Madonna di Campiglio: Eine Winterreise nach Trentino

Madonna di Campiglio: Eine Winterreise nach Trentino

«Im Gegensatz zu Südtirol erlebst du im Trentino 100% italienische Mentalität!» Das wurde mir vor und während unserer Reise in die südlich angrenzend an Südtirol gelegene Provinz mehrfach gesagt. Und es stimmt. Fünf Trentino-Minuten, dauern dreissig Schweizer Minuten. Aber dazu später. Abgesehen vom durch und durch italienischen Flair, gibt es zwei weitere gute Argumente, wieso sich die etwas längere Anfahrt für ein Winterwochenende im Trentino auszahlt: das hervorragende kulinarische Angebot und die Dolomiten. Vor zwei Jahren sind wir extra dafür ins Val Badia gereist und erlebten auf der Sellaronda zwischen Südtirol und dem Trentino ein Skierlebnis der Superlative. Dieses Mal wollten wir uns einer der bekanntesten Wintersportorte Italiens – Madonna di Campiglio – am Fusse der Adamella-Brenta Dolomitengruppe näher anschauen.

Boxenstopp in Trient

Zum Auftakt musste aber ausnahmsweise einmal Italien auf die Schweiz warten. Ich hatte für diese Reise ein Auto gemietet, da wir so gut zwei Stunden Reisezeit sparen und flexibler unterwegs sind. Eigentlich stehe ich mit Mietautos nicht mehr auf Kriegsfuss. Aber wie immer, wenn ich vermeintlich alles im Griff habe, tauchen die Tücken auf. Dieses Mal verzögerte sich unsere Abreise aufgrund meines anfänglichen Nichtfindens der Handbremse und einer damit verbunden – mit penetranten Piepsen begleiteten – hysterischen Fahrt durch den Zürcher Morgenverkehr. Halleluja. Meine Laune war danach auf dem Tiefpunkt. Weitere Aufreger blieben uns zum Glück erspart und so erreichten wir mit leichter Verzögerung, kurz nach dem Mittag, die Provinzhauptstadt Trient.

Es lohnt sich, die Reise mit einem halben Tag Sightseeing in Trient zu verknüpfen. Nach einem leichten Mittagessen in den historischen Räumlichkeiten des Restaurants Scrigno del Duomo hatten wie unsere Energiespeicher gefüllt und waren bereit für einen Stadtspaziergang durch die geschichtsträchtigen Gassen von Trient. Herzstück ist die Piazza Duomo mit dem St.Vigilius Dom und den prunkvollen, bunt bemalten Palazzi rundherum. Die Geschichte von Trient geht bis auf die Römer zurück. Überreste aus dieser Zeit sind unter der heutigen Fussgängerzone zwischen Teatro Sociale und Piazza Cesare Battisti zu bewundern. Ein weiterer markanter Zeitzeuge ist das Schloss Buonconsiglio als Machtzentrum der Konzilstadt. Die Altstadt von Trient ist übersichtlich und alles liegt in fussläufiger Distanz. Fast an jedem Gebäude gibt es spannende Details zu entdecken und an manchen Stellen locken Durchgänge in scheinbar verstecke Innenhöfe. Für einen Kaffeestopp kann ich euch das alternative Café Corte (Via degli Orbi 9) empfehlen. Gefallen hat mir auch die Stadtgalerie der Zeitgenössischen Kunst (Eintritt frei).

Trentino Provinzhauptstadt Trient Trient Altstadt Palazzi Trient Dom

Trentino Winterhotspot Madonna di Campiglio

Das Wetter präsentierte sich an diesem ersten Nachmittag durchzogen. Just als wir die Weiterfahrt nach Madonna die Campiglio antraten, zeigte sich der blaue Himmel über Trient. Das Trentino ist nicht nur die Region der mächtigen Dolomiten und des guten italienischen Essens, sondern auch eine Seenregion. Auf dem Weg passierten wir einen davon – den Lago di Molveno. Und die Stimmung war so zauberhaft, dass wir kurzerhand einen Fotostopp einlegten. Wir waren auf der Hinfahrt zu Beginn unsicher, ob sich der Schnee in der Höhe halten konnte, oder es bis weit hinauf regnete. Unsere Befürchtungen wechselten beim Anblick der Bergflanken in pure Aufregung. Neuschnee! Wie grossartig ist das denn?! Doch bevor es raus in den Neuschnee ging, quartierten wir uns im DV Chalet Boutique Hotel & Spa im Zentrum von Madonna di Campiglio ein. Ein schönes Hotel mit einer exzellenten Küche. Das Restaurant Dolomieu ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Verbesserungswürdig ist der Service, sowohl an der Rezeption als auch im Restaurant.

