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Herrlich ab vom Schuss – auf dem Neckertaler Höhenweg ins Rössli Mogelsberg

Mogelsberg liegt weder an einer beliebten Passstrasse noch an einer populären Fernwanderstrecke und hat erst seit der Eröffnung des ersten Baumwipfelpfades der Schweiz im Jahr 2018 einen Ausflugsmagnet mit einer überregionalen Ausstrahlungskraft. Da stellt sich einem unweigerlich die Frage, wie führt man über 40 Jahre erfolgreich einen Gastbetrieb «ab vom Schuss»? Oder liegt gerade in dieser Abgeschiedenheit die eigentliche Stärke des Rösslis? Vermutlich ja, denn kein Ziel schien mir für meinen ersten Kurztrip nach der zweimonatigen Corona-Reisepause besser geeignet als das beschauliche Dorf im Neckertal.

«Neckertal?» Keine Sorge, wenn du diese Gemeinde (und Tallandschaft) nicht subito auf der Schweizer Landeskarte verorten kannst. So ging es den meisten, denen ich von meinen Weekendplänen erzählte. Und deshalb verwundert es auch nicht, dass die Erfolgsgeschichte des Gasthauses Rössli auf der klassischen Mund-zu-Mund Propaganda begeisterter Gäste basiert. Hierher verirrt sich nämlich kaum jemand «zufällig». Genau deshalb habe ich mich für eine Kurzauszeit im Neckertal entschieden. Und ich würde es wieder tun! Denn auch mich hat das Rössli – und das Neckertal – mit seinem natürlichen Charme um den Finger gewinkelt.

Ein Gasthaus mit Charme

Seit Ende des 18. Jahrhunderts zählt das Rössli zu den prägenden Bauten im Ortskern von Mogelsberg. Die kleine Ortschaft ist Teil der politischen Gemeinde Neckertal, die eingeklemmt zwischen dem Toggenburg und Appenzellerland oftmals gerne einfach übersehen wird. Dabei lockt die hügelige Landschaft, durch die sich der wilde Necker schlängelt, mit schönen Rundwanderungen, spannenden Themenwegen und interessanten kulturhistorischen Stätten. Doch dazu kommen wir später.

Zuerst einmal checken wir im Rössli ein. Inhaberin Sabine Bertin führt das Gasthaus seit über 40 Jahren – und das als Zürcherin und Vertreterin der 68er-Bewegung. Auch wenn sie sich im ersten Moment überhaupt nicht vorstellen konnte, derart fernab der «Zivilisation» (die damals noch vor Winterthur aufhörte, wie sie uns beim Nachtessen augenzwinkernd erzählt) zu wirten, schien die Chemie zwischen dem Rössli und ihr doch von Anhieb an zu stimmen. Und während Sabine Bertins mit ihrem Erfolgsrezept aus einer konsequent saisonalen, regionalen und biologischen Küche gepaart mit kulturellen Veranstaltungen und einer heimeligen Atmosphäre Ende der 1970er Jahre ihrer Zeit weit voraus war, liegt sie heute voll im Trend.

Gasthaus Rössli Mogelsberg

Köstlich urig

Ein Highlight im Rössli ist das monatlich wechselnden Gourmet-Menü, das dem jeweils aktuellen Sternzeichen gewidmet ist. Dieses kann in 3-, 4- oder 5-Gängen bestellt werden und bietet den perfekten Rahmen für einen genussvollen Abend. Alternativ überzeugen aber auch die saisonalen à la Carte Optionen, die auf einer A4-Seite Platz finden (was für mich jeweils ein Qualitätszeichen ist). Jetzt im Frühling finden sich darauf Köstlichkeiten wie Ostschweizer Spargeln, Frühkartoffeln und Rheintaler Erdbeeren.

Gourmet Menü Rössli Mogelsberg

Im Rössli hat nicht nur jedes Sternzeichen ein Menü, sondern auch ein Zimmer. Wie in historischen Gemäuern üblich, weist jedes Zimmer einen etwas anderen Grundriss und eine darauf abgestimmte Einrichtung auf. In allen finden sich jedoch urige Holzbalken und knarrende Dielen. Die können – je nach Auslastung und Festlaune der Rössli-Gäste – durchaus mal für eine nächtliche Ruhestörung sorgen. Die Kombination aus Bewegung (wir sind nämlich hingewandert), frischer Luft und dem köstlichen Abendessen, lassen mich aber im Nu friedlich und tief schlummern, bis ich am nächsten Morgen unter dem kurzen roten Vorhang durch von den ersten Sonnenstrahlen des Tages wach gekitzelt werden.

Rössli Mogelsberg
Rössli Mogelsberg Zimmer

Von Mogelsberg auf die Wilkethöchi

Nach dem Frühstück schultern wir unsere Rucksäcke und marschieren am Rössli vorbei bergwärts Richtung Wilkethöchi. Das Rössli in Mogelsberg ist nämlich nicht nur ein lohnenswertes Ziel für ein feines Nachtessen, sondern auch ein toller Ausgangspunkt für eine Wander- oder Bike-Tour durchs Neckertal. Nebst einfachen Rundwanderungen und ausgeschilderten Themenwegen bietet der Neckertaler Höhenweg mit insgesamt drei Etappen einen umfassenden Einblick in die facettenreiche Landschaft des Neckertals. Der Höhenweg führt von Mogelsberg zuerst Richtung Steinwäldli, wo sich der Baumwipfelpfad befindet.

