Island – auf dem Golden Circle ausgebremst

Island – auf dem Golden Circle ausgebremst

Was tun, wenn man möglichst viel von Island sehen möchte, aber dafür viel zu wenig Zeit zur Verfügung hat? Nachdem klar war, dass es uns Ende November spontan doch noch nach Island verschlägt, stürzte ich mich sofort in die Routenplanung und stellte fest: Island ist gross. Kurz erwog ich, die gesamte Ringstrasse von knapp 1’350 km in zwei Tagen abzufahren. Akute Spinneritis. Rein fahrtechnisch machbar, aber bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und rund sechs Stunden Tageslicht schwachsinnig.

Stattdessen fasste ich den beliebten «Golden Circle» ins Auge. Die klassische Touristenroute ist ab Reykjavik als Tagestour machbar und verbindet drei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands – den Nationalpark Þingvellir, wo die Kontinentalplatten von Amerika und Eurasien aufeinandertreffen, das Geothermalgebiet Haukadalur mit dem regelmässig ausbrechenden Geysir Stokkur und den Wasserfall Gulfoss.

Nicht direkt an der Golden Circle Route, aber auch nicht unrealistisch weit davon entfernt, liegen die beiden Wasserfälle Skogafoss und Seljalandsfoss. Und nachdem einer meiner beiden islandkundigen Kollegen (danke für die vielen Tipps @kusito und @dasrecht) in einem Nebensatz meinte «vom Skogfass sind wir noch bis nach Vik gefahren», war mein Roadtrip geboren: Von Reykjavik zum Sonnenaufgang kurz vor 10 Uhr an den schwarzen Strand bei Vík í Mýrdal düsen. Danach mit Stopps beim Skogafoss und Seljalandsfoss die gleiche Strecke bei Tageslicht bis kurz vor Selfoss zurückfahren, via Route Nr. 30 und 31 zum Gulfoss abbiegen und auf dem Rückweg Richtung Reykjavik beim Geysir und dem Nationalpark Þingvellir vorbeifahren.

Ein Roadtrip mit knapp 500 Kilometern und einer reinen Fahrzeit von etwas über sechs Stunden. Mehr Island-Highlights lassen sich kaum in einen Tag hineinstopfen.

Kurz nach sieben Uhr morgens starteten wir unsere Tour in Reykjavik. Als Erstes steuerte ich das Kex Hostel an, wo ich Ula vom polnischen Reiseblog the adamant wanderer aufgabelte. Sie hatte mich kurz vor der Reise auf der Suche nach einem Reise-Gspänli kontaktiert, und da wir im Auto genügend Platz und die Route bereits geplant hatten, nahmen wir sie auf unseren Golden Circle Roadtrip mit. Für die knapp 200 Kilometer von Reykjavik bis nach Vik sind rund 2.5 Stunden Fahrzeit einzurechnen. Wie traumhaft Island im Winter sein kann, zeigte sich bereits auf der Fahrt durch die Morgendämmerung. Das Licht – einmalig! Die tiefen Sonnenstrahlen lassen die Landschaft den ganzen Tag in einem goldenen Schimmer leuchten. Auch wenn das Glück nicht den ganzen Tag auf unserer Seite war, zumindest wettertechnisch erwischten wir einen Traumtag. Island-Kitsch pur. Da die Bilder für sich sprechen, will ich gar nicht länger labern, sondern euch zeigen, wie schön Island im Winter ist. Enttäuschend war einzig der Seljalandsfoss, der halb vereist im Schatten lag und im Sommer definitiv beeindruckender wirkt.

Sonnenaufgang bei Reynisdrangar, Vík í Mýrdal

schwarzer-Strand-Vík-í-Mýrdal Reynisdrangar-Sonnenaufgang Dykes-Vik-Island Islaendisch-Guten-Morgen

Ringstrasse

Island-Golden-Circle-Roadtrip Suedisland-Landschaft

Skógafoss

Skogafoss-Wasserfall-Island SKogafoss-Roadtrip

Ringstrasse

Roadtrip-Island Suedisland-Katla

Laugaras

Island-Winter Laugaras-Island Winterstimmung-Olfussa-Island Olfussa-Fluss-Island

Golden Circle Highlight Gulfoss Wasserfall

Gulfoss-Golden-Circle Gulfoss-Abendsonne Island-Winterstimmung

Geysir Stokkur

Geysir-Golden-Circle-Island Strokkur-Geysir-Island tag3-60

Schweiz, Polen, Island

Roadtrip-Island-Winter

Alles platt

Kurz nach Haukadalur wurde unser Zeitplan unerwartet über den Haufen geworfen. Bis dahin lief alles wie am Schnürchen und wir hatten tolle Lichtbedingungen für die Bilder – vor allem beim Gulfoss, der seinem Namen im goldigen Abendlicht mehr als gerecht wurde. Der letzte Stopp für diesen Tag wäre im Nationalpark Þingvellir geplant gewesen. Dort wollten wir das Aufeinandertreffen der beiden Kontinentalplatten im roten Abenddämmerungslicht fotografieren.

