Auf historischen Pfaden ins Tessin – Von Chur nach Bellinzona

Auf historischen Pfaden ins Tessin – Von Chur nach Bellinzona

Wisst ihr welches die älteste Stadt der Schweiz ist? Zugegeben, hätte ich raten müssen, ich wäre falsch gelegen. Das liegt daran, dass von der ältesten Stadt der Schweiz viele nur den Bahnhof und die auffällige Postautostation kennen. Sie ist noch heute ein Kreuzungspunkt der Verkehrswege vom Rheintal ins Oberland sowie über die Pässe Julier, Septimer, San Bernardino und Splügen in den Süden. Na? Wisst ihr jetzt, welche Stadt gemeint ist?

Die Siedlungsspuren von Chur lassen sich bis ins 11‘000 v. Chr. zurückverfolgen. Seither hat Chur eine wechselvolle Geschichte als römische Siedlung, späterer Bischofssitz, Zunftsstadt und Kantonshauptstadt vom Kanton Graubünden durchlebt.

Wer sich auf Zeitreise begibt, der sollte es nicht missen, die Alpenstadt Chur hinter ihrer Bahnhofskulisse zu entdecken. Wir nehmen uns das zu Herzen und verlassen früh morgens das Schlosshotel Wartegg. Der Rückweg vom Schloss durch den Schlosspark zum Bahnhof Staad gestaltet sich als ähnliches Verwirrspiel wie auf dem Hinweg. Kaum vorstellbar wie viele Weggabelungen auf wenigen 100 Metern angelegt werden können. Wir erreichen den Zug auf die Minute genau.

Wir fahren von Rorschach dem Bodensee entlang bis zum Grenzbahnhof St. Margrethen. Dort steigen wir um und tuckern eine Stunde gemütlich das Rheintal aufwärts. Am Bahnhof Chur dann die erste Überraschung, unser Gastgeber Adrian K. Müller ist mit dem polierten Oldtimer vorgefahren. „Der Kluge kommt im Zuge an“, schreibt das Hotel Stern auf seiner Webseite – mit diesem Satz holt sich der Stern bei mir die volle Anzahl an Sympathie-Punkten.

Die Passanten sind merklich beeindruckt. Der eine oder andere bleibt stehen. „Wie viele PS hat der“?, fragt ein ganz Neugieriger. Zugegeben, auch wenn ich keine Ahnung von Autos habe und sie in mir keine Emotionen wecken, bin ich doch ein ganz kleines bisschen aus dem Häuschen, dass ich in dieses Gefährt einsteigen darf (übrigens ein Buick Baujahr 1933, wie mich der Freund netterweise aufklärt).

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Das familiäre Hotel Stern befindet sich im Herzen der Stadt Chur, direkt angrenzend zu einem intakten Stück der alten Stadtmauer, und ist weitherum für seine exquisite Küche in der prachtvollen Bündner Stube bekannt. Das Hotel Stern prägt aber auch die lange Tradition der Gastbetriebe am Verkehrsknotenpunkt Chur mit. Das „Gasthaus zum Stern“ war schon 1677 bekannt. Das Gasthaus war damals auch eine Pferdewechselstelle mit eigenen Stallungen.

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Heute besticht das Hotel Stern mit einem typisch bündnerischen Charme. Hier gehen nicht nur Politiker und bedeutende Persönlichkeiten ein und aus, hier kann man auch eine kleine, feine Privatsammlung an Originalwerken des bekannten Künstlers Alois Carigiet in der nach ihm benannten Stube ansehen. Selbst die Tischsets im Restaurant haben ein exklusiv angefertigtes Carigiet Motiv. Das Hotel bietet die perfekte Ausgangslage, um für einmal mehr als nur zehn Minuten Umsteigezeit in Chur zu verbringen (Zimmerpreis ab 118 CHF/Nacht).

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Leider verbleibt uns nur wenig Zeit, um alle verwinkelten Stuben im Hotel zu entdecken. Nach einem kurzen Abstecher in die äusserst entzückende Altstadt von Chur führt uns die Reise weiter in wärmere Gefilde. Wie viele vor uns nehmen wir mit dem Postauto den historischen Weg von Chur via San Bernardino nach Bellinzona in Angriff. Wobei, fast wären wir gescheitert. „Haben Sie eine Reservation?“, fragt uns der Postautochauffeur beim Einsteigen. „Reservation?“ Nein, braucht man eine?, antworte ich erstaunt. Ja, braucht es. Da an diesem verregneten Freitag aber nur wenige Leute unterwegs sind, bekommen wir dennoch ein Plätzchen. Damit euch nicht der gleiche Fehler unterläuft, könnt ihr hier bequem online einen Platz reservieren: Postauto Online Reservation

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Die Fahrt über den San Bernardino dauert mit dem Eilkurs etwas mehr als zwei Stunden und führt durch eine beeindruckende Alpenlandschaft. Zwei Stunden zurücklehnen und wunderschöne Landschaften vorbeiziehen lassen. Ein Reiseerlebnis der besonderen Art.

Ein weiterer Klassiker ab Chur ist natürlich die Albula/Bernina Strecke der Rhätischen Bahn, die seit 2008 zum Unesco Welterbe gehört.

Das Postauto bringt uns bis Bellinzona. Auch hier lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp, um die Burgen von Bellinzona, ein Weltkulturerbe, zu besichtigen. Wer nur wenig Zeit hat, der macht es am besten wie wir. Von Bahnhof den Wegweisern in Richtung Castelgrande folgen. Der Weg zum Lift, mit dem man kostenlos direkt zur Burg hochfahren kann, ist bestens ausgeschildert. Ein Grossteil der Burganlage kann ebenfalls kostenfrei besichtigt werden. Vom Castelgrande gibt es wunderschöne Blicke über die Altstadt von Bellinzona mit dem markanten Renaissancebau der La Collegiata und zum gegenüberliegenden Castello di Montebello. Der kurze Abstecher hat sich trotz trübem Regenschirm-Wetter gelohnt. Den Rückweg zum Bahnhof bewältigen wir zu Fuss (es führt ein schmaler Treppenweg zur Altstadt runter).

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Unser Tagesziel liegt noch eine knappe Stunde entfernt – an welchen geschichtsträchtigen Ort es uns wohl an diesem Abend verschlägt? Ihr erfahrt es Morgen :).

Hinweis: Meine Zeitreise wurde von Schweiz Tourismus und Swiss Historic Hotels unterstützt. Ihr wollt auch den Charme vergangenen Zeiten erleben? Nichts leichter als das: hier findet ihr weitere Inspirationen. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

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