Uns hat es in den vergangenen Jahren immer wieder nach Frankreich gezogen. Einige dieser Entdeckungen haben es bislang noch nicht auf den Blog geschafft und warten darauf, endlich erzählt zu werden. Mit Blick auf den nahenden Frühling dachte ich mir deshalb, dass es Zeit ist, drei meiner Meinung nach völlig unterschätzte Städtereiseziele in kompakter Form vorzustellen.
Frankreich kann nämlich weit mehr als Paris, Lyon oder Bordeaux. Und auch mehr als Provence und Côte d’Azur. Wer Lust auf eine Städtereise hat, bei der sich das Savoir-vivre auf facettenreiche Art erleben lässt, wird auch abseits der grossen Klassiker fündig. Mein aktuelles Favoritentrio: Reims, Biarritz und Nîmes. Die eine prickelnd und königlich, die andere mondän und maritim, die dritte voller römischer Spuren unter südlicher Sonne. Perfekt für ein verlängertes Wochenende und überraschend vielseitig.
1. Reims – Champagnerkultur und gotische Grandezza
Reims liegt im Herzen der Champagne, rund 45 Zugminuten von Paris entfernt und ist via Strassburg auch aus der Schweiz gut erreichbar. Die ehemalige Krönungsstadt der französischen Könige vereint gotische Monumentalarchitektur, prägende Art-Déco-Bauten aus den 1920er-Jahren und geschichtsträchtige Champagnerhäuser. Sehenswürdigkeiten, repräsentative Kellereien und Gourmetrestaurants liegen nah beieinander – ideal für ein genussvolles Weekend mit kurzen Wegen. Eine Städtereise nach Reims empfehle ich insbesondere Kulturinteressierten, Architektur-Fans und allen, die einen Citytrip gerne mit kulinarischen Entdeckungen verbinden.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Reims
1. Kathedrale Notre-Dame de Reims, Palais du Tau und Basilique Saint-Remi
Die drei Bauwerke gehören seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählen zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. In der Kathedrale beeindrucken neben der gotischen Architektur auch die Chagall-Fenster. Der Palais du Tau erzählt die Geschichte der französischen Königskrönungen, während die Basilika Saint-Remi mit romanisch-gotischer Schlichtheit beeindruckt.


2. Art-déco-Architektur
Da die Stadt im Ersten Weltkrieg stark zerstört wurde, entstanden in den 1920er-Jahren zahlreiche Neubauten im Art-Déco-Stil. Reims gilt heute als Hochburg dieser Architektur. Eindrücklich ist etwa die Villa Demoiselle, die zu Vranken-Pommery gehört. Aktuell wird das 100-Jahr-Jubiläum des Art-Déco mit verschiedenen Rundgängen gefeiert.




3. Champagne als UNESCO-Welterbe
Nicht nur die sakralen Bauwerke, sondern auch das Anbaugebiet der Champagne mit seinen Kellern, Presshäusern und prunkvollen «Maisons de Champagne» ist als UNESCO-Weltkulturerbe klassiert. Kellerführungen und Degustationen gibt es zahlreich. Wir haben bewusst darauf verzichtet und stattdessen in Weinbars glasweise verschiedene Kleinproduzenten probiert. Besonders nett war es in der Bar à Vin La Vertu sowie in der Weinbar by Le Vintage.
Kulinarik & Genuss
Fine Dining auf höchstem Niveau gibt es im L’Assiette Champenoise mit drei Michelin-Sternen sowie im Racine mit zwei Sternen. Beide bieten Champagner-Pairings an. Mein Favorit war klar das L’Assiette Champenoise – hier ist auch ein à-la-carte-Lunch möglich.
Guten Kaffee findet ihr bei Moklair Coffee Roasters.
Ausflugsidee & praktische Tipps für deine Städtereise nach Reimes
Von Reims aus lohnt sich auch ein Halbtagesausflug nach Épernay. Die charmante Kleinstadt gilt als Herz der Champagne und ist mit ihrer eleganten Avenue de Champagne ein echter Besuchermagnet: Hier reihen sich renommierte Champagnerhäuser aneinander, unter deren prachtvollen Stadtvillen sich kilometerlange Kreidekeller befinden – tief in den kalkhaltigen Untergrund gegrabene Stollen mit konstant kühlen Temperaturen, in denen Millionen von edlen Flaschen reifen. Dank der direkten Regionalzugverbindung ist Épernay in rund 25 bis 30 Minuten erreichbar.
Anreise aus der Schweiz: gute Zugverbindungen via Basel/Strassburg (Dauer ca. 5-6 Stunden)
Reisezeit/Reisedauer: Wir waren über Ostern in Reims. Vier Tage beziehungsweise drei Nächte inklusive An- und Rückreise sowie einem Ausflug nach Épernay empfanden wir als ideal
Übernachten: Im Best Western Premier Hôtel de la Paix (Partnerlink)
mit zentraler Lage in Gehdistanz zum Bahnhof und zu den Sehenswürdigkeiten.
Fortbewegung: Reims ist kompakt, fussgängerfreundlich und ideal zum Flanieren.
2. Biarritz – Atlantik, Belle Époque und Baskenland
Biarritz liegt im französischen Baskenland direkt am Atlantik, nahe der spanischen Grenze. Der ehemalige Badeort europäischer Adelshäuser verbindet Belle-Époque-Architektur mit entspannter Surfkultur und rauer Küstenlandschaft. Kulturell bietet Biarritz weniger als andere Städte, punktet dafür mit traumhaften Sonnenuntergängen, einer kilometerlangen Uferpromenade und perfekten Bedingungen zum Surfen und Baden. Dazu kommen eine hübsche Fussgängerzone, viele kleine Läden, gute Restaurants und lässige Coffee Shops. Eine Städtereise nach Biarritz empfehle ich besonders Meeresliebhabern und allen, die Stadt und Natur kombinieren möchten.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Biarritz
1. Grande Plage und Küstenpromenade
Der zentrale Stadtstrand liegt direkt vor eleganten Fassaden und ist Treffpunkt für Einheimische wie Gäste. Besonders schön ist ein Spaziergang entlang der Promenade Richtung Leuchtturm bei Sonnenuntergang.
2. Rocher de la Vierge
Das Wahrzeichen der Stadt thront auf einem Felsen im Meer. Von hier bietet sich ein weiter Blick entlang der baskischen Küste.