Doch ein spitzer Gegenstand unter der schneebedeckten Fahrbahn machte uns einen Strich durch die Rechnung. Bei Laugarvatn touchierte ich mit dem Rad eine Unebenheit. Auf den ersten Schreck des Schlenkers folgte der Zweite, als im Auto plötzlich die Warnlichter angingen. Der Stopp am Strassenrand brachte Gewissheit. Ein platter Reifen. Mist. Und das bei -6° C in der Dämmerung rund 80 Kilometer von Reykjavik entfernt.

Als Held des Tages stellte sich der Freund heraus, der als Einziger in unserem Dreier-Reiseteam keinen Führerschein besitzt, sich aber als pragmatischer Reifenwechsler entpuppte. Einziger Haken: Mit Ersatzrad darf man maximal 80 km/h fahren. Weil mir dennoch mulmig zumute war (ist das Rad genug fest angezogen?), war ich dankbar, als uns ein netter Isländer zu einer Autogarage in der Nähe lotste. Dort konnte man uns aber auch nicht weiterhelfen. Der Schlitz war zu gross, um ihn mit Schaum zu flicken. Immerhin konnte er mir hinsichtlich Ersatzreifen grünes Licht geben. Der war nämlich gut montiert. Das wirkte nur bedingt beruhigend. Auf der Rückfahrt nach Reykjavik sass ich wie auf Nadeln hinter dem Steuer, vermied jede Unebenheit und schaute zum Leidwesen der Autos hinter mir peinlich genau darauf, die 80 km/h nicht zu überschreiten.

Meine Learnings:

  • Der Freund kann Reifen wechseln
  • Reifen wechseln ist keine Hexerei (zumindest nicht beim Zuschauen)
  • Mit 80 km/h auf einer Strecke von 90 km/h zum Verkehrshindernis werden ist doof
  • Man sollte sich nicht über langsam fahrende Autos ärgern. Vielleicht sind die ja mit Ersatzreifen unterwegs
  • Ein kaputter Spike-Reifen belastet die Reisekasse mit zusätzlich rund 130 CHF (tja)

Unterwegs waren wir mit einem Renault Megane, bei Avis gemietet. Generell sind die Mietwagen in den Wintermonaten mit Spike-Reifen ausgestattet und das Fahren auf den teilweise schneebedeckten Fahrbahnen ohne grosse Einschränkungen möglich, wobei wir mit unserem Mietwagen nicht auf die F-Strassen durften («off road» Pflicht).

Golden Circle Roadtrip Island Panne

Wir haben Island im Rahmen einer Kampagne der Reisesuchmaschine Kayak individuell bereist. Unter dem Hashtag #kayakhacksiceland teilen insgesamt sieben Europäische Blogger ihre Erlebnisse aus Island.

Kommentare

  • Kathrin November 26, at 09:56

    So tolle Fotos!! Ich will auch unbedingt mal im Winter nach Island. Allein wegen dem Gullfoss mit Schnee und Eis. <3 Mein Programm sah damals während meines langen Wochenendes in Island ziemlich genauso aus, nur dass ich das auf zwei Tage verteilt und dafür eine kleine Wanderung bei Vík addiert habe. :-)Viele Grüße Kathrin

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    • Anita Brechbühl November 26, at 10:55

      Wir nutzten den zweiten vollen Tag für einen Ausflug nach Grundarfjörður, wo wir auch übernachteten :) (zum wandern wäre mir jetzt zu kalt gewesen, aber im Sommer bestimmt super!) Ja, wenn die Sonne scheint, dann ist die Winterlandschaft wirklich ganz zauberhaft.

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  • Jutta November 26, at 20:42

    Ah, einmal Island, immer Island! Ich finde es traumhaft dort, besonders im Winter, wenn die Wasserfälle erstarren, das Licht so wunderschön ist, die Nordlichter - vielleicht - tanzen... und weniger Reisende unterwegs sind : ) Der Gulfoss sieht so schön aus auf deinen Fotos! Viel schöner als ohne Eis und Schnee finde ich. In 10 Tagen unternehme ich meine 5. Reise auf die Insel. Bin gespannt, was ich Neues entdecken werde! Sonnige Grüße, Jutta

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    • Anita Brechbühl November 27, at 16:53

      Wobei, ich war ziemlich erstaunt, wie viele (Bus-)Touristen es trotz Nebensaison hat. Wie muss da wohl im Sommer sein...? Ich wünsche dir eine tolle Reise & Nordlicht-Glück (uns hat das Glück um einen Tag ein Schnippchen geschlagen)

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  • Ula November 26, at 21:08

    The last picture made me smile :))) Great to see those places captured from your perspective!

