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3-Tages-Wanderung Hüfihütte – Cavardirashütte – Sumvitg

Die erste von zwei 3-Tages-Wanderungen, die wir diesen Sommer unternommen haben, führte uns vom Maderanertal über landschaftlich eindrucksvolle Bergwanderpfade in die Surselva. Während unserer Tour übernachteten wir in zwei aussichtsreich gelegenen SAC-Hütten.

In diesem Beitrag zeige ich, welche Überraschungen am Wegrand euch den Aufstieg zur Hüfihütte versüssen und auf welch imposante Ausblicke ihr euch bei der Blockstein-Kraxelei auf dem Weg zur Cavardirashütte freuen könnt.

1. Wandertag: von Golzern zur Hüfihütte

Fast wäre unsere erste 3-Tages-Wanderung ins Wasser gefallen. Wir hatten die Tour über den ersten August geplant und wer sich erinnern mag: Die Wetterprognosen waren – gelinde gesagt – sehr durchzogen. Zwei Tage vor der 3-Tages-Wanderung standen alle Zeichen auf «Abbruch». Doch die telefonische Nachfrage bei der Hüfihütte, stimmte mich wieder zuversichtlich. Zumindest konnte mich die Hüttenwartin dahingehend beruhigen, dass der Aufstieg auch bei einsetzendem Regen (nicht Gewitter!) gut bewältigbar ist.

Und da sich die Wetterprognosen insbesondere für den zweiten Wandertag, der die technisch schwierigsten Abschnitte beinhaltet, stündlich verbesserten, nahmen wir am 1. August die 3-Tages-Wanderung beherzt – und mit griffbereitem Regenschirm – in Angriff. Da unklar war, wie lange das trockene Wetter anhält, entschieden wir uns für den mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Hüfihütte am nächsten gelegene Ausgangspunkt: die Bergstation Golzern.

Aufstieg durch das Maderanertal

Statt mit tief gelegenen, schweren Regenwolken, empfängt uns das Maderanertal mit ein paar überraschenden blauen Himmelflecken. Nichtsdestotrotz starten wir zügig und folgen den ersten zwanzig Minuten dem Höhenweg Maderanertal bis in den Weiler Seewen beim Golzernsee. Dort zweigen wir rechterhand auf den Graspelenweg ab und steigen über ein steiles Felsband fast 300 Höhenmeter in die Talebende des Maderanertals ab. Leider lässt sich dieser Höhensprung bei keiner Tourenvariante umgehen.

Golzern Maderanertal
Golzernsee

Am tiefsten Punkt der Tour angekommen, überqueren wir den Chärstelenbach und folgen danach den Wegweisern über sanft ansteigende Naturpfade via Alp Stössi und Guferen bis auf Höhe Blindensee. Die Landschaftskulisse hier hinten im Maderanertal ist wild und eindrücklich. Mein Highlight: der tosende Wasserfall des Brunnibachs. Am morgigen Wandertag werden wir ebendiesen Wassermassen bis zu ihrer Quelle beim Brunnifirn folgen.

Ein weiterer Höhepunkt und ein regelrechter Motivationsschub ist die «Sirup-Bar», die sich beim Wegweiser auf Höhe Blindensee (Abzweigung Hinterbalm) befindet. Für uns fängt an dieser Stelle der Aufstieg erst richtig an. Nach weiteren 15 Minuten überqueren wir den Chärstelenbach auf einer wackligen Hängebrücke. Danach kennt der Weg nur noch eine Richtung: steil bergauf. Und das für gut 2.5 Stunden. Dank einer konstanten Steigung und einer hervorragenden Wegbeschaffenheit (wenig Steine) ist er aber sehr angenehm zu gehen.

Aufstieg Hüfihütte

Leider ziehen die Wolken dann doch bald einmal zu. Daher gibt es auch keine Fotos mehr vom weiteren Wegverlauf – von der Aussicht haben wir kaum was mitbekommen. Immerhin blieb es trocken und für meinen Kopf war es glaub’s ganz gut, dass dieser gar nicht zu sehen bekam, wo er noch hinauf muss, sondern sich Schritt für Schritt mit dem unmittelbar bevorstehenden auseinandersetzen konnte.

