EuropaNorwegen

Mini Roadtrip durch Mittelnorwegen

Bis zur letzten Minute war ich überzeugt, dass es schon irgendeinen Weg gibt, Gjendesheim mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen. Am Schluss musste ich kapitulieren. Wir waren exakt eine Woche zu früh. Der Bus ab Otta nahm den Betrieb erst in der letzten Juni-Woche wieder auf. So blieben uns zwei Alternativen – Autostopp oder Mietauto. Da mir bei Ersterem der Unsicherheitsfaktor hinsichtlich unseres doch eher streng getakteten Reiseplans zu gross schien, entschied ich mich nach einem kurzen Kampf mit mir selbst für das Mietauto. Es schmerzte mich ein klitzekleines bisschen, dass unser Plan, Norwegen nur mit Bahn, Bus und Schiff zu bereisen, wegen des Abstechers in den Jotunheimen Nationalpark, ins Wasser fiel. Noch mehr schmerzte mich diese Tatsache aber, als ich bei der Last-Minute-Recherche feststellte, wie teuer es ist, ein Auto für vier Tage zu mieten. Da die Preise für einen Automaten (4 Tage ab Trondheim bis Oslo Flughafen) auf den Webseiten der gängigen Mietwagenanbieter so horrend hoch waren, entschied ich mich, direkt vor Ort zu verhandeln. Da das Autofahren für mich eh schon exotisch genug ist, hatte ich es bisher vorgezogen, vor der Reise alle Mietwagenbelange abgeklärt zu haben. Zur Nervenberuhigung.

In Trondheim stellte sich dann aber schnell heraus, dass das Nervenflattern unnötig gewesen wäre. Inmitten des Stadtzentrums befindet sich eine Avis-Mietstation, die mir zu meiner Überraschung ein günstigeres Angebot machte, als die 30 km entfernte Station am Flughafen Trondheim (gemäss online-Preisvergleich) und mir gleichzeitig versprach, den Automaten ohne Aufpreis am Flughafen zu holen und ins Stadtzentrum zu fahren (gemäss Webseite kann man Automaten nur am Flughafen anmieten).

Für umgerechnet rund 550 CHF mieteten wir also direkt vor Ort einen sportlichen Audi A3 mit einem Automatikgetriebe für die letzten vier Tage unserer Norwegen-Reise. Die Rückführungskosten des Autos von Oslo nach Trondheim machten übrigens ca. einen Drittel des bezahlten Betrages aus (es würde sich also lohnen, die gleiche Anmiet- und Abgabestation zu wählen…).

Beinahe wäre aber das Abenteuer „Roadtrip durch Mittelnorwegen“ schon während der ersten Stunde gescheitert. Zuerst übte ich ca. 15 Minuten, bis ich fähig war, den Motor zu starten (zu meiner Verteidigung: das letzte Mal sass ich vor mehr als einem Jahr in Florida am Steuer). Danach irrte ich in Trondheim von Einbahnstrasse zu Einbahnstrasse und schrammte knapp am Nervenzusammenbruch vorbei. Nachdem wir endlich die Auffahrt auf die E6 gefunden hatten (der Freund mit dem Navi war dabei nicht wirklich die grosse Hilfe), beruhigte ich mich langsam wieder.

Die erste Tagesetappe beinhaltet etwas über 300 Kilometer von Trondheim die E6 südwärts nach Gjendesheim. Die E6 schlängelt sich dabei zuerst gemütlich durch kleine Ortschaften Mittelnorwegens und bewegt sich dann langsam Richtung Gebirge zu. Nachdem ich mich endlich „eingefahren“ habe, kramt der Freund in der Fototasche. „Was willst du?“, frage ich irritiert. „Die Kamera hervornehmen, damit ich bereit bin, wenn ein Elch die Strasse quert“. „Ach, hör doch auf mit dem Quatsch, hier quert doch eh kein Elch die Strasse“, meine ich darauf. Keine zehn Minuten später drücke ich mit dem Fluss reflexartig die Bremsen „da, ein Elch!“, rufe ich lauthals. Keine dreissig Minuten auf Norwegens Strassen unterwegs und schon quert direkt vor uns eine elegante Elchdame die Strasse. Zu gern hätte ich euch das Beweisfoto gezeigt, aber tja, die Kamera blieb ja auf mein Insistieren in der Tasche.

