Dos und Don’ts: 7 Sightseeingtipps für Shanghai

Dos und Don’ts: 7 Sightseeingtipps für Shanghai

«Crazy Shanghai», denke ich bereits wenige Minuten, nachdem wir den Flughafen Pudong hinter uns gelassen haben. Zwei Tage stehen uns zur Verfügung, um die riesige Metropole zu erkunden und ich weiss gar nicht, wo wir anfangen sollen. Heillose Überforderung! Shanghai zählt zu Chinas grössten und gleichzeitig modernsten Städten. Wobei wir durchs Taxifenster zuerst einmal viel grauen Smog und lieblose Vorstadtwolkenkratzer begutachten. Schön ist definitiv anders. In den folgenden zwei Tagen haben wir zum Glück jedoch mehr als das Verkehrschaos von Shanghai kennengelernt. In diesem Beitrag zeige ich, welche Spots mir gefallen haben und welche Sehenswürdigkeiten ich schlicht überbewertet finde.

Vorab für alle Interessierten eine kurze Erläuterung zu unserem Shanghai-Abstecher: Wer meinen Südkorea-Reisebericht gelesen hat, mag sich eventuell an die Visa-Geschichte erinnern. Mein ursprünglicher Reiseplan sah vor, dass wir nach einem Monat in Japan nach Peking fliegen und von dort aus der Seidenstrasse bis nach Zentralasien folgen. Die Hürde dabei war, dass die Einreise nach China bei einem normalen Touristenvisum bis maximal drei Monate nach dem Visa-Ausstellungsdatum zu erfolgen hat. Da unsere Reise bereits im Dezember startete, China aber erst im Mai auf dem Programm stand, mussten wir diese Frist umgehen. Aus organisatorischen Gründen wollten wir den Visumantrag vor der Abreise stellen. Dies aus dem Ausland zu erledigen ist nämlich nicht minder kompliziert. Die Lösung lautete «double entry Visa». Bei einem Nachweis der zweimaligen Einreise nach China kann ein «double entry Visa» beantragt werden, das eine Einreise bis zu sechs Monaten nach dem Ausstellungsdatum ermöglicht. Und so ergänzten wir unsere Reiseroute mit einem dreitägigen Abstecher nach Shanghai.

Ich empfand Shanghai als idealer China-Einstieg. Ausser dass Google & Co gesperrt sind und einem Überwachungskameras auf Schritt und Tritt folgen, ist Shanghai eine westlich geprägte Stadt. Dementsprechend hat hier die Kommunikation auf Englisch auch gut funktioniert.

Do: Einen Morgenspaziergang am Bund unternehmen

Shanghais berühmte Uferpromenade «The Bund» gehört mit zu den Top Sehenswürdigkeiten. Und so steuern wir den Bund gleich am ersten Morgen kurz nach 8 Uhr in der Früh an. Wir starten unseren Spaziergang auf Höhe Bund 18, bestaunen die mystisch in eine Smogschicht eingehüllte Skyline und flanieren bis zu Gucheng Park. Es sind nur wenige Leute unterwegs und die Stimmung ist entspannt. Ein Frauengrüppchen tanzt zu flotter Musik und vereinzelt überholen uns Jogger. Wer diesen Teil von Shanghai in aller Ruhe erkunden möchte, dem empfehle ich, ebenfalls am Morgen vorbeizuschauen. Gut 12 Stunden später haben wir den Bund nämlich komplett anders erlebt, wie ihr weiter unten nachlesen könnt.

Shanghai Skyline Morgenspaziergang am Bund Shanghai Bund historische Bauten

Don’t: Denken, dass die Yu Gardens am Morgen leer sind

Eine weitere Touristenattraktion von Shanghai sind die während der Ming Dinastie errichteten Yu Gardens unweit vom The Bund. Ich hatte unseren Spaziergang vom The Bund so getaktet, dass wir pünktlich zur Öffnungszeit um 9:00 Uhr die Yu Gardens erreichen, und dachte, das sei eine super Idee. Fehlalarm! Ich ging nämlich davon aus, dass der gesamte Komplex bestehend aus historischen Gebäuden und einer Gartenanlage erst nach 9 Uhr zugänglich ist. Dem ist nicht so. Das Quartier rund um den Garten ist ganztägig zugänglich und wer Fotos machen möchte, sollte hier vor neun Uhr in der Früh vorbeischauen. Ich muss mich bereits mit leichtem Ellbogeneinsatz durch die Menschenmassen drängen, um zum Ticketoffice für die Gartenanlage zu gelangen.

