Natur pur: 2-tägige Schneeschuhtour im Schanfigg

Natur pur: 2-tägige Schneeschuhtour im Schanfigg

«Hab ich alles dabei?» Handschuhe, Sonnenbrille, Skistöcke: griffbereit. Wanderschuhe geschnürt und die Thermoskanne eingepackt. Soweit scheint alles bereit für unsere erste zweitägige Schneeschuhtour im Schanfigg. Wir machen uns an diesem Wochenende auf den Weg, die Seitentäler Arosas mit den Schneeschuhen zu erkunden. Die Gegend zwischen Langwies und den Fideriser Heubergen gilt als schöne Skitourengegend und als Geheimtipp unter Winterwanderern und Schneeschuhläufern. Nicht nur wegen der aussichtsreichen Hochebene und der schönen Abfahrtshängen, sondern auch wegen der Bergbeizli und Skihütten.

Schneeschuhtour Schanfigg: Tag #1 – Hochwang – Pirigen

Auf dem Bahnsteig in Chur drängen sich trotz durchwachsener Wetterprognose Wintersportler, Feriengäste und Tagesausflügler dicht an dicht. Die grosse Masse bleibt bis zur Endstation im Zug. In St. Peter- Molinis steigen zwei rüstige, ältere Damen, drei Jungs mit Snowboard und wir – bepackt mit Tourenrucksack und Schneeschuhen – aus dem Zug. Von hier aus geht es mit dem Regionalbus hinauf ins Skigebiet Hochwang. Ich gebe es zu, diese Gegend war für mich ein schwarzer Fleck auf der Landkarte und somit auch das kleine, familäre Skigebiet kein Begriff. Schade, denn was ich in der Kürze sah, hat Lust auf mehr gemacht. Wir lösen an diesem Tag jedoch nur eine Einzelfahrt für den Sessellift Fatschel-Triemel. Nach einem Blick auf unsere Wanderschuhe und den Worten «so weiss ich, dass ihr oben nicht den Bügellift nehmt», händigt uns der Herr im Kassenhäuschen augenzwinkernd die Tickets aus. Die ersten 350 Höhenmeter sind schnell überwunden. Oben angekommen montieren wir die Schneeschuhe und stapfen dem Winterwanderwegzeichen folgend los. Zum ersten Mal machen wir eine Schneeschuhtour, die nicht durchgehend ausgeschildert ist. Zur Sicherheit haben wir uns entsprechendes Kartenmaterial besorgt und die Route vorher studiert. Die ersten dreissig Minuten laufen wir aber noch entspannt dem präparierten Winterwanderweg zum Skihaus Hochwang entlang. Die Nervosität über die folgenden Kilometer auf unbekannten Terrain hält uns vor einer Pause im Skihaus ab. Im Nachhinein bereue ich mein eiliges Weiterschreiten und empfehle euch einen Stärkungsstopp. Das Skihaus ist nämlich schön gelegen und lockt mit einer kleinen Sonnenterrasse.

Schneeschuhtour Schanfigg Arosa Skigebiet Hochwang Arosa

Wir folgen gut sichtbaren Schneeschuhspuren bergwärts Richtung Muschgel. Von dort geht es über eine Hochebene mit Blick auf das Mattjisch Horn (ein beliebter Skitourenberg) über die Arflinafurgga bis zum Astsershöreli weiter. Die grandiose Aussicht auf die Berggipfel rundherum wird durch ein aufkeimendes Hungergefühl getrübt. «Wären wir doch kurz eingekehrt!». Ihr kennt das bestimmt: Mit knurrendem Magen lässt sich schlecht wandern. Trotz Tourenvorbereitung hatten wir die Distanz – respektive die dafür benötigte Zeit im Schnee – unterschätzt und vor allem – fataler Fehler – keinen Notvorrat eingepackt. Die Motivation steigt, als beim Astserhöreli die Höhenmeter bewältigt sind und wir talwärts Richtung Etappenziel Berggasthaus Pirigen stapfen. Am Ziel angekommen, setzen wir uns aufs Bänkli vor dem Berggasthaus, lassen uns von der Abendsonne im Gesicht kitzeln und bestellen – ihr ahnt es – ein Plättli. Und ich gebe es zu: Auf den letzten Kilometern hat mich diese Aussicht vorangetrieben.

