Ein Dinner im besten Restaurant der Welt – unser Citytrip nach Modena

Ein Dinner im besten Restaurant der Welt – unser Citytrip nach Modena

«Eigentlich müssten wir die Gelegenheit am Schopf packen», so unser Gedanke, als letzten Juni die Osteria Francescana in Modena zum zweiten Mal die Goldmedaille als bestes Restaurant der Welt erhielt. Zürich – Modena ist bestens mit dem Zug verbunden und bietet sich somit für einen Kurztrip der kulinarischen Extraklasse an.

Seit 2002 kürt «the Worlds 50 best restaurants» jährlich die top Restaurants dieser Welt. Im Gegensatz zu anderen Rankings (wie z.B la Liste) sind in die Auszeichnung der weltweit 50 besten Restaurants über 1’000 fachkundige, anonyme Juroren involviert. Das verleiht der Liste eine gewisse Relevanz, auch wenn einzelne Positionen – wie zum Beispiel der hervorragende 15. Platz vom White Rabbit in Moskau – durchaus Fragezeichen hervorrufen. Da es in Südamerika keine Michelin-Sterne als Anhaltspunkte gibt, haben wir uns Ende 2017 im Hinblick auf unseren Abstecher in die Foodie-Metropole Lima zum ersten Mal mit der «50 Best» Liste beschäftigt und dort dann auch die aktuelle Nummer 6 (Central) und Nummer 7 (Maido) besucht. Die Top-Platzierung der Osteria Francescana im Juni 2018 (bereits zum zweiten Mal nach 2016) brachte dann Modena auf unseren Reiseradar.

Ein Tag in Modena: Ferrari, Pavarotti & das beste Restaurant der Welt

Modena liegt rund 170 Kilometer südöstlich von Mailand in der Emilia-Romagna und beherbergt einige Schätze; darunter der edle «Aceto di Balsamico di Modena» sowie eine der herausragendsten romanischen Kathedralen. Seit 1997 ist das Ensemble aus Dom, Torre Ghirlandina und Piazza Grande als Weltkulturerbe klassiert. Zudem ist Modena die Geburtsstätte zweier bedeutender Italiener. Der Gründer des Sport- und Rennwagenherstellers Ferrari Enzo Ferrari sowie der Opernsänger Luciano Pavarotti sind nebst Massimo Bottura – dem Koch der Osteria Francescana – die bekanntesten Persönlichkeiten von Modena.

Wer seinen Citytrip nach Modena mit einem Essen in der Osteria Francescana verbinden möchte, der braucht Geduld. Die Reservationsfenster öffnen jeweils drei Monate im Voraus zu einem fixen Zeitpunkt. Ich benötigte drei Anläufe, bis ich endlich einen der begehrten Tische ergatterte. Die Reservationen müssen erst drei Tage vor dem anstehenden Termin definitiv bestätigt werden, was einem etwas Spielraum lässt. Aber wer will schon den hart «erkämpften» Platz aufgeben. Und so machten wir uns letzten Samstag zur frühen Morgenstunde auf dem Weg Richtung Modena. Abzüglich der Zugfahrt blieb uns ein Zeitfenster von 25 Stunden, um die Stadt zu entdecken und uns vom besten Restaurant der Welt verwöhnen zu lassen.  

12:00 Uhr: Pastaplausch zum Auftakt

Wir erreichen Modena kurz vor 12 Uhr und marschieren vom Bahnhof schnurstracks Richtung Trattoria Aldina im Stadtzentrum. Da wir im Vorfeld nicht reserviert hatten und gute Trattorias an Samstagen beliebt sind, befürchteten wir, keinen Platz mehr zu kriegen. Vor lauter Hektik verpassten wir im ersten Anlauf den Eingang zum Lokal, das sich im ersten Stock hinter einer unscheinbaren braunen Tür versteckt. Unsere Eile war aber keineswegs unbegründet. Während wir kurz nach 12 Uhr noch einen Tisch erhielten, war das Restaurant keine 10 Minuten später bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer nicht direkt einen Platz erhält, kann sich auf eine Liste eintragen lassen und vor der Tür in eine Schlange reihen. Zwei weitere Mittagslokale, die ihr als Option zur Trattoria Aldina in Betracht ziehen könnt, sind die Hosteria Giusti (online Reservation möglich – nur 4 Tische) sowie das zweite von Massimo Bottura betriebene Lokal die Osteria Franceschetta 58.

