Toggenburger Höhenweg – aussichtsreiche Mehrtagestour

Toggenburger Höhenweg – aussichtsreiche Mehrtagestour

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

Vor dieser Herausforderung stand ich letzten Donnerstagabend beim Packen meiner Siebensachen für die dreitägige Tour entlang des Toggenburger Höhenwegs. Gar nicht so einfach, einen 34l Rucksack für zwei Personen so zu packen, dass a) alles rein mag und er b) nicht zu schwer wird. Da der Freund in seinem Rucksack vor allem das Fotomaterial transportierte, musste in meinen Rucksack der ganze Rest rein. Im Vorfeld hatten wir extra noch zwei super funktionale, schnelltrocknende Mikrofasertücher gekauft. Unnötig, wie sich herausstellte. Denn Wasser – geschweige denn Duschen – ist auf den Alphütten rares Gut. Mein Rucksack füllte sich ruckzuck mit Seidenschlafsack, Flipflops, Ersatzkleidern, Regenjacke, Faserpelz und Stativ. Die Challenge des Packens für eine Mehrtagestour hätten wir somit gemeistert. Die Wanderung kann losgehen.

Tag 1 – Wildhaus bis Vordere Selunalp

Hard facts 1. Etappe:
rund 14 Kilometer und 950 Höhenmeter / Laufzeit rund 4.5 h

Nach etwas über zwei Stunden Anfahrt von Zürich über Rapperswil und Wattwil bis nach Wildhaus, schultern wir unsere Rucksäcke bei der Postautostelle Lisighaus. Der erste Marsch ist nur von kurzer Dauer. Kurzerhand haben wir beschlossen, die ersten 200 Höhenmeter bis nach Oberdorf mit der Sesselbahn zu überwinden und einen kurzen Abstecher zu den lauschigen Schwendiseen zu machen. Vorbei an Toggenburger Idylle und mit Blick auf den Säntis folgen wir dem Wanderweg Richtung Sellamatt. Begleitet werden wir auf diesem Abschnitt von den verschiedensten Glockentönen. Parallel zum Toggenburger Höhenweg verläuft der Klangweg mit 25 Klanginstallationen. Ein beliebtes Ziel für Familienausflüge.

Nach der Alp Sellamatt durchschreiten wir das Tor „Willkommen auf dem Toggenburger Höhenweg“. Der Wanderweg wechselt vom breiten Kiesweg auf einen schmalen Naturpfad. Ab hier in Richtung Vordere Selunalp ist er als Bergweg ausgeschildert. Die Sonne brennt heiss vom Himmel und der ungewohnt schwere Rucksack drückt auf die Schultern. Durchhalten ist die Devise. Kurz nach Sellamatt öffnet sich der Blick auf die Churfirsten, die ich bisher nur aus der gegenüberliegenden Perspektive kenne. Beeindruckend markante Zacken, die sich gegen den Himmel strecken. Wir folgen dem Wanderweg über Stock und Stein zur Breitenalp und just in dem Moment, wo mir beinahe die Puste ausgeht, erreichen wir den motivierenden Wegweiser „Wildmannlisloch 15 min“. Die Energie ist zurück und nach einem Blick in die sagenumwobene Höhle genehmigen ich mir in der Bergbeiz Wildmannli einen Toggenburger Schlorzifladen.

Zu unserem Tagesziel der Ochsenhütte ist es ab hier nur noch einen Katzensprung. Dort angekommen setzten wir uns auf die Sonnenterrasse, lagern die Füsse hoch und geniessen den Rest des Nachmittags das friedliche Älpler Leben.

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Tag 2 – Vordere Selunalp bis Alp Oberchäseren

Hard facts 2. Etappe:
rund 15 Kilometer und 800 Höhenmeter – mit Aufstieg zum Leistchamm 1’100 Höhenmeter / Laufzeit rund 5.5 – 6.5 h

Der zweite Wandertag startet mit dem ersten Sonnenstrahl, der hinter dem Säntis hervor blinzelt. Ein herrliches Erwachen. Nach einem Hüttenfrühstück im Sonnenschein machen wir uns auf die Socken. Heute erwartet uns die anspruchsvollste Etappe mit dem „Tritt“ und der Zusatzschlaufe auf den Leistchamm. Wenn wir schon so „nah“ an einem Gipfel vorbei wandern, können wir den ja auch gleich mitnehmen. So mein Gedanke. 3 Stunden später werde ich auf dem steilen Pfad hinauf auf den Gipfel darüber fluchen. Doch zuerst wandern wir über die Alpweiden und machen nette Bekanntschaften mit vorwitzigen Kühen. Die wilde Karstlandschaft und die sich darin eingenistete Flora bietet so einiges fürs Auge und entschädigt für den doch steilen Aufstieg zum höchsten Punkt des Toggenburger Höhenwegs auf 1‘770 m ü. M.. Doch das ist uns nicht genug. Nach dem Tritt zweigen wir Linkerhand ab und bewältigen weitere 300 Höhenmeter bis auf den Leistchamm, der zu den Ausläufern der Churfirsten gehört. Die ganze Anstrengung ist beim Panoramablick über den Walensee bis zu den Glarner Alpen schnell vergessen.