Hochwang Hochebene Skigebiet Hochwang Schanfigg Muschgel Hochwang Hochebene Schanfigg Matjisch Horn Schwiloch Schanfigg Arflinafurgga Schanfigg

Das Gastgeberpaar Gaby und Andy Brownrigg-Hediger betreibt das Berggasthaus Pirigen mit viel Herzblut und Herzlichkeit. Im Winter ist das Berggasthaus Tagesausflugsziel für Winterwanderer und Ausgangspunkt für Ski- und Schneeschuhtouren. Drei Zimmer bieten Platz für insgesamt 12 Personen (alle Betten mit Duvets und Kissen). Pirigen ist für seine herrliche Lage fernab jeglicher Hektik und für die gute, frische Küche von Gaby und Andy Brownrigg-Hediger weitum bekannt. Manch einer kommt extra für die Pirigenrösti oder die Hausspezialität – den Beef ’n‘ Ale Bier Pie – hoch und schlittelt nach einem feinen Essen zurück ins Tal. Wir müssen heute zum Glück nirgends mehr hin und verlegen unser Platz nach dem Sonnenuntergang in die gemütliche Stube. Der Kachelofen strahlt eine angenehme Wärme aus und Gaby tischt uns zum zNacht das hausgemachte Fondue auf. Mir wurde im Vorfeld vom Fondue vorgeschwärmt und die Vorschusslorbeeren sind absolut gerechtfertigt. Der perfekte Hüttenabend – inklusive warmen Chriesi-Steinsäckli vom Kachelofen, damit uns unter der Bettdecke nicht die Zehen abfrieren.

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Schneeschuhtour Schanfigg: Tag #2 – Pirigen – Fondei

Am nächsten Morgen haben sich die Wolken vollends verzogen. Nach einem zünftigen Frühstück nehmen wir die zweite Etappe unserer Schneeschuhtour in Angriff. Mit knapp 4 Kilometer Distanz ist die heutige Strecke Berggasthaus Pirigen – Skihaus Casanna deutlich kürzer als diejenige vom Vortag mit gut zehn Kilometern. Dafür gilt es, auf den ersten zwei Kilometern 450 Höhenmetern zu überwinden. Von null auf hundert. Im Gegensatz zum Vortag hatte ich mich gut auf die Route eingestellt und wanderte wacker bergwärts. Der Freund – erstaunt ab meinem Vorwärtsdrang – kam zwischenzeitlich ins Keuchen. Und so erreichten wir schneller als gedacht das Blackter Fürggli.

Schanfigg Arosa Aufstieg Ober Pirigen Blackter Fürggli Skitourenkarte Prättigau

Hier oben halten wir einen Moment inne und geniessen die Aussicht über das Hochtal Fondei. Der darauffolgende Abstieg zum Berghaus Casanna entlockte mir den einen oder anderen Jauchzer. Bei diesem schönen Panoramablick frische Spuren in den Tiefschnee zu setzen macht Freude! Das Kaiserwetter lockt uns beim Skihaus Casanna auf die Terrasse. Ein guter Entscheid! Gastgeberin Carmen Menegon vermag mit ihrer Küche mit regionalen Spezialitäten zu begeistern. Zu Fuss hätten wir von hier gut 1.5 Stunden zurück ins Tal nach Langwies. Schneller geht es mit dem Schlitten, die das Berggasthaus an seine Gäste ausleiht. Ein rasanter Abschluss unserer Zweitagestour, die uns durch eine traumhafte Winterlandschaft führte. Wer den Massen auf den Skipisten ausweichen will, findet zwischen Hochwang und Fondei Ruhe und Natur pur!

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Packen für die Schneeschuhtour: Praktische Tipps

  • Ich trage für Schneeschuhtouren meinen bewährten Zwiebellook mit Icebreaker Unterwäsche, einem Icebreaker Kapuzenjäckchen, Daunenjacke und eine leichte, windabweisende Softshell Tourenhose (bis anhin war ich mit einer normalen Skihose unterwegs, hatte aber viel zu warm darin).
  • Im Rucksack habe ich eine Regenjacke, trockene Ersatzkleidung (Unterwäsche und T-Shirt) und einen Hüttenschlafsack sowie ein schnell trockendes Handtuch dabei.
  • Wer abseits ausgeschilderter Schneeschuhrouten in Skigebieten unterwegs ist, sollte Lawinenschutzgerät (LVS), Schaufel und Sonde dabei haben – respektive das LVS auf der zweiten Kleiderschicht eingeschaltet tragen. Wir haben unser Safety-Set bei Transa gemietet (Kostenpunkt für 2 Personen fürs Wochenende 100 CHF).
  • Swisstopo stellt online für die ganze Schweiz die Ski- und Schneetourenkarte (inkl. Infos zur Hangneigung, Wildschutzgebiete und Wildruhezonen) online zur Verfügung: Skitourenkarte
  • Genügend Flüssigkeit (ich mache mir jeweils mit Honig gesüssten Tee in einer Thermoskanne) sowie etwas zum Knabbern (z.B Nüsse oder dunkle Schokolade) im Rucksack dabei haben.
  • GPS Tourenapp fürs Smartphone installieren (z.B von Schweiz Mobil oder ViewRanger) und die geplante Tour speichern (und einen externen Akku einpacken, da sich die Smartphones bei Kälte schnell entladen).

Hinweis: Diese Schneeschuhtour wurde von Arosa Lenzerheide unterstützt. Besten Dank hierfür. Alle Eindrücke und Meinungen sind wie immer die unseren.

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