Osteria Aldina Modena

14:00 Uhr: Caffè, Dolci & Gelati

Die Trattoria Aldina befindet sich vis-à-vis der historischen Markthalle Mercato Albinelli. Dieser hat mit Ausnahme vom Sonntag jeweils bis 14:30 Uhr geöffnet (und je nach Wochentag am Abend ab 18:00 Uhr). Auf dem Markt findet ihr unter anderem die lokale Spezialität «Amaretti di Modena», die hervorragend zu einem Macchiato passt.

Marcato Albinelli Modena
Amaretti die Modena

Und da es für mich keinen Italientrip ohne Glacé gibt, haben wir danach noch die Gelateria Bloom angesteuert. Wenn die Osteria Francescana das beste Restaurant der Welt ist, dann ist die Gelateria Bloom mindestens die beste Gelateria der Emilia-Romagna – die saisonalen Eissorten schmecken göttlich!

Bloom Gelateria Modena

16:00 Uhr: schnelle Boliden & Opernstars

Enzo Ferrari oder Luciano Pavarotti? der Blick auf die Karte nahm uns die Entscheidung, welcher der beiden Persönlichkeiten wir uns nun widmen, schnell ab. Das Museo Enzo Ferrari liegt in fussläufiger Distanz zum Zentrum, während das Casa Museo Luciano Pavarotti rund sieben Kilometer südlich vom Stadtzentrum liegt. Das Ferrarimuseum gibt einen Abriss über die Entwicklung der lokalen Automobilindustrie und zeigt ausgewählte Ferrari Modelle und Motoren. Ich bin definitiv nicht autoaffin, aber finde, dass sich der Besuch dennoch lohnt (Eintritt Einzelticket 16 Euro).

Alfredo Ferrari Modena
Museo Enzi Ferrari in Modena
Ferrarimuseum in Modena

18:00 Uhr: Aperitivo o’clock

Ähnlich wie die Gelati, gehört für mich auch der Aperitivo zum Pflichtprogramm bei einem Abstecher nach Italien. Ein lässiges Lokal hierfür ist das Mon Cafè am Corso Canalchiaro. Die Betreiber des Lokals führen gleichzeitig ein Bed & Breakfast (B&B Quartopiano). Aufgrund unseres kurzfristigen Entscheids, den Weekendtrip nach Modena tatsächlich umzusetzen, war das B&B leider schon ausgebucht – ansonsten hätten wir gerne dort übernachtet (auch wenn das Buchungsprozedere umständlich ist, da kein Belegungsplan online ist und man die Verfügbarkeit der Zimmer per Mail anfragen muss).

20:00 Uhr: Fine Dining in der Osteria Francescana

Dann ist es so weit, das Dinner im aktuell besten Restaurant der Welt steht auf dem Programm. Die Osteria Francescana versteckt sich dezent hinter einer pinkfarbenen Fassade. Ich bin positiv überrascht, wie klein und familiär das Restaurant ist. Die Tische verteilen sich auf verschiedene Räume – wir sind in einem Raum mit insgesamt drei Tischen. Total sind es 12 Tische.

Beste Restaurant der Welt Modena

Es besteht die Möglichkeit, à la Carte zu bestellen. Wir waren uns aber schon im Vorfeld einig, dass wir das «Tutto Menu» inklusive Weinbegleitung degustieren werden. Das ist zwar ein teurer Spass (Kosten: Menu 270 Euro, Weinbegleitung 180 Euro), aber es lohnt sich!

Massimo Botturas kreative Ader zeigt sich schon bei der Bezeichnung der einzelnen Gerichte. Was sich wohl hinter «Quando mia mamma incontro Bocuse» versteckt? Als rote Linie zieht sich die Integration von lokalen Produkten wie Parmesan und Aceto di Balsamico durchs Menü. Ich mag eine einfach verständliche Küche, die es versteht, ohne viel Firlefanz Geschmack-Bouquets zu entfalten. Und genau das schafft die Osteria Francescana. Dass zum fünften Gang – noch vor der Hauptspeise – ein süffig süsser Sauternes ausgeschenkt wird, mag irritieren. Aber es passt zum süss-herben Wechselspiel des Menüs und zum Titel des Gangs – wir sind hier nämlich bei Bocuse angelangt. Später, wir probieren uns durch die drei Komponenten des Hauptgangs, macht der Chef höchstpersönlich die Runde, parliert entspannt mit den Gästen und grinst, als ich ihn frage, ob seine Mamma denn tatsächlich Bocuse getroffen hätte. Der Süsswein zur Soufflé-Variation à la Bottura ist dann auch – wie ich vermutet habe – mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Auch wenn wir keine Fans von Superlativen sind und der Titel «bestes Restaurant der Welt» reisserisch sein mag, trägt zumindest in diesem Jahr jemanden den Titel, der sein Handwerk versteht und trotz konstantem Erfolg auf dem Boden geblieben ist. Selbst wenn bei der nächsten Titelvergabe die Goldmedaille einem anderen Koch gereicht wird, ist Massimo Botturas Küche nach wie vor mit drei Michelin Sternen ausgezeichnet.