Als Belohnung erwartete uns in der Hüfihütte ein rundum friedlicher 1. August-Hüttenabend. Die Hüttencrew tischte eine hervorragende Lasagne auf. Und da wir nur fünf Gäste waren, kamen wir in den Genuss von einem «privaten» Schlag.

Hütihütte Aussicht

Eckdaten der Wanderung Golzern – Hüfihütte

Nachfolgender Wanderkarte könnt ihr den Routenverlauf unserer Wanderung von Golzern zur Hüfihütte entnehmen. Es handelt sich um einen weiss-rot-weiss markierten Bergwanderweg (T3). Der Abstieg vom Golzerensee zum Chärstelenbach ist steil und abschnittsweise auch etwas abschüssig – jedoch gut gesichert. Alternativ kann man den Aufstieg zur Hüfihütte auch in Bristen starten oder aber von Golzern aus dem Maderaner Höhenweg folgend den Bogen über die Windgällenhütte schlagen. Beide Varianten dauern jedoch länger und beinhalten mehr Höhenmeter als unsere gewählte Variante. Sie würden sich in Kombination aber für eine zweitägige Rundwanderung zur Hüfihütte anbieten.

AusgangspunktGolzern (Bergstation) (1’390 m ü. M.)
ErreichbarkeitAusgangspunkt mit dem öffentlicher Verkehr erreichbar
Länge11,2 Kilometer
Höhenmeter↗ 1’300 m ↘ 356 m
Dauer5:00 h
ZielortHüfihütte (2’335 m ü M.)
VerpflegungAlp Stössi, Sirup-Bar bei der Abzweigung «Blindensee»

2. Wandertag: von der Hüfihütte via Hinterbalm zur Cavardirashütte

Am nächsten Morgen präsentiert sich uns das Maderanertal genau so, wie wir es eigentlich schon am Vortag erwartet hatten: von dunklen, regenschweren Wolken umhüllt. Tja, was machen? Zuerst einmal gemütlich frühstücken und danach abwarten und Tee trinken. Schliesslich haben wir den ganzen Tag Zeit für die gut fünfstündige Wanderung zur Cavardirashütte (reine Gehzeit). Beim angekündigten baldigen Abzug der Regenwolken scheint es uns nicht nötig, schon um acht Uhr morgens im strömenden Regen aufzubrechen.

Um 09:30 Uhr ist es endlich soweit. Der Regen hat nachgelassen. Mit einem letzten Blick auf den beeindruckenden Hüfigletscher steigen wir die ersten 45 Minuten über denselben Weg ab, wo wir gestern aufgestiegen sind. Mit einem gewichtigen Unterschied: Heute bekommen wir das Panorama zu Gesicht. Beim Wegweiser auf Höhe 1’870 m ü. M. zweigen wir auf den weiss-blau-weissen Pfad ab, der hier linkerhand steil ein Felsband bergauf führt.

Wandern Hüfihütte Hinterbalm

Ich hatte mich im Vorfeld bei Bekannten, die den Weg bereits absolviert haben, wie auch direkt in der Hütte nach der Wegbeschaffenheit und der Schwierigkeit erkundigt und darauf basierend für mich abgewogen, dass ich mir dies zutraue. Die technisch schwierigeren Passagen fallen in den ersten dreissig Minuten an, in denen man gut 200 Höhenmeter über den sogenannten «Schafweg» durch die Felsbänder von Rimenen auf das Hochplateau «Murenplanggen» aufsteigt. Bergauf finde ich es immer weniger «schlimm», wenn ich die Hände zu Hilfe nehmen muss und es etwas abschüssiger ist. Das ist aber natürlich immer individuell zu beurteilen. Insgesamt war ich positiv überrascht, dass der Weg durchgehend gut markiert und wo nötig auch mit Hilfstritten und Stahlseilen gesichert war.

