Helsinki – Tallinn: der perfekte Tagesausflug

Helsinki – Tallinn: der perfekte Tagesausflug

Tallinn und Helsinki trennt nur knappe 90 Kilometer kaltes Meerwasser des finnischen Golfs. Kein Wunder zählen die Fährverbindungen zwischen den beiden Städten zu den meist frequentierten internationalen Passagierrouten. Spätestens seit Tallinn im Jahr 2011 zusammen mit Turku Kulturhauptstadt Europas war, ist die Stadt im Trend. Tallinn ist hip, bunt, freundlich und sehr hübsch. Deshalb lohnt es sich, bei einer Städtereise nach Helsinki einen zusätzlichen Tag für einen Besuch der Hauptstadt Estlands einzuplanen.

Auch wir wollten uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und nutzten den einzigen nicht eintönig grauen Tag unserer finnischen Woche dazu, um Tallinn einen Besuch abzustatten. Doppeltes Glück für Tallinn, die Stadt hat sich in den 5 Minuten Sonnenschein im allerschönsten Kleid gezeigt und mich in einen kleinen Estland-Fan verwandelt.

Staunen – Schlendern – Schlemmen

so haben wir die 12 Stunden in Tallin genossen:

7:00 – Früh raus

Regelmässige Fährverbindungen werden von der Viking Line und der Tallink Silja Line angeboten. Im Sommer fahren zusätzlich noch Schnellboote. Wir haben uns für die Tallink Silja Fähre entschieden, die die Verbindung bis zu sieben Mal täglich fährt. Man ist da also durchaus auch etwas flexibel, mit der Hin- und Rückreise. Das Ticket für die Star Class, die normale Deckenpassage kostet 31 Euro (die tagesaktuellen Preise gibt es hier: tallinksilja.com).

Die Tallink Silja Schiffe bedienen in Helsinki zwei Häfen – den Südhafen/Olympiaterminal für Schiffe von/nach Stockholm und den Westhafen/Länsisatama für die Tallin-Fährverbindung. Wir haben uns extra am Vorabend schlaugemacht, wo wir genau hinmüssen. Es wäre ja sehr ärgerlich, wenn man extra früh aufsteht und dann am falschen Hafen steht…

Da wir das erste Fährschiff um 7:30 erwischen wollen und man 30 Minuten vor Abfahrt auf dem Schiff sein sollte, reisst uns der Wecker früh morgens um 6:00 Uhr aus den Träumen. Draussen ist es noch stockdunkel. Mit dem Tram Nr. 9 (Itä-Pasila – Hauptbahnhof – Kamppi – West Terminal) fahren wir direkt zum Westhafen und lösen dort am self-check-in-Automaten unser Ticket. Das Ganze funktioniert tadellos und total unkompliziert.

Auf dem Schiff suchen wir uns ein ruhiges Eck und nutzen die zwei Stunden Überfahrt, um zu entscheiden, was wir uns in Tallinn ansehen möchten. Aufs Frühstück verzichte ich, da ich keine Lust auf Würstchen und Pommes Frites verspüre (ist auch nicht im Ticketpreis inbegriffen). „Normale“ Brötchen suche ich vergebens.

Kurz vor der Ankunft in Tallinn wagen wir uns noch aufs Deck, aber der gnadenlose Wind vertreibt uns schnell wieder. Den Programmpunkt „Sonnenaufgang auf hoher See fotografieren“ müssen wir somit leider streichen. Übrigens, die Schiffe fahren auch, wenn der finnische Golf gefroren ist (… ich hatte ja insgeheim darauf gehofft…).

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10:00 – Süsses erwachen

Da wir auf der Fähre auf das Frühstück verzichtet haben, marschieren wir in Tallinn ruckzuck zum ersten Café. Vom Fährterminal bis zum ersten süssen Stopp im Maiasmokk Café | Pikk tn 16 sind es 1.7 Kilometer. Prima Distanz, um sich zu Fuss einen ersten Überblick über das Zentrum zu verschaffen.

Das Maiasmokk – auf Deutsch Feinschmecker (Name ist Programm) – ist das älteste Café in Tallinn. Die Inneneinrichtung innert an vergangene Zeiten und die Kuchen sind absolute Hingucker. Hier gibt es übrigens auch kostenloses WiFi.

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12:00 – Buntes Treiben

Frisch gestärkt schlendern wir durch die engen Gassen der Innenstadt. Rund um den Rathausplatz mit dem markanten Rathausturm, umgeben von schmucken Kaufmannshäusern, ist besonders viel los. Der Weihnachtsmarkt, der übrigens zu den schönsten Weihnachtsmärkten Europas gezählt wird, ist noch voll im Gang.

