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Ballenberg – raus trotz Regen

Es ist Sonntagmorgen, 10:00 Uhr. Eigentlich hätten wir um diese Zeit bereits in der Ferne die Gaulihütte oberhalb des Urbachtals erspähen sollen. Doch aufgrund anhaltender Regenfälle mussten wir die Wanderung zum Gauligletscher und der legendären Dakota-Absturzstelle zugunsten einer „Trockenübung“ in der Sonderausstellung zum Dakota-Absturz im Grimseltor Tourist Center in Innertkirchen fallen lassen. Hier wird seit Mitte Juni der vor zwei Jahren vom Gauligletscher freigegebene Dakota-Propeller und andere Erinnerung an die Rettungsaktion von 1946 ausgestellt. Nebst der Ausstellung schauen wir uns auch noch den rund einstündigen Film „Drama am Gauligletscher“ an. Schlechtwetter-Programm par excellence.

Doch was nun? Der Regen hält sich hartnäckig und so zerplatzen meine letzten Hoffnungen auf ein kurzes Berg-Intermezzo. Doch das Haslital hat auch für solche Tage einige Trümpfe im Ärmel. Kurz überlegen wir uns, den Barfusswanderweg in Angriff zu nehmen (soll bei Regenwetter besonders angenehm sein) und entscheiden uns dann für den Klassiker der Region – den Ballenberg.

Als Kind gehörte der Ballenberg zu meinen liebsten Ausflugszielen. Es war immer ein besonderes Gaudi, mit ausländischen Gästen auf dem Ballenberg eine Zeitreise durch die Schweizer Baukultur zu unternehmen. Auf über 66 Hektaren gibt es nicht nur über 100 originalgetreu aufgebaute Bauernhöfe, Wohnhäuser und Stallungen zu entdecken, sondern die Gäste erhalten auch spannende Einblicke in das traditionelle Handwerk. Dabei brilliert das Freilichtmuseum durch seine Authentizität. Es zeigt Geschichte zum Anfassen und Erleben. Verstaubte Vitrinen sucht man vergeblich.

Fachwerk-Romantik im östlichen Mittelland

So begeben wir uns bei schwachem Regen auf einen kurzweiligen Spaziergang quer durch die Schweiz. Die historischen Gebäude sind nach ihrem Originalstandort thematisch geordnet. Wir starten unseren Rundgang im „östlichen Mittelland“, wo aus Fachwerk-Perlen ein hübsches Ensemble geschaffen wurde. Die angrenzende Sägemühle bildet auch die Kulisse für das aktuelle Landschaftstheater Via Mala (9. Juli – 23. August).

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Blumen

Bienenhaus

Spontaner Abstecher in die Schweizer Sonnenstube

Vorbei an einem wunderschönen Appenzeller Bauernhaus aus Brülisau führt uns der Weg in Richtung Berner Oberland, wo wir kurz einen Blick in die Käserei werfen. Der Raum ist gestossen voll mit Besuchern, die fasziniert dem Käser bei der Herstellung von Ziger zuschauen. Vorbei an Walliser Sennhütten führt uns der Weg weiter Richtung Süden. Das Tessin befindet sich nämlich auch auf dem Ballenberg am südlichsten Zipfel. Der Abstecher lohnt sich! Im beeindruckenden Gutshof riecht es verführerisch nach Polenta, die in der Osteria serviert wird.

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Traditionelles Handwerk zum Staunen und Lernen

Das Schönste am Ballenberg ist aber, dass die Besucher jedes Gebäude betreten können und die meisten Dinge auch berührt werden dürfen. In vielen Gebäuden geht’s fleissig zu und her – da wird zum Beispiel geklöppelt, es werden Hüte hergestellt, Holz geschnitzt, Seidenraupen aufgezogen, Seile produziert… mein persönlicher Favorit ist dabei die historische Drogerie, wo man viele natürlich hergestellte Produkte aus Heilkräutern kaufen kann.

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Bauernhof – Idylle

Eine weitere Attraktion sind die über 250 Bauernhofnutztiere, die vor allem die Kinder magisch anziehen. Doch auch ich kann mich dem Charme des jungen Esels nicht entziehen. Zu guter Letzt statten wir dem Dorfladen einen Besuch ab. Holzhofenbrot, Würste, Käse, Honig, Confi und Schokolade – alles vor Ort hergestellt – verströmen einen gluschtigen Duft. Wir verlassen den Laden mit einer schweren Tüte und freuen uns, die Köstlichkeiten zum Abendessen zu verspeisen.

Obwohl der Gauligletscher vorerst ins Wasser gefallen ist, ziehen wir am Nachmittag ein positives Fazit. Trotz trübem Wetter hatten wir einen kurzweiligen Tag auf dem Ballenberg und dabei nicht nur Einiges gelernt, sondern auch noch eine gesunde Portion frische Luft geschnappt.

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Infos und Tipps:

  • Eintritt Erwachsene 22 CHF / Kinder bis 16 Jahren 11 CHF
  • Mitte April bis Ende Oktober täglich von 10:00 bis 17:00 geöffnet
  • Mit dem Bus ab Bahnhof Brienz und/oder Bahnhof Brünig erreichbar
  • Sehenswerte Sonderausstellung „Enfances volées – Verdingkinder reden“
  • Einen Übersichtsplan vom Ballenberg gibt’s hier: Museumsplan
  • Winter-Geheimtipp: der Ballenberg ist für Spaziergänger auch im Winter über die normalen Wanderwege zugänglich

Hinweis: Mein Besuch auf dem Ballenberg wurde von Haslital Tourismus unterstützt. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

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