Eiger Trail – auf Tuchfühlung mit der Eigernordwand

Eiger Trail – auf Tuchfühlung mit der Eigernordwand

Woher hast du all deine Ausflugsideen? Eine mir oft gestellte Frage und wenn ich mich recht hintersinne, weiss ich die Antwort darauf gar nicht so richtig. Fakt ist, dass jeder Ausflug eine Inspiration für weitere Ausflüge ist. Alleine der Blick auf die Wanderwegweiser gibt mir meist zehn neue Ideen für ein «nächstes Mal». Und genauso hat sich der Eiger Trail bei meinem ersten sommerlichen Abstecher in die Jungfrauregion vor vier Jahren (hei, wie die Zeit vergeht – verrückt!) auf meine Bucket List an Schweizer Ausflugszielen geschlichen. Letzten Samstag haben wir diesen Wanderklassiker zwischen der Kleinen Scheidegg und Grindelwald endlich angepackt.

Auf keinem anderen Wanderweg kommt man der berüchtigten Eigernordwand so nah, wie auf dem Eiger Trail. Die alpine Streckenwanderung führt direkt am Fusse des nahezu senkrecht aufsteigenden Felsmassivs von der Station Eigergletscher Richtung Grindelwald. Je nach Lust und Knietüchtigkeit lässt sich die Wanderung in beide Richtungen absolvieren. Wir starten den Eiger Trail direkt auf der kleinen Scheidegg. Um zur Station Eigergletscher zu gelangen, müssten wir hier sowieso von der Wengeneralpbahn auf die Jungfraubahn umsteigen und statt den Anschlusszug abzuwarten, ziehen wir ein paar zusätzliche Höhenmeter zum Aufwärmen vor. Nach gut 15 Minuten erreichen wir den künstlich angelegten Speichersee beim Fallbodenhubel auf halbem Weg zum Eigergletscher. Die mit «Eingang» beschrifteten Türen der Trafostation daneben wecken meine Neugier. Obwohl ich auf den ersten Blick keinen Hinweis darauf entdecke, was mich im Innern der alten Trafostation erwartet, werfe ich einen Blick hinein. Eine gute Entscheidung! Die ehemalige Trafostation der Jungfraubahn wurde nämlich zu einem kleinen Museum umgenutzt, der als Teil vom Eiger Walk (ein 2 Kilometer langer Weg zwischen Kleine Scheidegg und Eigergletscher) das Thema der Eigernordwand-Durchquerung aufgreift. Es lohnt sich, hier einen kurzen Stopp einzuplanen.

Aufstieg Eigergletscher

Direkt hinter dem Speichersee scheint uns die Wegführung für einen kurzen Moment unklar und wir folgen nach einem kurzen Kontrollblick auf die Wanderkarte einem nicht direkt ausgeschilderten Pfad der Hangkante entlang Richtung Eigernordwand. Mit dieser Abkürzung sparen wir uns einige Höhenmeter, da wir nun statt via Eigergletscher «schleifend» auf den Eiger Trail treffen. Der Eiger Trail gehört mit zu den beliebtesten Wanderungen in der Jungfrauregion und dementsprechend sind wir hier an einem schönen Sommertag nicht alleine unterwegs. Insgesamt hält sich der Menschenauflauf aber in Grenzen und wir können ungestört unseren Marschtakt beibehalten.

Auf Höhe des Einstieges zum Eiger-Rotstock-Klettersteig (diese Ausflugsidee hat nun den Eiger Trail auf meiner Bucket List abgelöst), genehmigen wir uns eine kurze Pause und bewundern das wunderschöne Panorama von der Kleinen Scheidegg über das Lauberhorn, Männlichen und das Grindelwaldtal bis hin zur Grossen Scheidegg und dem Wetterhorn. Danach beobachten wir noch eine Weile gespannt das Treiben auf dem Klettersteig. Ich habe ja noch immer ziemlich Schiss vor Klettersteigen, würde mich aber gerne mal wieder der Herausforderung stellen…

Alpenrosen in Grindelwald Eismeer Jungfrau Kleine Scheidegg Eiger Trail Grindelwald Wanderung auf dem Eiger Trail Eigernordwand Eiger Trail Jungfrauregion

Von nun an geht’s nur noch talwärts. In den schattigen Geröllfeldern am Fusse der Eigernordwand treffen wir noch auf vereinzelte Schneefelder – teilweise eine rechte Rutschpartie. Aufgrund der schattigen Lage empfehle ich, den Eiger Trail nicht zu früh in der Wandersaison in Angriff zu nehmen. Wir passieren den tosenden Sandbach, der sich tief in die Felsen eingegraben hat, und folgen danach dem steilen Pfad runter nach Alpiglen. Alternativ besteht auf Höhe Sandbach die Möglichkeit, bis zur Gletscherschlucht weiterzuwandern – gemäss Auskunft meiner Eltern eine wunderschöne und im Vergleich zum Eiger Trail deutlich weniger oft begangene Route. Mit dieser Zusatzschlaufe verlängert sich die Laufzeit um gut 2.5 Stunden bis nach Grindelwald Grund.

