Ligurien: mehr als Cinque Terre

Manchmal verfluche ich Instagram. Oder besser gesagt ich verfluche Leute, die Fotomotiven hinterherjagen, als wären es Goldtrophäen. Reichweitenstarke Instagrammer posten ein Motiv und Wochen später wird das Bild von zig Instagrammer kopiert. Besonders beliebte Destinationen aktuell: Färöer, Grönland, Lofoten und Cinque Terre. Ja, mir sind die fünf Dörfer, die sich nordwestlich von La Spezia als perfekte Postkartenmotive vor der steil abfallenden ligurischen Küste «picture perfect» präsentieren, beim Durchscrollen öfters aufgefallen. Und so nominierte ich letztes Jahr – inspiriert von den Bildern – Cinque Terre als eine meiner 15 Reiseideen von 2015. Aber ehrlich – inzwischen ist meine Lust auf eine Reise nach Manarola, Vernazza und co abgeflaut. Man weiss ja dank Instagram genau, wo man hinstehen muss, um im Anschluss mit dem Trophäenbild auf den Sozialen Netzwerken Herze, Sterne und Likes einzusacken. Langweilig, oder? Gleichzeitig war aber auch mein Ehrgeiz geweckt, eine Seite Liguriens zu entdecken, von der es noch keine Bilderflut im Internet zu sehen gibt. Und als mich Green Pearls® – eine Kollektion handverlesener, «grüner» Plätze weltweit – anfragte, ob ich Lust habe, ihre zwei Mitgliedshäuser im ligurischen Hinterland zwischen San Remo und Imperia zu besuchen, war für mich klar: Ja!

Ein guter Entscheid. Es waren fünf zauberhafte Tage zwischen Olivenhainen, in mittelalterlichen Gässchen, mit Sand zwischen den Zehen und erfrischendem Geplansche im Bergbach. Lago mio, die Riviera dei Fiori hat mich schön um den Finger gewickelt.

Ein Hideaway zum Verlieben in Ligurien

Aber unter uns: Bei einer solchen Location ist miese Laune ein Ding der Unmöglichkeit, oder? Die ersten beiden Nächte unserer Kurzreise verbrachten wir im Relais del Maro. Das Albergo Diffuso liegt rund dreissig Fahrminuten von Imperia entfernt mitten im Kern von Borgomaro und verteilt sich auf drei alte Gebäude. Die insgesamt 14 Zimmer und Suiten sind mit Bedacht renoviert und Liebe zum Detail ausgestattet. Unser Zimmer war zwar verhältnismässig klein, dafür war gleich ums Eck ein gemütlicher Aufenthaltsraum zum Verweilen.

Ein Bijou ist der Garten mit Pool und Blick über die Dorfkirche auf die sattgrünen Hügelzüge. An schönen Tagen (und an diesen mangelt es Ligurien nicht) gibt es das Frühstück draussen auf der Terrasse. Die Herkunft aller lokalen Produkte, die im Buffet zur Auswahl stehen, sind in einer Broschüre aufgeführt. Für Tipps zur Region und sehenswerten Orten wendet man sich an Elena und ihre «Mamma». Und wer nach einem ereignisreichen Tag im Impero-Tal oder von der Küste ins Relais del Maro zurückkehrt. legt sich in den Liegestuhl und wird mit hausgemachtem Kuchen verwöhnt. Ein Ort für alle, die ein Stück authentisch ligurische Gastlichkeit erleben möchten.

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Basislager Borgomaro

Borgomaro lebt. Gleich gegenüber vom Hauptgebäude des Relais del Maro befindet sich der Hauptplatz, wo am Abend die Kinder rumrennen und sich die Nonni am Sonntagmorgen zu einem Schwatz treffen. Im Fluss schwadern quietschgelbe Entenküken rum, in den engen Gassen wird Fussball gespielt und am Samstagabend singt die Talbewohnerschaft in der Pizzeria Le Logge Karaoke. Wir haben uns köstlich amüsiert und dabei gut gegessen. Inklusive Affogato zur Nachspeise.

