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Salve Trier – unterwegs im Rom des Nordens

Die fehlende Geduld gepaart mit einer reichen Fantasie attestierte mir mein Lateinlehrer als meine grösste Schwäche. Für mich war diese Schwäche in Ordnung. Mit meiner Übersetzungstechnik frei nach dem Prinzip „Fantasie“ ermogelte ich mir immerhin das Kleine Latinum. Mich interessierte nämlich weniger die Sprache an sich sondern viel mehr die Kultur und Geschichten der Römer. Diese Faszination hat bis heute angehalten und lockte mich am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal nach Trier. Bei meinem ersten Besuch lief mir der Schweiss nur so runter. Es war an einem brütend heissen Junitag. Ausser der Porta Nigra und dem angenehm kühlen Innern des Doms blieb mir nichts im Gedächtnis haften. Wir fokussierten uns damals einzig und allein auf die Mission, ein Freibad zu finden. Das an jenem Tag proppenvolle Freibad Nord in Sichtweite zur träge dahinfliessenden Mosel ist somit mein dritter Erinnerungsfetzen an Trier. Diesmal war Abkühlung unsere geringste Sorge. Trier empfing uns Grau in Grau und behielt das Tenue hartnäckig an. Aber was soll’s, so erhielten wenigsten die römischen Bauwerke meine vollste Aufmerksamkeit.

Damals in Augusta Treverorum – Start beim Stadttor Porta Nigra

Trier wurde um 17 vor Chr. als Augusta Treverorum durch Kaiser Augustus gegründet und bezeichnet sich im Hinblick auf die lange Stadtgeschichte selbst als älteste Stadt Deutschlands. Ob dies wirklich stimmt, ist nicht abschliessend geklärt. Ebenfalls in Diskussion stehen Neuss, Kempten, Worms oder Augsburg. Dem Reichtum an antiken Denkmälern verdankt die Stadt aber den UNESCO Titel. Neun römische Baudenkmäler (Porta Nigra, Konstantin Basilika, Kaiserthermen, Amphitheater, Dom, Liebfrauenkirche, Römerbrücke, Barbarathermen, Igeler-Säule) sind seit 1986 UNESCO Weltkulturerbe und die touristische Hauptattraktion von Trier.

Wir starten unsere Tour durch das römische Trier ganz klassisch am östlichen Stadttor, der Porta Nigra. Im Innern sind Spuren aus den verschiedensten Jahrhunderten ersichtlich. Das geübte Auge erkennt Steinmetzzeichen aus der römischen Zeit und Überreste der mittelalterlichen Kirche, die in das Stadttor gebaut wurde. Von der obersten Etage der Porta Nigra gibt es zudem den schönsten Blick über das Häusermeer von Trier. Wenn man hier oben nun noch einen Zeitsprung-Knopf drücken könnte, um kurz den Blick über Augusta Treverorum schweifen zu lassen.

Trier-Stadtmodell

Trier-Porta-Nigra-Aussicht

Nur ein kurzer Spaziergang entfernt steht das Ensemble aus Dom und Liebfrauenkirche. Der Dom ist die älteste Bischofskirche Deutschlands. Der heutige Dom enthält noch den römischen Kernbau. Der Rest des Bauwerks bildet ein Flickwerk aus verschiedensten Bauepochen. Ein architektonisches Highlight ist der Kreuzgang, der sich zwischen den beiden Kirchen befindet.

Trier-Dom

Trier-Dom-Orgel

Trier-Kreuzgang

Vorbei an der Konstantin-Basilika und dem selbst bei graustem Winterwetter leuchtend rosafarbigem Kurfürstlichen Palais erreichen wir die Kaiserthermen. Ob die jüngste der drei römischen Badeanlagen Triers überhaupt jemals für ihren eigentlichen Zweck genutzt wurde, ist unklar. Klar ist, dass das Bauwerk mit seiner Grösse beeindruckt.

Trier-Kurfuerstliches-Palais

Trier-Unesco-Destination

Trier-Kaiserthermen-1

Trier-Kaiserthermen-2

Trier-Amphitheater-Roemer

Ebenfalls beeindruckend gross ist das Amphitheater mit einem Fassungsvermögen von 20‘000 Leuten. Der Wahnsinn!

Für Fans der Antike, wie ich einer bin, lohnt sich der Kauf der AntikenCard. Sie kostet 9 Euro und beinhaltet den Eintritt in zwei Trierer Römerbauten und ins Rheinische Landesmuseum.

Trier-Amphitheater

Trier-Amphitheater-Keller

Und Trier heute

Die römischen Bauwerke sind heute wie selbstverständlich ins Stadtbild integriert. Einen schönen Blick über die vom Dom dominierte Skyline gibt es vom Petrisberg. Der Fussmarsch auf die Anhöhe dauert von der Stadtmitte eine knappe halbe Stunde.

