Bolivien für Einsteiger – meine 10 Highlights

Bolivien für Einsteiger – meine 10 Highlights

Meinen ersten Kontakt mit Bolivien hatte ich in der zweiten Klasse. Meine damalige Primarschullehrerin bereiste in den Sommerferien Bolivien und Peru und nahm dies als Anlass, uns die Kultur und Landschaft der beiden südamerikanischen Staaten in Form eines Themenschwerpunkts näherzubringen. Das führte dazu, dass ich den Titicacasee kannte, bevor ich mich intensiver mit der Schweizer Seenlandschaft beschäftigte. Vieles, was wir in der Schule durchgenommen haben, ist zwischenzeitlich nicht mehr aktiv präsent. Nicht so, diese Monate, die sich um die Kultur und das Land der Inkas drehten. Anscheinend hatte ich schon in der zweiten Klasse ein Faible fürs Reisen. Und so war für mich klar, dass ein Abstecher zum Titicacasee in unserer Reiseroute Platz finden muss – insbesondere, da es von Nordchile quasi einen Katzensprung bis dahin ist.

Für die Reiseetappe Bolivien/Peru standen uns 18 Reisetage zur Verfügung. Dieses Zeitbudget reichte, um mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einer klassischen Einsteigerroute von der Grenze in Villazón bis nach Cusco zu folgen und zum Schluss noch drei Tage in Lima anzuhängen. Was ich bei der Planung nicht beachtete, dass wir beim Reisezeitpunkt exakt den Karneval tüpften und somit einige Orte im Ausnahmezustand erlebten. Ob mit oder ohne Karneval – Bolivien ist ein tolles (und budgetfreundliches) Reiseland! Nachfolgend präsentiere ich meine zehn Highlights aus zehn Tagen Bolivien.

#1: Durchs centro histórico der Minenstadt Potosi streifen

Die Bodenschätze im «Cerro Rico» haben Potosi einst zu einer der reichsten Städte der Welt gemacht. Heute erinnern noch prächtige Kolonialbauten im historischen Stadtkern an diese prunkvollen Zeiten. Die bröckelnden Fassaden können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Silberrausch Vergangenheit ist. Die traditionelle Minenarbeit gehört zwar bis heute zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadtbevölkerung, nur leider ist der Cerro Rico inzwischen beinahe vollständig ausgebeutet. Die Arbeitsbedingungen am ausgehöhlten Berg sind prekär und es droht akute Einsturzgefahr. Es ist zu hoffen, dass einige der Minenarbeiter neue Arbeitsplätze im Bereich des stark wachsenden Lithium-Abbaus in der nahen Salar de Uyuni finden werden. Ich habe mich schon vor unserer Ankunft wegen der Einsturzgefahr gegen eine Minentour entschieden. Schlussendlich wäre diese sowieso ins Wasser gefallen, denn während der Karnevalstage hat in Potosi nämlich weder ein Museum geöffnet, noch finden Touren statt. Selbst das Finden eines geöffneten Restaurants gestaltete sich überraschend herausfordernd. Diese bewegende Geschichte und die faszinierende Lage der Stadt auf 4’000 m ü. M. haben mich aber extrem beeindruckt. Ein Besuch lohnt sich!

Stadtspaziergang Potosi Potosi Centro Historico Altstadt Potosi Architektur Potosi Bolivien

#2: Auf einer Walking Tour Sucre besser kennenlernen

Ich bin hier auf dem Blog bei der Ankündigung unserer Reiseroute natürlich voll ins Fettnäpfchen gestapft und habe La Paz fälschlicherweise als Hauptstadt Boliviens benannt. Und das mit einem Bachelorabschluss in Geografie. Peinlich, peinlich! Inzwischen weiss ich, dass Sucre diese Position innehat, auch wenn sich hier «nur» der Oberste Gerichtshof befindet. Sucre ist eine Stadt, die ich sofort ins Herz schloss. Die Altstadt mit ihren weiss getünchten Gebäuden (in Bolivien dominieren ansonsten unfertige Backsteinbauten das Stadtbild) ist wie Potosi ein UNESCO Weltkulturerbe. Um mehr über die Sucre zu erfahren, haben wir an einer Walking Tour mit Condortrekkers teilgenommen. Die Non-Profit-Organisation bietet für 70 Bolivianos pro Person täglich eine dreistündige Stadtführung an, die nebst dem Besuch diverser Sehenswürdigkeiten auch das Probieren lokaler Produkte (Chirimoya und Chicha) beinhaltet.

