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Walenstadt – Quinten – Weesen: 2-Tageswanderung am Walensee

Zwei Gründe waren Ende letzte Woche ausschlaggebend dafür, dass ich spontan eine Nacht im Weindörfchen Quinten buchte. Zum einen stand der Abstecher zum Paxmal in Walenstadtberg und von dort aus die Wanderung via Calusa-Beizli nach Quinten schon länger auf meiner Wanderideen-Liste. Zum anderen rief mir ein nettes Mail einer Leserin in Erinnerung, dass ich mir bereits letzten Frühsommer nach einem Schweiz Aktuell Beitrag rund um die Stiftung «Quinten lebt» notierte, dass in Quinten in Kürze ein vielversprechend aussehendes Bed & Breakfast seine Türen öffnen wird.

Das besagte Bed & Breakfast ist zwischenzeitlich ein gutes halbes Jahr in Betrieb und Nebensaison sei Dank ist die beliebte Streckenwanderung von Walenstadt via Quinten nach Weesen noch nicht überlaufen. Ideale Voraussetzungen für eine Kurzauszeit an der «Riviera» der Ostschweiz.

Aufstieg zum Paxmal bei Walenstadtberg

Wir starten die erste Wanderetappe nicht direkt in Walenstadt, sondern fahren mit dem Ortsbus ins gut 500 Höhenmeter höher gelegene Walenstadtberg. Hier oben scheint der Frühling noch in weiter Ferne. Die Wiesen und Weiden sind noch von einer – für diese Jahreszeit – ordentlichen Schneedecke eingepackt. Wir folgen dem Teersträsschen von der Reha-Klinik bergwärts Richtung Schönegg/Rugg. Der Weg ist an sich nicht besonders attraktiv, die knapp 300 Höhenmeter bis nach Hochrugg sind aber zum einen ein gutes Training, zum anderen versteckt sich hier oben eine besondere Sehenswürdigkeit.

Das imposante «Paxmal» – Friedensmal, erweckt den Eindruck, hier hätten die Römer oder Griechen ihre Fussstapfen hinterlassen. Dabei ist das Monument das Lebenswerk des Schweizer Künstlers und Briefmarkenstechers Karl Bickel. Erbaut in den Jahren 1925 bis 1949 mit der Idee, die ideale Gesellschaft «in Stein zu meisseln». Landschaftlich imposant zwischen den mächtigen Churfirsten und dem Walensee platziert, ist das Paxmal heute ein Ort der Ruhe, Einkehr und Meditation.

Walenstadtberg Aussicht
Paxmal Walenstadtberg
Paxmal Inschrift

Via Calusa-Beizli an den Walensee

Auch wenn das Paxmal unter der Schneedecke nicht seine volle «Kraft» entfaltet, strahlt dieser Ort unbestritten eine besondere Magie aus. Wir nehmen uns vor, im Sommer zurückzukehren und von hier aus den Alp- und Kulturweg Schrina zu absolvieren. Heute marschieren wir auf dem gleichen Weg retour nach Walenstadtberg und folgen dort dem Wegweiser Richtung Quinten. Am Dorfrand von Walenstadtberg passiert der Wanderweg das «Calusa-Beizli» (ist auch ausgeschildert). Meine Eltern sind letztes Jahr hier eingekehrt und haben mir davon vorgeschwärmt. Während das Beizli in «normalen» Zeiten jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag ganztägig geöffnet hat, hat es aktuell geschlossen (Take-away Optionen gibt es zurzeit leider auch keine). Damit hatten wir gerechnet und dementsprechend eine Zwischenverpflegung eingepackt. Nichtsdestotrotz hätten wir uns über ein frischgebackenes Kuchenstück «to go» gefreut.

So geht’s direkt weiter vorbei an Alpweiden und durch einen lichten Laubwald über Stock und Stein talwärts, bis wir auf Höhe «Gändli» das Ufer des Walensees erreichen. Hier unten ist die Vegetation dem milden Klima beziehungsweise der windgeschützten Lagen sei Dank schon deutlich weiter. Wir passieren Weinberge, bewundern blühende Pflaumenbäumchen und geniessen an einem einsamen Kiesstrand den Weitblick über den Walensee. Die Strecke Gand – Quinten ist kurzweilig; schneller als gedacht, taucht das hübsche Weindörfchen vor uns auf.

Walenstadtberg Walensee
Wanderung Walenstadt Quinten
Walensee Strand
Wein am Walensee

Etappenstopp im Weindörfchen Quinten

Quinten ist im Sommerhalbjahr ein beliebtes Ausflugsziel. Doch während sich hier an schönen Wochenenden manchmal über tausend Ausflügler gleichzeitig tummeln, kämpft die Ortschaft selber ums «überleben». Das kleine Dorf ist nur via Schiff oder zu Fuss erreichbar. Während hier einst über 100 Personen lebten, zählt Quinten aktuell nur noch knapp 40 Einwohnerinnen und Einwohner mit einem Altersdurchschnitt über 55 Jahre.

