Fil du Doubs – Schritt für Schritt entschleunigen

Fil du Doubs – Schritt für Schritt entschleunigen

Auf einer Länge von 29 Kilometern schlängelt sich der Doubs der französisch-schweizerischen Grenze entlang und verlässt die Schweiz nach einem kecken Bogenschlag – Clos du Doubs genannt – wieder Richtung Frankreich. Auf dem Chemin au Fil du Doubs lässt sich die in weiten Teilen unberührte Flusslandschaft vom neuenburgischen Les Brenets bis ins jurassische Städtchen Saint-Ursanne zu Fuss erkunden. Wir haben zwei Etappen erkundet und uns zu guter Letzt noch in den 15° kalten Doubs gewagt. Ein herrlich entschleunigendes Erlebnis.

1. Wanderetappe von Les Brenets nach Maison Monsieur

Ausser Vogelgezwitscher und dem leisen Gurgeln des Baches ist nichts zu hören. Es scheint, als hätten wir die Zivilisation weit hinter uns gelassen und seien mitten im Dschungel gelandet. Die mangrovenartigen Bäume, die moosbehangen aus dem Wasser ragen, verleiten mich zu einem prüfenden Blick ins Wasser. Lauert da ein Alligator? Wir sind bereits rund zwei Stunden gewandert. Haben uns in Les Brenets in der Boulangerie Charmillot mit einem feinen Lunchpaket mit regionalen Produkten eingedeckt und den Saut-du-Doubs bestaunt. Bis zu diesem bekannten Ausflugsziel verlief der Wanderweg unspektakulär auf einer Asphaltstrasse. Nach dem Blick auf den tosenden Wasserfall wandern wir auf Waldwegen weiter und lassen uns von der Natur verzaubern. Einzig nach einem gemütlichen Bänkli halten wir vergeblich Ausschau und setzen uns fürs Picknick pragmatisch ins Moos am Uferbereich vom Doubs.

Nach 18 Kilometer Wildnis erblicken wir vor uns die kleine Siedlung Maison-Monsieur am Doubsufer. Nach einer erfrischenden Dusche in unserer Unterkunft dem B&B Le Caprice, geniessen wir die Abendsonne im Garten. Zum Nachtessen zaubern die Gastgeber Isabelle und Pierre Renevey fangfrischen Hecht aus dem Doubs auf den Tisch. Gegessen wird zusammen am Tisch «comme en famille», meint Isabelle und meint dann: «Schreibe in deinem Blog nicht, dass wir Hecht gegrillt haben. Das kommt selten vor!» Es braucht also etwas Glück, um während der Hecht-Saison in der Buvette Le Caprice in den Genuss von frisch gegrilltem Hecht zu kommen.

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2. Wanderetappe von Maison Monsieur nach Goumois

Am nächsten Tag erwachen wir mit einem leichten Muskelkater. Das Rucksacktragen macht sich bemerkbar. Der Blick aus dem Fenster lässt uns aber rasch munter werden. Über Nacht hat es geregnet und jetzt ziehen noch vereinzelte Nebelschwaden durch den Wald. Was für eine Stimmung. Wir halten Ausschau nach den bunten Eisvögeln, doch die lassen sich an diesem Morgen nicht blicken.

Nach dem Frühstück schnüren wir erneut die Wanderschuhe, schultern die Rucksäcke und nehmen meine Eltern in Empfang, die die heutige Etappe mitwandern. Doch kaum haben wir uns eingelaufen, erreichen wir das erste Etappenziel. In Biaufond kehren wir bei der Familie Wenk im Maison Biaufond ein. Das kleine Restaurant liegt abseits vom Wanderweg. Die zusätzlichen Schritte lohnen sich aber. Wir bestellen zweimal den Klassiker „Forelle Blau“ und zwei Forellenfilets und sitzen danach einträchtig vor unserem Essen. So guet! Selbst der Papa, der Fisch nicht mag (behauptet er zumindest), bestellt mutig Forellenfilet und schwärmt die folgenden 15 Kilometer vom feinen Fisch. Ich würde meinen, dass das Maison Biaufond einen kulinarischen Pflichtstopp am Fil du Doubs ist. Da Familie Wenk auf Klasse statt Masse setzt, müsst ihr im Vorfeld einen Tisch reservieren.

Nach einem Gläschen Weisswein und Damassine Schnaps zum Dessert wandert es sich heiter weiter. Die Strecke ist heute hügeliger als am Vortag und der Doubs versteckt sich abschnittsweise in Schluchten. In Goumois nehmen wir das Postauto und fahren nach Les Pommerats hoch. Hier übernachten wir im Gästehaus Chez Le Roy, das sich in einem typischen Jurahaus mitten im Dorfkern mit Blick auf Pferdestallungen befindet. Die Zimmer sind liebevoll hergerichtet und total gemütlich.