Zahlreiche Gruppen haben sich vor dem Eingangstor zum Garten versammelt und vor dem Kassenhäuschen hat sich eine lange Schlange gebildet. Entgegen der Information, die ich online gefunden habe, öffnen Kasse und Garten erst um 9:15 Uhr ihre Tore. Mir vergeht die Lust auf den Garten beim Anblick all der Menschen, die ebenfalls rein wollen. Ich überwinde mich, zahle für zwei Eintritte 80 Yuan und tripple im Anschluss hinter den Gruppen her. Dank der verwinkelten Gartenanlage verteilen sich die Besucherströme überraschend gut. Und ja der Garten hat einige sehr schöne Ecken, aber denkt nicht, dass ihr diese für euch alleine habt.

Shanghai Yu Gardens Tor Yu Gardens Shanghai Detail Yu Gardens

Do: Museen besuchen

Nach dem Erlebnis in den Yu Gardens verwarfen wir die Idee, eine der nah gelegenen historischen Water Towns wie Qibao oder Zhujiajiao zu besuchen. Gemäss den Infos auf China Highlights sind die etwa ähnlich mit Touristen verstopft wie die Gegend um die Yu Gardens. Stattdessen widmeten wir uns den Museen. Zum einen bietet Shanghai eine echt interessante Auswahl an Museen für jedes Interesse und zum anderen waren die von uns besuchten Museen angenehm «leer».

Zu den beliebtesten Museen gehört das Shanghai Urban Planning Exhibition Center auf dem People’s Square. Das Museum gibt einen umfangreichen Einblick in die Stadtentwicklung von Shanghai und zeigt die raumplanerischen Herausforderungen auf. Der Eintritt kostet 30 Yuan und die Ausstellung hat am Montag geschlossen. Nur einen Steinwurf vom Urban Planning Exhibition Center entfernt befindet sich das Museum of Contemporary Art, das ebenfalls einen Besuch wert ist.

Shanghai Urban Planning Exhibition Urban Planning Ausstellung Shanghai

Kunstinteressierten empfehle ich zudem einen Abstecher an den West Bund. Dort befindet sich das West Bund Artistic Center sowie das Yuz Museum. Mit über 9’000 m2 Galerieflächen bietet das Yuz spannende zeitgenössische Wechselausstellungen. Mir hat insbesondere die Ausstellung von Random International mit dem Rain Room imponiert (läuft noch bis zum 14. Oktober 2018).

West Bund Artist Center Shanghai

Do: Die French Concession erkunden

Einer der charmantesten Ecken von Downtown Shanghai ist für mich die French Concession. Nach dem ersten Opiumkrieg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war China gezwungen, Stadtteile als Konzessionsgebiete an die siegreichen Mächte abzugeben. Die Bezeichnung des französischen Konzessionsgebiets hat sich bis heute gehalten. Ebenso einen Hauch französisches Flair und vor allem zahlreiche prächtige Baumalleen, die ich in einer solchen Metropole nicht erwartet hätte. Ich habe mich in diesem Stadtteil sehr wohl gefühlt. Dazu beigetragen hat auch unsere «Stadtoase» – das Urbn Boutique Shanghai. Die Lage des Hotels ist perfekt, um die French Concession zu Fuss zu erkunden oder mit der Metro bis zum People’s Square zu fahren. Ein Highlight in Fussdistanz zu unserem Hotel ist das unscheinbar im Keller eines Wohngebäudes gelegene Propaganda Poster Art Centre. Ein interessanter Einblick in das China unter Mao Zedong.

French Concession Shanghai Urbn Boutique Hotel Shanghai

Don’t: Denken, Tianzifang sei authentisch

In der French Concession ist für chinesische Verhältnisse noch sehr viel historische Bausubstanz erhalten geblieben. Bei der Recherche las ich an vielen Stellen, dass das Viertel Tianzifang mit seinen engen Gässchen und netten Läden eines der Authentischsten sei. Selbstverständlich wollten wir uns davon einen Eindruck verschaffen. Nur leider war unser Erlebnis hier ähnlich wie in den Yu Gardens: zu viele Leute und Ramschläden. Die verwinkelten Gässchen wären – mit weniger Läden – tatsächlich sehr nett. Aber mir hatte es hier schlicht zu viele Schaulustige.

