Im Oktober 2024 verbrachten wir 23 fantastische Tage in Brasilien. Unsere Route war eine abwechslungsreiche Mischung aus pulsierenden Städten, ein paar zwar verregneten, aber dennoch einzigartigen Strandtagen und beeindruckender Natur. Einer der Höhepunkte dieser Reise war ein fünftägiger Abstecher in den Nationalpark Chapada Diamantina.
In einer achtköpfigen Gruppe aus Familienmitgliedern und Freunden wagten wir das Trekkingabenteuer durchs Vale do Pati. Da ich weiss, dass einige von euch schon länger auf mehr Details zu diesem Abstecher in eine der eindrucksvollsten Landschaften Brasiliens warten, teile ich hier nun endlich unsere Eindrücke – inklusive praktischer Infos und GPX-Tracks zu den einzelnen Wanderetappen.
Chapada Diamantina und das Vale do Pati: Vom Diamantenboom zum Trekkingparadies
Die Chapada Diamantina liegt im Bundesstaat Bahia im Nordosten Brasiliens und gehört heute zu den beeindruckendsten Nationalparks des Landes. Die Landschaft ist geprägt von Tafelbergen, tief eingeschnittenen Canyons, Höhlen und unzähligen Wasserfällen. Ihren Namen verdankt die Region dem Diamantenrausch des 19. Jahrhunderts, als in den Flüssen der Chapada grosse Vorkommen entdeckt wurden und Tausende von Glückssuchern in die abgelegenen Berge strömten. Mit dem Ende des Diamantenbooms verlor die Region zunehmend an Bedeutung, viele Siedlungen wurden aufgegeben. 1985 stellte die brasilianische Regierung grosse Teile der Berglandschaft schliesslich unter Schutz und gründete den Parque Nacional da Chapada Diamantina.
Mitten in dieser wilden Bergwelt liegt das Vale do Pati. Früher lebten hier vor allem Kleinbauern und ehemalige Diamantensucher, heute gilt das Tal als eine der schönsten Trekkingregionen Brasiliens. Einige Familien wohnen noch immer im Tal und empfangen Wandernde in einfachen Gästezimmern. Dadurch bleibt das Vale do Pati bis heute ein besonderer Ort, den man ausschliesslich zu Fuss erkunden kann. Strassen gibt es im Tal keine. Die Kombination aus grandioser Natur, einfachen Unterkünften und langen Wanderetappen macht das Vale do Pati zu einem spannenden Reiseziel für Trekkingfans.
Ausgangspunkt Lençóis: Das Tor zur Chapada Diamantina
Brasilien ist riesig. Genau das machte die Planung unserer Reiseroute nicht ganz einfach. Welche Distanzen lassen sich in welcher Zeit realistisch zurücklegen? Wie viele Zwischenstopps baut man sinnvoll in die Route ein? Und gilt auf einer Reise durch ein so grosses Land eher «weniger ist mehr» oder doch «mehr ist mehr»? Zum Glück konnten wir auf ortskundige Unterstützung zählen, die sich unter anderem auch um die Organisation dieser Reiseetappe kümmerte.
Die Anreise von São Paulo nach Lençóis, dem Tor zur Chapada Diamantina, nahm einen ganzen Reisetag in Anspruch. Zuerst ging es rund zweieinhalb Stunden mit dem Flugzeug von São Paulo nach Salvador. Danach folgte eine etwa achtstündige Fahrt im Minivan quer durch den Bundesstaat Bahia. Ziemlich gerädert trafen wir spätabends im Hotel de Lençóis ein. Schon beim Check-in freuten wir uns darüber, dass wir nach dem dreitägigen Trekking nochmals hier übernachten würden. Das Hotel ist wirklich sehr empfehlenswert, und auch Lençóis selbst ist ein hübsches Städtchen mit einigen tollen Restaurants – etwa das Lampião Cozinha Nordestina mitten im lebhaften Zentrum
Tag 1: Von Guiné zum Mirante do Pati – die ersten Highlights des Trekkings
Nach einer kurzen, aber durchaus erholsamen Nacht packten wir unsere Trekkingrucksäcke. Alles, was wir für die kommenden drei Wandertage im Vale do Pati nicht benötigten, konnten wir im Hotel zwischenlagern. Kurz vor neun Uhr wurden wir von unseren Wanderguides der lokalen Agentur Nas Alturas abgeholt. Nun stand uns nochmals eine rund zweistündige Fahrt ins kleine Dorf Guiné bevor. Ein Teil der Strecke führte über holprige Pisten, während am Horizont die ersten Tafelberge auftauchten und die Weite der Chapada Diamantina immer deutlicher wurde.
Guiné liegt auf rund 1000 Metern über Meer und gilt als einer der klassischen Ausgangspunkte für Trekkingtouren ins Vale do Pati. Entlang der Hauptstrasse gibt es ein paar kleine Restaurants, in denen man vor dem Start der Wanderung noch einmal einkehren kann und überraschend guten Kaffee bekommt. Nach dieser letzten Stärkung in der «Zivilisation» hiess es, die Rucksäcke zu schultern. Mit vier Litern Wasser als Tagesration – in der kargen Landschaft des Hochplateaus essenziell – machten wir uns an den ersten Aufstieg Richtung Mirante do Vale do Pati.





