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Le Locle: 5 gute Gründe für einen Abstecher in die Uhrenstadt

Im Jahr 2009 wurde das kleine jurassische Städtli Le Locle gemeinsam mit dem benachbarten La Chaux-de-Fonds in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Beide Städte wurden nach verheerenden Bränden im frühen 19. Jahrhundert strikte nach den Bedürfnissen der Uhrenindustrie aufgebaut und sind damit besondere städtebauliche Zeitzeugen. Le Locle ist aber nicht nur aufgrund seiner reichen Vergangenheit sehenswert, sondern punktet auch mit zeitgenössischer Kunst und charmanter Kleinstadtatmosphäre.

Le Locle – die Uhrenstadt im Neuenburger Jura

Während ich das benachbarten La Chaux-de-Fonds schon mehr als einmal besucht habe, war mir Le Locle bisher nur als Umsteigeort bekannt. Wer mit dem öffentlichen Verkehr nach Les Brenets an den Saut de Doubs oder ins Sibirien der Schweiz – La Brévine – reist, der kommt beispielsweise in Le Locle vorbei. Eigentlich schade, denn in puncto Sehenswürdigkeiten trifft die Aussage «klein, aber oho» bei Le Locle so ziemlich ins Schwarze. Eine lange Uhrmachertradition, monumentale Bauwerke, ein unterirdisches industrielles Erbe, ein lässiger Street Art-Rundgang und – nicht zu vergessen – eine lebendige Altstadt mit empfehlenswerten Einkehroptionen und der Möglichkeit, in einem Baudenkmal der Uhrmacherei zu übernachten.  

Diesen Herbst nutzten wir die Gelegenheit und hängten an unsere Zweitageswanderung über den Chasseral bis auf den Vue des Alpes einen Sightseeing-Tag in Le Locle an. Wir wollten uns bewusst 24 Stunden Zeit nehmen, um die Kleinstadt im Neuenburger Jura in aller Ausgiebigkeit zu erkunden. Kurzum: Es lohnt sich! Die Details entnehmt ihr den nachfolgenden Zeilen.  

1. Weil Le Locle mit einem spannenden Street Art Rundgang überrascht

Beginnen wir doch grad mit einem absoluten Highlight: Folgt man dem kostenfreien Street Art Rundgang durch die rasterförmig angelegten Strassenzüge des Stadtzentrums von Le Locle schlägt man nämlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Rundgang führt uns zum einen an einer Vielzahl sehenswerter Gebäude, darunter das ehemalige Rathaus mit seinen prunkvollen Fresken und Malereien, vorbei. Zum anderen lädt das «Exomusée Art urbain» dazu ein, verschiedene Techniken der Strassenkunst zu besichtigen. Die meisten Motive setzen sich zudem in mehr oder weniger subtiler Art und Weise mit dem lokalen Erbe auseinander.

Aktuell gibt es über das ganze Stadtgebiet verteilt 31 Kunstwerke zu entdecken – Tendenz steigend. Im Jahr 2022 sind beispielsweise sieben neue Murals dazugekommen. Darunter das einprägsame grossflächige Motiv eines Jungen auf einem Fahrrad namens «jouer avec des bouts de ficelles» vom Künstlerduo Telmo & Miel.

Street Art  Le Locle

Einen Überblick über alle mitwirkenden Künstler/-innen sowie eine digitale Karte mit den verorteten Street Art Spots findet ihr auf der Website des Exomusée. Vor Ort könnt ihr euch auch bei der Touristeninformation (die sich ausserhalb des Zentrums bei den Moulins Souterrains befindet) oder im Maison DuBois mit einem gedruckten Plan ausstatten lassen. Wer effektiv alle Sujets «abklappern» möchte, der sollte hierfür mindestens einen halben Tag einplanen. Für einen Rundgang im Zentrum sind rund zwei Stunden einzurechnen. Mein Lieblingsmotiv ist die präzis dargestellte «Grande Gentiane» von Mona Caron an der Rue Georges-Favre 4.

Mona Caron Grande Gentiane

2. Weil das Musée des beaux-arts mit spannenden Ausstellungen punktet

Wer Le Locle mit der Street Art Karte in der Hand «erforscht», der wird mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit auch am Musée des beaux-arts vorbeispazieren. Dieses befindet sich in einem Jugendstil-Gebäude in der Rue Marie-Anne-Calame direkt gegenüber des Murals von Telmo & Miel. Begeistert haben uns hier die visuell gekonnt kuratierten Sonderausstellungen. Definitiv ein Ort in Le Locle, den sich Kunstinteressierte vormerken sollten!

