Riederalp-Belalp mit Hängebrücken Mutprobe

Riederalp-Belalp mit Hängebrücken Mutprobe

Eigentlich wollten wir am 1. August den Klassiker im Berner Oberland in Angriff nehmen – von der Griesalp über das Hohtürli mit Stopp bei der Blüemlisalphütte zum tiefblauen Oeschienensee. 1‘400 Höhenmeter in rund 6 Stunden – soweit die Fakten. Doch wie so oft in diesem Sommer liess uns die durchzogene Wetterprognose an unserer Routenwahl zweifeln. Je nach Meteoseite wurden Gewitter wahlweise ab 10:00, 12:00 oder 14:00 angekündigt. Kurz: selbst die Profis hatten keine Ahnung, wie beständig der Freitag nun sein würde. Für eine sechsstündige Wanderung durch ausgesetztes Berggebiet nicht unbedingt die beste Ausgangslage. Darauf entschieden wir uns spontan, mal wieder einen Abstecher ins Wallis zu unternehmen.

So setzten wir uns am Freitagmorgen um 06:25 Uhr in einen nahezu leeren Intercity nach Brig. Wir waren so früh unterwegs, damit wir die Wanderung noch vor 8 Uhr in Angriff nehmen können, um möglichen Nachmittagsgewittern auszuweichen. Kurz vor dem Lötschberg-Tunnel Portal bei Frutigen erhaschten wir einen Blick auf die sonnenbeleuchtete Blüemlisalp bevor wir nach einer 20 minütigen Fahrt durch die Dunkelheit im wolkenverhangenen Rhonetal wieder ausgespuckt wurden. Das kann doch nicht sein?! Nicht mal mehr auf das Wallis ist Verlass.

Nach zweimal umsteigen in Brig und Mörel stehen wir um Punkt 07:50 Uhr auf der Riederalp, die ich bisher nur in ihrem Winter-Look kenne (übrigens, ein tolles Skigebiet). Das Gebiet Riederalp, Bettmeralp, Fiescheralp bietet zahlreiche abwechslungsreiche Wanderungen mit fantastischen Ausblicken auf das einmalige Eismeer des Grossen Aletschgletschers. Die Zahlen zum Gletscher sind Superlativen – 86 Quadratkilometer misst die Eisfläche (als Vergleich: das Gemeindegebiet der Stadt Zürich ist rund 91 Quadratkilometer gross) und an manchen Stellen reicht der Gletscher bis zu 900 m in die Tiefe. Wir haben uns für eine Route entschieden, die uns besonders nahe ans Eis bringt.

Wir starten die Wanderung mit einem Aufstieg zur Riederfurka. Ab hier führt der Wanderung bergab durch den geschützten Aletschwald. Der Bergwald ist mit seinen lichten Beständen aus Arven, Fichten und Lärchen ein kleines Naturparadies, wo sich mit etwas Glück auch zahlreiche Tiere beobachten lassen. Da wir so früh unterwegs sind, treffen wir am Wegrand auf einige freche Gämsen, die sich von unserer Anwesenheit kaum stören lassen. Nach einem steilen, kniffligen Wegstück im untersten Bereich des „Teife Wald“ erreichen wir den Grünsee, der eine Kuhle in einem der mächtigen, ausgeschliffenen Steine am Rande des ehemaligen Gletscherbereichs füllt.

RIederal-Mitte-Aussicht Riederalp-Riederfurka Riederalp-Blumenwiese Riederalp-Blumen Riederfurka-Aussicht-Belalp Aletschwald Aletschwald-Gemse Aletschwald-Teiffe-Wald Aletschgletscher-Moräne Riederalp-Grünsee

Hängebrücke Belalp-Riederalp

Ab hier sind es nur noch wenige Minuten bis zum Kernstück der Wanderung – die Hängebrücke über die bis zu 80 m tiefe Massaschlucht. 2008 wurde mit der Brücke eine spektakuläre Verbindung zwischen der Riederalp und Belalp vor dem Gletschertor des Aletschgletschers geschaffen. Ein bisschen Mut braucht es schon, um einen Fuss auf die 124 m freihängende Konstruktion zu setzen. Da wir so früh unterwegs sind, haben wir die Brücke zum Glück für uns. Wenn man alleine darüber spaziert, sind nämlich die Schwingungen nicht so bedrohlich und wir schaffen die Mutprobe mit Bravour. Selbst ein kurzer Fotostopp in der Mitte, hoch über der tosenden Schlucht, liegt drin.

