Raus trotz Regen: ab in die Taminaschlucht

Raus trotz Regen: ab in die Taminaschlucht

Über schlechtes Wetter kann ich mich aktuell nicht beklagen. Wir schätzen uns grad sehr glücklich, bei schönstem Wetter in der Schweiz unterwegs zu sein. Doch Petrus hat es faustdick hinter den Ohren. Zäukelt er doch von Montag bis Freitag mit der Sonne vor unseren Bürofenstern rum, um pünktlich aufs Wochenende mit kräftigen Regenwolken aufzumischen. Tja. Was dann?

Das haben wir uns kürzlich an einem Sonntag gefragt und eine pragmatische Lösung gefunden. Wir gehen wohin, wo es eh schon nass und feucht ist. Gut geeignet ist die Taminaschlucht bei Bad Ragaz. Ein Schlechtwetterpoker für alle, die trotz dunklen Regenwolken raus an die frische Luft zieht.

Raus an die frische Luft

Zum guten Glück. So machten wir uns mit Regenjacke und guten Schuhen ausgestattet auf den Weg nach Bad Ragaz. Vom Bahnhof führt ein Wanderweg mit rund einer Stunde Wanderzeit auf einer schmalen Fahrstrasse direkt bis zum Alten Bad Pfäfers, wo sich der Eingang zur Taminaschlucht befindet. Alternativ fährt bedient das Postauto dieselbe Strecke. Halbtax und / oder GA werden für diese Strecke nicht anerkannt (Einzelfahrt Erwachsene 6 CHF / Hin-/Retour 11 CHF). Wir entscheiden uns aus Bequemlichkeit für die Postauto-Variante. So kommen wir trocken den Ausgangspunkt für den Schluchtenweg, wo mittels Drehkreuz 5 CHF Wegzoll verlangt wird. Dafür lässt sich die mystische Schlucht mit ihren hohen Felswänden heute bequem durchschreiten. Im 16. Jahrhundert, als Paracelsus hier Badearzt war und über die beeindruckende Wirkung des 36.5° warmen Thermalwassers schrieb, war der Weg zur Quellwassergrotte weit beschwerlicher und gefährlicher. Dafür blieben die Leute damals – wenn einmal bis nach hinten geschafft – gleich mehrere Tage im Wasser.

Der Weg entlang der wilden, gurgelnden Tamina, eingeklemmt zwischen steilen Felsflanken ist ein Erlebnis. Rund 700 m führt der Weg in die Tiefen der Taminaschlucht hinein. Auf den letzten Metern führt ein Stollen zum Quellwasserbrunnen, wo das heisse Wasser entspringt. Auf dem Rückweg werfen wir einen Blick in den barocken Bäderbau des Alten Bad Pfäfers. In diversen Räumlichkeiten sind Infos rund um die Entstehungsgeschichte des Thermalbadeortes Bad Ragaz und der Taminaschlucht unterhaltsam erläutert. Zum Aufwärmen hüpfen wir danach gleich selber noch ins gesunde Wasser in der Tamina Therme, die an diesem Sonntagnachmittag gut gefüllt ist.

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Fein essen in Bad Ragaz

Nach der frischen Luft und Bewegung in der Schlucht und dem Aufwärmen im warmen Thermalwasser, gönnen wir uns ein besonderes Abendessen. Die Eröffnung des neuen Restaurants im Grand Resort Bad Ragaz «Igniv by Andreas Caminada» habe ich mit Interesse verfolgt. Dieser Ausflug bot die Gelegenheit, Schluchtenweg und Spitzengastronomie miteinander zu kombinieren. Das Restaurantkonzept hat Andreas Caminada ausgearbeitet und wird vor Ort von einem jungen Team rund um Küchenchef Silvio Germann geführt. Die Raumaufteilung und das Ambiente finde ich gelungen. Das Igniv ist getreu seinem Namen («Nest») in verschiedene Nischen aufgeteilt und die Bestuhlung ungezwungen und lässig gelöst.

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Das Konzept beruht auf einem «Sharing-Erlebnis». Jeder Gang besteht aus verschiedenen Teilkomponenten, die zum Teilen in die Mitte des Tisches gestellt werden. Mal etwas Anderes, das gleichzeitig die ungezwungene Grundhaltung des Restaurants unterstreicht. Zur Auswahl stehen ein 3- oder 4-Gänge-Menü mit jeweils der Möglichkeit zusätzlich die Ingiv Surprise Komponenten dazu zu bestellen. Wir wählen 3-Gänge plus Surprise Komponenten. Im Nachhinein wären drei Gänge völlig ausreichend gewesen – aber wir wollten natürlich wissen, wie die Surprise Komponenten daherkommen. Der Start verlief harzig. Für mich war der erste Gang bestehend aus vielen kleinen Tellerchen von Gänseleber bis hin zu Sashimi geschmacklich zu «komplex». Mir hätte der Tomatensalat mit fünf verschiedenen ProSpecieRara Sorten ausgereicht. Der schmeckte hervorragend. Die darauffolgenden Surprise Komponenten waren fischlastig. Mein Highlight des Abendessens war der Hauptgang bestehend aus einem Dreierlei vom Reh. Grossartig!

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Die Nachspeise mit meinem Favoriten dem Sauerrahmeis und weiteren Köstlichkeiten konnte den Hauptgang nicht toppen. Insgesamt ein schöner Abend, auch wenn es für mich keine Gänseleber braucht und wir beim nächsten Mal die einfache 3-Gänge-Variante wählen würden. Spannend bleibt, wie Gault Millau und Michelin das Restaurant in Kürze beurteilen werden. Zudem eröffnet auf die Wintersaison ein zweites Igniv im Badrutt’s Palace in St. Moritz.

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