichkeiten. Es empfiehlt sich, genügend Wasser mitzunehmen, da es auf der Hütten kein fliessendes Trinkwasser gibt.
- Weitere Wandertipps in der Region: Weitere Ideen für alpine und aussichtsreiche Tageswanderungen in der Region findet ihr in diesem Beitrag. Alternativ lohnt sich auch ein Abstecher zum Lac d’Emosson.