Das Spannende an dieser Trekkingroute durchs Vale do Pati ist, dass man ganz unterschiedliche Vegetationszonen durchquert. Auf den Hochflächen der Chapada Diamantina dominieren Dornbuschwälder mit wasserspeichernden Pflanzen sowie savannenartige Landschaften. In den tiefer gelegenen Bereichen des Vale do Pati finden sich hingegen noch Überreste des atlantischen Regenwaldes. Als ich beim Mirante do Vale do Pati zum ersten Mal über diese Canyonlandschaft blicke, kann ich mir ein «Wow» nicht verkneifen. Der Ausblick ist schlicht überwältigend.
Vom Aussichtspunkt führt der Wanderweg über einen ziemlich abenteuerlichen und steilen Pfad hinunter zu einem versteckten Wasserfall, der eine willkommene Abkühlung bietet. Nicht weit davon entfernt liegt die Pousada do Wilson, unser erster Übernachtungsort im Tal. Vom Komfort her ist es ähnlich wie in einer Berghütte, wobei wir ganz erfreut sind, dass uns kein Massenschlag erwartet, sondern die Zimmer unterteilt sind. Beim Essen haben wir auf unserer Reise durch Brasilien durchwegs sehr gute Erfahrungen gemacht und auch dieser Stopp bildete keine Ausnahme.




Tag 2: Aufstieg auf den Morro do Castelo – fantastische Rundsicht
Der zweite Wandertag begann mit einem Aufstieg durch den atlantischen Regenwald auf den Morro do Castelo. Der Weg startet direkt bei der Pousada do Wilson. Da wir vor der Weiterwanderung zum nächsten Übernachtungsort wieder hierher zurückkehren würden, konnten wir unsere grossen Rucksäcke dort zwischenlagern und den Aufstieg ohne zusätzliches Gewicht in Angriff nehmen. Das war bei der feucht-heissen Luft eine durchaus willkommene Erleichterung.
Der Pfad führt zunächst durch dichten Wald und folgt teilweise dem Lauf des Rio Funis. Immer wieder müssen kleine Bäche überquert werden, und an einigen Stellen geht es über rutschige Felsen weiter. Nach und nach wird der Weg steiler, bis wir schliesslich die Felsformation des Morro do Castelo erreichen. Der letzte Abschnitt ist etwas anspruchsvoller und verlangt gelegentlich den Einsatz der Hände, bevor man durch die beeindruckende Gruta do Castelo auf die andere Seite des Berges gelangt. Oben angekommen eröffnet sich eine fantastische Rundsicht über das Vale do Pati und die umliegenden Berge der Chapada Diamantina.








An diesem Tag legen wir vergleichsweise kurze Distanzen zurück. Unser zweiter Übernachtungsort, die Hospedagem Igrejinha, liegt nur rund fünf Kilometer entfernt. Die Unterkunft ist etwas grösser und entsprechend gut besucht. Das Vale do Pati ist nämlich nicht nur bei internationalen Reisenden, sondern auch bei Brasilianern ein beliebtes Trekkingziel. Zu unserer Freude gibt es hier sogar einfache Duschkabinen, die nach zwei Wandertagen für eine willkommene Erfrischung sorgen.


Tag 3: Über das Hochplateau zum Cachoeirão – beeindruckende Tiefblicke
Am dritten Morgen begrüsst uns ein bedeckter Himmel. Ganz ungelegen kommt uns das nicht. Heute erwartet uns nämlich nochmals ein langer Wandertag und ein Grossteil der Strecke führt über das Hochplateau, wo Schatten rar ist.
Wir folgen zunächst einem schmalen Saumweg, der aus dem Vale do Pati hinauf auf die Hochebene der Chapada Diamantina führt. Oben angekommen verlaufen die Pfade oft nur noch schwach erkennbar durch die raue und weitläufige Cerrado-Landschaft. Die Vegetation ist niedrig, der Blick reicht weit über die offene Hochfläche und nur gelegentlich tauchen einzelne Felsformationen am Horizont auf.




Unser Zwischenziel erreichen wir gegen Mittag: den Cachoeirão am Rand des steil abfallenden Hochplateaus, einen der eindrucksvollsten Aussichtspunkte der Chapada Diamantina. Tief unter uns öffnet sich ein gewaltiger Canyon, in dessen Felswänden sich mehrere Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Kurz vor dem Ende der Trockenzeit sind diese allerdings nur noch als schmale Rinnsale zu erkennen. Unweit des Aussichtspunktes finden wir an einem kleinen Bachlauf einen schattigen Rastplatz, der sich perfekt für unsere Mittagspause eignet.