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#3: Einen Mercado Central besuchen

Egal ob in Potosi, Sucre oder La Paz – in jeder Stadt gibt es einen «Mercado Central». Supermärkte dagegen sind in Bolivien rar, die lokale Bevölkerung kauft lieber auf den traditionellen Märkten ein.

Mercado Central Sucre

#4: In einem historischen Gebäude übernachten

Nach Chile und Argentinien erschien uns Bolivien spottbillig und ist dementsprechend ein ideales Reiseland, um das Budget zu schonen. Während wir für manche Hotelzimmer mit eigenem Bad umgerechnet zwischen 25 bis 35 CHF pro Nacht bezahlten, war das Mi Pueblo Samary Hotel in Sucre mit 65 CHF pro Nacht vergleichsweise teuer. Doch das wunderbar eingerichtete Kolonialgebäude macht das mit einem fantastischen Frühstücksbuffet und historischem Mobiliar wieder wett.

Mi Pueblo Samary Hotel Sucre Mi Pueblo Hotel Samary

#5: Quer durch La Paz gondeln

Im Gegensatz zum übersichtlichen Sucre wirkt La Paz im ersten Moment erschlagend riesig. Eine gute Annäherung an die Stadt bietet das Seilbahnsystem, das sich noch im Ausbau befindet. Einmal fertiggestellt soll es das grösste urbane Seilbahnsystem der Welt werden. Eine Fahrt kostet 3 Bolivianos und aktuell muss man die Tickets für alle Fahrten einzeln lösen. Von der Estacion Central lohnt sich zudem ein Spaziergang durchs Zentrum von La Paz. Sehenswert sind die Calle Jaen (die hübscheste Gasse der Stadt), den Plaza Murillo sowie die Märkte zwischen der Avenida Illampu und der Strasse Murillo. Sollte euch unterwegs der Magen knurren, empfehle ich einen Abstecher ins Higher Ground Cafe oder die lässige Hb Bronze Coffeebar.

Seilbahn La Paz Bolivien La Paz Bolivien Calle Jaen La Paz Bolivien Plaza Murillo La Paz Bolivien

#6: Den Geschmack Boliviens kosten

Ein besonderes kulinarisches Erlebnis bietet das Restaurant Gustu in La Paz. Beim fünfgängigen Degustationsmenü für 330 Bolivianos werde ich mit dem ersten Gang schon gefordert. Da befindet doch tatsächlich eine richtig grosse Ameise schön drapiert auf meinem Teller. Die soll ich jetzt essen?! Fazit: Schmeckt passabel. Beim Gustu hat Noma-Gründer Claus Meyer seine Hände mit im Spiel und daher erstaunt es nicht, dass das Restaurant zu den 50 Besten Südamerikas zählt. Uns hat der klare Fokus auf bolivianische Produkte sowohl bei den Gerichten als auch beim Wein überzeugt. Zu bemängeln ist aus meiner Sicht einzig die Atmosphäre, die einem Bistro gleicht und bei den doch teuren Preisen für bolivianische Verhältnisse teils irritierend aufgenommen wird. Wichtig zu wissen: Das Restaurant Gustu befindet sich im Süden von La Paz. Die Taxifahrt vom Zentrum dorthin dauert rund 30 Minuten und kostet pro Weg rund 35 Bolivianos.

