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Schroffe Klippen, einsame Strände, aussichtsreiche Wanderpfade und charmante Küstenorte: Der Nordwesten Irlands hat uns vom ersten Moment an begeistert. Während sechs Tagen waren wir entlang des Wild Atlantic Way in den Countys Donegal, Sligo und Mayo unterwegs und entdeckten einige der eindrücklichsten Landschaften der Grünen Insel. In diesem Beitrag zeigen wir dir unsere persönlichen Reisehighlights im nordwestlichsten Zipfel Irlands.
Die Irland Sehenswürdigkeiten im Überblick
Als wir unsere 14-tägige Irland-Rundreise planten, standen die bekannten Highlights im Südwesten zunächst stärker im Fokus. Rückblickend waren es jedoch die Tage in Donegal, Sligo und Mayo, die uns am meisten überrascht haben. Die Route durch diese drei Countys gehört für uns zu den schönsten Abschnitten der Reise. Deshalb widmen wir ihr einen eigenen Beitrag.
Die vorgestellten Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse eignen sich übrigens auch hervorragend als Inspiration für alle, die eine einwöchige Irland-Reise planen und dafür nach einer passenden Route entlang des Wild Atlantic Way suchen.
In der untenstehenden Karte haben wir alle in diesem Beitrag erwähnten Sehenswürdigkeiten, sehenswerte Ortschaften sowie empfehlenswerte Unterkünfte und Restaurants verortet.
1. Donegal Castle
Unsere sechstägige Reiseetappe durch die drei nordwestlichsten Countys Irlands beginnt an einem sonnigen Montagmorgen vor dem Eingang des mächtigen Donegal Castle. Die Burg liegt mitten im lebhaften Städtchen Donegal Town an der Mündung des River Eske. Obwohl der Ort dem County seinen Namen verleiht, ist Donegal Town weder dessen Hauptort noch die grösste Ortschaft der Region.
Zuvor sind wir in zwei Reisetagen von Zürich via Paris, London und Holyhead mit Zug und Fähre auf die Grüne Insel gereist und haben auf dem Weg von Dublin in den Nordwesten noch einen Zwischenstopp unweit von Carrick-on-Shannon eingelegt. Eine richtig entschleunigende Anreise, bei der wir unterwegs bereits viele Eindrücke aufnehmen konnten.
An diesem Montagmorgen herrscht in Donegal Town reges Treiben. Die Festung befindet sich nur wenige Schritte vom zentralen Stadtplatz entfernt, um den sich Cafés, Restaurants, Geschäfte und Hotels gruppieren. Wer die Stadt besucht, kommt an ihrer bedeutendsten Sehenswürdigkeit kaum vorbei. Geschützt vom River Eske auf zwei Seiten, entstand das Donegal Castle an einer strategisch günstigen Lage. Die Stammburg des O’Donnell-Clans gilt als eine der schönsten gälischen Burganlagen Irlands. Die heutige Anlage wurde im 15. Jahrhundert unter Sir Hugh O’Donnell errichtet. Nach dem Neunjährigen Krieg und der anschliessenden Flucht der O’Donnells ging die Burg in den Besitz eines englischen Hauptmanns über. Dieser liess die Festung um ein Herrenhaus im englischen Stil erweitern, das noch heute als Gebäudeflügel an die ursprüngliche Burg anschliesst. Auch die Festungsmauer und die markanten Ecktürme stammen aus dieser Zeit.


Gut zu wissen: Täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet | Regulärer Eintritt Erwachsene: 5 Euro | Weitere Informationen: Donegal Castle
2. Slieve League Cliffs
Nach dem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Festung stärken wir uns bei Simple Simon’s mit zwei sehr leckeren Sandwich-Kreationen. Das kleine Restaurant mit integriertem Laden eignet sich perfekt für eine kurze Mittagspause. Anschliessend geht es für uns rund 50 Kilometer der Küste entlang in westlicher Richtung zu den Slieve League Cliffs (Sliabh Liag). Mit einer Höhe von 601 Metern (und damit rund dreimal so hoch wie die weiter südlich gelegenen Cliffs of Moher) gehören die Klippen zu den höchsten Meeresklippen Europas.
Wir parkieren unser Auto beim Sliabh Liag Visitor Centre. Von dort verkehren Shuttlebusse zum Bunglass Point, einem Aussichtspunkt mit spektakulärem Blick auf die Steilküste. Alternativ lässt sich die Strecke auch zu Fuss zurücklegen. Der Weg folgt jedoch der wenig attraktiven, schmalen Zufahrtsstrasse, die ebenfalls von den Shuttlebussen befahren wird. Die Variante mit dem Kleinbus ist im Quervergleich entspannter und man kann die gesparte Energie anschliessend in eine wirklich lohnenswerte kurze Wanderung investieren, die auf dem gut ausgebauten Klippenpfad hinauf auf den Grat der Slieve League führt. Und ja: Dieser Spot zählt meiner Ansicht nach absolut zurecht zu den eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten im County Donegal.