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Zum Abschluss paddelnd nach Saint-Ursanne

Der Fil du Doubs führt in vier Etappen von Les Brenets nach Saint-Ursanne. Wir überspringen die dritte Etappe und werden am dritten Morgen direkt nach Soubey chauffiert, von wo aus wir die ersten neun Kilometer der vierten Etappe zu Fuss in Angriff nehmen. Die Landschaft präsentiert sich in diesem Abschnitt weniger wild. Die bewirtschafteten Felder reichen bis ans Flussufer. Erst als wir kurz vor La Charbonnière aufs gegenüberliegende Flussufer wechseln, wird es wieder uriger. Wir kämpfen uns durch Morast und Pfützen und wünschen uns eine Machete herbei. In Tariche lassen wir uns von Zeltplatzbenutzer mit der Fähre hinüberfahren. Eine Brücke hat es keine und das Schiff ist zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Doch es bleibt bei den nassen Füssen.

Wir befürchteten, dass aufgrund der starken Niederschläge das Kajakfahren ins Wasser fällt. Fred Lovis vom Maison du Tourisme mustert uns als erstes ausgiebig und will wissen, ob wir Kajak-Erfahrung haben. Der Freund – selbstsicher wie eh und je – meint «logo». Fred informiert uns, dass die aktuelle Abflussmenge des Doubs 50 l/s beträgt und er normalerweise mit Touristen bei rund 20 l/s auf dem Fluss unterwegs ist. Ich setze mich mit der Kamera in der wasserdichten Hülle bei Fred ins Kajak. Der Freund paddelt mutig alleine los. Was für ein Spass! Zwischendurch werden wir ordentlich durchgerüttelt und nass gespritzt (die Kamera verstaue ich vor jeder heiklen Stelle sorgfältig im wasserdichten Beutel) und nach knapp einer Stunde erreichen wir bereits Saint-Ursanne. Normalerweise dauert die Tour zwei bis drei Stunden. So reicht die Zeit grad noch, um einen kurzen Rundgang durch das mittelalterliche Städtchen zu unternehmen, bevor wir uns auf den Heimweg machen. So schnell sind drei wunderbar erlebnisreiche Tage im regionalen Naturpark Doubs zu Ende. Einmal mehr hat mich der Jura mit seiner Landschaft und seinen Leuten begeistert. Das hier ist meine Herzensheimat.

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Praktische Tipps zum Chemin au fil du Doubs

Teil 1: Au Fil du Doubs Etappen 1 und 2

Der Routenverlauf kann nachfolgender Karte entnommen werden. Wir haben die ersten beiden sowie ein Teil der vierten Etappe des Fil du Doubs abgewandert. Die erste Etappe von Les Brenets nach Maison Monsieur ist 18 km lang und beinhaltet eine Steigung von 300 Höhenmetern. Zwischen Saut du Doubs und Maison Monsieur hat es entlang Weg kaum Verpflegungsmöglichkeiten. Viele Beizen waren geschlossen, als wir unterwegs waren. Daher am besten ein Picknick einpacken oder sich in Les Brenets mit Proviant eindecken. Die Wanderzeit beträgt rund 4.5 bis 5 Stunden.

Die zweite Etappe von Maison Monsieur nach Goumois ist 21 km lang und beinhaltet eine Steigung von rund 650 Höhenmetern. Verpflegungsmöglichkeiten bestehen in Biaufond und Le Theusseret. Als Wanderzeit sind rund 5.5 Stunden einzuplanen. Ausgangs- und Zielort sind mit dem Postauto erreichbar.

Teil 2: Au Fil du Doubs Etappe 4 bis Tariche

Die letzte Etappe des Fil du Doubs führt in 15 km von Soubey nach Saint-Ursanne. Wir sind nur 9 km bis nach Tariche gewandert, haben dort mit der „Fähre“ den Doubs überquert und sind anschliessend die letzten 6 km mit dem Kayak nach Saint-Ursanne gepaddelt. Die Kayaktour wurde vom Maison du Tourisme in Saint-Ursanne organisiert. Die Kosten für Erwachsene betragen für diese Strecke 70 CHF. Den Ausgangspunkt Soubey erreicht man ab Saint-Ursanne mit dem Bus. Saint-Ursanne hat einen Bahnhof mit regelmässigen Verbindungen Richtung Biel.

Weitere Infos zu den insgesamt vier Etappen das Chemin au Fil du Doubs findet ihr auf wanderland.ch.

Hinweis: Diese Reise wurde von Jura & Drei-Seen-Land unterstützt – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Kommentare

  • Paleica Juli 25, at 11:03

    wahnsinn diese natur. es sieht alles so unglaublich frisch und sauber aus. ganz toll.

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