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48 Stunden in Antwerpen: die Hot Spots der belgischen Hafenstadt

Und zack ist es schon fünf Jahre her, seit ich zum ersten Mal belgische Stadtluft schnupperte und mich dabei ein bisschen in Gent und Antwerpen verguckte. Zwei total verschiedene Städte, die aber gleichermassen mit ihrer Lässigkeit punkteten.

Während ich bei meinem ersten Besuch gleich drei Städte (nebst Gent und Antwerpen gab es auch noch einen Abstecher nach Brügge) in Flandern auskundschaftete, stand bei meiner zweiten Belgien-Reise alles im Zeichen der vielschichtigen Hafenstadt Antwerpen. Diesmal hatte ich volle zwei Tage Zeit, um an lieb gewonnene Plätze zurückzukehren und neue Ecken kennenzulernen. Wieso es mich ein zweites Mal nach Antwerpen verschlagen hat? Die Stadt hat’s kulinarisch echt drauf!

Backstein & Bier: Antwerpens Szeneviertel Groen Kwartier

Antwerpen ist aber nicht nur eines der top Städtereiseziele für die Foodies unter uns, sondern vermag auch mit tollen Hotels und einem spannenden städtebaulichen Transformationsprozess zu begeistern. Während wir bei unserem ersten Besuch zentral in der Altstadt im Boutiquehotel Julien übernachteten, liegt unsere Basis diesmal im Szeneviertel Groen Kwartier unweit des Bahnhofs Antwerpen-Berchem im Südosten der Stadt.

Das weitläufige Areal des ehemaligen Militärkrankenhauses wurde in den vergangenen Jahren zu einem hippen, durchgrünten Mischnutzungsquartier umgenutzt. Neben privilegierten Wohnlagen finden sich hier mit «The Jane» eines der besten Restaurants des Landes sowie das chice Designhotel «August».

Meine liebste «analoge» Travel Guide Reihe «Wallpaper» hat das August in die auserwählte Gilde der «best urban Hotels 2019» aufgenommen und ich kann dieser Nominierung kopfnickend beipflichten. Das architektonische Zusammenspiel zwischen den alten Strukturen des einstigen Kapuzinerklosters und den modernen, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten ist durchwegs gelungen!

Auch hier hat übrigens Nick Bril, der Chefkoch vom «The Jane» seine Finger mit im Spiel. Das zum Hotel gehörende Restaurant wurde just während unseres Aufenthalts von Gault Millau zum «Newcomer of the Year 2020» gekürt.

Direkt neben dem Hotel findet sich das kreativ-Viertel «PAKT» – Dachgärten, Urban Gardening Flächen, eine Kaffeerösterei und weitere nachhaltig agierende Start-ups und Kleinunternehmen haben sich hier zu einem kunterbunten – und gut funktionieren – Konglomerat zusammengetan.

PAKT Antwerpen

Unweit vom Groen Kwartier befindet sich Antwerpens Stadtbrauerei «De Koninck». Auf dem Gelände des 2015 eröffneten Erlebniszentrums (dessen lohnenswerter Besuch eine gute Stunde in Anspruch nimmt), gibt’s gleichzeitig einen Streifzug quer durch die Köstlichkeiten der belgischen Küche; ein Schokoladengeschäft, ein Fleischer, ein Käseladen, eine Bäckerei und – wie könnt’s anders sein – mit «The Butcher’s Son» ein weiteres Sternerestaurant.

De Koninck Antwerpen

Bei der Brauerei ums Eck findet sich eine weitere Option für ein leckeres, unkompliziertes Mittagessen. Im Yust Food sind alle Gerichte zum Teilen konzipiert. Und so schlemmen der Freund und ich uns einmal quer durch die Karte und sind nach knappen zwei Stunden in der Stadt schon wieder voll des Lobes für den legeren Antwerper vibe.

In die belgische Schokoladenkunst eintauchen

Obwohl jede Nachspeise auf der Karte im Yust fein tönt, zügeln wir unseren «Gluscht». Den Rest des Nachmittags widmen wir uns nämlich der einen Sache, die die Belgier uns Schweizern streitig macht – der Titel der Schokoladennation. Genau diesen Namen trägt eines der neusten Museen in Antwerpen. Das «Chocolate Nation» nimmt seit Ende Februar dieses Jahres Gäste aus aller Welt auf eine multisensorische Reise durch die Geschichte der belgischen Schokolade mit.