Gut zu wissen: Die Shuttlebusfahrt (hin/retour) kostet für Erwachsene regulär 9 Euro | Die Tickets können vorab online reserviert werden | Weitere Informationen: Sliabh Liag Cliff Experience & Visitor Centre
3. Silver Strand bei Malin Beg
Den Rest des Nachmittags nutzen wir für eine aussichtsreiche Fahrt der Küste entlang weiter Richtung Norden bis in die kleine Ortschaft Ardara. Entlang dieser Strecke gibt es nämlich jede Menge zu sehen und zu entdecken. Dazu gehört auch der Silver Strand bei Malin Beg, einer von insgesamt 15 Signature Points des Wild Atlantic Way. Diese besonders eindrucksvollen Orte wurden ausgewählt, um die Vielfalt und Schönheit von Irlands Westküste zu repräsentieren.
Und ja: Der Silver Strand wird unseren Erwartungen an einen solchen Aussichtspunkt mehr als gerecht. Der hufeisenförmige Strand bietet mit seinem makellosen goldgelben Sand und dem türkis schimmernden Wasser das perfekte Postkartenmotiv.

Gut zu wissen: Die Anfahrt zum Silver Strand führt über schmale Strässchen, auf denen Kreuzen nicht überall möglich ist. Zudem begegnet man unterwegs immer wieder frei herumlaufenden Schafen. Entsprechend empfiehlt sich eine vorsichtige Fahrweise. Vom Parkplatz führen anschliessend 174 Stufen hinunter zum Strand.
4. Traditionelles Handwerk in Ardara
Die Weiterfahrt führt uns am Glencolmcille Folk Village vorbei. In diesem kleinen, in die eindrucksvolle Küstenlandschaft eingebetteten Freilichtmuseum lässt sich mehr über das traditionelle irische Dorfleben erfahren. In den rekonstruierten Reetdachhäusern erhält man spannende Einblicke in das Leben, Arbeiten und Überleben der Menschen im ländlichen Irland vergangener Jahrhunderte.
Von Glencolmcille folgen wir der kurvenreichen Strasse über den Glengesh Pass nach Ardara. Das Städtchen gilt als Zentrum der traditionellen Tweed-Herstellung in Donegal. Im Ortskern finden sich mehrere kleine Geschäfte, die sich dem lokalen Handwerk und Design verschrieben haben. Wer schon lange von einem hochwertigen Wollpullover oder einer Tweedmütze träumt, sollte unbedingt einen Zwischenstopp bei Triona Design einlegen.
Und wer wie wir auch noch bei Donegal Design Makers vorbeischaut, sollte sich darauf einstellen, den Laden nicht nur mit einem schönen Souvenir, sondern auch mit dem einen oder anderen lokalen Sightseeing-Tipp zu verlassen. Die Menschen in Irland sind zwar überall freundlich und interessiert, die Herzlichkeit, die uns in Ardara begegnet ist, war aber besonders bemerkenswert.



Extratipp: Rund 15 Fahrminuten westlich von Ardara befindet sich der sehenswerte Assaranca-Wasserfall. Der kurze Abstecher lohnt sich meiner Meinung nach nicht nur wegen des Wasserfalls selbst, sondern auch aufgrund der landschaftlich reizvollen Strecke entlang der langgezogenen Meeresbucht.