Die zusätzlichen Höhenmeter machen sich nach einer Weile in den Beinen bemerkbar und der Rest des Weges via Vorder Höhi und Hinter Höhi, vorbei am Hochmoor von Amden bis zur Vordermatt zieht sich in die Länge. Die Zähne zusammenbeissen muss ich auf den letzten Höhenmetern rauf zum Etappenziel Oberchäseren. Doch dann – geschafft! Zur Belohnung gönnen wir uns vor dem Abendessen ein Plättli und geniessen die prächtige Aussicht auf den Mattstock, das Linthal und den Speer. Exakt diese Momente machen alle Strapazen des Tages wieder wett.

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Tag 3 – Alp Oberchäseren bis Tanzboden

Hard facts 3. Etappe:
rund 9 Kilometer und 500 Höhenmeter (inkl. Speer) bis Tanzboden weitere 6 Kilometer bis Ebnat-Kappel / Laufzeit rund 5 h

Am dritten und letzten Tag geht’s erneut hoch hinaus. Wir starten bei der Alp Oberchäseren kurz nach Uhr morgens und nehmen den Aufstieg zu Europas höchstem Nagelfluh-Berg – dem Speer – in Angriff. 50 Minuten Aufstieg sind bei der Hütte ausgeschildert. Wir stehen bereits knappe 40 Minuten später oben und bewundern den 360° Blick über das Toggenburg, die Appenzeller Alpen, die Linthebene bis hin zum Zürichsee. Anschliessend gilt es zu Fuss den Speer auf dem Toggenburger Höhenweg zu umrunden. Im unwegsamen, teils felsigen Gelände erwartet uns Wanderer zwei, drei herausfordernde Stellen. Auf der Elisalp können wir den voher bezwungenen Speer noch von seiner Rückseite bewundern und dabei wilde Heidelbeeren am Wegrand stibitzen. Danach führt der Wanderweg der Krete entlang durch Kuhweiden bis zum Tanzboden. Hier liegt das Etappenziel des 3. Wandertages. Für uns ist es leider nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zurück ins Tal.

Wir stärken uns mit einem hausgemachten Aprikosenkuchen auf der Terrasse des Berggasthauses und wandern anschliessend zwei Stunden talwärts bis nach Ebnat-Kappel. Der Abstieg von knapp 1‘400 m ü. M. auf 600 m ü. M. hinunter lässt die Knie brennen. Dafür lastet mir der Rucksack nicht mehr so schwer auf den Schultern. Die nächste Mehrtagestour kann kommen – wir wären jetzt trainiert.

Mattstock-Alp-Oberchaeseren Aussicht-Speer-1 Aussicht-Speer-2 Speer-Nagelfluh-Wandern toggenburg-hoehenweg-277 Heidelbeeren Tanzboden-Kuchen Ebnat-Kappel

Praktische Tipps und Infos zum Toggenburger Höhenweg

Der Toggenburger Höhenweg führt in insgesamt sechs Etappen und 87 Kilometern von Wildhaus nach Wil. Unser Routenverlauft der ersten drei Etappen könnt ihr nachfolgender Karte entnehmen. Wir haben auf den ersten drei Etappen insgesamt 47 Kilometer, 2’600 Höhenmeter bergwärts und 3’000 Höhenmeter talwärts unter die Füsse genommen. Der Höhenweg verläuft abschnittsweise auf gelb markierten Wanderwegen sowie auf weiss-rot markierten Bergwanderwegen. Das anspruchsvollste Teilstück ist der „Tritt“ beim Leistchamm. Hier ist Trittsicherheit gefordert.

Hinweis: Diese Reise wurde von Ostschweiz Tourismus unterstützt – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

Kommentare

  • Neni August 19, at 10:51

    Die Bilder sind der wahnsinn! Hast du eine neue Kamera bzw. Objektiv? WOW! Und wie lecker das Essen aussieht :)

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    • Anita Brechbühl August 19, at 11:04

      Danke dir. Nein, auf der Tour waren wir mit dem altbewährten Material unterwegs :) und ja, der Schlorzifladen ist sehhhhhhhr gut :D

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  • Mel September 16, at 21:32

    Sehr schöne Tour. Werd ich mir mal vormerken für nächstes Jahr. Muss zugeben, dass ich das Toggenburg eigentlich noch überhaupt nicht kenne und so Mehrtageswanderungen sind voll mein Ding :-)

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  • Küde Juli 12, at 11:28

    Guten Tag Anita Bei einer Wanderplanung im Toggenburg bin ich auf Deinen Reiseblog gestossen. Wirklich gut! Auch die Fotos. Ich bin selbst ein leidenschaftlicher Fotograf. Aber man kann immer noch dazu lernen. Wie hast Du das Foto mit dem Sonnenuntergang (oder Aufgang?) gemacht. Hast Du HDR benutzt und wenn ja, direkt mit der Kamera-Funktion oder nachträglich bearbeitet? Danke für Deine Antwort!

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    • Anita Brechbühl Juli 12, at 14:28

      Hallo Küde, danke für deinen Kommentar. Nein für Landschaftsaufnahmen nutzen wir nie HDR. Dieses Bild habe ich mit Stativ und Verlaufsfilter in RAW gemacht und danach in Lightroom entwickelt.

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