Trier-Petrisberg

Aber auch abseits der römischen Besuchermagneten gibt es in Trier einiges zu entdecken. Überrascht hat mich zum Beispiel das Rheinische Landesmuseum. Was etwas verstaubt tönt, kommt sehr modern daher. Die Ausstellung führt durch 200.000 Jahre Geschichte und kulturelle Entwicklung der gesamten Region. Der Besucher wird dabei nicht ab einer Fülle von Ausstellungsgegenständen beinahe erschlagen, sondern bekommt nur die auserlesene Spitze des Eisberges zu sehen. Wer während dem Museumsbesuch ein Hungergefühl verspüren sollte, der macht am besten einen Abstecher ins Café Zeitsprung, das sich im Museum befindet.

Trier-Landesmuseum

Hättet ihr gewusst, dass Karl Marx der wohl prominenteste Bürger Triers ist? Zugegeben, ich wusste es nicht. Die Hausnummer 10 in der Brückenstrasse ist das Geburtshaus von Marx. Heute beherbergt das Haus ein Museum, das als Dauerausstellung das Leben und Wirken von Karl Marx thematisiert. Der Eintritt kostet 4 Euro. Aufgewachsen ist Karl Marx übrigens nicht in der Brückenstrasse, sondern in der Simeongasse 1070 unweit der Porta Nigra, wo sich heute im Erdgeschoss ein Euroshop befindet.

Karl-Marx-Museum
Wer gerne aussergewöhnliche Dinge shoppt, der sollte die Neustrasse ansteuern. Dank der ansässigen Hochschule für Design profitiert Trier von einer jungen, dynamischen Designszene. Gerade während der Weihnachtszeit eine Fundgrube für ausgefallene Mitbringsel. Ich habe mich beispielsweise mit witzigen Weihnachtskarten eingedeckt. Ein weiterer Shoppingtipp ist der Laden „Lieblingsstücke“ mit wunderbaren Accessoires zum Wohnen und Schenken. Lauter hübsche Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht, aber das Leben verschönern.

Trier-Neustrasse

Trier-Einzigart-Lieblingsstuecke

Blutsgeschwister

Speis und Trank

Römische Bauwerke bestaunen und von Laden zu Laden bummeln macht hungrig. Da kommt eine Pause in einem warmen Café gerade richtig. Leckeren Kuchen und guten Kaffee mit einem ordentlichen Schuss Whiskey oder Wodka – je nach Geschmack – gibt es zum Beispiel im Café Mohr an der Fleischstrasse 55.

Trier-Fleischstrasse

Trier-Cafe-Mohr

Wer eine Stadt inmitten der ältesten Weinregions Deutschlands besucht, der kommt nicht Drumherum, ein Schlückchen lokalen Tropfen zu probieren. Wer wie ich keine Ahnung von Weinen hat, der ist in der Weinbar Weinsinnig bestens aufgehoben. Für 10 Euro kann man sich hier nach dem Motto „Trink dir deine Meinung“ durch fünf Weine der Region durchprobieren. Nach den fünf Weinen weiss ich zumindest so viel. Der Rotwein kann mich trotz seines lustigen Namens „3 rote Nasen“ nicht wirklich überzeugen. Munden tut mir dagegen der lokale „Sebastian“ ein feinherber Riesling und die Riesling Spätlese aus Leiwen namens „für zarte Engel“.

quote-ein-tag-ohne-wein

Trier-Weinsinn

Trier-Weindegustation

Hättet ihr gewusst, dass frittierte Hähnchenflügel Flieten heissen und ein klassisches Trierer Gericht sind? Wer wissen möchte, wo es denn die besten Flieten gibt, der konsultiert den Flietenführer. Es werden je nach Qualität ein bis fünf Gockelköpfe an die Restaurants vergeben.

Flieten-ReinlandPfalz

Weihnachtszauber

Während der Weihnachtszeit erstrahlen der Hauptmarkt und der Domfreihof im Lichtermeer der hübsch geschmückten Weihnachtsbuden. Ein weiterer unterhaltsamer Event ist das Winterkino im historischen Frankenturm. In der Vorweihnachtszeit wird hier jeden Freitag und Samstag der Filmklassiker „die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann gezeigt. Dazu gibt’s Kekse und eine Tasse Feuerzangenbowle (Preis inkl. 1 Getränk 10 Euro).

Weihnachtsschmuck

Trier-Weihnachten

Porta-Nigra

Trier-Hauptmarkt

Trier-Frankenturm-Feuerzangenbowle

Übernachtet haben wir im Mercure Hotel unmittelbar neben der Porta Nigra. Für alle City Hopping Fans noch ein Tipp am Rande. Trier liegt nur ein Katzensprung von Luxemburg entfernt. Ein Besuch der beiden Städte liesse sich problemlos miteinander kombinieren.

Übrigens, wie Trier mit einem Schäfchenwolkenhimmel aussieht, hat Jana auf Sonne & Wolke sehr schön dokumentiert.

Hinweis: Meine Reise nach Trier wurde von Gastlandschaften Rheinland-Pfalz und Trier Tourismus unterstützt – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

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