5. Rossnowlagh Beach und the Bee Pods
Nach diesem bereits mit Highlights vollgepackten ersten Reisetag im Nordwesten Irlands geht es für uns von Ardara aus nochmals rund 45 Fahrminuten bis zum Rossnowlagh Beach. An erhöhter Lage mit herrlichem Blick über den langgezogenen, bei Surfern beliebten Sandstrand befindet sich das kleine Glamping-Paradies «The Bee Pods».
Die Gastgeber Siobhan und William McGuckin haben auf ihrem weitläufigen Grundstück mit viel Handarbeit und Liebe zum Detail eine wunderschöne Anlage geschaffen. Sie ist perfekt für alle, die besondere Unterkünfte schätzen und gleichzeitig die Nähe zur Natur suchen. Insgesamt stehen fünf individuell gestaltete Pods zur Verfügung, die alle über ein eigenes Badezimmer mit Dusche und WC verfügen.

Wir sind in der Queen B einquartiert, die mit einem phänomenalen Blick über die Bucht bis hinüber zu den Klippen der Slieve League besticht. Und um diesem Tag quasi die Krone aufzusetzen, lassen wir ihn bei einem traditionellen irischen Algenbad ausklingen, das uns Siobhan vorbereitet hat.




Restauranttipp: Die Pods verfügen über eine kleine Küche, sodass man sich problemlos selbst verpflegen kann. Alternativ empfiehlt sich ein rund 15-minütiger Spaziergang dem Strand entlang zum erhöht gelegenen Smugglers Creek Inn. Dort geniesst man bei herrlichem Blick über den Rossnowlagh Beach typisch irische Pub-Küche.
6. Glenveagh Nationalpark
Am nächsten Morgen erwartet uns ein frisch zubereitetes Frühstück vor der Tür «unserer» Queen B, das wir auf der Terrasse geniessen. Was für ein Glück, dass wir hier zwei Nächte verbringen und uns bereits jetzt auf ein weiteres solches Frühstück freuen dürfen.

Heute zieht es uns nämlich nochmals weiter Richtung Norden. Den Tag verbringen wir im Glenveagh Nationalpark, der mitten in den Derryveagh Mountains liegt. Die Hauptattraktion des Nationalparks ist das direkt am Lough Veagh gelegene viktorianische Glenveagh Castle mit seiner weitläufigen Gartenanlage. Vom Visitor Centre sind es rund 3,5 Kilometer bis zum Schloss und den Gärten. Die Strecke kann zu Fuss, mit dem Shuttlebus oder wie in unserem Fall mit dem E-Bike zurückgelegt werden. Die E-Bikes können direkt beim Parkplatz gemietet werden und sind meiner Meinung nach die praktischste Art, den Park zu erkunden. Nach der Besichtigung von Schloss und Gärten bleibt so genügend Zeit, um auch die Wege entlang des Lough Veagh zu erkunden.




Nicht entgehen lassen sollte man sich zudem die kurze Wanderung zum «Glenveagh National Park Viewpoint». Der Aussichtspunkt befindet sich oberhalb des Schlosses und bietet einen wunderbaren Blick auf das Glenveagh Castle, den See und die umliegende Berglandschaft.


Gut zu wissen: Der Glenveagh National Park ist das ganze Jahr über geöffnet und der Eintritt ist kostenlos. Eintritt bezahlt man einzig für die Besichtigung des Schlosses (Eintritt für Erwachsene 10 Euro). Mehr Informationen: Glenveagh Nationalpark
7. Wanderung im Poisoned Glen
Um genügend Zeit für das Schloss, die weitläufige Gartenanlage und die Wege im Glenveagh Nationalpark zu haben, empfehle ich, mindestens einen halben Tag, wenn nicht sogar etwas mehr einzuplanen. Wir geben unsere Bikes kurz vor 16 Uhr zurück und fahren anschliessend zu Billy’s Pit, einem kleinen Parkplatz an der R254, der rund 30 Fahrminuten vom Glenveagh National Park Visitor Centre entfernt liegt. Hier sind wir mit Stephen von Awaken Adventures verabredet. Stephen bietet verschiedene geführte Outdoor-Aktivitäten in Donegal an, darunter auch Wanderungen. Für uns hat er sich eine besonders aussichtsreiche Tour ausgesucht.
Von Billy’s Pit führt er uns über einen steilen Berghang hinauf Richtung Poisoned Glen. Für diese Tour gibt es keine ausgeschilderte Wanderroute, was in Irland keineswegs ungewöhnlich ist. Markierte Wanderwege sind hier, zumindest abseits der touristischen Hotspots, eher die Ausnahme als die Regel. Nach knapp einer Stunde Gehzeit – und der Erkenntnis, dass irisches Grasland durchaus tückisch sein kann und Unachtsamkeit schnell mit nassen Füssen bestraft wird – erreichen wir die Hochebene oberhalb des Poisoned Glen. Dort werden wir mit einem fantastischen Blick auf den Errigal belohnt, der mit 751 Metern der höchste Berg im County Donegal ist.