Das Highlight des Rundgangs? Ganz klar der Raum mit den aneinandergereihten Schokoladenbrunnen, wo wir alle mit einem Löffel ausgestattet werden und in aller Ausgiebigkeit Kosten dürfen. Zusätzlich bietet das Museum diverse Workshops rund um die Schokoladenproduktion an – spannend für alle, die erfahren möchten, welche Handgriffe zu beachten sind, um allerfeinste belgische Pralinen zu kreieren.

Chocolate Nation Antwerpen

Online findet ihr diverse Empfehlungen, in welchem Chocolatier Geschäft die besten Pralinen von Antwerpen zu finden sind. Wir haben bei unserem ersten Besuch die süssen Verführungen von Elisa Pralines probiert. Diesmal wagen wir uns an die ausgefalleneren Kreationen von «The Chocolate Line». Die Experimentierfreudigkeit von Chocolatier Dominique Persoone wurde vom Guide Michelin sogar mit einem Stern «geadelt». Ich bin zugegebenermassen etwas kritisch, als ich mich an «Miss Piggy» wage. Ob mir die mit knusprigem Speck verfeinerte Praline schmecken wird? Tut sie! Von Sake über Wasabi bis zur Hanf-Praline könnt ihr euch im Laden von The Chocolate Line durch die gesamte Palette von Dominique Persoones Schokoladenwerk probieren.

The Chocolate Line Tasting

Per Velo durchs Hafenquartier Eilandje

Nach dem zünftigen Auftakt mit Bier und Schokolade am Freitagnachmittag, startet unser Samstag draussen an der frischen Luft. Eigentlich hatten wir einen Spaziergang durch Antwerpens ältestes Hafenquartier «Eilandje» ins Auge gefasst. Die Weitläufigkeit des Areals verleitet uns spontan dazu, das Bike-Sharing Angebot von «Velo Antwerpen» zu testen. Antwerpen ist im Vergleich zu den holländischen Nachbarstädten mit seinen vielen kopfsteingepflasterten Gassen sicherlich nicht die komfortabelste Velostadt der Region. Nichtsdestotrotz ist hier das Velo das Schnellste und Praktischste Verkehrsmittel – die Strassenbahn hat mich im Vergleich dazu mit ihren unregelmässigen und gefühlt willkürlichen Fahrzeiten nahezu bei jedem Fahrversuch zum Zetern gebracht. Für 4 Euro (so viel kostet die Tageskarte von Velo Antwerpen – wer das Velo länger als 30 Minuten am Stück braucht, zahlt obendrauf) radelt es sich flexibel von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit.

Fassaden Antwerpen

Für uns geht es über die neue Velobrücke hinein ins einstige Hafenviertel, das sich seit unserem letztem Besuch 2014 gewaltig weiterentwickelt hat. Der neuste Besuchermagnet befindet sich am nördlichen Ende von Eilandje. Das aus der Ferne surreal erscheinende Havenhuis hat die 2016 verstorbene Architektin Zaha Hadid entworfen. Auch beim Näherkommen ist man geneigt, einmal fest die Augen zusammenzudrücken, um dieses utopische Gebilde in seiner Gesamtheit zu erfassen. Auf Twitter hat mich jemand gefragt, ob es sich hierbei um eine Fotomontage handelt – nein, das steht wahrhaftig genauso dort.

Eilandje Antwerpen
Zaha Hadid Eilandje

Nach dieser morgendlichen Velotour durch den architektonischen kunterbunten Mix von Eilandje, kehren wir am Mittag im Restaurant Roest gegenüber vom Museum aan de Stroom (MAS) ein. Hier werden feine Salate, Egg Benedict und belegte Brote serviert.

Nummer 1 Hot Spot der Hafenstadt

Die beiden Museen im Stadtteil Eilandje – das MAS sowie das Red Star Line Museum – habe ich bereits in meinem ersten Beitrag zu Antwerpen vorgestellt. Daher sei an dieser Stelle nur noch einmal der Tipp erwähnt, dass die Dachterrasse des MAS von Dienstag bis Sonntag jeweils ganztägig (bis 10 Uhr abends in den Wintermonaten) kostenlos zugänglich ist und ihr euch diesen Abstecher am besten für den Abend aufspart. Ich wüsste keinen schöneren Spot, um den Sonnenuntergang in Antwerpen festzuhalten!

