Dreierlei Gipfelerlebnisse in Fribourg Region

Dreierlei Gipfelerlebnisse in Fribourg Region

Nachdem wir Ende Mai auf dem Chemin de Gruyères quer durchs Greyerzerland gewandert sind, verschlug es uns am wohl heissesten Juli-Wochenende seit Aufzeichnungsbeginn nochmals ins Freiburgerland. Uns erwartete ein sportliches Programm und dementsprechend haben wir während der drei Tage vor allem eins: geschwitzt.

Drei Jahre lang bin ich Tag für Tag mit der SBB von Bern über das Grandfey-Viadukt nach Fribourg an die Uni gependelt. Diese Eisenbahnbrücke hoch über der Saane ist für mich die perfekte Visualisierung des Röstigrabens. Oder aber, andersrum gesehen, die Verbindung von der Deutschschweiz in die Romandie. Dieser Schmelztiegel zweier Welten nahm Fribourg Region als Anlass, um im Rahmen von acht „Auszeiten“, die kulturelle und landschaftliche Vielfalt der Region den Gästen näher zu bringen. Eine der acht Auszeiten sorgt für ganz besondere Hochgefühle. Unter dem Motto „Gipfelerlebnisse“ wurde ein Package geschnürt, das zwei Übernachtungen und drei Wanderungen in La Gruyère und Les Paccots (inkl. Seilbahn-Tickets) beinhaltet. Und genau dieses Package nahmen wir im Rahmen unseres zweiten Besuches ganz genau unter die Lupe.

Moléson – der 360° Gipfel

Ausgangspunkt für unsere drei Wanderungen war die Hostellerie Saint-Georges in Gruyères. Das Gasthaus liegt an wunderschöner Lage mitten in der malerischen Hauptgasse des mittelalterlichen Städtchens. Leider ist Gruyères aber denkbar ungünstig an das öffentliche Verkehrsnetz der Fribourg Region angebunden, was uns während der drei Tage vor logistische Herausforderungen stellte. Immerhin liegt der Moléson als Hausberg quasi direkt vor der Tür und so machten wir uns nach der Ankunft schnurstracks auf den Weg zu unserem ersten Gipfelerlebnis.

Mit der Zahnradbahn und Seilbahn erreichten wir in Nullkommanichts den Gipfel des Moléson, der mit seinen 2‘000 Höhenmetern den nördlichsten Eckpunkt der Freiburger Voralpen bildet. Wir liessen es uns nicht nehmen, die Treppenstufen aufs Dach der Seilbahnstation auch noch zu bewältigen und von hier oben den Blick einmal rundherum schweifen zu lassen. Was für ein phänomenaler Fernblick! Das beeindruckende Panorama begleitet uns auch auf dem ersten Etappenstück, das dem Moléson Grat entlang in Richtung Teysachaux folgt. Danach werden die Knie auf dem Abstieg nach Le Villard arg strapaziert. Was uns – nebst dem tollen Ausblick – sofort ins Auge sticht, sind die Alpwiesen. Es scheint als würden die zahlreichen Blumen um die Wette blühen.

Die letzte Wegetappe führt auf der Rückseite des Moléson zur Mittelstation Plan-Francey und von dort mit einigen Kurven zurück an den Ausgangspunkt in Moléson-sur-Gruyère.

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Praktische Tipps zur Moléson Gratwanderung:

Der Routenverlauf kann nachfolgender Karte entnommen werden. Die Gratwanderung vom Gipfel des Moléson nach Moléson-sur-Gruyères ist rund 11 Kilometer lang, beinhaltet eine Steigung von 250 Höhenmetern und ein Gefälle von 1’000 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt rund 3.5 Stunden. Den Ausgangs- und Zielort – die Zahnradbahn in Moléson-Sur-Gruyères – erreicht man ab Gruyères Gare in 15 min mit dem stündlich verkehrenden Postauto.

