Sehenswürdigkeiten in Belgrad – meine Top-Tipps

„Is this German?“, will der Taxifahrer von uns wissen. Wir sitzen zu dritt auf der Rückbank und sind unterwegs, um das berühmt berüchtigte Nachtleben von Belgrad kennenzulernen. Auf unser „yes we speak german“ entgegnet der Taxifahrer „a very strange language!“, kramt neben seinem Sitz herum, nimmt während des Fahrens sein Smartphone hervor und ruft einen Youtube-Film auf, wo er uns am Beispiel V wie Vogel erklärt, wieso Deutsch eine komische Sprache ist. Man spricht die Buchstaben nämlich gar nicht so aus, wie man sie eigentlich gemäss Alphabet aussprechen würde. So seine Erkenntnis.

Ich gucke inzwischen leicht ungeduldig zwischen dem Smartphone haltenden Taxifahrer und der vor uns liegenden verkehrsreichen Strasse hin und her und versuche die kyrillischen Zeichen auf den Strassenschildern zu entziffern. Gefühlt fahren wir im Kreis. Er wisse nicht so genau, wo sich das Kafe-knjizara Meduza befindet, meint der Taxifahrer nach der zweiten Schlaufe. Wir wiederholen die Adresse

„Gospodar Jevremova 6“.

„Why didn’t you say that before?“.

Es erübrigt sich die Bemerkung, dass wir beim Einsteigen sowohl Strasse, Hausnummer und den Namen der Bar genannt haben. Bevor er jedoch eine weitere Runde dreht, steigen wir aus. Der Taxameter steht bei 600 Dinar und wir realisieren, dass wir knappe 10 Meter vom gesuchten Lokal entfernt stehen. Das ist Belgrad.

7:00 Morgenstimmung am Ufer der Save

Corbusier soll gesagt haben „Belgrad ist die hässlichste Stadt der Welt am schönsten Ort der Welt“. Zumindest morgens kurz vor Sonnenaufgang stimmt diese Aussage nicht. Da zeigt sich Belgrad nämlich von seiner hübschen Seite.

Belgrad-Sonnenaufgang

9:00 Monumentale Kirchenbauten

Bleiben wir vorerst bei Belgrads schönen Seiten. Dazu gehört der monumentale serbisch-orthodoxe Dom des Heiligen Sava, eine der grössten Kirchen Südosteuropas und trotz beinahe hundertjähriger Planungs- und Bauzeit immer noch nicht fertiggestellt.

Dom-des-heiligen-Sava

11:00 Bummel durch Skadarlija

Skadarlija wird gerne auch als das „Montmartre“ von Belgrad bezeichnet. Die knapp einen halben Kilometer lange Fussgängerachse wird von Restaurants gesäumt und ist meines Erachtens die touristische Ecke der Stadt. Einen Bummel durchs Quartier sollte man sich dennoch nicht entgehen lassen. Spätestens auf der Pijaca Skadarlija trifft man wieder auf Einheimische, die auf dem Markt ihren täglichen Einkauf erledigen.

skadarljia markt-piazza-skadarlija

13:00 Kaffeepause

Zum kulinarischen Pflichtprogramm gehört die Moskva šnit. Der leckere Kuchen wird zum Beispiel im Café des Hotels Moskva, eines der ältesten Hotels der Stadt, serviert. Danach spaziert ihr zur Verdauung Richtung Kalemegdan. Die Festungsanlage liegt oberhalb der Mündung der Save in die Donau und bildet den historischen Kern der serbischen Hauptstadt. Die weitläufige Parkanlage bietet tolle Ausblicke in Richtung Novi Beograd und Zemun bis hin zur Pannonischen Tiefebene.

moskva-snit Kralja-Petra-Manufaktura-Regenschirme Kalemegdan-Belgrad Kalemegdan-Aussicht Kalemegdan

15:00 Durch Novi Beograd biken – Brutalismus

Corbusiers „hässlich“ trifft beim Stadtteil Novi Beograd den Nagel auf den Kopf. Die Architektur ist geprägt vom rasanten Aufbau durch jugoslawischen Arbeitsbrigaden. Besonders markant ist der im Stil des Brutalismus entworfene Genex-Turm. Aber auch sonst gibt es hier einige architektonische Zeitzeugen aus der sozialistischen Ära unter Josip Broz Tito zu entdecken. Wir sind zusammen mit Bikeguide Ralph durch das nach einem strengen Raster aufgebaute Novi Beograd geradelt. Der Holländer – wie könnte es auch anders sein – hat in Belgrad ein Bike-Tour-Unternehmen aufgezogen und uns nicht nur an den massiven Betonbauten vorbei geführt, sondern uns auch die idyllischen Ecken am Donau-Ufer gezeigt.