Einmal oben auf dem Hochplateau angekommen gibt’s zur Belohnung einen herrlichen Panoramablick, der von der Hüfihütte über den Hüfisee bis weit übers Maderanertal hinaus reicht. Fantastisch!

Hüfisee Maderanertal

Die zweite Hälfte des weiss-blau-weiss markierten Streckenabschnitt entspricht dann wiederum einem durchaus «normalen» Bergwanderweg (T3). Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Hinterbalmhütte am Eingang zum Brunnital, wo wir uns eine Stärkung in Form einer Tagessuppe und eines Käsetellers gönnen.

Wandern HInterbalm Maderanertal
Hinterbalm Maderanertal

Danach folgt der lange Aufstieg durchs Brunnital bis zur Fuorcla da Cavardiras. Dieser lässt sich in drei Segmente unterteilen: Die erste Stunde folgt der schmale Wanderpfad über begrünte Hänge dem Brunnibach kontinuierlich ansteigend bergauf, danach folgt die wunderschöne Hochebene der Brunnialp – ein Traum! – und zu guter Letzt erwartet euch ein zäher, steiler Aufstieg über steiniges Gelände bis zum Passübergang an den Ausläufern des Brunnifirns. Technisch hält diese letzte Partie meiner Meinung nach übrigens ähnlich schwierige Passagen bereit, wie der weiss-blau-weiss markierte Streckenabschnitt. Der Wegverlauf ist nicht überall klar ersichtlich und man muss ab und zu mal die Hände zu Hilfe nehmen. Rund sechs Stunden nach dem Start in der Hüfihütte taucht die Cavardirashütte vor uns auf. Hier ist – dem Wetter entsprechend – bedeutend mehr los.

Hochebene Brunnialp
Brunnifirn

Eckdaten der Wanderung Hüfihütte – Hinterbalm – Cavardirashütte

Nachfolgender Wanderkarte könnt ihr den Routenverlauf unserer Wanderung von der Hüfihütte via Hinterbalmhütte zur Cavardirashütte entnehmen. Die Strecke beinhaltet sowohl weiss-rot-weiss markierte Abschnitte (T3/T4) sowie einen weiss-blau-weiss markierten Abschnitt (T4+). Die Wegalternative ohne weiss-blau-weisse Wegpartie via Abzweigung Blindensee dauert ca. 45 Minuten länger (+2,3 Kilometer / +200 hm). Bitte beachtet, dass auf dieser Tour aber auch die weiss-rot-weiss markierten Wege abschnittsweise Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Der Aufstieg zur Fuorcla da Cavardiras führt über Blocksteingelände, wo der Wegverlauf nicht durchgehend klar sichtbar ist (Markierungen teils mittels «Steinmannli»).

AusgangspunktHüfihütte (2’335 m ü M.)
ErreichbarkeitAusgangs- und Zielort nicht mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar
Länge11,0 Kilometer
Höhenmeter↗ 1’184 m ↘ 872 m
Dauer5:15 h
ZielortCavardirashütte (2’640 m ü. M.)
VerpflegungHinterbalmhütte

3. Wandertag: von der Cavardirashütte nach Sumvitg

Die Cavardirashütte ist noch eine Hütte der «alten» Generation und soll demnächst umgebaut werden. Aktuell gibt es ein grosses Matratzenlager mit rund 50 Schlafplätzen (weitere Schlafplätze in einem Nebenraum). Zu unserer Überraschung erlebten wir trotz einer guten Belegung (geschätzt zu 3/4 voll) eine sehr ruhige Nacht. Ganz im Gegensatz zur Keschhütte, wo wir uns wenige Tage zuvor den Schlag nur mit sechs weiteren Personen teilten und ein Schnarchkonzert sondergleichen erleben durften.