Gastlosen – die schroffen Gipfel

Am zweiten Wandertag war früh Tagwach angesagt. Beinahe zwei Stunden dauert die Hinfahrt von Gruyères nach Kappelboden. Wieso die Freiburgischen Verkehrsbetriebe eine bessere Abstimmung von Bahn auf Bus scheinbar nicht auf die Reihe kriegen, bleibt das grosse Rätsel des Wochenendes. Fakt ist, wer die drei Gipfelerlebnisse ohne akribische Anfahrts- und Abfahrtsplanung entspannt verbringen möchte, der reist idealerweise mit dem Auto oder wählt ein Hotel in Bulle. Nun ja, wir meisterten die Challenge mit dem ÖV, aber es war ziemlich stressig.

Wegen der heissen Temperaturen suchten wir uns die frühste Verbindung nach Kappelboden heraus. Für die ersten Höhenmeter des Tages setzten wir uns in den Gastlosen-Express, der Kappelboden mit Musersbergli verbindet. Wer die gewaltigen Kalkwände der Gastlosen wie wir im Gegenuhrzeigersinn umwandert, profitiert von einem Aufstieg im noch schattigen Nordhang. Auf der Gastlosen-Rundwanderung steht man zwar nie auf einem Gipfel, hat dafür aber stets das zerklüftete Massiv vor Augen. Den Übernamen „Saaneländer Dolomiten“ haben sich die Gastlosen definitiv verdient. Dem aufmerksamen Wanderer entgeht auch nicht das „Grossmutterloch“. Der Teufel selbst soll hier in der Gegend gehaust und im Zorn seine Grossmutter über die Bergkette geschleudert haben. Doch im letzten Moment packte ihn das Erbarmen. Er durchschlug den Fels und erwischte die Grossmutter im freien Fall auf der anderen Seite. Während den Wintermonaten scheint die Sonne direkt durch diese Felsöffnung und sorgt für ein besonders Lichtspektakel.

Der Aufstieg bis zum Wolfsort auf der Südseite braucht etwas Schnauf und Durchhaltevermögen. Nach einer kurzen Rast beim malerischen Soldatenhaus folgt ein steiler Anstieg durch steiniges Gelände. Manche Stellen sind ziemlich ausgesetzt und beim steilsten Stück bekomme ich ganz kurz die Krise, weil ich mich plötzlich auf Händen und Füssen an den Felsbrocken festhalten muss.

Auf der Südseite führt der Wanderweg durch sattgrüne Alpweiden und artenreiche Waldabschnitte. Ganz überraschend haben wir auf diesem Abschnitt noch einen Nacktwanderer (ja, die kennt man sonst aus dem Appenzell) gekreuzt, ein freundliches „Bonjour“ ausgetauscht uns sind weiter des Weges geschritten.

Müsste ich für die drei Gipfelerlebnisse Punkte verteilen, würde die Gastlosen-Rundwanderung zuoberst auf dem Treppchen stehen. Landschaftlich und in punkto abwechslungsreicher Wegführung gefällt mir diese Tour am besten. Und übrigens, die Einheimischen in Jaun sind alles andere als „gastlos“.

Gastlosen-Express-Musersbergli Gastlosen-Umrundung Wanderung-Gastlosen Soldatenhaus Gastlosen-Wandern-1 Gastlosen-Wandern-2

Praktische Tipps zur Gastlosen-Rundwanderung:

Der Routenverlauf kann nachfolgender Karte entnommen werden. Die Gastlosen-Rundwanderung ist rund 10.5 km lang, beinhaltet eine Steigung von 750 Höhenmetern und ein Gefälle von 750 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt gut 3.5 Stunden. Den Ausgangs- und Zielort – Jaun Kappelboden – erreicht man ab Bulle / Fribourg oder Boltigen mit dem Postauto. Ab Bulle bedient das Postauto die Strecke stündlich (Dauer 40 min Fahrtzeit), ab Fribourg gibt es um 08:38 Uhr eine Direktverbindung (Dauer 1h 10min). Der Gastlosen Express fährt während den Sommermonaten von 09:00 bis 17:00 Uhr.

