Wieso Leipzig auf deine Citytrip Bucket List gehört

«Linz oder Leipzig?», fragte ich anfangs August meine Twitter-Follower. 57% – und somit die Merheit hätten bei sich bei dieser Auswahl für Leipzig als nächstes Städtereiseziel entschieden. Ich wohl auch. Aber welche Stadt hat effektiv die Nase vorn? Dieser Frage bin ich an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auf die Spur gegangen und so viel vorweg: Beide Städte sind absolut lohnenswerte Städtereiseziele.

Gereist – Flug Zürich nach Leipzig

Leipzig punktet bei mir mit einer super Flugverbindung Zürich – Leipzig/Halle, die es mir ermöglicht um 6:00 Uhr in der Früh aus dem Haus zu gehen und um 11:00 Uhr bereits auf der Weissen Elster bei herrlichstem Sonnenschein zu paddeln. Mit einem frühen Freitagmorgenflug und einem Rückflug am Sonntagnachmittag sind die Flugzeiten der Swiss optimal für ein verlängertes Städtewochenende. Vom übersichtlichen Flughafen Leipzig/Halle gelangt man mit dem Zug in zwanzig Minuten entweder an den Hauptbahnhof Leipzig (ein imposantes Bauwerk) oder direkt in die Innenstadt (Haltestelle Leipzig Markt).

Ökologischer wäre natürlich die Anreise mit dem Zug; dafür sind aber mindestens 8.5 Stunden Reisezeit zu veranschlagen.

Leipzig Hauptbahnhof

Getan

Nach oben gucken |

In der Altstadt von Leipzig liegt alles in fussläufiger Distanz zueinander und dank vielen Fixpunkten haben wir uns sofort zurechtgefunden. Wir starten die Erkundungstour auf dem Markplatz, der an der Ostseite vom markanten Alten Rathaus eingefasst wird. Seit 1909 befindet sich da drin das Stadtgeschichtliche Museum mit einem massstabsgetreuen Modell der Stadt Leipzig aus dem 19. Jahrhundert. In den letzten Jahren wurde viel in die Renovation der lange verwahrlosten Gebäudesubstanz investiert. Dank diesem Engagement gibt es in der Altstadt wieder prunkvolle Fassaden zu bewundern. Ein weiteres Merkmal, die auf Leipzigs Bedeutung als Handelsstadt hinweisen sind die zahlreichen historischen Durchgangshöfe. Ein besonders schönes Exemplar – der Barthels Hof – findet sich auf der Westseite des Marktplatzes. Auf dem Marktplatz weist eine Bodenplatte auf Leipzigs günstige Lage am Schnittpunkt der beiden Handelsrouten «Via Imperii» und «Via Regia» hin. Dies und das Messeprivileg begünstigten die Entwicklung Leipzigs als wohlhabende Stadt der Kaufleute. Die auf die Bedürfnisse der Messestadt getrimmte Architektur prägt noch heute das Erscheinungsbild der Innenstadt. Von ursprünglich 35 Messehäuser sind 20 noch erhalten. Ein verzweigtes Passagennetz verbindet die Messehäuser bis heute und bietet allerlei Überraschungen; von prunkvollen Rottundenglasdächern, filigranen Fassadenmalereien bis hin zu geschichtsträchtigen Orten wie der Auerbachs Keller.

Altes Rathaus Stadtgeschichtliches Museum Leipzig Alte Waage Leipzig Messhof Passage Leipzig Königshaus Passage Leipzig Specks Hof

Den Vogelblick geniessen |

Drei Euro kostet der Vogelblick vom Panorama Tower über das Gewirr aus massigen Messehäusern, schlossähnlichem neuen Rathaus, Kirchenspitzen und Barockfassaden. Bestes Zeitfenster dafür ist so rund um den Sonnenuntergang (oben hat’s nämlich auch eine Freiluftbar).