Gut zu wissen: Wer etwas mehr Zeit mitbringt und mindestens zwei Tage für die Region rund um den Glenveagh Nationalpark einplant, sollte auch den Aufstieg auf den Errigal ins Auge fassen. Mit seinen 751 Metern ist er der höchste Berg im County Donegal und zählt zu den beliebtesten Wanderzielen der Region. Im Gegensatz zu unserer kurzen Tour oberhalb des Poisoned Glen führt auf den Errigal ein gut ausgebauter und ausgeschilderter Wanderweg. Die Route findest du auf AllTrails.
8. Mullaghmore Head – Wild Atlantic Way Signature Point
Nach zwei Tagen im County Donegal geht es für uns dem Wild Atlantic Way folgend weiter Richtung Süden. Auf der Strecke von Rossnowlagh Beach nach Sligo gibt es einen weiteren Signature Point, der die kurze Zusatzschlaufe definitiv wert ist: Mullaghmore Head.
Die kleine Landzunge bietet einen spektakulären Blick auf die wilde Atlantikküste, das märchenhaft anmutende Classiebawn Castle und die markante Silhouette des Tafelbergs Benbulben, den wir später am selben Tag noch näher erkunden werden.

9. Sligo Bay
Unser nächstes Ziel ist Rosses Point bei Sligo. Von hier aus erkunden wir die Küstenlandschaft aus einer ganz anderen Perspektive: Während einer rund zweieinhalbstündigen Bootstour mit Sligo Boat Charters geht es hinaus auf die Sligo Bay. Inhaber Daryl Ewing kennt die Gegend wie seine Westentasche.
Die Fahrt führt vorbei an verschiedenen Wahrzeichen der Bucht, darunter der Metal Man und das Blackrock Lighthouse. Eindrücklich ist auch der Blick zurück auf die Küste. Vom Wasser aus wird erst richtig sichtbar, wie eindrücklich die Bergkulisse rund um die Bucht ist. Zudem haben wir das Glück, aus der Ferne einige Kegelrobben beobachten zu können, die sich auf den vorgelagerten Inselchen aufhalten.




Auf dem Rückweg legt Daryl Ewing einen Zwischenstopp auf Coney Island ein. Die kleine Insel liegt mitten in der Sligo Bay und ist vor allem für ihren besonderen Gezeitenweg bekannt, über den sie bei Ebbe sogar mit dem Auto erreichbar ist. Besonders in Erinnerung bleibt uns die Einkehr im einzigen Pub der Insel, der seit Generationen von der Familie Ward geführt wird. Um diesen wichtigen Treffpunkt für die Inselgemeinschaft zu erhalten, hat sich die Grossnichte des früheren Inhabers, Marie Perret, dazu entschieden, den Pub in Teilzeit weiterzuführen. Ein ganz besonderer Ort, an dem man viel über die Geschichte der Insel und die enge Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat erfährt.