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Entspannte Tage rund um Borgomaro

«Wieso fahren alle nach Cinque Terre, wenn die Riviera dei Fiori das Gleiche ohne Massentourismus im Angebot hat?», habe ich mich am zweiten Morgen gefragt, während wir der Sonne zugucken, die sich langsam hinter dem Horizont hervor kämpft und Cervo mit einem goldigen Schimmer umgibt. Ist hier tatsächlich Instagram der Übeltäter? Nach einem kurzen Spaziergang durch die engen und steilen Gässchen von Cervo sind wir nach Laigueglia weitergefahren, wo sich reihenweise Sonnenanbeter in der Septembersonne bräunten. Zwischen Imperia und Alassio hat es einige Buchten, die mehr Ruhe und Einsamkeit bieten, als der Strand direkt vor Laigueglia. Das Relais del Maro hat die schönsten Strandabschnitte in kleiner Broschüre zusammengefasst, damit man als Gast ohne grosse Suchaktionen zum entspannten Strandtag kommt. Ein Stopp in Laigueglia lohnt sich dennoch. Zum einen weil es in den Altstadtgässchen charmante Läden zu entdecken gibt, und zum anderen weil die Sonnenschirme in Reih und Glied vor den farbigen Hausfassaden der Altstadt ein nettes Bild abgeben. Italianità halt.

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Ein Tipp für Foodies in Ligurien

«Oh cara das ist mein absolutes Lieblingslokal», meinte Elena voller Begeisterung als wir ihr von unserem phänomenalen Mittagessen im Restaurant Sarri in Porto Maurizio erzählten. Und da können wir ihr vollstens zustimmen!

Das fünfgängige Degustationsmenü von 1-Sterne-Koch Andrea Sarri kostet 38 Euro und ist ein kulinarischer Streifzug durch die Küstenregion der Riviera dei Fiori. Besonders charmant fand ich, dass am Nebentisch Andreas Mamma sass und sich von ihrem Sohn am Mittag bekochen liess. Für uns eines der stimmigsten Gourmetessen dieses Jahres und ein Hingehtipp für alle, die irgendwann mal in Imperia vorbeikommen.

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Diese Reise wurde von den Green Pearls® unterstützt. Alle Eindrücke / Meinungen sind wie immer unsere eigenen.

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Kommentare

  • Sarah September 22, at 15:08

    Hach, wie schön! War schon in vielen Ecken von Italien. Ligurien ist dann wohl als nächstes dran! <3

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  • Pascale September 27, at 10:08

    Vielen Dank für diesen Tipp! Ich war vor 7 Jahren einmal in der Cinque Terre. Schon damals hatte es viele Touristen, aber was ich jetzt auf all diesen Instagrambildern sehe – unglaublich! Echt schade, wie sehr die Locations durch Social Media ausgelutscht werden.Liebe Grüsse

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    • Anita Brechbühl September 28, at 18:35

      Hoi Pascale - ja manchmal fragt man sich, wieso alle ans gleiche Ort müssen, statt selber ihre eigenen Entdeckungen zu machen

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  • Thomas März 31, at 10:34

    Ein paar Tipps für Alle, die nach Ligurien fahren 1. Valoria, der Ort der bemalten Türen, ca. 20 km nördlich von Imperia. Ein MUSS, wenn man schon mal in der Nähe ist. 2. Bussana Vecchia, gehört zu San Remo, ein im Jahre 1887 zerstörtes und verlassenes Dorf oberhalb von San Remo. Hier wird die Vergangenheit lebendig, das fast alles noch so ist, wie es vor 125 Jahren verlassen wurde. 3.Alle kleinen Dörfer in den Seealpen, einfach hinfahren und genießen 4. Steht am Straßenrand mal eine Tafel auf dem ein Menü (10-12 Gänge für ca. 30€) angeboten wird - SOFORT ANHALTEN UND TISCH RESERVIEREN. Es gibt keinen schnelleren, gemütlicheren, geschmackvolleren Weg die Küche der Gegend kennenzulernen. Meistens gekocht von der Nonna, serviert von den Kindern und Enkeln.Viel Vergnügen Thomas

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  • Kerstin August 02, at 13:22

    Hallo Anita, danke für deinen tollen Beitrag - hat mir (wie schon so oft) nochmals tolle Tipps für unsere geplante Reise gegeben. Liebe Grüße, Kerstin

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    • Anita Brechbühl August 02, at 14:00

      Das freut mich zu hören :) - in dem Fall eine wünsche ich eine tolle Tour durch Ligurien!

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