Tianzifang Shanghai

Spannend finde ich, dass mir die Gegend rund um Xintiandi entgegen der online Beschriebe besser gefallen hat. Hier konnten sich mitten in der Grosstadt ruhige Wohnstrassen halten. Für eine Kaffeepause lohnt sich ein Stopp bei Essence Coffee im Erdgeschoss eines Shoppingcenters am Huangpu Square.

Xintiandi Backalley Shanghai Alleys Shanghai Coffee

Lässig ist auch der Moganshan Road Art District (M50) im Norden des historischen Stadtkerns. Hier findet ihr mehrere Kunstgalerien, die kostenfrei besucht werden können.

M25 Shanghai

Do: Fein Essen gehen

When in Shanghai… esst Dumplings! Eine gute Dumpling-Auswahl bietet die taiwanesische Restaurantkette Din Tai Fung. In der Nähe des People’s Square lockt Jia Jia Tang Bao mit guten Bewertungen zahlreiche Dumpling-Fans an. Die Schlange vor dem kleinen Restaurant war gut 50m lang und bewegte sich gefühlt nicht vorwärts. Direkt vis-à-vis befindet sich Yang’s Fry Dumpling, wo es meiner Meinung ebenfalls sehr leckere frittierte Dumplings gibt.

Nebst gutem Street Food bietet Shanghai eine ebenso breite Palette an veritablen Fine Dining Optionen. Wer den Fokus auf die chinesische Küche setzt, der ist im Hakkasan direkt am Bund am richtigen Ort. Wir haben hier online einen Tisch reserviert und à la Carte eine Auswahl an kantonesischen Spezialitäten bestellt. Fazit: netter Service, gutes Essen und ein okay Preis-Leistungsverhältnis (wir haben zu zweit 170 CHF fürs Abendessen bezahlt).

Hakkasan Shanghai Gourmet

Don’t: Blue Hour Fotos am Bund einplanen

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber wenn ich eine Stadt besuche, dann habe ich meist ein, zwei fixe Fotomotive im Kopf. Dazu gehörte in Shanghai ein Blue Hour Bild vom Bund Richtung beleuchtete Pudong Skyline. Als wir jedoch in der Dämmerung von der Nanjing East Road Metrostation mit Stativ Richtung Bund marschieren, merken wir rasch, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee sind. Schier unglaubliche Massen strömen Richtung Bund. Die Strassen sind für den Verkehr gesperrt und Polizisten weisen uns lautstark den Weg. Irgendwo schnell die Strasse queren: Fehlanzeige! Es herrscht auf den Gehsteigen ein striktes Einbahnsystem und je näher wir dem Bund kommen desto unwirklicher erscheint mir die Situation. «Ist heute irgendein spezieller Anlass», versuche ich mir den Menschenauflauf zu erklären. In Zürich sind höchstens beim Neujahrsfeuerwerk so viele Menschen gleichzeitig ums Seebecken unterwegs. Später erfahre ich, dass sich dieses Spektakel (damit meine ich den Menschenauflauf) tatsächlich jeden Tag so abspielt; Beinahe faszinierender als die beleuchtete Skyline (und Stativ aufstellen könnt ihr eh vergessen). Wesentlich entspannter geht es dagegen auf der Dachterrasse der Bar Rouge zu und her. Hier nippen wir an einem Cocktail und schauen uns das Schauspiel noch einmal in aller Ruhe aus der Vogelperspektive an.

Menschenauflauf Bund Shanghai Blue Hour Bund Shanghai

Praktische Reisetipps für Shanghai

  • Wir sind vom Flughafen Shanghai Pudong mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren. Für die rund eine Stunde Fahrzeit haben wir 240 Yuan bezahlt (rund 35 CHF). Die Taxis haben in der Regel einen Taxometer.
  • Wesentlich günstiger ist die Fahrt mit der Metro in die Innenstadt. Hierfür muss man bei der Station Guanglan Road einmal umsteigen (Line 2 East Extension Line). Mit der Metro dauert die Fahrt gut 1.5 Stunden.
  • Für Metrofahrten löst man am besten Einzeltickets. Hierfür am Automaten einfach den Ausgangsort und Zielort (unabhängig davon ob die Linie wechselt oder nicht) auswählen. Eine Einzelfahrt kostet je nach Distanz zwischen 3 bis 9 Yuan.
  • An den Eingängen zu den Metros wird überall mit Metalldetektoren kontrolliert. Einfach Tasche aufs Band legen und durchlaufen.
  • Für drei Nächte haben wir im Urbn Boutique Hotel für ein Doppelzimmer ohne Frühstück 600 CHF bezahlt. Ich fand das Hotel sehr lässig.

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