Gut zu wissen: Eine Übersicht der gezeitenabhängigen Sighseeing-Routen durch die Sligo Bay findet sich auf der Website von Sligo Boat Charters. Dort könnt ihr auch Touren buchen oder Individualtouren anfragen.
10. Wanderung auf den Tafelberg Benbulben
Gegen Mittag sind wir wieder zurück an Land und nutzen die Gelegenheit, auf dem Weg zu unserem nächsten Programmpunkt eine Sehenswürdigkeit mit dem Mittagessen zu verbinden. Rund 15 Fahrminuten von Rosses Point entfernt befindet sich nämlich die letzte Ruhestätte von Irlands berühmtestem Dichter W. B. Yeats auf dem Friedhof der Drumcliff Church. Direkt neben Friedhof und Kirche befindet sich mit dem Pink Clover Café zudem eine empfehlenswerte Adresse für eine schnelle Mittagsstärkung.
Und ja: Die Energie können wir gut gebrauchen. Mit Wanderführer David Bourke von High Hopes Mountain Treks nehmen wir im Anschluss nämlich den 521 Meter hohen Benbulben in Angriff. Der markante Tafelberg mit seinen tief eingeschnittenen Flanken ist bereits von weitem sichtbar und prägt die Landschaft von Sligo wie kaum ein anderer Berg. Seine charakteristische Form entstand während der letzten Eiszeit, als sich gewaltige Gletschermassen durch die Landschaft schoben und die heute so auffälligen Steilhänge sowie das weitläufige Gipfelplateau formten.
Ähnlich wie bereits am Vortag bei unserer Wanderung oberhalb des Poisoned Glen gibt es auch hier keinen durchgehend markierten Wanderweg. Die Route wird jedoch regelmässig begangen, sodass sich der Verlauf von Auf- und Abstieg gut erkennen lässt. Wir profitieren auf dieser Tour aber vor allem von Davids lokalem Wissen über Kultur, Flora und Fauna und tauschen uns unterwegs auch über die Unterschiede zwischen dem Wandern in Irland und im Alpenraum aus.
Die nachfolgenden Bilder zeigen es: Wer beim Wetter so viel Glück hat wie wir, wird nach dem Aufstieg auf das Gipfelplateau mit einem fantastischen Weitblick über die Küstenlandschaft von Sligo belohnt.





Gut zu wissen: Die Wanderung zum Benbulben startet beim Parkplatz «Luke’s Bridge». Die Rundwanderung erfordert eine gute Grundkondition und dauert ca. drei bis vier Stunden.
11. Markree Castle
Nach diesem aktiven Tag freuen wir uns auf einen genussvollen Tagesausklang in märchenhafter Kulisse. In Irland gibt es zahlreiche wunderschöne Schlosshotels. Zu den eindrucksvollsten zählt das Markree Castle im County Sligo, das 2017 umfassend renoviert wurde und sich seither insbesondere als exklusive Hochzeitslocation einen Namen gemacht hat.
Hier checken wir für eine Nacht ein und lassen den Tag bei einem feinen Abendessen im prunkvollen Rokoko-Speisesaal ausklingen.




12. Algen-Spaziergang am Streedagh Beach
Zum ersten Mal auf dieser Reise zeigt sich der Himmel bedeckt und es liegt Regen in der Luft. Passend für unseren Ausflug an den Streedagh Beach. Diesen langgezogenen Strandabschnitt konnten wir am Vortag vom Benbulben aus bereits in der Ferne ausmachen. Heute sind wir hier mit Prannie Rhatigan verabredet. Die irische Ärztin und Autorin zählt zu den bekanntesten Algenexpertinnen des Landes und setzt sich seit Jahren dafür ein, das Wissen rund um die irische Algenkultur weiterzugeben.
Prannie ist mit dem Sammeln und Verarbeiten von Algen aufgewachsen. Das nährstoffreiche Superfood wächst direkt vor der Küste Irlands und spielt seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der lokalen Kultur. Heute vermittelt sie ihr Wissen in Form von Rezeptbüchern, Kochkursen, Vorträgen und geführten Algen-Spaziergängen. Genau einen solchen Spaziergang unternehmen wir nun mit ihr und tauchen in die faszinierende Welt der Meeresalgen ein. Über 600 essbare Arten können von Hand geerntet werden. Die erstaunliche Vielfalt an Farben, Formen und Strukturen kommt bei bedecktem Himmel sogar besser zur Geltung als bei strahlendem Sonnenschein.

Als Erstes lernen wir die wichtigste Regel beim Sammeln von Algen: niemals ausreissen, sondern stets mit einer Schere ernten, damit die Pflanzen nachwachsen können. Bei einem Algen-Spaziergang mit Prannie erfährt man nicht nur allerhand Wissenswertes, sondern bekommt auch immer wieder frisch geerntete Algen zum Probieren. Zum Beispiel die heimischen «Meer-Spaghetti» oder die ursprünglich aus dem Pazifik stammende invasive Golftange (Sargassum). Zudem hat uns Prannie auch noch ihr Algenpesto zum Probieren mitgebracht.