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Gleich hinter dem Rathausturm befindet sich das Restaurant Olde Hansa. Da ich irgendwo gelesen habe, dass dort die Gerichte wahre Gedichte sind (ok, ganz so war das dann auch wieder nicht geschrieben), wollte ich natürlich dahin. Kaum hatten wir uns hingesetzt, bereute ich diesen Schnellschuss. Das Olde Hansa ist ein typisches Touristenrestaurant, das Menus im mittelalterlichen Ambiente serviert. Es ist zwar ganz nett gemacht, das Essen war auch in Ordnung, aber mir erschien es überteuert und ich mag keine Themenrestaurants (diesen Teil hatte ich wohl im entsprechenden Bericht überlesen).

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Als wir unser Spaziergang nach dem Olde Hansa Stopp fortsetzen, springt mir gleich angrenzend zum Rathausplatz ein kleines Burger-Restaurant ins Auge. Für einen kurzen Moment überlegen wir, ob wir nun tatsächlich einfach zweimal Mittagsessen sollen. Die Vernunft siegt. Beim nächsten Tallin- Besuch werdet ihr mich aber hier drin finden!

Tallinn-Hamburger

14:00 – Altstadt mit Aussicht

Den Nachmittag widmen wir voll und ganz der wunderschönen Altstadt, die dank ihrer erhaltenen Ganzheit der mittelalterlichen Struktur 1997 den Status UNESCO Weltkulturerbe erhalten hat. Der mittelalterliche Charme ist in der Altstadt noch voll spürbar. Die engen Kopfsteinpflasterstrassen führen an hübschen, bunten Gebäuden vorbei, deren Grundstruktur teilweise bis ins 11 Jahrhundert zurück datiert.

Beim Suur-Kloostri Tor stoppen wir. Hier kann einen Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigungsanlage besichtigt werden (Kosten 2 Euro). Die Treppen hinauf zu den drei Türmen, die man über die Mauer erreicht, sind eng, dunkel und abenteuerlich. Die Mutigen werden mit einer hübschen Aussicht belohnt.

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Anschliessend erklimmen wir die Treppenstufen hinauf zum Domberg, der über der Altstadt thront. Auf dem Domberg gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die Kohtuotsa Aussichtsplattform mit tollem Blick über die Stadt, die Burg, der Tallinner Dom und mein persönliches Highlight – die Alexander-Newski-Kathedrale – sollte man auf keinen Fall verpassen.

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16:00 – Apéro der anderen Art

Über eine steile Strasse kehren wir von der ehemaligen Oberstadt – dem Domberg – zurück in die malerischen Gassen der Unterstadt. Unweit der St. Katharinenpassage mit zahlreichen Handwerkstätten befindet sich die Pierre Chocolaterie | Vene 6. Kreativität und Tradition ergänzen sich in diesem Viertel perfekt. Die gemütlich eingerichtete Chocolaterie bestätigt dies. Der Schokoladenkuchen entspricht höchster Handwerkskunst.

Tallinn-Altstadt Tallinn-ChocolatedePierre

Zwischen Schokoladen-Apéro und Nachtessen begeben wir uns auf einen Blue-Hour-Fotospaziergang, der uns nochmals zurück auf den Domberg und den hell erleuchteten Rathausplatz führt.

Tallinn-Weihnachtsmarkt-1

20:00 – Hipster Place

Das Sfäär ist gleichzeitig Kleider-/Designgeschäft sowie Restaurant und befindet sich ausserhalb des Altstadtkerns in Richtung Hafengelände (Mere pst 6). Die Preise für einen Hauptgang bewegen sich zwischen 10 und 20 Euro. Suppen und weitere Vorspeisen gibt es ab 5 Euro. Hier stimmt alles! Das Essen ist unglaublich lecker, die Musik passt, es sind junge Leute und auf dem WC wird selbst die grösste Schlaftüte in Partystimmung versetzt (dies deshalb, weil dort die Musik voll abgeht ;)). Meine Meinung: grossartig!

Tallinn-Sfaar

21:00 – Zurückschaukeln mit der Fähre

Trotz der vielen Kaffee- und Schokoladenpausen hat uns der Tag in Tallinn merklich geschafft. Es war zwar ein guter Entscheid, dass wir die späte Verbindung um 21:00 Uhr (Ankunft Helsinki 23:00) gewählt haben. So konnten wir den Tag in Tallinn in voller Länge inklusive Nachtessen auskosten. Dennoch freue ich mich, dass wir für die Rückreise Tickets für die Comfort Class erhalten haben. Die Comfort Class ist ein separater Bereich mit Extras wie gratis Getränke und Snacks, Steckdosen, WiFi und gemütlichen Sofas. Die Tickets kosten rund 20 Euro mehr, als für die Star Class (51 Euro). Wir sind so müde, dass uns das sanfte Schaukeln langsam die Augen zufallen lässt und die Zeit bis zum Andocken in Helsinki im Nu vergeht.

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Hinweis: Meine Tagesausflug nach Tallinn wurde von der Tallink Silja Line unterstützt. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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