Indian Summer im Simplongebiet

Eigentlich hätten wir für dieses Wochenende die Tour Simplonpass – Bistinenpass-Gibidumsee anvisiert. Doch der frühe Wintereinbruch machte uns einen Strich durch die Wanderpläne. Oberhalb von 2’000 Höhenmeter hatte Frau Holle in den letzten Tagen ordentlich ihre Bettwäsche ausgeschüttelt. Je nach Lage bis zu 50 cm Neuschnee. Definitiv zu viel, um mit den Wanderschuhen gemütlich durch die Landschaft zu stapfen – mal ganz abgesehen davon, dass man die Wanderwegmarkierungen nicht mehr sieht. Eine Alternative musste also her. Nach einem kurzen Hin und Her entschieden wir uns der ursprünglichen Richtung treu zu bleiben, aber etwas länger im Postauto sitzen zu bleiben. Die Lärchenwälder im Simplongebiet lassen die Region um diese Jahreszeit goldig leuchten und laden zu ausgedehnten Wanderungen in Höhenlagen zwischen 1’000 bis 2’000 Höhenmeter ein. Der wohl älteste Lärchenwald der Schweiz, der Hittuwald, befindet sich gleich vis-à-vis von Simplon Dorf am Chastelberg.

Unsere Alternativroute startet bei der Postautohaltestelle «Gabi», direkt nach Simplon Dorf und verläuft gleich wie die erste Etappe des Stockalperwegs, der von Gondo über den Simplonpass nach Brig führt. Hier auf knapp 1’200 Höhenmeter ist der Schnee bereits weggeschmolzen. Doch die schattigen Nordhänge und höheren Lagen präsentieren sich an diesem Morgen in weisser Pracht. Wir folgen dem Wanderweg bergwärts Richtung Furggu. Steil steigt der Pfad an und bald einmal kommen wir ins Schnaufen. Vorbei an verlassenen Weiler und durch gelb leuchtende Lärchenwälder treffen wir bald einmal auf die ersten Schneefelder. Noch ist der Weg problemlos sichtbar. Doch bei der Lichtung Mittelhüs auf gut 1’700 m ü. M. hat der Schnee die Matten mit bis zu 30 cm Neuschnee überpudert. Kurz vor Furggu verpasse ich vor lauter Schnee die richtige Weggablung und nehme ungeplant eine Abkürzung geradeaus den Hang hinauf.

Gabi-Berguette Neugierige-Kuh Wanderung-Simplongebiet Simplongebiet-Herbst Laerchenwald-Simplon Wanderung-Laerchenwald-Simplon Furggu-Simplon-Wanderung-1 Furggu-Simplon-Wanderung-2 Furggu-Simplon-Wanderung-3 Furggu-Simplon-Wanderung-4 Brunnen-Alp Laerchenwald-Herbst-1

Talwärts Richtung Zwischenbergtal wandert es sich wieder einfacher. Der feuchte Herbstschnee hat beim Aufstieg Kraft gekostet. Nun können wir die Aussicht auf den bunten Lärchenwald erst richtig geniessen. Der schönste Abschnitt folgt zum Schluss. Ab dem Sera Stausee bei Zwischbergen verläuft der Wanderweg in einem leichten Auf und Ab durch lichte, rot leuchtende Buchenwälder. In der Kombination mit den gelb gefärbten Lärchen in den höheren Lagen ein prächtiges Farbenspiel. Als weitere Farbkomponente kommt das Türkis schimmernde «Grosse Wasser» dazu, das vom Zwischenberggletscher talwärts sprudelt. Hier im Fluss kann übrigens noch heute mit etwas Glück Gold finden. Seine Blütezeit erlebte das Zwischenbergtal im Rahmen des «Goldrausches» im 19. Jahrhundert. Daran erinnern heute noch die verlassenen Weiler, deren Gebäude langsam zerfallen. Ausser einer Herde vorwitzigen Schafen ist uns unterwegs niemanden begegnet. Der Kälteeinbruch hat wahrscheinlich alle etwas eingeschüchtert. Doch gerade das Zwischenbergtal auf knapp 1’200 m ü. M. bildet die perfekte Kulisse für gemütliche Herbstwanderungen.

Laerchenwald-Herbst-2 Sera-Stausee-Gondo Grosses-Wasser-Gondo-1 Grosses-Wasser-Gondo-2 Grosses-Wasser-Gondo-3 Gondo-Schafe-Herbst Schafe-Gondo Sagi-Gondo Indian-Summer-Simplongebiet-Gondo-1 Buchenwald-Gondo-1 Buchenwald-Gondo-2 Grosses-Wasser-Gondo

Praktische Infos und Tipps zur Wanderung Gabi-Furggu-Gondo

Der Routenverlauf kann nachfolgender Karte entnommen werden. Die Wanderung von der Postautostation Gabi (nach Simplon Dorf) bis Gondo ist rund 10.7 Kilometer lang, beinhaltet eine Steigung von 720 Höhenmetern und ein Gefälle von 1’100 Höhenmetern. Die reine Laufzeit beträgt rund 4.5 Stunden. Den Ausgangspunkt erreicht man ab Brig mit dem Postauto über den Simplonpass Richtung Domodossola. Am Zielort fährt die gleiche Postautolinie vorbei. Das Postauto bedient die Simplonpass-Strecke ganzjährig. Je nach Saison und Tageszeit fährt es aber nur im Zweistundentakt (Fahrplan vorher konsultieren).

Anita Brechbühl

Hallo ich bin Anita, leidenschaftliche Weltenbummlerin und Hobby-Fotografin. Ich liebe es, neue Flecken auf unserer wunderbaren Welt zu entdecken. Dabei gilt, das Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür! So bin ich nicht nur in exotischen Ländern sondern auch oft in der Schweiz unterwegs.

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