Aussichtspunkt Leipzig

Durch ein Industriedenkmal spazieren |

Zu den Wahrzeichen der Stadt gehört die Leipziger Baumwollspinnerei im Stadtteil Plagwitz. Wer sich für die Entstehungsgeschichte, den geschichtlichen Hintergrund und Infos zur aktuellen Kunstszene aus erster Hand interessiert, der schliesst sich einer geführten Tour an (jeden Freitag und Samstag zwischen 11:00-16:00 Uhr einstündige Führungen für 11 Euro pro Person). Bis 1989 wurde in der grössten Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas Garn produziert. Waren zu Zeiten der Gründereuphorie anfangs des 20. Jahrhunderts über 2’500 Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Gelände beschäftigt, arbeiteten zuletzt noch 1’650 Personen in der Garnproduktion. Nach der Schliessung der Produktion fand hier die lokale Künstlerszene kostengünstige Flächen – die perfekte Zwischennutzung. Inzwischen ist auf dem Gelände der Baumwollspinnerei ein buntes Potpourri aus Galerien, Kunstzubehörgeschäften, Ateliers, Loftwohnungen, das LuRu-Kino, diverse Kleinstfirmen und Fitnessstudios zu finden). Ein gelungener Mix, dessen Fortbestehen aber ein stetiger Balanceakt zwischen steigenden Mietzinsen, Popularitätszuwachs und Investorenvorstellungen darstellt. Es lohnt sich, sich einen halben Tag für das Gelände der Baumwollspinnerei und das gleich gegenüberliegende Kunstkraftwerk zu reservieren.

Leipzig Spinnerei Galerien Leipzig Spinnerei Luru Kino Spinnerei Leipzig Kermarik Spinnerei Leipzig

Volle Kraft voraus paddeln |

Ein total lässiger Zeitvertrieb bietet das weitläufige Kanalnetz in und um Leipzig. Der deutsche Profi-Kanute Jan Benzien hat sich hier neben seiner erfolgreichen Karriere als Kanu-Slalomfahrer am Stadthafen von Leipzig innert weniger Jahre ein zweites Standbein aufgebaut. An schönen Tagen könnte er wohl glatt doppelt so viele Kanus verleihen, wie er aktuell im Angebot hat, verrät er uns, während wir im feuerroten Canadier durch die Weisse Elster gleiten. Vom Wasser aus lässt sich Leipzig aus einer anderen Perspektive erleben. Ich bin erstaunt wie Grün es ist und viele renovierte Villen und Neubauten an privilegierter Lage direkt ans Ufer der Kanäle gebaut sind. «Vor wenigen Jahren sah das hier alles ganz anders aus», erzählt uns Jan und berichtet von einst verlassenen Bruchbuden und dem rasanten Entwicklungsschub der letzten Jahre. Wir paddeln den Karl-Heine-Kanal flussabwärts bis in den Stadtteil Plagwitz. Zum Glück sitzen zwei kräftige Ruderer mit mir im Boot – mir brennen die Arme bei der Taktvorgabe durch Jan bereits nach wenigen Zügen. Ohne Profi-Ruderer im Boot ist die Geschwindigkeit natürlich euch überlassen.

Weisse Elster Leipzig Kanufahren Kulturhafen Riverboat Leipzig Brücken Leipzig Karl-Heine-Kanal Plagwitz

Lokales Design shoppen |

Leider ist das lässige Projekt «Starter Space» am 16. September 2017 bereits Geschichte. Im Rahmen einer Zwischennutzung wurde im Kaufhaus Höfe am Brühl ein Popup Store mit einem stetig wechselndem Sortiment an Produkten, Gadgets und Designerstücke von mehrheitlich lokalen Jungunternehmern kuratiert. Eine wahre Fundgrube für schöne Dinge. Die Initianten haben vor, das Projekt in ähnlicher Form weiterzuziehen und auch weiterhin jungen Designern und Produktentwicklern eine Plattform zu bieten. Und alle Design-Interessierten finden auf dem Blog von Leipzig Travel eine aktuelle Übersicht an interessanten Geschäften mit «made in Leipzig» Produkten.

Starter Space Leipzig

Gegessen |

Kulinarisch lässt Leipzig keine Wünsche offen. Wir haben uns von der einfachen sächsischen Hausmannskost bis zum Michelin-Sterne-Restaurant durchprobiert und überall fein gegessen. Nachfolgend unsere Tipps für Kaffee, zMittag und gediegenes Dinieren.