Mit dem Ziel, junge Familien für Quinten zu gewinnen und Arbeitsplätze zu schaffen, wurde eine Stiftung gegründet. Diese hat unter anderem den Umbau der Liegenschaft «Dörfli 1370» initiiert. In der einstigen Bauruine wurde sowohl zeitgemässer Wohnraum für die anvisierte Zielgruppe geschaffen, als auch auch ein lässiges Bed & Breakfast mitten im Dorfkern von Quinten realisiert. Das Boutique B&B Tremondi sowie das dazugehörende Restaurant wird vom Team des Tremondi Zürich betrieben. Drei Zürcher Gastro-Jungs als Bed & Breakfast Betreiber in Quinten – kann das gut gehen?

Tremondi Quinten Restaurant

Fazit: Ja! Auch wenn bei manchen Prozessen (noch) Optimierungspotenzial besteht. Feine Antipasti-Plättli, leckere Drinks, frische Pasta-Gerichte, guter Kaffee und frisch gepresster Orangensaft zum Frühstück. Daumen hoch! Leider ist das Gebäude sehr ringhörig und je nach Zimmer (wir waren im «Egli») lassen sich die Restaurant-Geräusche nicht von den Türen abhalten.

Die Seerenbachfälle – das Highlight des 2. Wandertages

Nach einem feinen Frühstück mit herrlich duftendem Brot (eines der Dinge, die uns definitiv positiv in Erinnerung bleiben werden), schultern wir unsere Rucksäcke und wandern Richtung Weesen weiter. Direkt gegenüber des Bed & Breakfast Tremondi befindet sich das «Kellerlädeli». Ein kleiner, mit selbstgemachten Köstlichkeiten prall gefüllter Hofladen. Wer sich mit eingemachten Spezialitäten eindecken möchte, der sollte hier unbedingt einen Blick hineinwerfen. Kurz bevor wir Quinten hinter uns lassen, kommt der Wanderweg am «Raupenhotel» vorbei. Auch dieses Projekt ist auf das Engagement der Stiftung «Quinten lebt» zurückzuführen. Seit 2017 wird hier wieder Rohseide verarbeitet (was wiederum Arbeitsplätze schafft).

Quinten Dorfkern
Quinten Wanderweg

Bald schon steigt der Wanderweg steil an. Auch wenn es sich um eine beliebte Wanderstrecke handelt, sollte man das steinige und punktuell ausgesetzte Terrain auf diesem Abschnitt nicht unterschätzen. Der «Felsenweg» zieht sich von «Tscherüti» bis zum Fulenbachtobel. Danach geht’s über einen breiteren Waldpfad durch den lichten «Seerewald», bis wir das Rauschen der Hauptattraktion dieser Wegetappe hören.

Der Seerenbachfall gilt mit einer Höhendifferenz von 600 Höhenmeter als einer der höchsten Wasserfälle Europas. Mit einer Fallhöhe von 305 Höhenmeter überbietet er sogar den berühmten Staubbachfall in Lauterbrunnen. Hier lohnt es sich, die ausgeschilderten 10 Minuten «Umweg» zur Aussichtsplattform in Kauf zu nehmen.

Quinten Weesen Wanderweg
Walensee Aussicht
Seerenbachfall Walensee
Seerenbachfall Frühling

Nach den Seerenbachfall wandern wir via Unterbetlis talwärts ans Ufer des Walensees. Das letzte Wegstück wird der Fahrstrasse entlanggeführt und ich kann mir vorstellen, dass dieser Abschnitt je nach Saison und Besucheransturm nicht besonders attraktiv ist. Dafür lockt hier im Sommer die eine oder andere schöne Stelle mit einem erfrischenden Sprung in den Walensee.

Von Walenstadt nach Weesen – praktische Tipps für deine Wanderung am Walensee

Nachfolgender Karte könnt ihr unseren Routenverlauf der Zweitageswanderung entlang dem Walensee von Walenstadt (bzw. Walenstadtberg) via Quinten bis nach Weesen entnehmen. Die Strecke misst 23.6 Kilometer und beinhaltet eine Steigung von 970 Höhenmeter (wovon rund einen Drittel auf den Aufstieg zum Paxmal zurückzuführen sind). Grundsätzlich liesse sich dies natürlich auch in einem Tag bewältigen. Mit dem Zwischenstopp im B&B Tremondi lässt sich die Tour aber zu einer richtig schönen Kurzauszeit ausbauen. Beachtet, dass der Wanderweg von Quinten nach Weesen ein Bergwanderweg der Schwierigkeit T2 ist und gutes Schuhwerk zu empfehlen ist.

Dank ihrer geschützten und sonnenverwöhnten Lage am Südufer des Walensees, kann die Route bis weit in den Herbst hinein oder im Frühling begangen werden.

Und noch ein Tipp für alle, die auf der Suche nach schönen Brätli-Stellen sind: Auf dieser Wanderung haben wir mehrere richtig toll gelegene, offiziellen Feuerstellen passiert; zum Beispiel vor Au (bei Quinten) als auch bei den Seerenbachfällen (Vorderbetlis)

Eckdaten der Tour Walenstadtberg – Quinten – Weesen

AusgangspunktBushaltestelle Walenstadtberg, Reha-Klinik (950 m ü. M.)
ErreichbarkeitMit dem öffentlichen Verkehr erreichbar
Länge23.6 Kilometer
Höhenmeter↗ 970 m ↘ 1’515 m
Dauerca. 7:00 h (aufgeteilt in 2 Etappen)
ZielortBushaltestelle Fli, Seestern (oder Weesen Post) (425 m ü. M.)

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