Appenzell – ein Augen- und Gaumenschmaus

Appenzell – ein Augen- und Gaumenschmaus

Eingebettet in sanft geschwungenen Hügel mit sattgrünen Wiesen und umgebenen von eingestreuten jahrhundertealten Bauernhöfen taucht das Dorf Appenzell vor uns auf. Wer wie wir mit dem Zug anreist, der erfährt schon bei der Hinfahrt eine Art Entschleunigung. Ab Gossau windet sich die Appenzellerbahn gemächlich Kurve für Kurve durch das Appenzellerland und präsentiert durch das Zugfenster eine idyllische Landschaft am Fusse des Säntis. Appenzell Stadt ist der Hauptort vom Halbkanton Innerrhoden und mit knapp 6‘000 Einwohner ein beschauliches Dorf und definitiv keine Stadt.

Klein aber oho – Appenzell

Brauchtum und altes Handwerk haben in Appenzell immer noch einen sehr hohen Stellenwert und so lohnt es sich nicht nur wegen den schmucken bunt bemalten Holzhäusern, einen Spaziergang durch die engen Gassen zu unternehmen. Verlaufen kann man sich in der Stadt Appenzell kaum. Vom Bahnhof bis zur Hauptgasse, wo sich die meisten Läden befinden, dauert es zu Fuss fünf Minuten.

Wir starten unseren Dorfrundgang bei der stattlichen Kirche, die sich zwischen Sitter und Hauptgasse befindet. Wunderschön ist auch der dahinter liegende Friedhof mit freiem Blick in die hügelige Landschaft. Vorbei an den mit aufwendigen Fassadenbemalungen verzierten Häusern und der winzigen Heiligkreuzkapelle, die nach dem verheerenden Dorfbrand von 1560 wieder aufgebaut wurde, spazieren wir zum Landsgemeindeplatz. Diese traditionelle Form der direkten Demokratie wird in dieser Art nur noch in Appenzell Innerrhoden und Glarus durchgeführt. In den anderen Kantonen (ursprünglich acht) wurde die Landsgemeinde mehrheitlich durch eine Urnenabstimmung abgelöst. Alljährlich trifft sich also die Bevölkerung von Appenzell auf diesem Platz und stimmt über die Kantonalen Vorlagen ab. Eine weitere Augenweide an der Hauptgasse ist das markante Rathaus.

An der Weissbadstrasse befindet sich ein weiteres auffällig gelb bemaltes Haus, auf dessen Fassade ein Appenzeller Jahr mit den traditionelles Kleidern und Gebräuchen abgebildet ist.

Ein halber Tag reicht, um sich einen Überblick über das Dorf zu verschaffen und gemütlich durch die Gassen zu schlendern.

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Appenzeller Käse, Biber, Siedwurst

Brauchtum und Tradition widerspiegelt sich nicht nur in den Architektur und den zahlreichen Handwerksbetrieben sondern natürlich auch beim Essen und Trinken. So lässt sich der Dorfspaziergang perfekt mit kurzen kulinarischen Zwischenstopps kombinieren.

Mösler’s Käsewelt | Hauptgasse 13

Mösler’s Käsewelt befindet sich direkt an der Ecke Hauptgasse / Hirschgasse. Verkauft wird natürlich der berühmte Appenzeller Käse aber auch diverse Alpkäse vom Alpstein. Wir probieren uns von mild bis rezent durch alle Altersstufen des Appenzeller Käses. Mein Favorit liegt irgendwo zwischen den beiden Extremen. Zu rezent mag ich nicht. Hier gibt’s auch den Alpenzeller (da hatte einer wieder ne ganz schlaue Namensidee) von der Alp Rainhütten und den Seealpchäs vom Seealpsee zu kaufen.

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Spezialitäten Metzg Wetter | Hirschengasse 4

Nur einen Katzensprung davon entfernt befindet sich der Metzg Wetter, bei dem lokale Fleischspezialitäten in der Auslage stehen. Wir probieren das Appenzeller Mostbröckli, das traditionell aus Rindfleisch hergestellt wird. Sehr lecker!

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Böhli Bäckerei Konditorei | Engelgasse 9

Defintiv am besten hat es mir in der Böhli Bäckerei geschmeckt. Wir kosten uns hier durch die gesamte Palette an süssen Appenzeller Köstlichkeiten wie der Biber, das Chrempfli und die Appenzeller-Stengeli gefüllt mit Alpenbitter. Der Appenzeller Alpenbitter wird ebenfalls lokal produziert und gehört mit zu den bekanntesten Spirituosen der Schweiz. Mein Lieblingsgetränk aus dem Appenzellerland sind aber Flauder und die Iisfee – davon gibt es übrigens auch Sorbet-Variationen zu kaufen (ich habe das Sorbet beim Bahnhof Wasserauen entdeckt, aber mir wurde versichert, dass man es auch in den Geschäften an der Hauptgasse findet).

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Restaurant Hotel Löwen | Hauptgasse 25

Zum Abschluss unseres kulinarischen Spaziergangs genehmigen wir uns eine deftige Appenzeller Siedwurst mit Chäsmaggerone. En Guete!

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Eigenwillige Picknickplätze und drei Minuten Appenzeller Alltag

Wer sich mit Köstlichkeiten eindeckt und in Dorfnähe nach einem lauschigen Picknickplatz Ausschau hält, der wird vielleicht diesen Tisch am Ufer der Sitter entdecken und dort gemütlich Platz nehmen. Aber Achtung, dem Appenzeller Künstler Roman Signer sass bei der Installation der Schalk im Nacken. Alle drei bis vier Minuten stemmt sich der harmlos aussehende Tisch in Schieflage und spritzt Wasser aus den Beinen. Da würdet ihr wohl auch für einen kurzen Moment die Welt nicht mehr verstehen, oder? Ein weiteres Kunstobjekt von Roman Signer, die „Drehscheibe“, befindet sich auf der Hauptgasse vis-à-vis vom Hotel Café Adler. Wer ständig mit dem Gefühl lebt, die Zeit rennt davon, findet auf dieser Scheibe Beruhigung. Drei Minuten braucht die Scheibe für eine ganze Umdrehung und ihr könnt mir glauben – drei Minuten fühlen seeeeeehr lange an, wenn man inmitten auf der Hauptgasse auf einer Scheibe steht und dem bunten Treiben rundherum zuschaut.

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Falls du jetzt so richtig Lust auf einen Ausflug in den kleinsten Hauptort der Schweiz bekommen hast und mehr über das Dorf und seine Traditionen erfahren möchtest, dann kann ich dir die gratis Dorfführung (bis am 14. Oktober 2014 jeden Dienstag Morgen 10:00 Uhr) empfehlen.

Hinweis: Mein Aufenthalt im Appenzellerland wurde von Appenzell Tourismus unterstützt. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

 

Kommentare

  • Christina September 08, at 08:35

    Hach, wie schön! Die bunten Häuschen sind ein Traum. :-) Aber mein absoluter Liebling aus dieser Region ist natürlich der Appenzeller Biberli! :D So, so lecker!! Liebe Grüße Christina

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