Bayern Fundstücke: Walhalla, Met und Bier

Bayern Fundstücke: Walhalla, Met und Bier

Heute türmen sich düstere Wolken am Himmel, vereinzelt klatschen schwere Regentropfen auf die Pflastersteine der engen Altstadtgasse. „War ja klar“, denken wir uns auf dem Weg in Richtung Schiffanlagestelle. Regen in Regensburg! Könnte nicht passender sein, oder? Wobei, die Stadt ihren Namen nicht häufigen Regenfällen, sondern dem Fluss Regen, der östlich von Stadtamhof in die Donau fliesst, zu verdanken hat. Da die Donau zu lange ist, um als Ortsbezeichnung Verwendung zu finden, musste der Regen dafür hinhalten.

Nachdem wir am Vortag die schönsten Ecken von Regensburg entdeckt und uns in die Jahninsel verliebt haben, wagen wir uns heute ins wilde bayerische Umland. Nach einem kurzen Stopp im Welterbe-Besucherzentrum, das sich in einem alten Salzstadel direkt bei der Steinernen Brücke befindet, gehen wir aufs Schiff. Aber nicht einfach irgendein Schiff sondern die Kristallprinzessin, verkleidet mit tausenden, funkelnden Swarovski Steinen (die ja eigentlich „einfach“ exklusiv geschliffenes Glas sind). Die Kristallprinzessin ist Teil der Kristallflotte Regensburg, die unter anderem Erlebnisrundfahrten zur Walhalla anbieten. Ihr habt noch nie von der Walhalla gehört? Keine Sorge, mir erging es gleich. Eine Halle der Gefallenen hoch über der Donau? In Form eines perfekt imitierten griechischen Tempels? Tönt irgendwie nach Disneyland, oder?

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Dem trüben Wetter sei Dank haben wir praktisch das ganze Schiff für uns alleine und dürfen sogar kurz beim Kapitän vorbeischauen. Wir bekommen eine Schnellbleiche in Schifffahrtskunde und lernen, dass bei der Schifffahrt ebenfalls Rechtsverkehr herrscht (nachdem er uns zuerst voller Überzeugung erklärt hat, dass hier Linksverkehr ist), dass er mit seiner Lizenz nur im gestauten Donaubereich fahren darf (seine Lizenz wäre daher in der Wachau nicht zulässig) und wir mit 20 km/h quasi Volldampf voraus schippern.

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Nachdem wir auf linker Seite Donaustauf passiert haben, taucht vor uns der Bräuberg mit der von weitem sichtbaren Säulenfront der Walhalla auf. Der weisse Stein hebt sich stark vom dunkelgrün des Waldes und den grauen Wolken ab. Disneyland und Kitsch sind schnell vergessen – dieser Anblick ist schlichtweg gigantisch und ich bin schon jetzt schwer beeindruckt. Kaum vorstellbar, dass wir uns nur 12 Kilometer von Regensburg entfernt befinden – mir erscheint es eher wie eine exotische Dschungelwelt.

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Bis zum Tempel trennen uns jetzt nur noch 358 Treppenstufen, die es zu erklimmen gilt. Nach Vorbild des Parthenon auf der Akropolis wurde die Walhalla 1842 als Ruhmeshalle zu Ehren bedeutender Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ (auch Schweizer und Österreicher werden aufgenommen) eröffnet. Architekt Leo von Klenze hat sie auf Veranlassung des bayerischen Königs Ludwig I. erstellt.

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Im Innern stehen wir 130 Marmorbüsten gegenüber. Beginnend bei Heinrich I. „der Finkler“ – Deutscher König 919 bis 936 – bis zu Heinrich Heine, der 2010 als neuste Büste in diesen illustren Kreis aufgenommen wurde. Zwölf der Geehrten sind Frauen, darunter Sophie Scholl und Edith Stein. Manche Persönlichkeiten, wie Albert Einstein, erkenne ich auf Anhieb. Andere sind mir überhaupt kein Begriff. Entgegen meiner Befürchtungen bin ich absolut fasziniert. Der Raum hat eine beeindruckende Grösse und wir haben grossen Spass dabei, die bedeutenden Schweizer ausfindig zu machen.