MAS Antwerpen
Sonnenuntergang Antwerpen

Fachwerkhäuser, Street Art & Mode: unterwegs im quirligen Zentrum

Vom Hafenquartier radeln wir mitten ins historische Zentrum von Antwerpen. Am Rand vom Groenplaats hat es praktischerweise eine Station von Velo Antwerpen, sodass wir unsere Velos dort zurücklassen können und zu Fuss weiterschlendern.

Das Zentrum von Antwerpen ist so kunterbunt wie die Stadt; hier der mit altehrwürdigen Gebäudefassaden umgebene Grote Markt, da enge Hinterhof Gässchen mit Zungenbrecher-Namen wie «Vlaeykensgang» und dort eines der höchsten Hochhäuser Europas der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nein ein klassisches «Schmuckstück» ist der fast 100 m hohe Boerenturm definitiv nicht – dafür dient das 1930 erstellte Hochhaus als willkommene Orientierungshilfe im Gassengewirr des historischen Zentrums.

Antwerpen City Center
Boerentoren Antwerpen

Dank der App von Street Art Antwerp entdecken wir bei unserem Spaziergang durch die Altstadt auch das eine oder andere spannende Kunstwerk an Gebäudefassaden. Auf dem Weg zur wohlverdienten Kaffeepause bei Caffenation City Center werfen wir einen Blick in den zweistöckigen Concept Store Juttu – erfrischend, dass sich im Zentrum von Antwerpen nebst dem üblichen Bekleidungseinheitsbrei auch der eine oder andere coole Laden findet. Hier macht Antwerpen seinem Ruf als Modestadt alle Ehre.

Street Art Antwerpen
Caffenation Antwerpen City Center

Kurz nach dem Eindunkeln kehren wir zum Grote Markt zurück. In der Verlängerung des zentralen Marktplatzes befindet sich nämlich eine der besten Cocktail Bars der Stadt – aber seid vorgewarnt: Bei Dogma Cocktails erwarten euch richtig kreative Drinks (und die Bar ist jeweils schnell gefüllt – wobei der Umlauf auch relativ hoch ist und sich so immer mal wieder die Chance auf einen Platz ergibt).

Grote Markt Antwerpen

Fine Dining in Antwerpen

Wer bei Dogma Cocktails auf den Abend anstösst, der kann zum Beispiel 15 Gehminuten davon entfernt im «Graanmarkt 13» weiterschlemmen. Das Stadthaus mit der Nummer 13 vereint Apartments, Galerien, Boutiquen und ein Restaurant im Brasserie-Stil unter einem Dach und bringt Feinschmecker und Design-Liebhaberinnen gleichermassen ins Schwärmen. Fürs Restaurant im Untergeschoss zeichnet sich Seppe Nobels verantwortlich. Seine Küche hat schon verschiedene Prämierungen und «best of» Auszeichnungen eingeheimst – darunter auch diejenigen des «best vegetable Restaurant of Flanders». Nebst leichter vegetarischer Kost gibt’s hier aber auch fangfrischen Fisch und ein gutes Stück Fleisch zu einem räsonablen Preis von 45 Euro für ein 3-Gang-Menü.

Das Atelier Maple beim Boelaerpark im Osten der Stadt versprüht bereits beim Eintreten Fine Dining Atmosphäre. Die wenigen Tische verteilen sich über das Erdgeschoss eines noblen Jugendstilgebäudes und wir müssen uns nicht lange gedulden, bis uns das erste vielversprechende «Amuse-Bouche» aufgetischt wird. Küchenchef Timothy Tynes serviert den Gruss der Küche höchstpersönlich.

Wir entscheiden uns darauf für das Maple Menü, das es in 3-, 4-, oder 5-Gängen gibt und je nach Variante 54 bis 74 Euro kostet. Tynes setzt bei seinen Gerichten auf eine spannende Kombination aus saisonalen, belgischen Produkten gepaart mit asiatischen Geschmacksnoten und Kochtechniken. Uns überzeugen die ausgefeilten Gänge sowohl optisch wie auch geschmacklich.

