Azoren Inselhopping Teil 1 – Einmal rund um Terceira

Azoren Inselhopping Teil 1 – Einmal rund um Terceira

«Da hat es nur Kühe!» Meinte ein Kollege, als ich ihm von meinen Azoren-Inselhopping Plänen mit Start auf der östlichsten Insel der Zentralgruppe des azorischen Archipels Terceira erzählte. Die Azoren bestehen insgesamt aus neun grösseren und mehreren kleinen Atlantikinseln, die sich in drei Inselgruppen aufteilen und als Namensgeber für unser schönes Hochdruckwetter bekannt sind. Wir haben uns fürs Inselhopping vier verschiedene Inseln herausgepickt. Darunter Terceira, die zweitmeist besiedelte Insel, deren Landschaft – und da hat mein Kollege durchaus recht – von der Landwirtschaft geprägt ist. Doch gerade das verleiht Terceira einen ganz eigenen – äusserst reizvollen – Charakter. Und welch Überraschung, in Terceira gibt es natürlich weit mehr als nur Kühe zu entdecken. Für kompakte 400 km2 Landfläche sogar eine ganze Menge.

Hübsch, Hübscher, Angra do Heroísmo

Da ist zuerst einmal die Inselhauptstadt Angra do Heroísmo, die seit 1983 zu den UNESCO Weltkulturerbestätten zählt. Ausschlaggebend war der gut erhaltene Kern der ältesten Azorenstadt, wobei ein Grossteil nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1980 originalgetreu aufgebaut wurde. Wer durch die hübschen, nach streng orthogonalem Muster angeordneten, Altstadtgassen schlendert, kann die beiden markanten Kirchenbauten in Gelb (Se Cathedral) und Blau (Igreja Da Misericordia) kaum verfehlen. Ebenfalls zum Pflichtprogramm gehört die Einkehr bei der Bäckerei O Forno, die das typische «Dona Amélia» Gebäck im Sortiment hat. Die perfekte Stärkung für den anschliessenden Spaziergang über den belebten Stadtplatz Praça Velha und den Jardim Duque hoch hinauf zum Alto da Memória. Hier oben liegt einem die Stadt zu Füssen. Zeit für eine Verschnaufpause.

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Ab in den wilden Inselwesten

Nebst all den bunten Fassaden bietet Angra einige Street-Art Überraschungen, die ich nicht erwartet hättet. Mit einem grossflächigen Kunstwerk sind die «Silos de Terceira» an der Avenida Infante Dom Henrique versehen. Nun wollen wir überprüfen, wie viele Kühe es auf Terceira wirklich gibt, und starten die Inselumrundung westwärts. Terceira lässt sich gut in einem Tag mit dem Mietwagen erkunden. Die Sportskanonen unter euch können natürlich auch rund um die Insel radeln. Auf das schmucke Fischerdorf Sao Mateus direkt neben Angra folgt ein von sagenhaften Alleen und traumhaften Aussichten geprägter Küstenabschnitt. Einen besonders schönen Blick auf die Westküste bietet der Aussichtspunkt «Vigia da Baleis». Für mich landschaftlich definitiv das Filetstück von Terceira. Die mit Trockensteinmauern unterteilten saftig grünen Viehweiden prägen das Landschaftsbild auf allen Inselseiten – doch mir gefällt das daraus resultierende Muster. Ein bisschen wie ein Schachbrett. Aufgeräumt. Sortiert.

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Gischt, Glaube und gutes Essen

Für einen Schwumm in den natürlich geformten Pools in der Bucht von Biscoitos und Quatro Ribeiras ist es in diesen Tagen noch zu kühl. Das hält uns aber nicht davon ab, kurz mit den Zehen im kühlen Atlantik zu schwadern und fasziniert dem Wellenspiel zuzugucken. Danach kehren wir hungrig im Restaurant Caneta (Rua As Presas 13, Altares) ein und bestellen einen Alcatra da Ilha Terceira. Der Fleischeintopf gehört zu den Klassikern unter den Inselrezepten. Käsefans sollten unbedingt den Queijo Vaquinah kosten oder eine Käseplättli zur Vorspeise bestellen.

