Ston – kleines Örtchen mit grossen Trümpfen

Ston – kleines Örtchen mit grossen Trümpfen

Nach unserem Mini-Roadtip durch Norwegen, wagte ich mich auch letzthin in Kroatien wieder ans Steuer. Schliesslich wollten wir die Gelegenheit am Schopf packen und nebst dem Hauptziel Dubrovnik auch etwas von der Region sehen. Ab meiner eigenen Tollkühnheit, in die Reiseplanung ein Mietauto zu integrieren und nicht auf die üblichen Busfahrten zu bestehen, war ich selbst etwas erstaunt. Das Herzklopfen vor der ersten Fahrt hielt sich dann aber in Grenzen, da ich ganz zu meiner Freude das exakt gleiche Mietauto wie in Norwegen erhielt.

Ein, zwei nervenaufreibende Momente gab es doch noch. Und zwar am zweiten Tag, wo wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Ston machten. Das historische Städtchen befindet sich 50 Kilometer nördlich von Dubrovnik auf der Halbinsel Peljesac. Die Route Dubrovnik – Ston erscheint auf den ersten Blick glasklar – da hat es ja nur eine Strasse. Im Gewirr des Morgenverkehrs schaffte ich es dennoch, an der einzigen wirklich herausfordernden Kreuzung in Dubrovnik falsch abzubiegen und so eine Extraschlaufe am Hafen vorbei zu integrieren. Irritierend war zudem, dass mir an der Kreuzung bei grünem Licht der ganze Gegenverkehr entgegenkam und mir keine andere Wahl blieb, als den verkehrsfreien Moment bei Rotlicht zu nutzen. Nachdem ich dann doch noch den Abzweiger auf die Küstenstrasse D8 gefunden hatte, machte mir die Fahrt sogar richtig Spass. Dass ich mich auf die Strasse konzentrieren sollte und nicht wie beim Busfahren den Blick aus dem Fenster schweifen lassen kann, bildete während diesem Road Trip entlang der glitzernden Adria den einzigen Wehmutstropfen.

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Nach knapp einer Stunde Fahrtzeit erreichen wir Ston und stellen beim Blick die Karte erstaunt fest, dass die Küstenstrasse nur wenige Kilometer nach Ston an die Grenze zu Bosnien-Herzegowina stösst. Bis dato war mir gar nicht bewusst, dass Kroatien keine durchgehende Küstenverbindung hat. Da Bosnien-Herzegowina noch kein EU-Mitglied ist, muss der Transitverkehr zweimal die Grenze passieren, was nicht besonders praktisch ist. Deshalb möchte Kroatien den sogenannten Neum-Korridor zukünftig mit einer geplanten Schrägseilbrücke über die Bucht von Mali umgehen und so eine innerstaatliche Direktverbindung schaffen.

Meine Befürchtungen, keinen Parkplatz zu finden, lösen sich am Eingang zu Ston in Luft auf. Direkt beim Ortseingang befindet sich ein riesiger Parkplatz, wo kostenfrei geparkt werden darf. Der praktisch leere Parkplatz weist darauf hin, dass Ston im Spätherbst ein ziemlich verschlafenes Nest ist. Kaum ein Tourist verirrt sich hierhin. Eigentlich schade, denn Ston hat zwei grosse Trümpfe im Angebot. Zum einen ist die Ortschaft von der zweitlängsten Festungsmauer der Welt umgeben. Länger ist nur die Chinesische Mauer. Zum anderen befindet sich in Ston das älteste europäische Salzwerk, wo noch heute nach alter Tradition Salz gewonnen wird. Ziemlich beeindruckend für ein Dorf mit insgesamt knapp 2’000 Einwohner.

Mit dem Bau der Festungsmauer wurde im 14. Jahrhundert begonnen. Ston war dank der Saline eine reiche Stadt und lag an einer strategisch wichtigen Position, um den Zugang zur Halbinsel Peljesac zu kontrollieren. Heute ist ein Teil der Festungsmauer für Besucher öffentlich zugänglich. Beliebt ist der Mauerspaziergang von Ston ins gegenüberliegende Mali Ston. Ein weiterer Teil der Mauer befindet sich noch in Renovationsphase und wird ebenfalls in naher Zukunft zugänglich sein. Wir kommen auf der Mauer ordentlich ins Schwitzen, da sie steil aufwärts führt. Die Anstrengung ist aber nicht für die Katz. Auf dem höchsten zugänglichen Punkt direkt oberhalb von Ston werden wir mit einem Panoramablick gebührend belohnt.

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Zurück in Ston genehmigen wir uns auf dem Dorfplatz einen Espresso und werfen anschliessend noch einen Blick in das Salzwerk. Nicht nur wir haben unter einem regenreichen Sommer gelitten. Für die Salzgewinnung braucht es viele trockene, heisse Tage und die blieben diesen Sommer auch in Kroatien aus. Für die Saline von Ston bedeutet dies ein salzloses 2014.

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Ein weiterer Trumpf von Ston dürfte einige Kulinariker-Herzen höher schlagen lassen. Die Bucht von Mali Ston ist internationales Schutzgebiet und weist aufgrund ihrer submarinen Süsswasserquellen eine optimale Eignung für die Austernzucht auf. Dementsprechend wird die Bucht heute intensiv für den Zuchtbetrieb genutzt und geniesst unter Austernliebhabern einen exzellten Ruf. Nun mit Meeresgetier auf dem Teller kann man mich selten begeistern. Doch wenn ich schon einmal direkt an der Quelle stehe, kann ich mich auch auf neues kulinarisches Terrain wagen. So kommt es, dass wir uns im Restaurant Vila Koruna, direkt an der Meeresbucht, durch ein Menu voller Meeresgetier schlemmen. Wieso manche Leute auf Austern schwören, habe ich jedoch nicht verstanden. Für mich ist das nach wie vor geschmackloses Geschlaber.

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Auf dem Rückweg nach Dubrovnik nutzen wir die Flexibilität des „eigenen Autos“ und machen einen kurzen Abstecher zum Arboretum in Trestno. Die Ortschaft befindet sich auf halbem Weg zwischen Ston und Dubrovnik. Im Arboretum befindet sich eine der ältesten Pflanzensammlungen des Landes und steht seit 1962 als Monument der Gartenkunst unter Schutz. Auch wenn man sich nicht per se für Pflanzen interessiert, lohnt sich der Abstecher dennoch. Die Anlage befindet sich nämlich direkt an der Adria und bietet schöne Ausblicke.

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Kurz vor der markanten Franjo-Tudman-Brücke über die Mündung der Obla befindet sich ein Parkplatz, wo sich ein Stopp ebenfalls lohnt. Von hier aus gibt es nämlich einen tollen Blick auf den neuen, ausserhalb der Stadtmauern liegenden Stadtteil von Dubrovnik und den Kreuzfahrthafen.

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Hinweis: Meine Reise nach Dubrovnik wurde von der Kroatischen Zentrale für Tourismus unterstützt  – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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