Die einzelnen Komponenten des «Tutto Menu» ändern regelmässig. Uns wurde folgende Abfolge aufgetischt (die Bilder sind in entsprechender Reihenfolge abgebildet):

Amouse Bouche
Autumn in New York as the journey of the eel
Burnt (Calamaribrühe mit einer «Tintenfisch-Waffel»)
Mediterranean Sole
Wagyu no wagyu (das eigentlich Schweinebauch ist)
When my mom met Bocuse (Soufflé mit Pilzen & Schnecken)
Five ages of Parmigiano Reggiano, in different textures & temperatures
Ravioli of roasted potatos in roasted Guines hen sauce
Guinea hen a la Crete… tribute to the Cantarellis
Guinea hen crunchy skin, savor livers & truffle
Pumpkin risotto
Oops! I dropped the lemon tart (Titelbilde des Beitrages)

Friandise

9:00 Uhr: Café Nostalgie

Das Abendessen in der Osteria Francescana dauert bis kurz vor Mitternacht, dementsprechend starten wir gemächlich in den Sonntag. Empfehlenswert sind die nostalgische Caffetteria Giusti sowie das Ristrettocafè (hat jedoch am Sonntag geschlossen).

Streets of Modena

11:00 Uhr: Stadtbummel

Wir hatten gehofft, dass sich die Sonne am Sonntagmorgen durchzusetzen vermag, doch die zähe Hochnebelschicht lockert sich nicht. Trotzdem unternehmen wir einen Rundgang durch die hübschen Altstadtgassen mit ihren regenbogenfarbenen Fassaden. Einzig der Abstecher auf den Torre Ghirlandina ist eine Enttäuschung. Das Wahrzeichen von Modena bietet uns nicht wie erwartet einen tollen Vogelblick über den Stadtkern, sondern empfängt uns mit dreckigen Scheiben und engmaschigen Gittern. Tja, Schade! Eventuell werden in den Sommermonaten die Scheiben entfernt – ansonsten könnt ihr euch die drei Euro getrost sparen.

Dom Modena
Modena Unesco Altstadt

13:00 Uhr: Arrivederci

Ein nettes Lokal zu finden, dass am Sonntagmittag geöffnet hat, ist tricky. Die meisten Restaurants bleiben nämlich geschlossen. Wer nochmals Lust auf traditionelle Kost hat, dem sei an dieser Stelle das Ristorante da Enzo empfohlen. Unweit davon befindet sich die relativ neue Pinseria Tre Farine, die 2018 eröffnet hat und auch Sonntags leckere Pinsa-Variationen zu einem fairen Preis auftischt.

Pinseria in Modena

Praktische Tipps für deinen Weekendtrip nach Modena

  • Übernachtet haben wir im Hotel Cervetta 5 an zentraler Lage (5 min von der Kathedrale und 10 Minuten von der Osteria Francescana entfernt). Eine Nacht im Doppelzimmer hat uns mit Frühstück und Taxen 127 Euro gekostet.
  • Modena erreicht ihr ab Zürich HB mit dem Zug mit einmal Umsteigen in Mailand in 5.5 – 6.5 Stunden. Wir haben die Zugtickets kurzfristig gekauft (online via sbb.ch) und mit GA 87 CHF für Hin- und Rückweg bezahlt.
  • Das Reservationsfenster für die begehrten Tische in der Osteria Francescana öffnet jeweils am Ersten des Monats (drei Monate im voraus) um 10:00 Uhr. Weitere Infos findet ihr auf der Website des Restaurants. 3 Tage vor dem Termin muss die Reservation definitiv bestätigt werden – vorher kann jederzeit kostenlos storniert werden.
  • Viele weitere hilfreiche Tipps rund um Modena findet ihr auf dem Blog My Modena Diary.
  • Ein Weekendtrip nach Modena lässt sich mit einem Abstecher nach Bologna und / oder Parma kombinieren.

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