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Zwischenstopp im Dovrefjell Nationalpark

Nach diesem unerwarteten Ereignis verläuft die Fahrt ohne nennenswerte Zwischenfälle. Schnell einmal ist mir das Tempo viel zu langsam. Nur auf wenigen Teilstrecken sind mehr als 70 km/h zugelassen. In Dovre machen wir einen kurzen Zwischenhalt und wandern vom Parkplatz rund eine Stunde zum architektonisch interessanten Snøhetta Aussichtspunkt. Von dort oben gibt es einen Panoramablick über den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark. Mit viel Glück und Feldstecher können auch wilde Rentiere gesichtet werden.

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Tagesziel Jotunheimen Nationalpark

Gjendesheim erreichen wir nach einer gemütlichen Fahrt gegen 17:00 Uhr. Der Parkplatz ist für Gäste der Berghütte kostenlos. Nachdem ich mich endlich wieder eingefahren habe, finde ich es fast ein bisschen Schade, dass ich nun bereits wieder einen ganzen Tag „Auto-Pause“ haben werden. Auf uns wartet nämlich am nächsten Morgen die Besseggen Ridge, die wir zu Fuss bewältigen müssen.

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Abstecher ins Rondane Massiv

Für die letzten beiden Tage hatten wir im Vorfeld gar keine Pläne geschmiedet. In Gjendesheim entscheiden wir spontan, den zweitletzten Tag mit einem Abstecher in den Rondane Nationalpark zu starten und in Lillehammer zu übernachten. Mit rund 200 Kilometern eine gemütliche Tagesetappe, auch wenn die kurvige Fahrt ins Rondane Massiv hoch, meine ganze Konzentration erfordert. Der Rondane Nationalpark ist der älteste Nationalpark Norwegens und bildet mit seiner ausgedehnten Hochebene, die mehrheitlich von Moosen bewachsen ist, ein surreales Landschaftsbild. Irgendwie wie auf dem Mond – nur in Grün. Wir fahren bis zum letzten Parkplatz, der sich auf der Hochebene befindet. Von hier starten diverse Wanderstrecken zu den Berghütten. Wir entscheiden uns für eine kurze Route (rund eine Stunde) zum Wasserfall, dessen Name ich leider bis heute nicht herausgefunden habe.

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Letzter Halt in Lillehammer

Am Abend erkunden wir die wohl sportlichste Stadt Norwegens – Lillehammer. Nebst den Olympischen Stätten und dem Olympiamuseum, bietet die Kleinstadt eine idyllische Einkaufsstrasse, und einen netten Stadtpark mit gutem Parkcafé (Storgata 26). Auf keinem Fall verpassen sollte man aber das überaus entzückende Atelier Kakao (Storgata 46). Hier lässt sich besonders gut mit Kaffee und Schokoladenkuchen in den Tag starten.

Übernachtet haben wir im Clarion Collection Hotel Hammer an zentraler Lage. Direkt vor dem Hotel gibt es Parkplätze, die über die Nacht kostenlos benutzt werden dürfen. Am Tag muss eine Parkgebühr bezahlt werden.

Auf den letzten 150 Kilometern bis zum Flughafen Oslo darf ich dann endlich auch einmal etwas mehr als 70 km/h fahren. Das höchste der Gefühle sind 100 km/h auf den zweispurigen Teilstrecken der Autobahn. Das Fazit nach vier Tagen Auto-Abenteuer fällt positiv aus. Spontane Zwischenstopps und Abstecher in Nationalparks wären mit dem öffentlichen Verkehr kaum möglich gewesen. Es sind nebst der Mietgebühr auch nur wenige Zusatzkosten – einmal Volltanken und Mautgebühr – angefallen. Und zu guter Letzt habe ich mich einmal mehr hinters Steuer gewagt und entgegen meinen Befürchtungen mit Bravour reüssiert.

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