Quatro Ribeiras Terceira Piscinoas Natureis Quatro Biscois Restaurante Caneta Altares Terceira

Augenfällig sind auf Terceira die bunt bemalten «Impérios». Die Heilig-Geist Tempel sind zwar auf jeder Azoren-Insel Bestandteil der Dörfer, aber die Schönsten sind eindeutig auf Terceira zu finden. Sowohl in Sao Sebastio und Porto Judeu legen wir je einen kurzen Stopp ein, um zwei herausragende Exemplare zu bestaunen. Dazwischen lohnt sich der Abstecher zum Farol da Ponta das Contendas. Eine schöne Fahrt auf schmalen Strässchen, die links und rechts von Weiden gesäumt sind. Im Restaurant Boca Negra, in der Nähe des Heilig-Geist Tempels von Porto Judeu, werden wir mit einer weiteren kulinarischen Spezialität von Terceira konfrontiert. Ich kann mich nicht überwinden, Seepocken zu bestellen. Schaue aber dem Freund fasziniert zu, wie er in dem schneckenähnlichen Gebilde rumstochert, und probiere schlussendlich doch noch todesmutig einen Bissen. Fazit: Na ja. Es schmeckt nicht so schlimm, wie es aussieht.

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Und 10 Kilometer später fahren wir durch Kanada

Landschaftlich überrascht hat uns die Inselmitte, wo der vulkanische Ursprung der Insel mit der Caldeira de Guilherme Moniz – mit 15 Kilometer Umfang einer der grössten Krater des Archipels – deutlich sichtbar ist. Nebst den vulkanischen Zeitzeugen erinnert uns das Hochplateau mit seinen Seen, Tannen und dem rauen Wind an Kanada. Das Highlight – der 100 m tiefe Vulkanschlot Algar do Carvao – blieb uns leider verschlossen. Während der Nebensaison ist der Zugang auf ausgewählte Zeitfenster beschränkt und bleibt am Sonntag leider jeweils durchgehend geschlossen.

Gruta do Natal Seen Terceira Blumen Azoren Reserva Natural Geologica do Algar do Carvao

Allerschönste Felderwirtschaft

Zum Abschluss unserer Inselumrundung hat uns Terceira noch eindrücklich bewiesen, wie zauberhaft die geometrisch geordneten Kuhweiden in Szene gesetzt werden können. Für diesen Ausblick sind wir über Schotterstrasse zum Miradouro da Serra do Cume hinaufgefahren. Einfach herrlich! Lieber Kollege, zum Glück gibt es hier all diese Kühe!

Ausblick Serra do Cume Terceira Miraduoro da Serra do Cume

Praktische Tipps für Terceira

  • Anreise mit TAP Portugal (tägliche Verbindungen ab Zürich) über Lissabon nach Terceira
  • Mietwagen z.B bei Ilha3 Rent-A-Car (direkt ab Flughafen, hat auch Automatik im Angebot)
  • Übernachtung z.B im Terceira Mar Hotel am Stadtrand von Angra (gute Basis) oder im Quinta das Merces in Sao Mateus

Unsere Azoren-Reise wurde durch Amin Travel GmbH ermöglicht. Amin Travel ist spezialisiert auf Reisen nach Portugal mit den Azoren und Madeira, den Kapverdischen Inseln sowie Ägypten und Jordanien. Das kleine Team stellt gerne massgeschneiderte Programme zusammen. Für uns haben sie ein Programm für vier Inseln in 9 Tagen ausgearbeitet. Wer unser Inselhopping in gemütlicheren 14 Tagen nachreisen möchte, kann das inkl. TAP-Flügen, Hotelübernachtungen mit Frühstück und Mietwagen ab 1’725 CHF pro Person buchen  

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