Rössli Mogelsberg
Neckertaler Höhenweg Mogelsberg
Neckertaler Höhenweg Landschaft
Landschaft Toggenburg
Mogelsberg Aussicht
Neckertaler Höhenweg Etappe 1
Mogelsberg Baumwipfelpfad

Vom Baumwipfelpfad erspähen wir vom Wanderweg aus nur die eine oder andere spektakuläre Aussichtsplattform – bestimmt ein tolles Ausflugsziel mit Kindern (und lässt sich mit einer Kurzwanderung von Mogelsberg nach Brunnardern – oder in umgekehrte Richtung – verbinden).

Zwischen Baumwipfelpfad und Weiler Moos verläuft der Weg abwechslungsreich mal über üppige Wiesen, dann wieder durch schattige Waldstücke, die sich nach den vorangegangenen Regentagen in einem satten grün präsentieren. Vorbei an einem blühenden Bärlauch-Teppich kommen wir vor dem Gerensattel zum ersten Mal so richtig ins Schnaufen. Zum Glück absolvieren wir aber auch das verbleibende steile Teilstück bis zum höchsten Punkt dieser Tour – der Wilkethöchi auf stolzen 1’177 Meter über Meer – von der schon kräftig scheinenden Mai-Sonne geschützt im Wald.

Neckertaler Höhenweg Etappe 1 Wald
Wald Toggenburg

Erst oben beim Aussichtspunkt öffnet sich das Blätterdach und gibt den Panoramablick über die grünen Hügelzüge hin zum Alpstein und den noch schneebedeckten Churfirsten frei.

Wilkethöchi
Wilkethöchi Aussicht Toggenburg

Über Stock und Stein dem Neckertaler Höhenweg entlang

Nach einer kurzen Rast wandern wir zügig weiter. Höhenmetertechnisch haben wir zwar das Gröbste bewältigt, doch distanzmässig liegt noch eine ordentliche Strecke vor uns. Wer wie wir dem Neckertaler Höhenweg folgt, sollte sich auf der Wilkethöchi vom Wegweiser, der Schönengrund mit «2.5 Stunden» anpreist, nicht in die Irre leiten lassen. Damit ist der direkte Weg und nicht der schlaufenreiche Höhenweg gemeint. Dieser führt uns zuerst hinunter ins einstige Stickereidorf Dicken und von dort wieder in die Anhöhen zum Bergrestaurant Bergli.

Neckertal Landschaft
Toggenburg Kühe
Neckertaler Höhenweg Wanderung

Auf der Landscheidi kreuzt sich der Neckertaler Höhenweg mit dem Jakobsweg. Hier besteht die Option, dem Höhenzug in Richtung Osten bis nach Waldstatt zu folgen und dort von einer etwas besseren ÖV-Anbindung (Halbstundentakt anstelle vom Stundentakt in Schönengrund) zu profitieren.

Mit Blick auf die Uhr und dem Wissen, dass die verbleibenden rund 1.5 Stunden Wanderzeit optimal auf den Postautofahrplan abgestimmt sind, bleiben wir auf dem Höhenweg. Dieser biegt Richtung Westen ab und führt uns über offene Felder, vorbei an landwirtschaftlichen Streusiedlungen via Chäseren zurück ins Tal. Auf dem asphaltierten Teilstück zwischen Oberstofel und Stofel machen sich die absolvierten knapp 18 Kilometer so langsam in den Füssen bemerkbar – doch beim Blick zurück auf die nun fern scheinende Wilkethöchi weiss ich auch, dass ich mir das feine Znacht im Rössli definitiv redlich verdient habe.

Wilkethöchi Neckertal
Wald Schönengrund Toggenburg

Praktische Tipps für deinen Abstecher ins Neckertal

Der Neckertaler Höhenweg führt von Mogelsberg in drei Etappen mit total 56 Kilometern nach Hemberg.

Der Routenverlauf unserer Tour entlang der ersten Etappen von Mogelsberg nach Schönengrund kann nachfolgender Karte entnommen werden. Die Distanz der Wanderstrecke beträgt 18 Kilometer. Dabei sind von Mogelsberg bis auf die Wilkethöchi 560 Höhenmeter bergwärts zu überwinden. Weitere 200 Höhenmeter fallen beim Aufstieg von Dicken nach Bergli an. Ausgeschildert ist die Tour mit rund sechs Stunden Gehzeit. Wir benötigten ohne grossen Pausen knapp fünf Stunden. Der Ausgangspunkt der Wanderung erreicht ihr mit der S-Bahn ab Gossau oder Uznach im Halbstundentakt (Achtung – am Bahnhof Mogelsberg stoppt die S-Bahn nur «auf verlangen»). Am Zielort Schönengrund gibt es eine stündliche Postautoverbindung via Brunnadern zurück nach Gossau/Uznach (ebenfalls ein Bahnhof mit «Halt auf verlangen»).

Aufgrund der Höhenlage zwischen 750 und 1’200 Meter über Meer eignet sich diese Etappe des Neckertaler Höhenwegs gut für eine Frühlings- oder Herbstwanderung.

Die Übernachtungspreise im Rössli variieren je nach Zimmergrösse und bewegen sich zwischen 170 und 190 CHF für eine Übernachtung im Doppelzimmer mit privatem Bad. Das Gourmet-Menü kostet bei 3-Gängen 77 CHF – 5-Gänge kosten 95 CHF (es besteht auch die Möglichkeit, halbe Portionen für einen leicht reduzierten Betrag zu bestellen).

Ein Ausflug ins Rössli lässt sich auch mit einer einfachen Wanderung durch die Wissbachschlucht bei Flawil kombinieren oder mit einem Besuch des Baumwipfelpfades. Der Baumwipfelpfad hat in der Regel ganzjährig geöffnet (aktuell bleibt er jedoch noch bis voraussichtlich am 7. Juni geschlossen). Konsultiert am besten vor dem Besucht die offizielle Website.

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