Anschliessend führt der Weg weiter über das Hochplateau zurück Richtung Guiné, wo unser Trekking schliesslich endet und der Transfer zurück nach Lençóis auf uns wartet.


Praktische Informationen zum Vale do Pati Trekking
- Ausgangspunkt: Lençóis gilt als Tor zur Chapada Diamantina und ist der übliche Ausgangspunkt für Trekkingtouren in der Region. Von São Paulo muss man mindestens einen Reisetag einplanen. Zuerst geht es rund zwei Stunden mit dem Flugzeug nach Salvador, danach folgt eine etwa sechs- bis achtstündige Fahrt nach Lençóis.
- Route und Schwierigkeit: Das Trekking startet und endet im Dorf Guiné. Die Gesamtdistanz beträgt rund 40 Kilometer. Die Route gilt als mittel bis anspruchsvoll. Eine gute Grundfitness ist Voraussetzung und auch die Hitze kann fordernd sein. Alles, was man für die drei Wandertage benötigt, trägt man selbst im Rucksack. Dazu gehören auch täglich etwa drei bis vier Liter Wasser sowie das Picknick für unterwegs.
- Unterkünfte: Die Übernachtungen im Vale do Pati erfolgen in einfachen Gasthäusern lokaler Familien. Die Zimmer bieten meist Platz für zwei bis vier Personen und die Badezimmer werden gemeinschaftlich genutzt. An beiden Orten wurden wir sehr gut verpflegt. Strom ist nur teilweise verfügbar und im Vale do Pati gibt es keinen Handyempfang / Internet.
- Geführte Tour oder selbstständig: Das Vale do Pati kann grundsätzlich auch auf eigene Faust begangen werden. Viele Wandernde entscheiden sich jedoch für eine geführte Tour, da die Orientierung auf dem Hochplateau teilweise schwierig ist. Zudem erfordert die selbstständige Organisation von Unterkünften und Transfers einiges an Planung und meist auch Portugiesischkenntnisse, da Englisch vielerorts nur begrenzt gesprochen wird.
- Organisation unserer Tour: Unser insgesamt fünftägiger Abstecher in die Chapada Diamantina wurde von der lokalen Agentur Nas Alturas organisiert. Sie kümmerten sich um alle Transfers und Unterkünfte. Während des Trekkings wurden wir von drei lokalen Guides begleitet.
- Beste Reisezeit: Die Chapada Diamantina kann grundsätzlich das ganze Jahr bereist werden. Von April bis Oktober sind die Monate meist trockener und die Temperaturen angenehmer zum Wandern. Zwischen November und März fällt mehr Regen, dafür führen die Wasserfälle deutlich mehr Wasser. Wir waren Ende Oktober unterwegs, die Temperaturen lagen dabei meist bei rund 30 °C.
- Kosten: Für unseren fünftägigen Abstecher in die Chapada Diamantina haben wir rund 3’800 Reais pro Person bezahlt. Im Preis enthalten waren Transfers, zwei Hotelübernachtungen in Lençóis, das dreitägige Trekking im Vale do Pati inkl. Übernachtung, Guide sowie die Verpflegung während der Wandertage. Umgerechnet entspricht das etwa 570 CHF (Preisstand 2025).
- Zwischenstopp in Salvador: Wer über Salvador anreist, sollte unbedingt etwas Zeit für die Stadt einplanen. Die Altstadt Pelourinho gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und beeindruckt mit farbenfrohen Kolonialhäusern, Kirchen und lebendiger Musikszene. Salvador gilt zudem als kulturelles Zentrum des afrobrasilianischen Brasiliens und bietet eine spannende Mischung aus Geschichte, Kultur und hervorragender Küche. Ich hätte dort gerne noch mehr Zeit verbracht, doch leider reichte es nur für einen kurzen Besuch von einem Tag.




Liebe Anita
In Brasilien konnte ich einige wunderschöne Jahre leben und arbeiten, aber du zeigst dennoch spektakulär schöne Seiten dieses tollen Landes, die mir noch verborgen waren. Muito legal!
Auf deine Erlebnisse in Brasilia bin ich schon sehr gespannt! Salvador de Bahia und Itacaré stehen bei meiner Frau und mir diesen Juli an und wir zählen die Tage voller Fernweh.
Lieben Dank und Gruss,
Wolfgang
Lieber Wolfgang vielen Dank für dein Feedback und freut mich, dass ich selbst Brasilien-Kennern noch «neue» spannende Orte zeigen kann. Brasilia war auch super spannend!