Cremona – die Geigenstadt im Fokus

Cremona – die Geigenstadt im Fokus

Ein kleines Städtchen im Herzen der Poebene, das seine Bekanntheit den Geigen verdankt – willkommen in Cremona. Der Mythos rund um die wertvollen Stradivari Geigen dauert bis heute an. Geschaffen wurde der Hauptteil der Werke vom Italiener Antonio Stradivari zwischen 1700 bis 1725, sein Handwerk übte er aber bis zu seinem Tod 1737 aus. Insgesamt hat er rund 1‘100 Saiteninstrumente gebaut. Davon sind heute noch schätzungsweise 650 erhalten. Beeindruckende Zahlen zu einem einzigartigen Lebenswerk. Das Werk des wohl berühmtesten Geigenbauers der Geschichte prägt seine Heimatstadt Cremona bis heute. Nebst dem Stradivari-Museum, das an den alten Meister erinnert, befinden sich in den engen Gassen rund um den Dom zahlreiche Geigenbauer-Ateliers, die die traditionsreiche Kunst weiterführen.

Und da die Geigen und Cremona unzertrennbar miteinander verbunden sind, wollten auch wir der Faszination des Geigenbaus auf die Spur gehen. Edgar Russ gewährte uns einen Einblick in sein Atelier. Der gebürtige Österreicher hat sein Heimatland mit jungen 17 Jahren verlassen, um in Cremona die berühmte Geigenbauschule „Scuola Internazionale di Liuteria – Antonio Stradivari“ zu besuchen. Obwohl er eigentlich gar nie in Italien bleiben wollte, ist er doch nach Zwischenetappen im Ausland nach Cremona zurückgekehrt und hängengeblieben, um dort 1990 sein eigenes Atelier zu eröffnen. Berühmt geworden sei er, weil er einmal nackt mit einer Geige posiert hat, meint er mit einem Augenzwinkern. Heute exportiert er seine Werke in alle Welt und ist ein gefragter Mann. Die Geigen, Bratschen und der Kontrabass werden in drei verschiedenen Linien produziert, die unterschiedliche Qualitätsstufen aufweisen. Die exklusivste und teuerste Linie sind dabei die Master-Instruments. Da wird monatelange Arbeit in ein einziges Instrument investiert. Sein Lieblingsinstrument ist übrigens, ganz zu meiner Freude, der Kontrabass.

Die meisten Ateliers in Cremona haben ihre Türe für interessierte Besucher geöffnet. Ein Werkstattbesuch lohnt sich. Nie hätte ich mir vorstellen können, wie viel Handarbeit in einem einzigen Instrument steckt.

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Für einen Besuch in Cremona muss man aber nicht zwingend ein Geigenfanatiker sein. Das Städtchen blickt auf eine reiche Geschichte zurück und bietet rund um die Piazza del Comune, gesäumt vom prächtigen Dom, dem Palazzo del Comune mit seinem mächtigen Torrazzo und der Loggia dei Militi, einige Sehenswürdigkeiten. Eins war für mich natürlich von Beginn weg klar: auf den 111 m hohen Glockenturm müssen wir unbedingt. Da unser Exkurs in die Kunst der Lombardischen Küche auf dem Gehöft Locanda Al Carrobbio wenige Kilometer ausserhalb von Cremona etwas länger als geplant gedauert hat. Müssen wir auf dem Rückweg kräftig in die Pedalen treten. Auf den letzten Drücker erreichen wir den Eingang zum Turm. „In 20 Minuten schliessen wir“, meint der Ticketverkäufer mit Nachdruck. Für uns bedeutet das, die 487 Stufen bis zum höchsten Punkt im Eiltempo zu bewältigen. Oben angekommen reicht die Zeit, um 5 Minuten zu verschnaufen und den herrlichen Rundblick über den alten Stadtkern bis zum Po zu bewundern.

Durch den Tag herrscht auf der Piazza geschäftiges Treiben. Gegen den Abend verlagert sich das Geschehen in die Randbereiche, wo zahlreiche Cafés und Lokale beliebte Treffpunkte für den Aperitivo sind. Kein Wunder, schliesslich gibt es hier bei schönster Sicht auf die beleuchteten Bauwerke für 8.50 Euro einen Apérol Spritz, ein Bier und eine deftige Häppchen-Platte. Ah bella italia – wie kann man dich nicht mögen?

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Abseits der Piazza del Comune gibt es wenig herausragende Highlights, dafür ganz viele nette kleine Details. Erwähnenswert ist zum Beispiel die Umgestaltung der Corso Guiseppe Garibaldi. Mit viel Farbe auf der Fahrbahn wurde hier im Rahmen eines innovativen Ansatzes eine Begegnungszone geschaffen. Charmant sind auch die engen Gassen mit farbenfrohen Häusern, hübschen Balkonen und einladenden Läden, die lokale Produkte anbieten. Wieso also nicht einmal einen Ausflug in die Po-Ebene unternehmen und dabei einen Stopp in Cremona einplanen? Ab Mailand dauert die Anfahrt mit dem Zug eine knappe Stunde. Für mich war diese Zugreise durch die Lombardei auf jeden Fall eine Bereicherung. Abseits der touristisch stark vermarkteten italienischen Top-Destinationen bietet die Region unter anderem mit Kleinstädten wie Mantua und Cremona weniger bekannte Reiseziele, die mit Authenzität und Charme punkten.

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Hinweis: Meine Reise durch die Lombardei fand im Rahmen des #blogville Projekts statt und wurde von der Regione Lombardia unterstützt – Vielen Dank hierfür. Meine Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich hier stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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