Extratipp: Auf Prannies Website finden sich nicht nur zahlreiche Rezepte, sondern auch ein kompakter Algen-Guide. Damit erhältst du einen ersten Überblick über die verschiedenen Arten und kannst dich selbst auf die Suche nach essbaren Meeresalgen machen.
13. Downpatrick Head – Wild Atlantic Way Signature Point
Nach diesem morgendlichen Strandabstecher geht unsere Reise weiter Richtung Westport. Selbstverständlich nicht auf dem direktesten Weg, sondern zunächst der Küste folgend weiter nach Westen. Wir haben nämlich noch einen weiteren Signature Point auf unserer Liste, den wir in die Route einbauen möchten. Auf dem Weg dorthin legen wir im Städtchen Ballina eine Mittagspause bei Daniel’s Kitchen ein. Das Restaurant überzeugt mit seinem stilvollen Ambiente, der offenen Küche und einer bewusst übersichtlich gehaltenen Speisekarte mit täglich wechselnden Gerichten.
Von hier sind es noch knapp 40 Fahrminuten bis zum Wild Atlantic Way Signature Point Downpatrick Head. Der Name der Landzunge geht auf die Zeit zurück, als St. Patrick an dieser Küste eine Kirche gründete. Jahrhunderte später diente Downpatrick Head während des Zweiten Weltkriegs als Beobachtungsposten. Das kleine Steingebäude ist bis heute erhalten. Ebenfalls sichtbar ist die aus Steinen gelegte Luftmarkierung «ÉIRE 64», die alliierten Piloten damals signalisierte, dass sie sich über irischem Territorium befanden.

Das bekannteste Fotomotiv von Downpatrick Head ist jedoch die vorgelagerte Felsnadel Dún Briste. Die markante Felsformation ragt spektakulär aus dem Atlantik empor und macht sich insbesondere auf Sonnenuntergangsbilder gut.

14. Céide Fields – 6000 Jahre Geschichte unter dem Moor
Unsere Zeit reicht noch für einen kurzen Spaziergang über die Landzunge, dann müssen wir weiter. Der Nachmittag ist bereits fortgeschritten und wir möchten unbedingt noch einen Blick auf die Céide Fields werfen, die sich unweit von Downpatrick Head befinden.
In der Nähe des Dorfes Ballycastle wurde eines der bedeutendsten steinzeitlichen Denkmäler der Welt entdeckt. Unter den Moorlandschaften Nord-Mayos verbirgt sich ein weitläufiges System aus Feldern, Siedlungen und Megalithgräbern. Die mit Steinmauern angelegten Felder sind rund 6’000 Jahre alt und gelten als die ältesten bekannten Felder der Welt. Der grösste Teil dieser einzigartigen Kulturlandschaft liegt bis heute verborgen unter einer dicken Moorschicht.
Die Ausgrabungsstätte umfasst ein preisgekröntes Besucherzentrum, in dem die Geschichte der Entdeckung und die Hintergründe dieser aussergewöhnlichen Fundstätte anschaulich vermittelt werden. Anschliessend lassen sich auf einem kurzen Rundgang Teile der freigelegten Steinmauern besichtigen. Ebenfalls sehenswert ist die Aussichtsplattform neben dem Besucherzentrum, die einen eindrücklichen Blick über die Klippen und die Küstenlandschaft von Mayo bietet.



Gut zu wissen: Das Besucherzentrum hat täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet | Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro | Weitere Informationen: Céide Fields
15. Westport
Unser vierter Reisetag endet in der charmanten Kleinstadt Westport, die direkt am Wild Atlantic Way liegt. Hier checken wir im zentral gelegenen The Wyatt Hotel ein, das uns in den kommenden zwei Tagen als ideale Basis für unsere Ausflüge nach Achill Island und auf den Croagh Patrick dient.
Besonders gefällt uns die lebendige Atmosphäre im Ortszentrum. Entlang des Carrowbeg River reihen sich Cafés, Geschäfte und traditionelle Pubs aneinander und laden dazu ein, nach einem aktiven Tag noch etwas durch die Gassen zu schlendern. Einkehroptionen gibt es demnach zahlreiche. Wir haben sowohl die Jw’s Brasserie, die zum Hotel gehört und das Restaurant An Port Mór ausprobiert und können beide empfehlen.