Café Cater | Rudolph-Sack-Straße 2

Café Kater

Kune | Eisenbahnstraße 107

Den Café Kune Brunch-Tipp erhielt ich von Elisabeth, die als eine der Initiantinnen beim Starter Space mitwirkt und gleich ums Eck in einem Medien & Design Studio arbeitet. «Die Eisenbahnstrasse musst du dir unbedingt angucken», entgegnete sie mir auf meine Frage, welche Ecken Leipzigs noch nicht vom «hypezig» Dilemma (mehr dazu am Schluss des Beitrages) befallen sind. In der Neustadt östlich vom Hauptbahnhof herrscht ein Multikulti Mix sowohl bei der Bewohnerschaft als auch bei der Gebäudesubstanz. Ein Teil der Gründerzeithäuser sind wundervoll renoviert und direkt daneben spaziert man an verwahrlosten Erdgeschossen vorbei. Auf dem Weg zum Kune lohnt sich ein Blick durch die Schaufenster der Galerie für zeitgenössische Kunst Bistro21. Der Brunch im Kune funktioniert nach einem «nimm am Buffet, was dir gefällt und ich notiere die Sachen, die du nimmst» Prinzip. Man sollte einfach mindestens eine Stunde ab Brunch-Beginn bis zum vollen Aufbau des Buffets dazurechnen…

Café Kune Leipzig Neustadt

Kaiserbad | Karl-Heine-Straße 93

Für einen Lunch nach dem Besuch der Baumwollspinnerei kann ich euch das wunderbar eingerichtete Kaiserbad wärmstens empfehlen – das Interieur ist schlicht genial (und die Burger auch gut).

Kaiserbad Restaurant Kaiserbad Leipzig Burger

Zum Arabischen Coffe Baum | Kleine Fleischergasse 4

Die nächsten zwei Food-Tipps widmen sich der sächsischen Küche. Eine Institution ist das Gasthaus zum Arabischen Coffee Baum im Zentrum. Ich hatte das in erster Linie wegen dem tollen Innenhof angesteuert und war mir etwas unsicher, ob es in punkto Essen nicht eher eine Touri-Falle ist. Ich kann Entwarnung geben: Wir waren beide positiv überrascht!

Zum Arabsichen Coffeebaum Innenhof Zum Arabischen Coffeebaum Leipzig

Bayerischer Bahnhof | Bayrischer Pl. 1

Bis zu seiner Schliessung 2001 galt der Bayerische Bahnhof Leipzig als ältester in Betrieb befindliche Kopfbahnhof Deutschlands. Heute ist das ehemalige Bahnhofsgebäude komplett zu einem Gasthof mit Biergarten umfunktioniert worden. Nebst sächsisch-bayerischer Kost steht hier die hausgebraute Gose im Fokus.

Bayrischer Bahnhof Gasthaus Leipzig

Falco | Gerberstraße 15

Für diesen Gourmettipp ist ein etwas dickeres Portemonnaie gefragt. Dafür gibt es nebst einer Michelin-Sterne prämierten Küche auch einen phänomenalen Blick über Leipzig. Die günstigste Variante hier zu essen – und in jedem Fall das Geld wert – ist ein Platz am «Der! Tisch». Das 4-Gang-Menü kostet hier inklusive Mineralwasser 88 Euro pro Person.

Restaurant Falco Leipzig Falco Leipzig

Renkli | Karl-Liebknecht-Straße 2

Einem Tipp von Romy folgend, sind wir in der wunderbaren Weinbar Renkli gelandet. Der perfekte Ort fürs gemütliche Beisammensein bei einem guten Glas Riesling aus dem nah gelegenen Weinanbaugebiet Naumburg.

Renkli Leipzig

Geschlafen in Leipzig im Hotel Fregehaus

Übernachtet haben wir im zentral gelegenen Boutique Hotel Fregehaus. Ein wahres Bijou, das sich hinter den Fassaden eines alten Kaufmannshauses befindet. Jedes Zimmer ist individuell ausgestaltet und das Frühstücksbuffet überzeugt mit frischen, lokalen Produkten. Ein Hotel genau nach unserem Geschmack.

Wer mit einer Gruppe nach Leipzig reist, sollte sich unbedingt die Meisterzimmer in der Spinnerei anschauen – tolle Loft-Ferienwohnungen.