Brenta Dolomiten DV Chalet Boutique Hotel Spa DV Bistrot Madonna di Campiglio

Genussvolles Winterwandern

Wer Wert auf ein umfangreiches Frühstücksbuffet mit italienischem Touch (viel Süsses) legt, der startet im DV Chalet glücklich in den Tag. Noch glücklicher macht uns der Neuschnee. Pünktlich auf die Minute erwartet uns Bergführer Marco Maganzini und meint: «da passe ich nicht ins Klischee». Er will uns heute das Vallesinella am Fuss der Brenta-Dolomiten zeigen. Eine schöne Winterwanderung durch den Adamello Brenta Nationalpark, die auch bei unsicherer Wetterlage und wolkenverhangenen Gipfeln gut machbar ist. Das Highlight der kurzweiligen Tour sind die vereisten Wasserfälle am Talende. Manchmal sind hier auch waghalsige Eiskletterer anzutreffen. Nach gut zwei Stunden Gehzeit erreichen wir das die Pra de la Casa. Eine liebevoll renovierte Alphütte, die von der Familie Ciaghi als Bed & Breakfast bewirtschaftet wird. Herrlich zum Entspannen oder sich – wie wir es taten – mit lokalen Köstlichkeiten den Magen voll zu schlagen.

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Foodie Time

Madonna di Campiglio ist glamourös und bodenständig zugleich. Ein Ort, wo sich jeder wohl fühlt. Kulinarisch gibt es die ganze Bandbreite von der einfachen Pizzeria bis zum Sternerestaurant. Ein lässiges (und gut frequentiertes Lokal) ist die Home Stube. Hier wird das im Nachbardorf gebraute Brenta Bräu ausgeschenkt und lokal sowie süddeutsch inspirierte Kost aufgetischt. Das Team ist jung und absolut top! Ich staunte, in welcher Ruhe sie den Ansturm bewältigten und jedem einzelnen genügend Aufmerksamkeit schenkten. Zum Abschluss hat uns Inhaber Giancarlo mit den Worten «in Madonna trinken wir Grappa», zwei verschiedene Grappa offeriert und mit der Kamille-Likör-Variante voll meinen Geschmack getroffen.

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Schneeschuhlaufen mit Dolomitenblick

Nachdem sich am Vortrag die Spitzen der Brenta Dolomiten hartnäckig hinter den Wolken versteckten, bot die grandiose Morgenstimmung Zuversicht. Marco plädierte für eine frühe Gondelfahrt zum Monte Spinale hoch, damit wir in den Genuss des Bergpanoramas kommen. Dieses Unterfangen scheiterte an der Wartezeit auf zwei italienische Journalistenkollegen. Wir warteten gute dreissig Minuten an der Talstation und konnten dabei zuschauen, wie das tolle Morgenlicht langsam von der grauen Wolkendecke verschluckt wurde. Tja. Aber so bestätigte sich wenigstens das uns erzählte Klischee der durch und durch italienischen Lebensart (was ja auch sympathisch ist).

Morgenstimmung Madonna di Campiglio

Und davon abgesehen, dass es uns total ärgert, dass wir die tolle Lichtstimmung mit Warten versäumten, sind die Brenta Dolomiten grau in grau ja auch ganz hübsch. Marco konnte unsere Laune mit der darauffolgenden Schneeschuhtour durch den federleichten Neuschnee vom Chalet Fiat zum Ristorante Boch wieder ins Lot bringen. Der perfekte Abschluss dieses (viel zu kurzen) Abstechers ins Trentino bildete das Mittagessen im Ristorante Boch. Hier gibt es feinste lokale Spezialitäten direkt neben der Skipiste. Pünktlich mit unserer Einkehr setzte der Schneefall ein, verhüllte die Dolomiten mit Einheitsgrau und bescherte uns eine «abenteurliche» Heimreise. Zum Glück hatten wir das mit den Schneeketten diesen Winter bereits geübt…

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Praktische Tipps für deine Winterreise ins Trentino

  • Wer mit dem Auto über den Brenner anreist (kürzeste Verbindung nach Trient), der benötigt eine 10-Tages Vignette für Österreich (erhältlich in ausgewählten Tankstellenshops) und muss am Arlberg und Brenner, sowie auf dem Autobahnabschnitt Brenner-Trient Maut bezahlen. Als Alternative bietet sich die Anfahrt via Gotthard an.
  • Es gibt in Madonna di Campiglio ausgeschilderte Winterwanderwege und Schneeschuhtrails (Infos dazu hier). Wer gerne abseits der markierten Wege eine Schneeschuhtour oder Skitour unternehmen möchte, der kontaktiert die Bergführerschule
  • Madonna di Campiglio liegt mitten im Skigebiet Campiglio Dolomiti di Brenta mit insgesamt 150 Pistenkilometer
  • Der Tagesskipasspreis (Saison 2016/2017) für die Skiarea Campiglio Dolomiti di Brenta beträgt 50 Euro in der Hochsaison

Hinweis: unsere Reise wurde von Visit Trentino und Madonna di Campiglio Tourismus unterstützt. Besten Dank hierfür. Wie immer sind alle Eindrdücke / Meinungen die unseren.

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