16. Achill Island: Keem Beach und Croaghaun Cliffs
Etwas, das man meiner Meinung nach unbedingt in die Planung einer Reise durch den Nordwesten Irlands einbeziehen sollte, ist ein Abstecher nach Achill Island. Irlands grösste Insel ist von Westport aus in knapp einer Stunde erreichbar und hat uns mit ihrem Mix aus schroffen Klippen, Moorlandschaften und traumhaften Stränden begeistert. Von Westport aus fahren wir direkt an den westlichsten Zipfel der Insel. Dort, wo die Strasse endet, befindet sich die wunderschöne Keem Bay, die von Lonely Planet sogar zu einem der 100 schönsten Strände der Welt gekürt wurde. Der Parkplatz bei der Keem Bay ist zugleich Ausgangspunkt für die Wanderung zu den Cliffs of Croaghaun. Die Klippen ragen bis zu 688 Meter über dem Meer empor und sind damit die höchsten Irlands.

Wie bei einigen Wanderungen zuvor gibt es auch hier keinen durchgehend ausgeschilderten Weg. Zunächst steigt man steil Richtung Achill Head auf und folgt anschliessend einem schmalen Pfad, der sich den Klippen entlangzieht. Wettertechnisch hatten wir grosses Glück: Für einen kurzen Moment rissen die Wolken auf und gaben den Blick auf die imposanten Klippen frei.




Für diese Route habe ich einen Komoot-Track aufgezeichnet. Beachtet, dass wir auf dem zweiten Gipfel eine gute Stunde erfolglos darauf gewartet haben, dass sich die Wolken ein zweites Mal verziehen – reine Gehzeit ist ca. 2h. Auf dem Rückweg empfiehlt es sich, etwas auf den Untergrund zu achten. Wer trockene Füsse behalten möchte, sollte die moorigen Stellen möglichst grosszügig umgehen.
Wenn ich mich für eine einzige Wanderung entscheiden müsste, die auf jede Bucket List für eine Reise entlang des Wild Atlantic Way gehört, dann wäre es diese!
17. Strandsauna am Keel Beach
Kurz nach Mittag sind wir von der Wanderung zurück. Eigentlich wäre der Keem Beach prädestiniert für ein Picknick in traumhafter Kulisse. Aufgrund der unsicheren Wetterprognosen haben wir jedoch darauf verzichtet, gross einzukaufen, und steuern stattdessen das rund zehn Fahrminuten entfernte Beehive Café in Keel East an. Zu den Spezialitäten des Hauses gehören Fish Cakes und geräucherter Lachs, serviert mit einem Mix aus frischen Salaten und Kartoffeln – sehr fein!

Danach steht eine ganz besondere Form der Erholung auf dem Programm: Saunieren am Strand. Die Sabhna Saunas betreiben mobile Holzsaunen an ausgewählten Küstenorten im Westen Irlands. Und genau so ein Ort ist der Keel Beach. Die holzbefeuerte Sauna steht hier direkt am Strand. Für eine Stunde geniessen wir ein Wechselbad der Gefühle zwischen wohliger Wärme mit Blick auf die Wellen des Atlantiks und einer erfrischenden Abkühlung im Meer.



Gut zu wissen: Für eine 60-minütige «shared» Session bezahlt man pro Person 20 Euro | Man kann die Saunas auch für eine private Session mieten, hier starten die Kosten in Abhängigkeit der Anzahl Personen bei 90 Euro | Bringt Flipflops oder Strandschuhe mit, da der Weg von der Sauna bis zum Strand recht steinig ist | Weitere Infos: Sabhna Achill Saunas
18. Der Pilgerberg Croagh Patrick
Der Croagh Patrick zählt zu den bekanntesten Bergen Irlands und gilt als wichtigster Pilgerberg des Landes. Der Überlieferung nach soll sich St. Patrick im 5. Jahrhundert während 40 Tagen auf dem Gipfel aufgehalten und gefastet haben. Bis heute pilgern jedes Jahr Tausende Menschen auf den 764 Meter hohen Berg, insbesondere am letzten Sonntag im Juli, dem sogenannten «Reek Sunday». Eigentlich würde man sich für diese Wanderung besseres Wetter wünschen. Die Aussicht soll nämlich grossartig sein. Doch nach so vielen sonnigen Tagen möchten wir uns nicht darüber beklagen, dass das Wetter an diesem letzten Tag unserer ersten Irland-Etappe nicht mehr ganz mitspielte.
Auch so wird uns der Aufstieg lange in Erinnerung bleiben. Beim Start schien es zunächst noch, als würde sich die Sonne durchsetzen. Doch in den folgenden gut 1,5 Stunden kämpften wir uns durch Wind, Regen und Nebel auf den Gipfel. Immerhin waren wir nicht die Einzigen. Wir stellten fest, dass sich die Einheimischen vom Wetter kaum beeindrucken lassen. Selbst an einem Tag, an dem man in der Schweiz vermutlich nur wenigen Wandernden begegnet wäre, nahmen zahlreiche Menschen den langen und steilen Aufstieg auf sich.