3. Phare de Biarritz
Nach rund 250 Stufen wird man mit einem Panorama über Atlantik und Stadt belohnt.
4. Plage du Port Vieux
Kleiner, geschützter Strand mit fast mediterranem Flair – ideal für einen Morgenschwumm.


5. Côte des Basques
Hier wurde der Surfsport in Europa Ende der 1950er-Jahre populär. Heute ist die Côte des Basques der Treffpunkt für alle, die den Sonnenuntergang über dem Atlantik erleben und gleichzeitig den Surferinnen und Surfern in den Wellen zuschauen möchten. Und es ist der Ort, an dem ich ein Stück meines Herzens an Biarritz verloren habe.

Kulinarik & Genuss
Kulinarisch überzeugt Biarritz auf ganzer Linie. Die Bandbreite reicht von unkomplizierten Bistrots bis zu ambitionierten Fine-Dining-Adressen. Eine echte Überraschungsentdeckung war für uns das Anema im Hôtel Saint-Julien. Im Restaurant Table d’Aurélien Largeau (1 Michelin-Stern) wird lokales Seafood kreativ und köstlich interpretiert. Ebenfalls empfehlenswert sind das Cheri Bibi mit täglich wechselnder Karte und spannender Naturweinauswahl sowie das Freya mit einem durchdachten vegetarischen Menü.
Ausflugsideen & praktische Tipps für deine Städtereise nach Biarritz
Von Biarritz aus lohnen sich Tagesausflüge nach Bayonne, der inoffiziellen Hauptstadt des französischen Baskenlands, sowie ins charmante Fischerdorf Saint-Jean-de-Luz. San Sebastián im spanischen Baskenland erreicht man in gut einer Stunde mit dem Zug, mit Umsteigen in Hendaye. Die Stadt gilt als Hochburg der baskischen Küche – ein Streifzug durch die Altstadt mit Pintxos von Bar zu Bar gehört hier unbedingt dazu.
Anreise aus der Schweiz: Mit dem TGV via Paris dauert die Reise gut neun Stunden.
Reisezeit/Reisedauer: Wir verbrachten zwischen Weihnachten und Neujahr fünf Tage in Biarritz und waren begeistert von der Kombination aus klarem Winterlicht, frischer Atlantikbrise und entspannter Atmosphäre. Von Ende November bis Anfang Januar taucht zudem das Lichtspektakel «Biarritz en lumière» die Stadt in eine besondere Abendstimmung.
Übernachten: Wir haben im Hôtel de la Plage (Partnerlink)
direkt am Plage du Port Vieux übernachtet. Klare Empfehlung – die Lage ist hervorragend, und wer mag, startet selbst im Winter mit einem erfrischenden Cold Plunge in den Tag.
Fortbewegung: In der Stadt waren wir ausschliesslich zu Fuss und mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs, was problemlos funktioniert hat. Unweit von Biarritz verläuft zudem der Sentier du Littoral, ein spektakulärer Küstenwanderweg, der sich über rund 25 Kilometer von Bidart bis Hendaye erstreckt.
3. Nîmes – Römisches Erbe unter südlicher Sonne
Nîmes liegt in Okzitanien zwischen Camargue, Cevennen und Mittelmeer. Die Stadt zählt zu den bedeutendsten Römerstädten ausserhalb Italiens und verbindet antike Monumente mit südfranzösischer Gelassenheit. Goldfarbener Stein, schattige Plätze und Street Art prägen das Stadtbild. Wer sich für die Antike begeistert, kommt hier voll auf seine Kosten. Doch auch darüber hinaus hat Nîmes viel zu bieten: Die Stadt ist spürbar weniger überlaufen als viele andere Destinationen in Südfrankreich. Wer es schätzt, morgens durch ruhige Gassen zu schlendern, nachmittags im Park zu verweilen und abends draussen zu essen, findet hier die passende Mischung aus Kultur und Gelassenheit.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Nîmes
1. Arènes de Nîmes
Das römische Amphitheater gehört zu den besterhaltenen seiner Art weltweit und wird bis heute für Veranstaltungen genutzt.
2. Maison Carrée
Der nahezu perfekt erhaltene römische Tempel zählt seit 2023 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seine klaren Proportionen und die prominente Lage machen ihn zu einem architektonischen Highlight.
3. Musée de la Romanité
Das moderne Museum gegenüber der Arena ergänzt die antiken Monumente ideal. Interaktive Ausstellungen, Mosaike und archäologische Funde geben einen vertieften Einblick in die römische Geschichte der Stadt. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch, wenn das Wetter einmal nicht mitspielt.