Les Paccots – der Gourmetgipfel

Das letzte Gipfelerlebnis führte uns nach Les Paccots in den südlichen Zipfel der Fribourg Region. Ein jährliches Highlight ist hier die Narzissenblüte, die die Alpweiden jeweils im Mai in einen weissen Blütenteppich verwandelt. Für dieses Spektakel waren wir anfangs Juli leider zu spät. Dafür locken hier um diese Jahreszeit insgesamt vier Gourmetpfade mit lokalen Spezialitäten.

Der Panorama Gourmetpfad – der längste unter den vier Touren – führt auf rund 15 Kilometern von Les Paccots in Richtung Dent de Lys und anschliessend via Vupey zurück nach Les Paccots. Unterwegs sind vier kulinarische Stopps in die Wanderung integriert. Wir starten die Tour direkt mit einem Freiburger Bauernbrettchen bei der Auberge du Lac des Joncs. Danach folgt ein kräftezehrender Anstieg. Die Chaletsuppe in der Alphütte La Saletta und die Älplermakronen in der Alphütte Le Vuipay haben wir uns danach definitiv verdient. Ebenso willkommen ist der erfrischende Abschluss mit einem Vin-Cuit-Eis („Birnel“) im Restaurant Les Rosalys. Bei beinahe 30° Grad freuten wir uns an diesem Tag aber jeweils am meisten auf das erfrischend kühle Bergquellwasser, das wir an jedem Stopp erhielten.

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Praktische Tipps zum Panorama Gourmetpfad:

Der Routenverlauf kann nachfolgender Karte entnommen werden. Der Panorama Gourmetpfad Les Paccots ist rund 15 km lang, beinhaltet eine Steigung von 650 Höhenmetern und ein Gefälle von 650 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt rund 4 Stunden. Mit den kulinarischen Stopps sind rund 6 Stunden einzurechnen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, der startet die Wanderung bei Les Rosalys. Dort hat es einen grossen Parkplatz. Wer mit dem ÖV unterwegs ist, nimmt ab Châtel-St-Denis das Postauto bis nach „La Borbuintze“ direkt unterhalb des ersten kulinarischen Stopps bei der Auberge du Lac des Joncs. Während den Morgenstunden bedient nämlich kein Postauto die Haltestelle „Les Rosalys“.

Weitere Eindrücke vom Gourmetpfad gibt’s bei Patotra.

Basislager Gruyères

Auch wenn ich während der drei Tage nonstop über die haarsträubenden ÖV-Verbindungen zeterte, zauberte mir Gruyères doch an jedem Abend nach der Rückkehr von den Wanderungen ein Lächeln ins Gesicht. Dieses Städtchen ist einfach zauberhaft und als Sahnehäubchen obendrauf gibt’s hier kitschige Sonnenuntergänge und Greyerzer Doppelrahm mit saisonalen Beeren. Halleluja, ein Königreich für Double Crème de Gruyère et Fruits Rouges.

Gruyères-Fribourg Gruyères-Sightseeing Gruyères-Sonnenuntergang Double-Crème

Insgesamt bietet das Package Gipfelerlebnisse einen abwechslungsreichen Einblick in die landschaftliche Vielfalt der Region. Jede Wanderung ist anders und zeichnet sich durch ihre ganz eigenen Besonderheiten aus. Der Moléson punktet mit dem phänomenalen Panorama, die Gastlosen-Rundwanderung mit ihren bizarren Felsformationen und der Gourmet-Pfad mit den regionalen Köstlichkeiten. Leider ist Gruyères als Ausgangspunkt für ÖV-Reisende suboptimal. Da besteht noch Verbesserungspotenzial.

Hinweis: Ich durfte das Pauschalangebot „Gipfelerlebnisse“ auf Einladung von Fribourg Region testen. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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