Auch für diese Wanderung habe ich einen Komoot-Track aufgezeichnet. Konditionell ist die Tour durchaus fordernd. Dafür ist der Weg durchgehend markiert und ausgeschildert, was bei Nebel definitiv von Vorteil ist.
Praktische Tipps für deine Reise entlang des Wild Atlantic Way
- Wie kommt man am besten in den Nordwesten Irlands?
Aus der Schweiz gibt es regelmässig direkte Flugverbindungen nach Dublin. Alternativ kann man wie wir auch mit Zug und Fähre anreisen. Hierfür sind zwei Reisetage einzuplanen. Von Dublin aus erreicht man Westport mit dem Auto in rund drei Stunden. Wer direkt Richtung Donegal weiterfährt und zusätzliche Kosten vermeiden möchte, sollte bei der Routenplanung darauf achten, keine Strecke durch Nordirland zu wählen. Bei Mietwagen können für Fahrten über die Grenze nach Nordirland je nach Anbieter zusätzliche Gebühren anfallen. - Braucht man für diese Route einen Mietwagen?
Ja. Viele der in diesem Beitrag vorgestellten Sehenswürdigkeiten liegen abseits grösserer Ortschaften und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar. Für eine flexible Reise entlang des Wild Atlantic Way empfehle ich deshalb einen Mietwagen. - Welche Jahreszeit eignet sich am besten für eine Reise in den Westen Irlands
Das Klima Irlands wird stark vom Golfstrom geprägt und zeichnet sich durch milde Winter sowie angenehm warme, aber selten heisse Sommer aus. Wir waren Ende Mai und Anfang Juni unterwegs und würden diesen Zeitraum jederzeit wieder wählen. Der späte Frühling und der Frühsommer gelten als besonders sonnenreich und vergleichsweise trocken. Ganz ohne Regen geht es an der irischen Westküste allerdings selten. Selbst in den Sommermonaten können Wetterumschwünge jederzeit auftreten. Eine Regenjacke sollte deshalb auf keiner Reise entlang des Wild Atlantic Way fehlen. - Wie viel Zeit sollte ich für eine Reise entlang des Wild Atlantic Ways einplanen?
Bei der Planung einer Irland-Reise besteht die Gefahr, die Distanzen etwas zu unterschätzen. Der Wild Atlantic Way erstreckt sich über rund 2’500 Kilometer entlang der gesamten Westküste Irlands. Wer die Route nicht nur abfahren, sondern auch Zeit für Wanderungen, Sehenswürdigkeiten und spontane Stopps haben möchte, sollte das Programm nicht zu dicht packen. Für die in diesem Beitrag vorgestellte Reiseetappe durch die Countys Donegal, Sligo und Mayo waren wir während 5 Nächten beziehungsweise 6 Tagen unterwegs. Diese Zeit empfanden wir als ideal, um die Region entspannt zu erkunden und genügend Raum für Wanderungen, Ausflüge und besondere Erlebnisse zu haben. Wer zusätzlich den Südwesten Irlands mit Kerry und den Cliffs of Moher erkunden möchte, sollte für eine Reise entlang des gesamten Wild Atlantic Way mindestens zwei bis drei Wochen einplanen. - Welche Sehenswürdigkeiten sollte man im Nordwesten Irlands auf keinen Fall verpassen?
Zu unseren persönlichen Highlights zählen die Slieve League Cliffs, der Silver Strand, der Glenveagh Nationalpark, der Benbulben, Achill Island mit den Cliffs of Croaghaun sowie der Croagh Patrick. - Lohnt sich Achill Island?
Ja. Achill Island gehört für uns zu den schönsten Regionen Irlands. Die Kombination aus spektakulären Klippen, wunderschönen Stränden und aussichtsreichen Wanderungen macht die Insel zu einem der Höhepunkte entlang des Wild Atlantic Way.