Wanderwegmarkierung Eiger Trail Eiger Trail Wanderung in Grindelwald Wetterhorn und Grosse Scheidegg Grindelwald Männlichen Eiger Trail Wandern auf dem Eiger Trail Sandbach Eiger Alpweiden in Grindelwald

Praktische Infos zum Eiger Trail

Der Routenverlauf des Eiger Trails kann nachfolgender Karte entnommen werden. Wir haben die Route leicht adaptiert und sind auf der Kleinen Scheidegg gestartet – der Eiger Trail führt in seiner originalen Version von der Station Eigergletscher nach Alpiglen, wobei zu beachten ist, dass die Route aktuell aufgrund Bauarbeiten für die V-Bahn leicht geändert wurde (für aktuelle Infos die Website der Jungfrauregion konsultieren).

Die Distanz von der Kleinen Scheidegg bis nach Alpiglen beträgt 7,2 Kilometer. Dabei ist eine Steigung von 270 Höhenmeter sowie ein Gefälle von 715 Höhenmeter zu überwinden. Wer seine Knie schonen möchte, der startet die Wanderung in Alpiglen und wandert bergwärts. Die reine Laufzeit für die Variante talwärts beträgt 2,5 Stunden. Die Kleine Scheidegg sowie Alpiglen erreicht ihr mit der Wengeneralpbahn entweder ab Lauterbrunnen oder ab Grindelwald.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Stefan Juli 16, at 09:32

    Ein Traum, da werden Erinnerungen wach. Wir liefen den Eiger Trail 2012 in umgekehrter Richtung, als wir sechs Tage auf dem Bärentrek unterwegs waren. Der Eiger Trail war damals Teil des dritten Tages von Alpiglen nach Gimmelwald. Eine wahrhaft tolle Wanderung in absolut traumhafter Umgebung. Wenn du magst, hats hier einige Fotos von unserer Bärentrek-Woche: https://www.querdurchdenalltag.com/fotos/gallery/baerentrek Liebe Grüsse, Stefan

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    • Anita Brechbühl Juli 16, at 11:24

      Hoi Stefan besten Dank für deinen Kommentar - der Bärentrek hört sich nach einer grossartigen Mehrtageswanderung an!

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  • Veronica Ammann Juli 16, at 14:59

    Anita, den zweiten Teil - von Alpiglen bis Gletscherschlucht - solltest du unbedingt machen. Einsam, unberührte Natur, schmaler Pfad, wunderbare Flora, dann happiger Abstieg mit grossartigen Blicken auf den unteren Grindelwaldgletscher, der Muskelkater auslösen kann! Wir haben die Tour vor wenigen Tagen gemacht und total genossen.Wenn man von Gletscherschlucht nach Grindelwald Grund zurückwandert, folgt man einem schönen, schattigen Weg der Lütschine entlang, wo momentan noch tolle Werke der 20. Landart-Ausstellung zu sehen sind - zu empfehlen.Veronica ,

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    • Anita Brechbühl Juli 16, at 15:06

      Liebe Veronica herzlichen Dank für diesen Tipp - dann hatten meine Eltern also recht, als sie meinten das sei der schönste "Teil" des Eiger Trails :)

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  • Patricia Juli 17, at 16:16

    Wow wunderschöne Landschaft und total tolle Bilder. Zu der Eigernordwand muss ich dieses Jahr also auch noch mal wandern :) Mit welchen Objektiven hast du denn die ganzen Bilder gemacht.. Die sind ja gestochen scharf geworden! Liebe Grüße Patricia

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    • Anita Brechbühl Juli 18, at 14:52

      Hoi Patricia danke für deinen Kommentar :) die Bilder haben wir alle mit dem Sony Objektiv FE 24-70mm f / 2.8 gemacht

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  • Rene Cathrein Juli 19, at 08:43

    Hallo Anita Wie immer ein toller Bericht von dir. Wir sind auf dem Eiger Trail vor 3 Jahren gewandert. Wegen dem Guggiföhn fuhr die Wengeneralpbahn nicht und so weichten wir mit der Seilbahn auf den Männlichen aus. Von dort sind wir dann nach Alpligen abgestiegen und danach den Eiger Trail hoch gelaufen. Wegen dem Föhn hatte es praktisch keine Leute aber die Föhnstimmungen waren einmalig! Danke für deine tollen Blogs... wir werden im August - inspiriert durch deinen Blog «Dreierlei Gipfelerlebnisse in Fribourg Region» - in Gruyère sein Lieber Gruss / Rene

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    • Anita Brechbühl Juli 19, at 10:41

      Hoi Rene danke für deinen Kommentar! Ja bei Föhn sind die Berge wo wunderbar gestochen scharf! Hoffe, ihr habt dann im Greyerzerland auch Wetterglück!

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