Fregehaus Leipzig Hotel Fregehaus Leipzig Fregehaus Hotelzimmer

Nein, wir sind nicht «Hypezig»

Leipzig gehört aktuell zu den schnellst wachsenden Städten Deutschland. Leipzig boomt, alte Gebäude müssen Neuen weichen, dort wird was abgerissen und hier fahren die Bagger vor. Auf der einen Seite bedeutet dies Aufbruchstimmung – Euphorie – eine Stadt für Macher – hier ist was möglich! Auf der anderen Seite schürt das Ängste. Die Kreativszene und Studierende bangen um bezahlbaren Wohnraum und anständig entlöhnte Jobs. Und deshalb ist das von den Medien aufgebrachte Schlagwort «Hypezig» für viele ein Unwort. «Bleibt ihr doch bitte in Berlin!». Ich kann diese Ängste nachvollziehen – finde aber – gerade auch im Vergleich zu Linz – das viele mit denen ich gesprochen habe etwas zu fest in die Nörgelei verfallen. Ist dieses «hip» sein denn tatsächlich nur schlecht und war vor zehn Jahren wirklich alles besser? Ich masse mir nicht an, diesen Sachverhalt nach knapp 48 Stunden in der Stadt zu beurteilen. Der Prozess von Verwahrlosung – Aufbruchstimmung dank Zwischennutzungen – Investitionen – Aufwertung – Verdrängung durchlaufen aber zahlreiche andere Städte und Stadtteile. Ein Beispiel in dem ich mich täglich bewege ist Zürich West. Günstige Lagerhallen weichten hier Hochhäusern mit Luxuswohnungen, die nur schwer AbnehmerInnen finden. Irgendwann pendelt sich wieder das Gleichgewicht ein – hoffe ich zumindest – auch für Leipzig.

Praktische Infos und Tipps zu Leipzig

  • Leipzig Card als Tageskarte (12.40 Euro) oder 3-Tages-Pass (24.90 Euro) gewährt freie Fahrt auf allen Linien der Tarifzone 110 und inkludiert zudem zahlreiche vergünstigte Eintritte
  • Lässige Tipps abseits des Mainstreams gibt der Guide „Verborgenes Leipzig
  • Aktuelle Mietpreise für Kayaks und Canadier am Stadthafen Leipzig: Kanuverleih Stadthafen
  • Völkerschlachtdenkmal: Mit 91 m Höhe eines der Landmarks Leipzigs
  • Schöne Mitbringsel für Daheimgebliebene findet ihr im Tschau Tschüssi
  • Und von einem Leipzig- (und Kaffee-) Kenner (danke Adrian!) wurden mir auf Facebook noch folgende Lokale empfohlen: röskant – die Manufaktor (für frisch gerösteten Kaffee) / Espresso Zack Zack Kaffeebar / Restaurant Münsters / Bricks Coctail (mit den besten Drinks)

Hinweis: diese Reise wurde von der Deutschen Zentrale für Tourismus und der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH unterstützt – alle Meinungen und Eindrücke sind wie immer die unseren.

Kommentare

  • Laura September 15, at 17:23

    Hallo, die Bilder sind wirklich beeindruckend! Leipzig steht auf meiner City Bucket List nicht ganz so weit oben, Linz allerdings tut es. Wird es dazu auch noch einen Post geben? Der würde mich sehr interessieren und wird mir bei euren tollen Bildern bestimmt extrem gut gefallen :D

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    • Anita Brechbühl September 15, at 17:28

      Hei Laura - ja es wird zu Linz auch einen Beitrag geben (leider hatten wir dort aber 3 Tage Regenwetter erwischt - zumindest optisch schneidet Leipzig wohl besser ab ;))

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  • Martina Oktober 11, at 18:08

    Hallo Anita, vielen Dank für die tollen Bilder und Tipps. Für uns geht es diesen Monat auch noch nach Leipzig - wenn auch nur mit einer Übernachtung. Im Frühjahr waren wir schon mal für einen Nachmittag dort, als wir in der Nähe zu Besuch waren. Jetzt freue ich mich darauf, alles mit mehr Ruhe anschauen zu können. Der erste Eindruck war auf jeden Fall klasse und deine Fotos haben mich jetzt richtig in Vorfreude versetzt. Liebe Grüße Martina

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  • Lars Februar 21, at 18:22

    Es ist schön das man was über Leipzig liest, da ich gebürtig von dort komme. Eine tolle Stadt in der sehr viel Bewegung ist. Auf jeden Fall ein Besuch Wert.

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