Musée des Beaux-Arts Le Locle

Geöffnet von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr | Eintritt Erwachsene: 8 CHF | für Kinder, Studierende und mit der Neuenburg Tourist Card ist der Eintritt gratis | Für mehr Infos hier lang: mbal.ch

3. Weil man im Uhrenmuseum in die Geheimnisse der Zeit eintauchen kann

Kein Besuch einer Uhrenstadt ohne Abstecher in das lokale Uhrenmuseum – logo, oder? Und in Le Locle lohnt sich das besonders. Ich dachte nämlich ehrlich gesagt, dass es sich bei unserem Abstecher zum Château des Monts lediglich um eine kurze Stippvisite handeln wird. Doch die im prächtigen Patrizierhaus 20 Fussminuten oberhalb vom Bahnhof Le Locle ausgestellte Sammlung wartet mit faszinierenden Exponaten und einer informativ aufbereiteten Audioguide-Führung auf. Schlussendlich verbrachten wir nahezu zwei Stunden im Museum und waren dabei die ganze Zeit die einzigen Besucher/-innen (was ich kaum glauben konnte!).

Geöffnet von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr (1. November bis 30. April) / 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr (1. Mai bis 31. Oktober) | Eintritt Erwachsene regulär: 10 CHF | für Kinder ab 10 und Studierende: 5 CHF | gratis Eintritt mit Neuenburg Tourist Card | Für mehr Infos hier lang: Musée d’Horlogerie du Locle

4. Weil im Bistro Fleur de Lis feine regionale Gerichte aufgetischt werden

Wer Le Locle besucht, der sollte sich auch das gleichnamige Bistro im Hôtel de la Fleur de Lis vormerken. Hier wird in gemütlichem Ambiente eine schmackhafte und preiswerte Marktküche aufgetischt. Das kulinarische Angebot umfasst auch ein täglich wechselndes Mittagsmenü für 18 CHF (inkl. veganer Option). Und auf der Abendkarte steht ein Mix aus modern interpretierten regionalen Klassikern und ein paar gewagteren Kombinationen zur Auswahl. In puncto lokaler Getränkebegleitung erkundigt ihr euch am besten beim freundlichen Team nach tagesaktuellen Tipps.      

La Fleur de Lis Bistro in Le Locle

5. Weil man mitten in Le Locle in einem der ältesten Häuser der Uhrmacherei übernachten kann

Jetzt kann man obengenannte Sehenswürdigkeiten von Le Locle im Rahmen eines Tagesausflugs besichtigen oder aber – und das wäre mein fünfter Tipp – den Ausflug zu einem Kurztrip mit einer Übernachtung im Maison DuBois verlängern. Das hat nicht nur den Vorteil, dass du ab einer Übernachtung mit der Neuenburg Tourist Card ausgestattet wirst und dir damit den Museumseintritt sparst, sondern du erhältst im zentral gelegenen Bed & Breakfast auch einen Einblick in das Leben als Uhrmacherfamilie im 19. Jahrhundert. Beim Maison DuBois handelt es sich nämlich um eines der ältesten Häuser der Schweizer Uhrmacherei. So wird zum Beispiel das Frühstücksbuffet im einstigen Atelier direkt auf der originalen Uhrmacher-Werkbank aufgetischt.

Frühstück im Maison Du Bois Le Locle

Das Maison DuBois hat fünf thematische Gästezimmer. Wir haben eine Nacht im Zimmer «Zen» (ab 96 CHF bei Einzelbelegung, ab 132 CHF als Doppelzimmer | Frühstück + 12 CHF pro Person) verbracht. Definitiv eine empfehlenswerte Basis, um Le Locle zu entdecken.

Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten: Maison DuBois – Chambres d’Hôtes

Weitere Tipps und Sehenswürdigkeiten rund um Le Locle

  • Eine weitere Attraktion von Le Locle sind die sogenannten Moulins Souterrains etwas ausserhalb vom Stadtzentrum. Es handelt sich hierbei um tief unter der Erde im 17. Jahrhundert gebaute Hydraulikmühlen. Ein Ausflugsziel, das sich übrigens auch bestens als Schlechtwetteroption eignet oder an heissen Sommertagen Abkühlung garantiert. Mehr Infos findet ihr hier: lesmoulins.ch
  • Le Locle lässt sich nicht nur auf dem Street Art Rundgang erkunden – es gibt auch einen sogenannten «Parcours Uhrmacher» mit 39 Stationen. Die dazugehörende Karte findet ihr auf der Website von Jura & Drei-Seen-Land
  • Le Locle eignet sich auch bestens als Basis, um von hier aus weitere sehenswerte Orte des Neuenburger Juras (u.a. den Saut du Doubs) zu besuchen und Wanderungen zu unternehmen.

Hinweis: unser Aufenthalt in Le Locle wurde von Jura & Drei-Seen-Land unterstützt. Alle Eindrücke und Tipps in diesem Beitrag sind sind wie immer unabhängig davon eigenständig durch uns recherchiert und dokumentiert worden.

Über den Autor

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Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.
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