Restaurant Gustu La Paz

#7: Den tiefblauen Titicacasee bewundern

Während wir für alle übrigen Reiseetappen in Bolivien mit den öffentlichen Bussen gereist sind, habe ich für die Etappe von La Paz nach Copacabana für 18 Dollar pro Person einen Platz im Minivan vom Touroperator «Turisbus» gebucht. Der Unterschied: Diese Fahrt startete direkt vor unserem Hotel in La Paz (Hotel Rosario) und beinhaltete Fotostopps. Und ich hätte den Panoramablick über den tiefblau schimmernden Titicacasee auf keinen Fall missen wollen.

Die Busfahrt von La Paz nach Copacabana wird mit einer kurzen Seeüberquerung, wo Passagieren und Fahrzeug in unterschiedlichen Booten über den See transportiert werden, unterbrochen. Wer unterwegs nicht in den Genuss von Fotostopps kommt, sollte sich auf jeden Fall den Ausblick vom Cerro Calvario in Copacabana nicht entgehen lassen. Der Aufstieg in Kombination mit der Höhenlage (4’000 m ü. M.) bringt einem zwar heftig ins Schnaufen, dafür gibt es oben einen der schönsten Blicke auf Copacabana und den Titicacasee.

Titicacasee Bolivien Tiquina Überfahrt Titicacasee Cerro Calvario Copacabana Cerro Calvario Aussicht über Titicacasee

#8: In Copacabana entspannen

Von allen Orten, die wir in Bolivien besucht haben, war Copacabana mit Abstand derjenige mit den meisten Touristen. Wir waren zwar in der Nebensaison (Regenzeit) hier, aber im Vergleich zu Potosi oder Tupiza wimmelte es hier von Backpackern. Nichtsdestotrotz: Mir hat Copacabana überraschend gut gefallen. Das liegt zum einen sicherlich am herrlichen Wetter und zum anderen an der privilegierte Lage unseres Hostels. Das La Cupula sticht mit seiner eigenwilligen Architektur hervor und ist zu Recht die erste Wahl vieler Backpackern und Bolivien-Reisender. Kulinarisch lohnt es sich übrigens, schnurstracks an den zahlreichen Restaurants im Ortskern vorbeizumarschieren und direkt die Essenszelte am Strand anzusteuern. Hier gibt es frischen Fisch aus dem See und der schmeckt herrlich!

Hostel La Cupula Copacabana Fisch am Titicacasee Titicacasee Sonntenuntergang

#9: Die Isla del Sol besuchen

Tipps zur Isla del Sol finden sich auf diversen Blogs. Viele beschreiben eine lohnenswerte Tageswanderung vom Norden quer über die Insel bis zum Hafen auf der Südseite. Leider ist diese Wanderung aktuell nicht möglich, da der Norden für Besucher aufgrund eines lokalen Disputs gesperrt ist. Wir haben dementsprechend zuerst hin und her überlegt, ob sich die Fahrt auf die Isla del Sol so überhaupt lohnt. Schlussendlich buchten wir bei Titicaca Tours eine Halbtagestour (70 Bolivianos pro Person) zum Südteil der Isla del Sol. Zuerst skeptisch stellten wir auf der Insel mit Freude fest, dass wir gut 1.5 Stunden zur Verfügung hatten, um vom Jardin del Inka zum Templo del Sol zu wandern, wo uns das Boot wieder abholte. Zwar nur eine kurze Tour, dafür aber mit einer herrlichen Aussicht über die terrassierte Hanglagen der Isla del Sol.

Ausflug Isla del Sol Titicacasee Isla del Sol Inkagarten Comunidad Yumani Isla del Sol Isla del Sol Titicacasee Wandern Isla del Sol

#10: Einen Abstecher nach Tupiza unternehmen

In meinen 10 Highlights fehlt etwas, dass ihr sonst bestimmt auf jeder Bolivien-Einsteigerroute wiederfindet: Die Tour durch die Salar de Uyuni. Wir entschieden uns, stattdessen die weniger bekannte Puna im Nordwesten Argentiniens zu erkunden. Trotzdem wollte ich mir einen Eindruck von Uyuni verschaffen und plante ursprünglich, von Tupiza via Uyuni nach Potosi zu reisen. Aufgrund des Karnevals und der damit verbundenen ausfallenden Busse liessen wir schlussendlich Uyuni weg. Wer eine Tour durch die Salar de Uyuni in Betracht zieht, dem empfehle ich, als Ausgangspunkt Tupiza zu wählen. Hierhin verirren sich deutlich weniger Backpacker und das Tourenangebot ist gleich umfangreich. Tupiza war unser erster Stopp in Bolivien und wir waren im Hostel Butch Cassidy (22 CHF fürs Doppelzimmer mit Bad) total beeindruckt ab dem schnellen Internet (Argentinien war diesbezüglich eine Katastrophe).