Morgenstimmung bei der Cavardirashütte

Der traumhafte Sonnenaufgang am nächsten Morgen bekräftigt unseren Entscheid, die 3-Tages-Wanderung trotz der unsicheren Wetterprognose in Angriff zu nehmen (selbstverständlich nicht leichtfertig, sondern wohl durchdacht!). Bei bestem Wetter können wir den langen Abstieg in die Surselva in Angriff nehmen. Statt den langen Weg durchs Val Cavardiras gäbe es auch hier eine weiss-blau-weisse Wegalternative über den Brunnipass Richtung Disentis (Caischavedra). Diesen Weg traute ich mir aber nicht zu – vor allem nicht bergab. Und so folgen wir dem Wegweiser Richtung Sumvitg zuerst über steiles Blocksteingelände (der Blick zurück auf die Cavardirashütte, die einem Alderhorst gleichend auf einem Felssporn sitzt, lohnt sich!) und danach über weitläufige Alpweiden Schritt für Schritt talauswärts. Die ausgeschilderten 4 ¾ Stunde unterboten wir um gut dreissig Minuten und schafften es so auf eine optimale Zugverbindung retour nach Zürich.

Cavardirashütte
Wandern Cavardiras
Russein Surselva

Das Fazit im Zug heimwärts: Eine anstrengende, aber landschaftlich grandiose 3-Tages-Wanderung in einer Gegend, die definitiv nicht überlaufen ist!

Eckdaten der Wanderung Cavardirashütte – Sumvitg

Nachfolgender Wanderkarte könnt ihr den Routenverlauf unserer Wanderung von der Cavardirashütte an den Bahnhof Sumvitg-Cumpadials entnehmen. Es handelt sich um einen weiss-rot-weiss markierten Bergwanderweg (mehrheitlich T3, die obersten ersten dreissig Minuten T4). Die nächste Haltestelle des öffentlichen Verkehrs befindet sich am Talausgang des Val Russeins (Disentis/Mustér, Punt Russein). Bis dorthin dauert die Wanderung «nur» vier Stunden. Die Anschlüsse sind aber nur spärlich und auch nicht optimal auf die Zugverbindungen abgestimmt. Aus diesem Grund entschieden wir uns, bis an den Bahnhof Sumvitg-Cumpadials zu wandern.

AusgangspunktCavardirashütte (2’640 m ü. M.)
ErreichbarkeitZielort mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar
Länge15,1 Kilometer
Höhenmeter↗ 143 m ↘ 1’804 m
Dauer4:30 h
ZielortBahnhof Sumvitg-Cumpadials
VerpflegungUstria dalla Staziun beim Bahnhof Sumvitg

Praktische Tipps für deine Wanderung vom Maderanertal in die Surselva

  • Die Sommersaison der Hüfihütte dauert von Ende Juni bis Ende September. Es gibt 32 Schlafplätze aufgeteilt in 4 Schlafräume. Der Übernachtungspreis für Nicht-Mitglieder beträgt 82 CHF (inkl. HP). Mitglieder bezahlen 69 CHF. Die Hütte kann über das alpsonline.org Reservationstool gebucht werden.
  • Die Sommersaison der Cavardirashütte dauert von Anfang Juli bis Mitte September. Reservationen werden ausschliesslich per Telefon (!) angenommen. Die Übernachtung mit HP kostet für Nicht-Mitglieder 86 CHF. SAC-Mitglieder bezahlen 74 CHF. Die Cavardirashütte soll demnächst umgebaut werden. Es kann somit sein, dass sie die nächste oder übernächste Sommersaison geschlossen bleibt.
  • Die Hüfihütte, Hinterbalmhütte, Windgällenhütte und Cavardirashütte sind Teil der fünftägigen Maderaner Rundtour.
  • Wer den langen Aufstieg zur Hüfihütte etwas abkürzen möchte, der kann mit dem Alpentaxi Uri bis Guferen fahren. Die Anmeldungen sind aber mindestens eine Woche im Voraus zu tätigen.
Über den Autor

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Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.
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