We-bike-Belgrade Neu-Belgrad-Biketour Novi-Beograd-Ministerien Brutalismus-Belgrad-2 Brutalismus-Belgrad-1 Novi-Belgrad-Architektur Zemun-Belgrad Zemun-Donau

17:00 Savamala erkunden

Zurück im „alten Belgrad“ erkunden wir die Gegend direkt hinter dem Hauptbahnhof. Optisch, abgesehen von einigen Street-Art Perlen, nicht die hübschste Ecke der Stadt. Dafür ist umso spannender, was sich alles hinter den bröckelnden Fassaden und morschen Treppenhäusern tut. Savamala ist quasi der kreative Hotspot der Stadt. Wer mehr über den Stadtteil Savamala erfahren möchte, der findet unter dem Projekttitel „Urban Incubator Belgrade“ spannende Inputs zur aktuellen Stadtentwicklung.

Belgrad-Stadtteil-Savamala Savamala-Belgrad-Streetart-2 Savamala-Belgrad-Streetart-3 Savamala-Belgrad-Streetart-1 Savamala-Belgrad The-Ghost-People-of-Savamala

19:00 hip Essen

In manch einem von aussen abbruchreif aussehenden Gebäude versteckt sich ein tolles Restaurant. Meine Empfehlung das Gnezdo ((Update Dezember 2018: das Restaurant wurde leider dauerhaft geschlossen) und die Bar Basta direkt bei der Branko-Brücke:.

Basta-Belgrad Gnezdo-Belgrad Gnezdo-hip-Belgrad Gnezdo-Belgrad-Organic-Food-2 Gnezdo--Organic-Food-1

21:00 Bar-Tour starten

Belgrad trägt nicht nur ehrenhaft die Bezeichnung „hässlich“, sondern wird auch gerne die Stadt, die niemals schläft, genannt. Bei den Preisen, die man für Bier (rund 2 CHF für einen halben Liter) und Drinks (ab rund 4 CHF) ausgibt, mausert sich die Stadt zur Trenddestination für ausgehfreudige Städtereisende. Je später der Abend, desto voller die Partyboote, die sanft auf der Save hin und herschaukeln.

Partystadt-Belgrad-Save-Schiffe

Mich hat Belgrad fasziniert. Die Stadt ist voller Geschichten und versprüht einen noch unverbrauchten authentischen Charme. Dazu gehören auch Schlitzohren, wie unser Taxifahrer einer war (auf der Rückfahrt habe ich aufs GPS geschaut und wir haben auf dem direkten Weg nur 450 Dinar bezahlt).

Weitere Tipps für Belgrad

  • Vom Flughafen fahren Busse in die Innenstadt (Ticket rund 300 Dinar)
  • Das Zentrum kann gut zu Fuss erkundet werden
  • Zentral gelegen ist das Hotel Moskva (historisches Gebäude, aber eher drei als vier Sterne Standard)
  • Wer’s lieber etwas luxuriöser mag, ist im Metropol Palace gut aufgehoben
  • Bei schlechtem Wetter lohnt sich ein Abstecher ins Nikola-Tesla-Museum, das dem gleichnamigen Erfinder und Elektrotechniker gewidmet ist

Hinweis: Die Nationale Tourismusorganisation Serbien hat uns zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank hierfür! Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Jovan83 September 11, at 18:51

    super dass es dir gefallen hat anita!!!! Belgrad ist im Umbruchstimmung… es geschieht was tagsüber und nachts… nie ist es langweilig ;-))))))

    Antworten

Antworten