4. Jardins de la Fontaine
Eine der ersten öffentlichen Parkanlagen Europas. Zwischen Brunnen, antiken Überresten und mediterraner Vegetation lässt es sich wunderbar flanieren.

5. Street Art in Nîmes
Neben römischer Geschichte zeigt Nîmes auch eine überraschend urbane Seite. Die Quartiere Gambetta und Richelieu werden gemeinsam als «Petit Berlin» bezeichnet und zählen zu den spannendsten Hotspots für Street Art in Frankreich. Grossformatige Murals und politische Statements setzen einen bewussten Kontrast zu den antiken Monumenten. Wer tiefer eintauchen möchte, kann an verschiedenen thematischen Führungen teilnehmen.


6. Tour Magne
Vom höchsten Punkt der Stadt reicht der Blick weit über die Dächer bis in die Garrigue-Landschaft.
Kulinarik & Genuss
In den Halles de Nîmes entdeckt man regionale Spezialitäten wie Oliven, Tapenade, frischen Fisch und Käse aus den Cevennen. Kulinarisch besonders überzeugt hat uns das Rouge Nîmes von Georgiana Viou (1 Michelin Stern) mit einer kreativen, südlich geprägten Küche.
Ausflugsideen & praktische Tipps für deine Städtereise nach Nîmes
Von Nîmes aus ist die Camargue schnell erreichbar. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte den Aufenthalt unbedingt mit einem Abstecher nach Aigues-Mortes und Saintes-Maries-de-la-Mer kombinieren.
Saintes-Maries-de-la-Mer liegt direkt am Mittelmeer und ist bekannt für seine weiten Strände und die weisse Wallfahrtskirche. Übernachtet haben wir dort in der Hôtel Casa Marina (Partnerlink) – direkt am Meer gelegen und mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis (insbesondere in der Nebensaison!).
Aigues-Mortes beeindruckt mit seiner vollständig erhaltenen Stadtmauer und mittelalterlichen Atmosphäre. Besonders stilvoll wohnt man im Hôtel des Remparts (Partnerlink), einem 5-Sterne-Boutique-Hotel mitten im historischen Kern der Stadt.
Anreise aus der Schweiz: Mit dem TGV via Lyon (Dauer 6 Stunden) oder mit Zwischenstopp in Avignon gut machbar.
Reisezeit/Reisedauer: Zwei bis drei Nächte sind ideal. Da es im Sommer sehr heiss werden kann, empfehlen sich Frühling und Herbst oder auch das Winterhalbjahr, wenn es insbesondere in der Camargue deutlich ruhiger ist.
Übernachten: Ein echtes Hideaway ist das Jardins Secrets (Partnerlink) am Rand der Altstadt – ein historisches Haus mit lauschigem Garten. Ebenfalls sehr charmant ist das Margaret – Hôtel Chouleur (Partnerlink), ein stilvolles 4-Sterne-Haus in einem zentral gelegenen, denkmalgeschützten Gebäude.
Fortbewegung: Nîmes ist kompakt, fussgängerfreundlich und bestens zu Fuss erkundbar.



Sehr individuelle und praktische tipps
Lieber Gerd vielen Dank für das positive Feedback.