Kunst & Kultur Highlights in Antwerpen Zuid

Den Sonntagmorgen starten wir gemächlich mit einem Bummel durch das trendige Antwerpen Zuid. Auch in diesem Quartier ist man nicht vor surrealen Erscheinungen gefeit – so zum Beispiel auf der Emiel Banningstraat, wo vor uns das markante Stahldach des Justizpalasts erscheint. Doch das ist nicht der Hauptgrund für unseren Abstecher in den Süden der Stadt. Wir wollen die verbleibende Zeit bis zur Rückfahrt in die Schweiz dazu nutzen, uns die aktuellen Ausstellungen im Fotomuseum Antwerpen sowie im Museum für Gegenwartskunst anzuschauen. Die Ausstellungen wechseln so ca. alle drei Monate – am besten informiert ihr euch im Vorfeld, wo es etwas Spannendes zu sehen gibt.

Antwerpen Zuid
Photo Museum Antwerpen
Museum für Zeitgenössische Kunst Antwerpen

Praktische Tipps für deine Städtereise nach Antwerpen

  • Viele Wege führen nach Antwerpen – den kleinsten ökologischen Abdruck hinterlässt ihr bei der Anreise mit der Bahn. Die schnellsten Verbindungen führen mit einmal Umsteigen über Paris (ca. 7.5h Fahrtzeit). Kostengünstigster (dafür etwas langsamer) sind die Verbindungen via Frankfurt und Bruxelles-Nord nach Antwerpen Centraal. Um unsere Anfahrtszeit zu optimieren, sind wir am Donnerstagabend mit dem letzten TGV nach Paris gefahren, haben gegenüber vom Bahnhof Nord übernachtet und waren so bereits kurz vor dem Freitagmittag in Antwerpen.
  • Wenn ihr mit dem Zug anreist, habt ihr die erste Sehenswürdigkeit mit der Ankunft bereits abgehackt – der Bahnhof Antwerpen-Centraal gilt als einer der schönsten Bahnhöfe Europas und ist absolut sehenswert.
  • Der Nahverkehr wird durch Strassenbahnen und Busse abgedeckt, wobei der Grundtakt für mich als öV-verwöhnte Zürcherin gewöhnungsbedürftig war. Ich hatte jedes Mal das Gefühl, ewig* warten zu müssen (*ca. plus/minus 15 Minuten).
  • Wer plant, den öffentlichen Verkehr zu nutzen und das eine oder andere Museum zu besichtigen, der ist mit der Antwerp City Card (wahlweise als 24, 48 oder 72 Stunden Karte) gut bedient. Für 48 Stunden bezahlt man 35 Euro und geniesst freie Fahrt sowie freien Eintritt in nahezu alle Museen der Stadt (inkl. Sonderausstellungen) und in die Stadtbrauerei de Koninck.
  • Einen schönen Blick auf die Skyline von Antwerpen bietet nicht nur das MAS, sondern auch das gegenüberliegende Schelde-Ufer. Dieses erreicht ihr mit der nostalgischen hölzeren Rolltreppe über das Sint-Annatunnel.
  • Weitere von uns getestete Bars und Restaurant (wie z.B das Fritten Atelier für die obligate Portion belgische Pommes Frittes) habe ich euch in nachfolgender Karte markiert.
  • Nicht auf der Karte separat hervorgehoben ist die imposante Bar vom Hotel August, wo übrigens auch gute Cocktails und leckere Häppchen serviert werden.
  • Noch mehr Tipps zu Antwerpen – mit Fokus auf Nachhaltigkeit und faire Mode findet ihr im Green Guide von Reisezeilen.

In der nachfolgenden Karte sind meine gesammelten Tipps aus insgesamt zwei Städtereisen nach Antwerpen zusammengefasst. Die Ausführungen zu meinem ersten Aufenthalt im Frühling 2014 findet ihr hier: Antwerpen Sehenswürdigkeiten & Reisetipps

Hinweis: diese Reise wurde von Visit Flandern und Visit Antwerpen unterstützt. Herzlichen Dank hierfür – wie immer sind alle Eindrücke und Meinungen die unseren.

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