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  • Eva November 27, at 15:28

    Wunderschöne Bilder und Island ist auch im Winter eine Wucht! Aber eine Mördertour habt ihr da hingelegt. Respekt. Wir waren genau letztes Jahr zur Adventszeit und haben längst nicht so viel geschafft. Allerdings haben wir viel Zeit in Reykjavik "vertrödelt". Das war es aber auch wert. Die Stadt hat sich schnell zu meinen Lieblingsstädten vorgearbeitet. Grüße Eva

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    • Anita Brechbühl November 27, at 16:52

      Danke dir, liebe Eva. Ja, ich hab die Tendenz, meine Reisen jeweils etwas mit Programm zu überfüllen, wobei ich diese Tour zeitmässig ganz okay fand (und ohne Panne hätten wir auch wirklich alles bei Tageslicht gesehen). Bei Reykjavik haben wir vorerst erst "an der Oberfläche" gekratzt. Dafür müssen wir uns beim nächsten Mal etwas mehr Zeit lassen.

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  • Cora November 27, at 17:31

    Wow, was für unglaublich beeindruckende Bilder ihr machen konntet!! Toll, toller, Island, wirklich! Seit ich im Juni 2015 das erste Mal dort war, bin ich verliebt in dieses rauhe und einzigartige Land und möchte auch unbedingt im Winter mal hin. Es ist schon noch mal ganz anders, aber auch ganz anders faszinierend! Und wow, anspruchsvolle Tour für 1 Tag. Wir haben vom Golden Circel nach Vík schon 1 Tag "gebraucht", hatten aber ja auch 10 Tage Zeit für einmal komplett rund zu kommen. Auf jeden Fall: ganz lieben Dank fürs Erzählen und Zeigen! Die Reisesehnsucht ist definitiv wieder geweckt! Liebe Grüße Cora

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    • Anita Brechbühl November 28, at 13:46

      Danke dir Cora! Beim nächsten Mal lassen wir uns bestimmt auch etwas mehr Zeit. Ich kann nur sehr schlecht etwas auslassen, dass sich rein zeitmässig noch "reinpacken" lässt - definitiv nicht meine Kernkompetenz :D

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  • Christian November 29, at 12:17

    Island ist einfach so wunder wunder schön! Bis jetzt war ich zwei Mal dort. Das erste Mal im August und das zweite Mal im November.Beide Monate haben mich total fasziniert. Im August schneite es während wir im Hochland unterwegs waren. Im November war es einfach nur eiskalt und dafür mit klaren Nächten und Polarlicht.Tolle Eindrücke, die du hier auch mitgebracht hast! Uns ging es übrigens mit dem Reifen ähnlich. Im Hochland kurz vor Kerlingarfjöll ist uns ebenfalls der Reifen gerissen. Es war auch bereits Abend, kein Handyempfang, aber zum Glück auch mit Ersatzreifen. Am nächsten Tag sind wir dann auch mit Ersatzreifen nach Blönduós geschlichen und haben eine Werkstatt aufgesucht, wo uns sehr freundlich geholfen wurde.Island ist manchmal wie ein großer Abenteuerspielplatz und gepaart mit dieser wunderschönen Natur vielleicht deswegen so reizvoll?Liebe Grüße und einen schönen ersten Advent!Christian

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    • Anita Brechbühl November 30, at 08:15

      Gut zu hören, dass wir nicht die Einzigen sind, die in Island zum Verkehrshindernis wurden ;) "Abenteuerspielplatz" trifft es glaub ich ziemlich gut. Island bietet eine Art "Wildnis" auf kompaktem Raum, die wir hier in Zentraleuropa so nicht mehr haben und die Lage auf zwei Kontinentalplatten mit all diesen noch aktiven Vulkanen und heissen Quellen fasziniert.

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  • Neni Dezember 02, at 08:08

    Für die kurze Zeit hast du wirklich was tolles rausgeholt. Sieht zu der Jahreszeit aus wie eine perfekte Filmkulisse. Man kann in den Bildern schon sehen, wie klirrend kalt es ist.

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  • Claudia Oktober 17, at 11:39

    Super Bericht, liebe Anita. Ich fliege nächste Woche für zehn Tage nach Island und bin schaurig froh einen so positiven Island-im-November-Erfahrungsbericht gefunden zu haben. Und dank deinen tollen Fotos und Reisetipps ist die Vorfreude nun umso grösser - auch wenn ich wohl noch einen Crash-Kurs im Radwechseln machen werde (oder zumindest ein Video davon aufs Handy lade). Liebe Grüsse, Claudia

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    • Anita Brechbühl Oktober 17, at 16:21

      hahaha - ja das Radwechseln :D ich hoffe mal, es kommt bei dir nicht so weit. Ansonsten hast du ja bei zehn Tagen genügend Zeit, die Insel mit ihren vielen, vielen Highlights ausgiebig zu erkunden. Viel Spass dabei!

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