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Im Anschluss genehmigen wir uns wie zu guten alten Germanen-Zeiten ein Schlückchen Met (Honigwein) und geniessen dabei die Aussicht über das wolkenverhangene Regensburger Donautal. Zum Glück lasse ich mich auf Reisen selten von Vorurteilen leiten, sondern schaue mir die Orte trotzdem einmal an – hier hat es sich definitiv gelohnt.

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Zwei Stunden später fahren wir mit der Kristallprinzessin zurück nach Regensburg und gönnen uns als Stärkung einen Apfelstrudel. Den Nachmittag verbringen wir in Stadtamhof. Die ehemals selbständige Stadt ist heute ein Stadtbezirk von Regensburg und gehört zum UNESCO-Welterbe. Ein absolut entzückender Ort, der viele Künstler und junge Leute anzieht und an einen idyllischen Naherholungsraum grenzt.

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Auf dieser Seite befindet sich auch das Katharinenspital, das heute zwar nur noch als Altenheim genutzt wird, aber dafür immer noch die älteste Brauerei der Stadt Regensburg beheimatet. Nach alter Tradition, aber mit einem jungen Team werden hier innovative Bierkreationen gebraut. Nach einem Schluck ist meine Begeisterung für das Spital Pale Ale geweckt. An sonnigen Tagen ist übrigens der Biergarten vor der Brauerei ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

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Hinweis: Mein Aufenthalt in Regensburg wurde von Regensburg Tourismus unterstützt. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • *thea Mai 14, at 10:20

    haha ich war am Samtag auch bei Regen in Regensburg und am Sonntag nochmal einen kleinen Abstecher zur Wallhalla gemacht ;-) lg*thea

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  • Andreas Mai 14, at 10:38

    Ich hab es mir vor ein paar Jahren auch angeschaut und doch fand ich die etwa 30 Kilometer entfernte Befreiungshalle bei Kehlheim spannender. Auch wenn diese Monumentalbauten sich irgendwie mit der jüngeren deutschen Vergangenheit beißen (der Deutsche tut sich ja allgemein eher schwer - außer bei WM und EM - mit dem Stolz auf sein Land), sind sie einen Besuch wert. Noch mehr lohnt übrigens der Ausflug zum Donaudurchbruch und dem Kloster Weltenburg (mit dem besten Schwarzbier der Welt - so zumindest der Titel).

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    • Anita Brechbühl Mai 14, at 12:13

      Danke Andreas für diese Tipps :) Ich habe die Befreiungshalle gleich mal gegoogelt (weil auch davon habe ich noch nie was gehört) und das sieht echt spannend aus!

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    • Fiona Mai 14, at 12:39

      Ja das Dunkle Bier des Kloster Weltenburgs ist wirklich hervorragend, nur der Biergarten ist mir immer zu voll ;) Und Kelheim schreibt man übrigens nur mit einem "h", auch wenn das Autokennzeichen anderes vermuten lässt ;) Die Befreiungshalle ähnelt vom Stil her der Wallhalla (ist ja auch von gleichen König in Auftrag gegeben worden) und der Ausblick ist ebenso wie der von der Walhalla wirklich toll! Grüße Fiona (<a href="http://www.worldwildfood.blogspot.de/" rel="nofollow">worldwildfood</a>) PS: Anita, wenn du mal in Kelheim vorbeischaust, gib Bescheid ich geb dir gerne eine Tour durch meine Heimatstadt ;)

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  • Fiona Mai 14, at 12:40

    Eine tolle Stadt! Und der Ausblick von der Walhalla ist immer wieder atemberaubend =D Ich bin gern dort oben ;) Auch den Sonnenuntergang kann man von dort ganz wunderbar genießen ;) Viele Grüße Fiona (<a href="http://www.worldwildfood.blogspot.de/" rel="nofollow">worldwildfood</a>)

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