Praktische Tipps für deine Reise durch Bolivien

  • Zwischen Tupiza – Potosi – Sucre – La Paz – Copacabana verkehren regelmässig Busse und die Tickets kann man im Normalfall relativ spontan erwerben.
  • Zusätzlich zum Busticket wird man jeweils aufgefordert, eine Gebühr für die Benützung des Busterminals zu entrichten (in der Regel ein bis zwei Bolivianos pro Person).
  • Über die Seite TicketsBolivia können für diverse Strecken online Tickets gekauft werden. Wir haben dies unter anderem für die Nachtbusverbindung von Sucre nach La Paz gemacht. Das System beinhaltet aktuell noch keine Sitzplatzreservierung. Man muss daher immer mit dem ausgedruckten Onlineticket die jeweiligen Schalter des Busbetreibers am Busbahnhof konsultieren und dieses in ein «richtiges» Boleto inklusive Sitzplatzreservierung umtauschen. Hat überall problemlos geklappt.
  • Für die Fahrten vom Busbahnhof zu den Hotels nutzten wir jeweils Taxis, da die Kosten mit 5 bis 20 Bolivianos pro Fahrt gering sind. Wichtig: Taxipreis vor der Fahrt ausmachen. Zu beachten ist, dass der Preis in Bolivien von der Anzahl Fahrgäste abhängt (je mehr Fahrgäste desto teurer).
  • Alle im Blogbeitrag vorgestellten Highlights befinden sich in Höhenlagen zwischen 2’800 und 4’000 Höhenmeter. Nehmt euch genügend Zeit für eine gute Akklimatisation (vor allem für Potosi und Copacabana).
  • Bei meiner Reiseplanung haben mich die Bolivien-Blogbeiträge von «Along dusty roads» inspiriert (auf Englisch).
  • Für aktuelle Infos empfehle ich, einen Blick auf Tripadvisor zu werfen – wir haben Dank den dortigen Kommentaren realisiert, dass der Norden der Isla del Sol für Touristen gesperrt ist.

Kommentare

  • samoka März 14, at 21:34

    Deinen Beitrag über Bolivien ist sehr inspirierend. Am liebsten möchte ich meinen Rucksack packen und selber losreisen! :)

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  • Reni März 15, at 07:52

    Du hast es wieder geschafft... jetzt möcht ich gleich losreisen und Bolivien entdecken. Einmal mehr superschöne Fotos. Das weckt Reiselust.Wünsche euch weiterhin eine spannende Reise. Liebe Grüsse aus der Schweiz (ausnahmsweise ;-)

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  • Ariana März 15, at 08:57

    Was für ein wunderbarer Bericht! Ich bin in Bolivien geboren und habe dort einige Jahre gelebt - seither war ich aber nie wieder dort. Daher war es richtig faszinierend, die aktuellen Fotos zu sehen :-) Liebe Grüsse Ariana

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  • andrea März 15, at 09:50

    danke! interessant! und wenn Sie wieder mal gehen: salar de uyuni und den NP zur grenze zu chile besuchen!

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    • Anita Brechbühl März 15, at 22:50

      Hoi Andrea danke für deinen Kommentar - wir waren sowohl in den Nationalpatks auf der chilenischen Seite unterwegs als auch in den Salars auf der Nordargentinischen Seite :)

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  • RICARDO SANCHEZ Februar 05, at 15:19

    BELLAS FOTOS¡¡¡¡ SALUDOS DESDE BOLIVIA ¡¡¡¡

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