Hängebrücke-Belalp-Riederalp Sicht-Gletschertor

Sicher auf der anderen Seite angekommen, werden wir mit freundlichem Sonnenschein begrüsst. Nun folgt ein hartes Stück Arbeit. Diese Wanderung führt nämlich – egal, in welche Richtung man sie begeht – zuerst abwärts. Nun müssen wir wieder an Höhe gewinnen. Mit der markanten Kapelle beim Hotel Belalp als Ziel vor Augen, setzen wir gemächlich Fuss vor Fuss bergwärts. Auf dieser Seite kreuzen wir nun auch die ersten Weggefährten, die nicht ganz so früh wie wir gestartet sind und die Wanderung in umgekehrte Richtung begehen.

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Vorbei am idyllischen „Aletschji“ führt das letzte Wegstück steil aufwärts und bietet einen stetig wechselnden Blick auf den Aletschgletscher. Es lohnt sich, zum Verschnaufen zwischendurch innezuhalten und sich umzudrehen. Nachdem auch der steilste Abschnitt die „Steigle“ hinauf geschafft ist, geniessen wir von der Aussichtsplattform beim Hotel Belalp den letzten Blick auf das beeindruckende Bergpanorama und die aus dieser Perspektive winzig erscheinende Hängebrücke und wandern anschliessend noch die letzten 20 Minuten zur Gondelstation weiter.

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Wettertechnisch hatten wir unterwegs übrigens das ganze Programm – von einem kurzen Regenguss, über Nebelschwaden, dicken Wolken bis hin zu prallem Sonnenschein. Aber das wäre auch im Berner Oberland nicht anders gewesen.

Die Karte zeigt unseren Routenverlauf. Die Strecke ist rund 11 km lang und beinhaltet eine Steigung von 870 Höhenmetern und ein Gefälle von rund 675 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt rund 4.5 Stunden. Belalp ab Brig mit Postauto und Seilbahn (7 CHF für GA-Besitzer) und Riederalp ab Mörel mit Seilbahn (kostenlos für GA-Besitzer) erreichbar.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Natischer August 03, at 13:25

    Die Riederalp hat ein tolles Skigebiet?? Das wusste ich ja gar nicht ... ;)Ich empfehle wie immer das Skifahren auf der Belalp.

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    • Anita Brechbühl August 03, at 14:50

      Ok ich präzisiere: das Skigebiet Riederalp-Bettmeralp mag ich gerne (und wir starten immer auf der Riederalp, weil man die schneller erreicht :)) - Auf der Belalp war ich mal als Dreikäsehoch - behaupten zumindest meine Eltern - aber die Empfehlung wird notiert :D

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  • Urs Kyburz August 03, at 17:40

    Gibt es im Hotel Belalp immer noch die riesigen Nussgipfel? Wir wollten mal die ganze Tagesproduktion abkaufen, aber der Ober wollte nicht alle rausrücken.

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    • Anita Brechbühl August 03, at 18:23

      Wir haben äs bizeli gehetzt, um die Gondel zu erwischen (weil's nur alle zwei Stunden eine "schnelle" Verbindung in Richtung Thun gibt) und daher untypischerweise auf einen Nussgipfel-Stopp verzichtet. Leider!

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  • Karina August 06, at 10:08

    Liebe Anita,was ich dir schon länger mal sagen wollte: deine Bilder sind der absolute Knaller. Traumhaft schön und absolut fernwehverursachend. *ichwillweg* ;-)Liebe Grüße, Karina

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  • Helene Mai 01, at 20:48

    Hi Anita, dein Blog ist Inspiration für viele meiner Exkursionen in der Schweiz im Rahmen meines Erasmussemesters! Richtig tolle Ideen bekomme ich von dir! Nun besuchen mich meine Eltern hier in der Schweiz und ich würde ihnen so gerne das wundervolle Bergpanorama aus deinem Beitrag zeigen, da wir aber mit dem Auto fahren, ist es problematisch wenn wir woanders ankommen als wir losgehen. Weißt du eine Möglichkeit wie wir die Hängebrücken-Tour trotzdem machen können mit einem Start und Zielpunkt? Vielen lieben Dank!

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    • Anita Brechbühl Mai 02, at 08:12

      Liebe Helene besten Dank für deinen Kommentar, das freut mich! Die Hängebrücken-Tour ist nicht als Rundwanderung möglich. Eine Alternative ist, dass ihr dann mit dem ÖV von der Belalp zurück zur Riederalp fährt (mit dem Postauto via Brig dauert das nicht so lange). Oder aber ihr macht die Tour, die ich hier http://www.travelita.ch/morgenstund-hat-gold-im-mund/ beschrieben habe. Der Aletsch Panoramaweg Richtung Märjelensee (Startpunkt Bettmeralp, unten bei der Talstation hat es einen grossen Parkplatz). Das ist eine Rundwanderung und genauso schön wie die Etappe Riederalp-Belalp.

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